Jüdische Kirchenmusik des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt

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Außergewöhnliches Konzert am 9. November in der Lutherkirche
Samstag, 2. November 2013 - 12:42

Bruchsal (tam). Es dürfte konzeptionell eines der außergewöhnlichsten Konzerte der letzten Jahre sein: Zur Erinnerung an den 75. Jahrestag der Pogromnacht von 1938 führt der Projektchor Bruchsaler Synagoge unter Leitung von Cordula Yim am Samstag, 9. November um 16 Uhr in der Lutherkirche selten gespielte kirchenmusikalische Werke jüdischer Komponisten des 19. Jahrhunderts auf. Neben Yim und Winfried Mackert an der Orgel wirken als Solisten Pál Dávid (Geige), Susann Mientus (Sopran) und Jens Skibbe (Tenor) mit. Für die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Gemeinden in Bruchsal spricht Pfarrer Achim Schowalter einführende Worte. Der Eintritt zum Konzert ist frei.

Cordula Yim

Cordula Yim, die Leiterin des Projektchores Bruchsaler Synagoge, an der Orgel. Foto: pr

Auf dem Programm stehen Kompositionen von Moritz Deutsch, Josef Löw, Israel Goldfarb und dem österreichischen Kantor Salomon Sulzer. Vor allem aber von Louis Lewandowski, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch eine Neubelebung der jüdischen Liturgie bekannt und seiner Chorkompositionen wegen als „Mendelssohn der Synagogalmusik“ bezeichnet wurde. Traditionell hatte es für Musikinstrumente in Synagogen keinen Platz gegeben, zugelassen war allein die Leitung des Gottesdienstes durch den Vorbeter. Entsprechend wurde jüdische Musik jahrhundertelang nicht schriftlich aufgezeichnet, sondern nur mündlich weitergegeben. Lewandowskis Wirken fiel in eine Zeit, in der liberale Gemeinden gegen die als überholt empfundenen bisherigen Grundsätze aufbegehrten und sich für neue Anregungen öffneten. Orgel und Gemeindegesang fanden Eingang in jüdische Gotteshäuser. Mit Lewandowski und Sulzer erlangte die jüdische Sakralmusik zwischen 1830 und 1880 einerseits Anschluss an die moderne europäische Musikentwicklung, andererseits machten diese Komponisten tradierte jüdische Melodien durch ihre musikalischen Arrangements auch bei einem nichtjüdischen Hörerkreis populär.

Der Aufführung am 9. November folgen am selben Abend ein öffentliches Gedenken vor dem ehemaligen Standort der Synagoge beim Feuerwehrhaus (im direkten Anschluss an das Konzert gegen 17.30 Uhr) und eine Ausstellungseröffnung mit Vortrag im Rathaus am Marktplatz (19 Uhr). Hierbei stehen insbesondere die Geschichte und Architektur der einstigen Bruchsaler Synagoge im Mittelpunkt.

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