Zum 20. Mal "Unwort des Jahres" gewählt

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Dienstag, 18. Januar 2011 - 18:13

Das Unwort des Jahres 2010 heißt

Alternativlos

Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe. Behauptungen dieser Art sind 2010 zu oft aufgestellt worden, sie drohen, die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung zu verstärken.

Die Jury kritisiert außerdem die Formulierungen

Integrationsverweigerer

Das von Bundesinnenminister de Maizière in Umlauf gebrachte Wort verbreitet die Unterstellung, dass Migranten in größerem Umfang selbst ihre Integration verweigerten. Dass für eine solche Behauptung noch immer eine sichere Datenbasis fehlt und dass der Staat seinerseits für die Integration noch zu wenig tut, wird in den entsprechenden Debatten meist ausgeblendet.

Geschwätz des Augenblicks

Mit dieser Formulierung versuchte der Dekan des Kardinalskollegiums Angelo Sodano in der Ostermesse des Papstes 2010 die massiven Vorwürfe sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche beiseite zu schieben.

 

Die Wahl eines „Unworts des Jahres" erfolgte zum 20. Mal. Begründet wurde diese sprachkritische Aktion 1991. Diesmal hatten sich 1.123 Einsenderinnen und Einsender aus dem In- und Ausland mit 624 verschiedenen Vorschlägen beteiligt.

Der Jury für das Unwort des Jahres 2010 gehörten an die vier ständigen Mitglieder Prof. Dr. Margot Heinemann (Leipzig), Prof. Dr. Nina Janich (Darmstadt), der Sprecher der Jury Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser (Frankfurt a.M.) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Trier). Vertreter der Sprachpraxis waren diesmal Dr. Ruth Fühner, Journalistin hr 2 (Frankfurt a.M.), und Prof. Dr. Hellmuth Karasek, Autor und Literaturkritiker (Hamburg).

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Zeitgleich wird in Düsseldorf für 2010 das 10. Börsen-Unwort bekannt gegeben. Es lautet:

Euro-Rettungsschirm

Kritisiert werden Wortwahl und Wortbildung, die falsche, sogar illusionäre Assoziationen wecken könnten. Finanztechnisch handele es sich eher um eine „Notkreditlinie auf Zeit".

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