Zusätzliche freiwillige Pflegeversicherung abschließen?

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Es lebe der Selbstvorsorger
Freitag, 19. September 2014 - 14:37

Ich staune nicht schlecht, als ich meine Post öffne, meine Krankenversicherung möchte mir ein Angebot unterbreiten, dass ich sonst nur von mehr oder weniger allgemein bekannten Versicherungsgesellschaften unterbreitet bekomme. Ich soll durch die mtl. und sehr wahrscheinlich lebenslange Zahlung eines freiwilligen zusätzlichen Beitrags zur Pflegeversicherung mein Restkostenrisiko absichern.

Erstmal muss ich überlegen, ich bin doch ohnehin schon über meine gesetzliche Krankenversicherung pflegeversichert. Ja klar, man hat schon mal gehört, dass es Leute geben soll – so genau weiß das keiner – die durch die Zahlung von hohen Zuzahlungen zu Pflegegeldern selbst arm geworden sind oder die jeweiligen pflegebedürftigen Eltern mussten ihr sauer Erspartes dafür opfern.

Ist es aber fair, dass der Staat uns unter dem Deckmantel einer gesetzlichen (Zwangs-) Versicherung zu etwas verpflichtet, wo wir im Endeffekt selbst noch dazuzahlen müssen? Die Vorteile einer zusätzlichen Krankenversicherung (zur bevorzugten Behandlung bei Ärzten) oder einer zusätzlichen Rentenversicherung (mehr Rente im Alter) liegen auf der Hand. Wer mit seinem gesetzlichen Krankengeld oder seiner gesetzlichen Rente nicht auskommt, muss sich halt einschränken und ggf. nachdem er sprichwörtlich „auf die Nase gefallen ist“ noch was tun. Hier wird einem aber nicht gleich die Lebensgrundlage entzogen. Im Berechnungsbeispiel, dass im Anschreiben aufgezeigt wird, zahlt die gesetzliche Pfelgeversicherung höchstens 1.500,00 € mtl. an Kosten. Wenn die Behandlung aber dann beispielsweise in der höchsten Pflegestufe 3.000,00 € mtl. kostet, macht man somit monatlich ein Minus von 1.500,00 €. Hier sind schnell Sparguthaben aufgebraucht oder es muß bereits das Eigentum verkauft werden. Wie läuft es aber bei denjenigen, die gar kein Einkommen oder Eigentum haben, werden diese dann nur zur Hälfte gepflegt? Warum also – ich wiederhole die Frage von oben noch einmal – bietet uns der Staat eine Absicherung, die gar keine ist und Zusatzkosten müssen aus der eigenen Tasche bestritten werden. Sollten dann nicht auch die Beiträge so steigen, dass wir alle zu 100 % abgesichert wären?

Nun fällt mir auch wieder ein, dass man häufiger hört, dass auch Zuzahlungen zu Medikamenten oder zu manchen Behandlungen von den Patienten selbst zu tragen sind, allenfalls zahlen die öffentlichen Kassen hierzu einen Zuschuss. Hier merkt man dann doch, wie krank unser Sozialsystem schon ist, wenn der Kranke auch gleichzeitig ein hohes Armutsrisiko trägt. Immer wieder hört man allerdings auch, diese Leute seien selbst schuld, sie hätten jahrzehntelang ungesund gelebt und nun käme halt die Quittung. Stimmt das auch immer so? – Ich glaube es nicht.

Soll man jetzt eine solche zusätzliche Pflegeversicherung abschließen, oder lieber hoffen, dass man gleich tot ist, wenn einem etwas passiert, zumal ja die Zustände in deutschen Pflegeheimen häufig auch zu wünschen übrig lassen. Einige Internetportale befürworten die freiwillige Zusatzversicherung, dies sei eine prima Sache. Andere merken an, dass in den Paketen zu wenig Leistung stecken würde. Teils wird auch damit geworben, die zusätzliche Versicherung sei steuerlich absetzbar. Andererseits wird davor gewarnt die Beiträge könnten exorbitant steigen (wenn man sich nicht gleich versichert) oder es würde gar schon die Zeitbombe ticken. Unter solchem Druck schliesst man nicht gerne einen Vertrag ab.

Was braucht man nicht alles an Versicherungen. Zu einer Privat-Haftpflicht wird einem dringend geraten, selbst die eigenen spielenden Kinder könnten ungewollt und fahrlässig Millionenschäden verursachen, für die man als Elternteil haftbar wäre. Das Eigenheim wäre somit schnell weg, die Zukunft für immer verbaut. Rechtsschutz -, Hausrat-, KFZ- und Lebensversicherungen sollte man neben Investment – und Riesterfonds genauso abschliessen wie auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Da hoffen wir doch mal, dass wir die hierfür fälligen Unsummen mit unseren Niedriglöhnen aufbringen können.

Der Dokumentarfilmer Andreas Kieling spricht in Bezug auf die zivilisierten Länder immer von einem „Full Size Airbag“ der uns umgibt. In versicherungstechnischer Hinsicht leben wir eher kurz vor dem Armageddon. Vielleicht braucht der ein-oder andere auch ein bisschen noch den Nervenkitzel, dass man ein gewisses Risiko eingeht. Soll ich jetzt – oder soll ich lieber doch nicht?

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Kommentare

Versicherungen...

... sind ein sehr einträgliches Geschäft für die Versicherer und Banken. Die gewählten und verantwortlichen Politiker haben OHNE Not - nur mit der fandenscheinigen Begründung der Senkung der Lohnnebenkosten - die gesetzliche Rentenversicherung zerstört. Aus der Rentenkasse wurde die Übernahme der ehemaligen DDR finanziert. Hat man jemals diese Geld an die Rentenkasse zurückbezahlt? NEIN !!! Riester- und Rüruprente heißen die sogenannten Alternativen für das "dumme" Volk. Ebenso wie die Kapitallebensversicherung - des Deutschen liebste Anlageform - halte ich die Riesterrente für legalisierten Betrug. Trotzdem glauben die Deutschen ihren Versicherungsverkäufern, die nur ihr Bestes wollen - ihre Kohle. Deshalb hat man auch eine staatlich geförderte Pfelgeversicherung ins Leben gerufen - mit 5 Euro ist der Staat dabei, damit soll der deutsche Michel motiviert werden eine Pflegeversicherung abzuschließen. Das Häusle könnte ja mal irgendwann weg sein. Und die Notleidende Versicherungsindustrie hätte ja kein zusatzeinkommen...
NIEMAND braucht eine Privathaftpflicht, es sei denn man hat Kinder. Ich persönlich hatte 7 Jahre eine solche Versicherung, als ich die Versicherung in anspruch nehmen wollte wurde mein Wunsch abgelehnt. Danach habe ich gekündigt. Was der Versicherungsvertreter sehr bedauert hat.
Jeder ist für sich selbst verantwortlich und darf natürlich auch sein sauer verdientes Geld zu Banken und Versicherungen tragen. Ich tue es NICHT.

Haftpflichtversicherung bracht jeder!

Die Haftpflichtversicherung braucht jeder, egal ob mit oder ohne Kinder. Auch als Fussgänger oder Fahrradfahrer kann man Unfälle verursachen, für die man haftet. Die Haftpflichtversicherung sollte auch bei Jahresbeiträgen ab 40 EUR kein Thema sein. Alles andere ist dummes Zeug.

Wir wollen doch nur...

...ihr Bestes. Wir wollen doch nur ihr Geld. Ihr Geld ist aber nicht ganz weg, es hat nur jemand Anderes. Diese Sprüche müssten eigentlich bekannt sein für den zahlenden Michel...

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