Wie der Zar von Rußland in Bruchsal beinahe Forellen gegessen hätte

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Nach einer Anekdote aus den 1870er Jahren
Mittwoch, 19. Juni 2013 - 17:50
Alexander

De Ferdnand Keller, der wu friher d'Wertschaft am alda Baahof ghatt hat, isch emol net schlecht vaschrogge. Da bringt en Poschtbott e Debesch, wo drinn gschdanne isch, da de russisch Zar dorch Brusl fahre dät unn zum Middagesse Forelle in seim Salonwage serviert hawe mecht. - Awer Forelle, des hat's domols in Brusl noch net gewwe. - Doch de Ferdnand waiß sich zu helfe. Wie de Salonzug eifährt, do saust em Ferdnand sei Piccolo mitere große Blatt voll Fisch üwer d'Glais unn de Ferdnand hinne noch. De Zar schteht mit seim Hofmarschall schunn am Fenschter un frait sich uff sei Forelle. - Uff oimol glebberts, em Ferdnand sei Piccolo fliegt gschregdelängs no, unn in hochem Boge fliege aa d'Fisch unn d'Grumbiire mitsamt em Salat unner de Zug. „Du Lalle!“ schreit do de Ferdnand unn haugt seim Piccolo oine uff d'Backe. „Entschuldige Majestät, awer valleicht derf ich e Koddlett als Ersatz bringe?“ Do lacht der Zar, unn schunn saust em Ferdnand sei Piccolo wie e Kugl aus'm Rohr niwwer unn holt d'Koddlett. De Zar hat em nochher noch e „Schmerzensgeld“ gewwe, unn wo de Zug abgfahre isch, do hat de Ferdnand sei schwarzseides Käppel glupft. „Schorsch“, hat'r nochher zu seim Piccolo gsagt, „des hasch gut gmacht. Do hasch vun mir noch en Daaler.“

Unn so senn alle drei z'fridde gwest, de Zar, de Ferdnand unn de Schorsch!

 

Wer der Piccolo (Kellner) namens Schorsch war ist nicht überliefert. Ferdinand Keller ist aber bis heute eine bekannte Bruchsaler Persönlichkeit, allein schon durch den Ferdinand-Keller-Brunnen, der im Stadtgarten steht.

Keller

Ferdinand Keller

Ferdinand Keller wurde am 11. Februar 1836 als Sohn des Gastwirts und Stadtrats Johann Keller geboren. Er übernahm im Jahre 1865 von seinem Vater die Bruchsaler Bahnhofswirtschaft. Keller war für seinen oftmals derben Witz, aber auch für seine Schlag- fertigkeit bekannt. Eine seiner herausragenden Leistungen für Bruchsal war, zusammen mit anderen Bürgern der Stadt den alten Brauch des Sommer- tagsumzuges wieder zum Leben erweckt zu haben. 1902 fand der erste Sommertagsumzug mit Musikkapellen, Butzenmännern und vielen Wagen statt. Keller starb am 21. Juni 1906 im Alter von 70 Jahren in Bruchsal. Der Ferdinand-Keller-Brunnen wurde von seiner Familie zum ehrenden Andenken an ihn gestiftet.

Debesch = Telegramm

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Kommentare

Forellen

I read the interesting story Wie der Zar von Rußland in Bruchsal beinahe Forellen gegessen hätte. I was so pleased to read that story because it had been told me repeatedly by my mother and I believe also by my grandmother. There was only one difference. As told to me, it was not the Zar but the Großherzog http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I._%28Baden,_Gro%C3%9Fherzog%29 von Baden .

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