Wir klagen an ...

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Mittwoch, 30. Juli 2014 - 22:10

Der nachstehende Text stammt vom Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR). Mit über 80 Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit setzt sich der Koordinierungsrat ein für die Verständigung zwischen Christen und Juden, den Kampf gegen Antisemitismus und Rechtsradikalismus sowie für ein friedliches Zusammenleben der Völker und Religionen.

Seit Gründung des Deutschen Koordinierungsrates im Jahre 1949 übernahm der jeweils amtierende Bundespräsident die Schirmherrschaft über den DKR. Mit Ausnahme von Bundespräsident Karl Carstens, dem aufgrund seiner Rolle während des Nationalsozialismus die Schirmherrschaft seitens des DKR nicht angetragen wurde, haben alle Bundespräsidenten diese Aufgabe stets mit viel Sympathie und Unterstützung für die Ziele und Aufgaben der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit übernommen - so auch der jetzige Bundespräsident Joachim Gauck.

 

Wir klagen an…

Die Bilder der Zerstörung in Gaza sind erschütternd. Die Bilder trauernder Mütter und Väter, die über den Tod ihrer Kinder weinen, die Verzweiflung von Kindern, die den Tod ihrer Eltern beklagen, lassen kein menschliches Herz unberührt. Die grausame Fratze von Krieg und Gewalt treffen ins Mark eines jeden Menschen, der noch über einen Funken Mitgefühl verfügt. Die menschliche Klage über Leid und Kummer, Verlust und Tod muss in eine politische Anklage münden, die jene haftbar macht, die dem grausamen Spiel von Tod und Vernichtung den Weg ebnen.

Deshalb klagen wir an
den religiös kaschierten Vernichtungswillen der islamistischen Hamas, die seit Jahren den Weg der Gewalt geht und mit unaufhörlichem Raketenbeschuss die Bevölkerung Israels in Angst und Schrecken versetzt und mit dem Tod bedroht; die Haß und Verachtung gegenüber einer ganzen Volksgruppe, dem Volk der Juden, als religiöse Tugend verkauft und die gewaltsame Vernichtung eines ganzen Volkes, des Volks der Juden, als Ausdruck gottgewollter Frömmigkeit predigt.

Wir klagen an
die menschenverachtende Strategie der Hamas, die eigene Bevölkerung in Schutzhaft zu nehmen und deren Tod aus politischem Kalkül billigend in Kauf zu nehmen und zur Propaganda zu mißbrauchen.

Wir klagen an
jene politischen Kräfte in der freien, pluralen und demokratischen Welt, die der menschenverachtenden Politik und Hetze der Hamas und anderer islamistischer Fundamentalisten nicht mit aller Entschiedenheit entgegentreten und stattdessen das freie, plurale und demokratische Israel in seinem Überlebens- und Abwehrkampf sich selbst überlassen.

Wir klagen an
die gefährliche Naivität all jener, die glauben, Raketen allein mit Dialog, Gewalt allein mit Willfährigkeit, Terror allein mit Friedensparolen abwehren zu können.

Wir klagen an
die ideologische und politische Willfährigkeit all jener im freien Westen, die Freiheit für die Feinde der Freiheit fordern, die Recht für die Gegner des Rechts einklagen, die Toleranz gegenüber den Predigern der Intoleranz fordern und mithin die Brandstifter zu Biedermännern verklären.

Wir klagen an
die geschichtsvergessene Ideologie in Teilen der politischen Linken und bei all jenen auf den Straßen Europas, die in gefährlicher Verkehrung von Opfer und Täter die terroristische Hamas zum Opfer und das demokratische Israel zum Täter erklärt, die den Angreifer auf Freiheit, Pluralität und Menschenwürde zum Opfer und Rebellen verbrämt und den Angegriffenen in seiner Verteidigung von Freiheit, Pluralität und Menschenwürde zum Täter stigmatisiert.

Wir klagen an
all jene Bürger in Deutschland, die sich mit diesen Verbalterroristen solidarisieren und auf der Straße antisemitische Hassparolen mitgrölen und offenbar vergessen haben, dass schon einmal auf diesem Boden und in unserem Land Judenhass und Judenfeindschaft zum Tod von Millionen von Menschen geführt haben.

Wir klagen an
uns alle, die wir in gespenstischer Fixierung auf Israel und Palästina taten- und gefühlslos zusehen, wie in einem religiös verbrämten Bürgerkrieg in Syrien Hunderttausende Menschen sterben, die uns offenbar keine Demonstration wert sind - und wir klagen an uns alle, die wir taten- und gefühllos zusehen, wie Abertausende Christen von islamistischen Terroristen aus dem Irak und Syrien vertrieben werden, was uns offenbar ebenfalls keine Demonstration wert ist.

Bad Nauheim, 29. Juli 2014

Dr. Eva Schulz-Jander
Landesrabbiner em. Dr. Henry G. Brandt

(Präsidium)

sowie der Vorstand des Deutschen Koordinierungsrates
der Gesellschaften für christlich jüdische Zusammenarbeit

 

Deutscher Koordinierungsrat

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Kommentare

Wir klagen an...

...bisher war ich immer der Meinung, nur der Staatsanwalt könnte Anklage erheben.
Hat sich da etwas geändert, oder gehört diese "wichtige Mitteilung" zum Gutmenschentum? Und nicht einmal Glatzköpfe mit tätowierten Hakenkreuzen waren auf den Brülldemos gegen die Juden dabei... Da hätte die deutsche Politik wenigstens einen Ansatzpunkt um tätig zu werden...

Denn alle Solidaritätserklärungen sind Makulatur, wenn den Worten keine Taten folgen: Judenhetzer einsperren, Islamisten ausweisen. Und keinerlei gemeinsame Aktionen (mehr) mit den Feinden Israels! Das hilft auch jenen Muslimen, die bei uns bestens integriert und herzlich willkommen sind.
IDEA-Spektrum, Ausgabe 31

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