Gleich vier große Ereignisse der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts fanden an einem 9. November statt

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Dienstag, 9. November 2010 - 16:56

Bruchsal, 9. November 1918:

Lukas

»Am Morgen des 9. November treffen mit dem Schnellzug 9.42 von Heidelberg kommend, eine Reihe Matrosen ein, die rote Rosetten und Schleifen tragen. Was sie wollen, ist noch unklar. Dass in Kiel bereits die Revolution herrscht, kennen wir aus den Zeitungen. Bis jetzt weiß man eigentlich gar nichts. Der Schnellzug ist ziemlich besetzt mit Matrosen, die an allen Garnisonstädten um einige abnehmen. Am 9. November 1918 geht es gegen Abend schon in der Stadt lebhafter zu als sonst. In den einzelnen Wirtshäusern hört man singen und Musik spielen, was sonst um die frühe Abendstunde - 6 bis 7 Uhr - nicht der Fall ist. Die bange Frage: Was wird werden? wird vielfach diskutiert. Die unsinnigsten Gerüchte gehen durch die Luft. Um 7 Uhr wird K. zum Oberbürgermeister gerufen, wo er erklärt: falls ein Soldatenrat gegründet würde, schlösse sich die sozialdemokratische Partei an und gedenke auch, die Bewegung in ruhige Bahnen zu leiten. Offiziell weiß K. als Parteivorsitzender noch nichts!« (aus: Bruchsal - zwischen Grauen und Tag, Bruchsal 1919)

 

Bruchsal, 9. November 1938:

Synagoge Bruchsal

Bruchsaler Synagoge

»Das ruchlose Verbrechen des Juden Grünspan ... führte ... auch in Bruchsal in der Nacht vom 9. auf den 10. November zu spontanen antijüdischen Kundgebungen, wobei die Bevölkerung ihrem Abscheu über die frechen Anmaßungen des Judentums lebhaften Ausdruck gab. Vor den jüdischen Geschäftshäusern sammelten sich die empörten Menschen und zerstörten im gerechten Zorn die Fensterscheiben. ... In den frühen Morgenstunden des gestrigen Donnerstag ging die Synagoge in Flammen auf. Am Abend wurden die in Schutzhaft genommenen Juden unter Pfuirufen der Menge abtransportiert.« (aus: Bruchsaler Neue Zeitung vom 11. November, die den Pogrom als Volksempörung darstellt.)

 

Stefan Sasse schreibt beim Spiegelfechter: "Zu sagen, dass Deutschland das 20. Jahrhundert entscheidend mitgeprägt hat, dürfte keine Übertreibung sein. Zwei Weltkriege gingen von seinem Boden aus, der größte organisierte Völkermord der Weltgeschichte, und für 50 Jahre war es Schlachtfeld des Ost-West-Konflikts und beständiger Brennpunkt des atomaren Zeitalters. Gleich vier große Ereignisse der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts fanden an einem 9. November statt. Diese geschichtlichen Ereignisse sind: der Beginn der Revolution von 1918/19, der Hitlerputsch 1923, die Reichsprogromnacht 1938 und der Mauerfall 1989. Das erste und das letzte Ereignis sind zufällig an diesem Tag geschehen. Die beiden mittleren waren eine Reaktion auf den ersten."

Zum Weiterlesen: Der 9. November – ein deutscher Tag in einem deutschen Jahrhundert.

Der '9. November in Deutschland' bei Wikipedia, mit Zeittafel

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Kommentare

Auch am 09. November

erfolgte die bisher längste Verzögerung eines Castortransportes nach Gorleben. Dank der 50.000 Demonstranten, denen man größten Respekt zollen muss. Auch das wird in den Geschichtsbüchern vermerkt werden. 

Dank den 50.000 Demonstranten...

...die den Steuerzahler ca. 50 Millionen €uro extra kosten, zusätzlich dem liegengebliebenen Müll an der Strecke.

Oh Herr Gast,

diese "ca. 50 Millionen €uro" sind nichts im Vergleich zu dem, was die aktuelle Politik den Energiekonzernen an steuerfreien Zusatzgewinnen schenkt. Diese produzieren Atommüll, der hundertausende von Jahren hochgiftig bleibt und hunderte von Generationen einen verseuchten Landstrich hinterlässt. Diese Konzerne sollten zu 100% an den "Entsorgungskosten" beteiligt werden, dann würden sie vielleicht endlich kapieren, dass sich Atomkraft nicht rechnet.

Herr Wallisch...

... 50 Mio sind nicht viel, aber Kleinvieh macht auch Mist. So wie Sie daherschwätzen, scheinen Sie genug zu haben. Sie können auch gerne die Konzerne an den Beseitigungskosten für den atomaren Müll beteiligen. Wenn Sie dann allen Endverbrauchern die Mehrkosten für den Strompreis erstatten, das sind dann wahrscheinlich mehr als 50 Mio, wäre ich Ihrer Ansicht. Und für die aktuelle Politik, wie auch die vergangene, ist jeder selbst verantwortlich.

@Gast

Also im Vergleich mit den zu erwartenden Gewinnen der vier beteiligten Konzerne (im Bundestag war die Rede von mind.67 Mrd) sind diese 50 Mio tatsächlich Peanuts.
Wer zugunsten einer Klientelpolitik einen gesellschaftspolitischen Konsens dermassen leichtfertig über den Haufen wirft wie Schwarz-gelb das getan hat, der muss eben mit den zu erwartenden Folgen leben ( und seinen Wählern die Mehrkosten erklären).

@[email protected]

...Besser machen. Kosntruktive Vorschläge, wo bitte? Oder gleich in die Politik gehen und dem Volk plausibel machen - Es gibt ab sofort nur noch "Grünen Strom".
... Dann warten und in Deckung gehen.
Sonst bleibt es wie es ist - die Kosten trägt der Steuerzahler! Auch die 50 Mio € zahlt kein Konzern. Ich wäre froh ich hätte das Geld!

Das Thema lautet: Der 9. November in Deutschland!

Und nicht Castor-Transportkosten.
Denkt dran, Leute.

@Augur

Sie haben natürlich vollkommen recht, ich werde beim Castor-Thema dazu antworten und hoffe mal, daß es dort gefunden wird... Vielleicht mag sich ja noch jemand beteiligen, ist ja nicht uninteressant ;-)

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