Stolpersteine bald auch in Bruchsal

DruckversionPer e-Mail versenden
Donnerstag, 20. März 2014 - 12:52

Als vierter Punkt stand auf der Agenda der Gemeinderatssitzung vom vergangenen Dienstag, 18. März 2014, die „Schaffung einer Erinnerungsstätte an die Opfer des Nationalsozialismus“

Dieser Tagesordnungspunkt wurde eingeleitet von Hauptamtsleiter Wolfgang Müller, der in einer beeindruckenden Powerpoint-Präsentation die Orte vorstellte, an denen in Bruchsal und den Stadtteilen bereits an Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird. Bei der Vorstellung der Präsentation verwies er darauf, dass Erinnerungskultur kein statischer Prozess sein könne und schlug dem Gemeinderat vor, dem Beschlussantrag zur Vorlage eines Konzeptes zur Sanierung der Taharahalle und eventuellem Ausbau zu einer Gedenkstätte – wobei eine Entscheidung über eine Sanierung grundsätzlich losgelöst sei von Überlegungen zu einer Gedenkstätte - sowie die privaten Initiativen zur Verlegung von „Stolpersteinen“ im öffentlichen Verkehrsraum und damit einer dezentralen Gedenkstätte mitzutragen.

Gemeinderat Raimund Glastetter von der CDU-Fraktion unterstrich in seinem Vortrag, dass Erinnerung in Bruchsal überall präsent sei und verwies nochmals darauf, „was in der Vergangenheit schon getan wurde.“ Seine Würdigung der verschiedenen Orte der Erinnerungskultur schloss er mit der Bemerkung, dass jede Generation in Deutschland aufgerufen sei, ihre Form des Erinnerns zu finden. Daher sei es richtig, an die Realisierung der beiden von der Stadtverwaltung vorgelegten Projekte zu gehen. Für die CDU-Fraktion sei es keine Frage, dass das Taharahaus aus seinem „Dornröschenschlaf“ geholt werden müsse, „da muss was geschehen.“ Daher finde der Vorschlag zur Sanierung der Taharahalle die volle Zustimmung der Fraktion. Was allerdings fehle, sei eine explizite Namensnennung aller Opfer. Der Vorschlag nach der Verlegung von Stolpersteinen sei richtig. Der Vorteil von Stolpersteinen sei, dass diese sich in vielen Jahren ansammelten und ideal wäre, dass das Lesen der Inschrift der Stolpersteine eine „symbolische Verneigung“ erfordere. Die Bevölkerung müsse bei dem Projekt beteiligt werden. Die CDU stimme einstimmig für das Taharahaus und mehrheitlich für die Stolpersteine.

Ähnlich äußerte sich für die SPD-Fraktion Anja Krug, die die Verlegung von Stolpersteinen für ihre Fraktion ebenfalls begrüßte und darauf verwies, dass Helga Langrock schon vor vier Jahren Stolpersteine forderte. Sie berichtete von ihrem tief beeindruckenden, aber auch verstörenden Besuch von Yad Vashem, wo sie unsere deutsche Vergangenheit einholte. Die Nationalsozialisten hätten es nicht geschafft, unsere früheren Mitbürger aus unserer Erinnerung zu löschen, „das Gegenteil zum Vergessen ist passiert.“ Ein wichtiges Anliegen von Anja Krug war, dass die Schulen in Stolpersteinaktionen eingebunden werden, wie dies auch in Bretten geschehe. Die SPD stimme der Vorlage einstimmig zu.

Für die Freien Wähler bekundete Stadtrat Johann Gaugenrieder für seine Fraktion die Zustimmung, zeigte sich aber ein wenig skeptisch hinsichtlich einer zentralen Gedenkstätte.

FDP-Stadtrat Hans Ribstein verwies auf die moderaten Kosten eines Stolpersteines für private Spender in Höhe von 120 Euro und stimmte der Vorlage für seine Fraktion ebenfalls zu.

Ruth Birkle von der Fraktion DieGrünen/NeueKöpfe merkte an, dass in der Präsentation der Rundgang zu jüdischen Stätten in Untergrombach fehle und stimmte der Vorlage zu. Sie verwies darauf, dass sie eine zentrale Gedenkstätte an der Stelle der früheren Synagoge (heute Feuerwehrhaus) befürworte.

Der Sanierung des Taharahauses wurde einstimmig zugestimmt, Bei der Abstimmung zu den Stolpersteinen gab es eine Gegenstimme und eine Enthaltung.

 

-----

 

In ihrer Vorlage schreibt die Stadtverwaltung, dass „zur organisatorischen Durchführung der Stolperstein-Idee“ sich die Bürgerstiftung Bruchsal bereit erklärt hat, die finanzielle Seite durch Einwerbung, Einnahme und Ausstellung von Spendenbescheinigungen zu übernehmen. Eine richtige Entscheidung, um das Projekt zu beginnen. Sinnvoll wäre mittelfristig jedoch, das bürgerschaftliche Element dieser Aktion dadurch zu unterstreichen, dass, wie in anderen Städten auch, dieses Engagement durch beispielsweise einen Verein oder eine Gruppe von Interessierten getragen wird, wie beispielsweise die Initiative Heidelberger Stolpersteine. Hier bleibt abzuwarten, wie die Möglichkeit, nunmehr auch in Bruchsal mit Stolpersteinen Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken, angenommen wird.

 

Die ersten vier Stolpersteine werden für die Bruchsaler Familie Sicher verlegt werden:

Stolpersteine bringen die Namen an den Ort zurück, wo die ermordeten Menschen zuletzt freiwillig lebten


Vorschläge für die Gestaltung des Taharahauses:

Das Bruchsaler Taharahaus als Gedenkstätte


Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.6 (8 Bewertungen)

Kommentare

Stolpersteine

Es hat eine Weile gedauert bis Bruchsal sich entschieden hat ; aber besser spät als nie. Wie schon im Herbst letzten Jahres , per Kommentar in Bruchsal .org ,angekündigt, befürworte ich die Verlegung von Stolpersteinen in Bruchsal und so werden sich meine Frau und ich mit einer Spende von 120 Euro, für die Verlegung eines Stolpersteines, an der Aktion beteiligen. Vielleicht ist Bruchsal.org so nett und macht die Spendennummer öffentlich sobald bekannt.

Kann mir der Autor sagen,

Kann mir der Autor sagen, ueber welche Anzahl von Stolpersteinen fuer Bruchsal wir in etwa reden ?

Stolpersteine

Friedensinitiative Bruchsal
Wir begrüßen sehr den Beschluss der Stadt Bruchsal zur Verlegung von Stolpersteinen und werden die Aktionen mit unseren möglichen Mitteln unterstützen.
Die Aktion "Stolpersteine" ist unseres Erachtens für mehre Jahre anzusetzen, da es sich hierbei um mehr als 100 Menschen aus Bruchsal handelt, die während des Faschismus ihr Leben lassen mussten.

Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen