Wie ich ein Plagiat erstelle

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Wer nicht abschreibt, ist der Dumme?
Freitag, 25. Februar 2011 - 14:46

Wir haben nicht nur politische oder sonstige Krisen, nein, es gibt auch eine "Abschreibkrise", und das nicht erst heute. Auch in früheren Jahrhunderten wurde im wissenschaftlichen Betrieb abgeschrieben, was das Zeug hält, da hier
schon immer nach der Methode des Zitierens und Belegens gearbeitet wird. An dieser Einstellung scheint sich nichts geändert zu haben: 90% von 226 Leipziger Studenten, die im Rahmen einer Abschlußarbeit befragt wurden, gaben an, daß sie für Hausarbeiten unerlaubt fremde Texte kopieren würden. Ähnliche Zahlen ergaben sich in wissenschaftlichen Studien und weiteren Umfragen im In- und Ausland. Das ist erschreckend, hält man sich die Qualität unserer akademischen Elite vor Augen: Abschreiben ist ein Zeichen dafür, daß das Lernziel (selber denken und formulieren) verfehlt wurde. Somit hat der Studierende nichts gelernt, der Dozent ist getäuscht worden und die moralischen Auswirkungen eines Studiums, in dem erlernt wurde, daß man sich kollektives Gut einfach nehmen kann wie es einem beliebt, sind nicht auszudenken: Das bringt dann Menschen wie unsere Politiker und Herrn von Guttenberg hervor. Im Internet kann man fertige Diplom- oder Hausarbeiten kaufen. Es wird z.B. geworben mit dem Slogan: "Deine fertige Hausarbeit gibt's doch schon. Warum also selbst abmühen?" Studenten erkundigen sich bei Fachleuten, wieviele Wörter sie denn umstellen müßten, damit es kein Plagiat mehr ist.
Ich wollte es selbst wissen und habe einen Versuch gestartet: Ich habe eine "Diplomarbeit" von 8 Seiten geschrieben. Da ich Hundehalter bin und zu Hunden wissenschaftliche als auch populärwissenschaftliche Literatur besitze, habe ich mich für ein Hundethema entschieden. Als nächstes bin ich ins Internet und habe dazu tausende Artikel, Aufsätze, Beitäge, Haus-, Diplom- und Doktorarbeiten gefunden. Toll! Als Student würde jetzt mein Herz höher schlagen: Keine mühsame Literatursuche in der Uni-Bibliothek, dort wochen- und monatelang sitzen, lesen, exzerpieren, mit Zettelkästen arbeiten, pfundweise Papier beschreiben und mit Zitaten und Fußnoten durcheinander kommen. Diese Zeiten sind passé. Heute arbeitet man mit zwei Bildschirmen, auf dem einen schreibt man und auf dem anderen sucht man. Immer nach dem gleichen Schema: Einleitung -Fragestellung-Stand der Forschung-theoretische Überlegungen über die Vorgehensweise-Formulierung von Hypothesen-(empirische)- Überprüfung derselben-Untersuchungsform-Methode-Statistik usw.-Schluß-Ausblick. Nun konnte es losgehen. Zunächst habe ich eine Einleitung in eigenen Worten verfaßt, dann habe ich mir die Bücher vorgenommen und dort 1:1 abgekupfert, mal mit und mal ohne Zitieren in einer Fußnote, mal habe ich den Text leicht bearbeitet, Sätze umgestellt, eine Aufzählung umsortiert, Synonyme verwendet, die Struktur oder die Argumentationskette übernommen, jedoch mit eigenen Worten dargestellt, aus verschiedenen Internetquellen Sätze und Halbsätze genommen, ganze Textpassagen, mal bearbeitet, mal nicht.
Nachdem das "Werk" fertig war, habe ich mir die kostenlose Version des "PlagiarismFinder" heruntergeladen (ein Tool zum Preis von ca. 150.- Eu, das oft von Professoren eingesetzt wird). Mit der Probierversion des PlagiarismFinder kann man leider nur eine halbe Textseite auf einmal scannen, bei 8 Seiten muß man das Tool halt entsprechend oft einsetzen. Die Vollversion scannt gleich bis zu 1000 Seiten auf einen Schlag. Zunächst mußte ich meinen Text noch von einem Word- in ein html-Dokument umwandeln, um es dann in den PlagiarismFinder einzugeben. Dieser zeigt den Text sodann an. Ähnlichkeiten mit andern Quellen werden in verschiedenen Farbstufen angezeigt. Ist eine Texppassage zum Beispiel schwarz gekennzeichnet und wurde nur 1 mal gefunden, so handelt es sich bei der gefundenen Quelle um das Original und beim eigenen Text um ein Plagiat. Das funktioniert ganz gut. Klickt man auf den markierten eigenen Text, so wird die Quelle (der Aufsatz, die Diplom- oder Doktorarbeit), aus der abgeschrieben wúrde, angezeigt. Rot markiete Textstellen weisen auf andere,
mögliche Abschreibquellen hin, sind aber fehlerbehaftet, da natürlich alle Phrasen, die sich in der eigenen Arbeit befinden und die verdächtig sind, aufgespürt werden, und das eben auch in Arbeiten, die mit der eigenen gar nichts zu tun haben. Hier muß jemand, der Überprüft, noch viele zusätzliche Arbeit investieren, indem er die angegebenen Artikel oder Arbeiten anklickt und diese selbst kontrolliert. Sehr mühsam. Genau so mühsam ist es, zu "googeln": Man kann verdächtige Textpassagen oder Phrasen selbst in die Suchmaschine eingeben, und diese zeigt die Arbeiten an, die diese oder ähnliche Phrasen enthalten. Ein Korrektor muß nun jede einzelne dieser Arbeiten aufrufen und überprüfen. Alle Plagiatfinder-Suchmaschinen berücksichtigen auch keine Fußnoten. Eine durch Fußnote korrekt kenntlich gemachte Zitatstelle oder ein wörtliches Zitat werden von den Suchmaschinen als Plagiate gekennzeichnet. Ein Korrektor muß nun auch die Fußnoten überprüfen - ebenfalls eine mühselige Arbeit. Diese Schwächen kann sich ein gewiefter Student natürlich zunutze machen. Vor Beginn seiner Arbeit legt er sich ein entsprechendes Softwareprogramm zum Auffinden von Plagiaten zu und nutzt gleichzeitig auch die Suchmaschine Google. Nach einiger Zeit bekommt er auch ein Gespür dafür, nach welchen Methoden eine solche Suchmaschine arbeitet und vermeidet so automatisch die Formulierung verdächtiger Phrasen. Er schreibt nun aus Büchern ab und kontrolliert, ob die Passagen irgendwo auftauchen. Bücher sind meistens nicht im Internet gespeichert, so daß das nicht weiter auffällt. Wenn doch, stellt er die Sätze solange um, bis alles o.k. ist und überprüft dann nochmals mit Google. Mit der Zeit bekommt man auch ein Näschen für die Arbeitsweise der Suchmaschinen und vermeidet auffällige Sätze, Wortfolgen und Phrasen von Vornherein. Die Bücher, aus denen man abschreibt, werden in der Literaturliste natürlich nicht genannt, wohl aber die Fußnoten mit Verweis auf die Fundstellen. Genau so macht man es mit der Literatur aus dem Internet, am besten, ganze Absätze mit eigenen Worten umformulieren, Strukturen, d.h. Reihenfolgen übernehmen, aber mit eigenen Worten schildern, ein Plagiat ist so schwer nachweisbar. Wenn man also die Schwächen der Suchmaschinen kennt, ist das leicht auszunutzen. Aber eine kuriose Gefahr lauert denn doch: Schreibt man aus Büchern ab, könnte der Professor vielleicht die Stelle kennen, aber vorsicht: Tausende haben auch aus Büchern abgeschrieben in der Meinung, da diese nicht im Internet veröffentlicht sind, kann nichts passieren. Das ist die Falle. Diese 1:1 Abschriften stehen im Internet, auf den Seiten der Plagiateure! Man glaubt es kaum, wieviele sich nicht scheuen, wortwörtlich abzuschreiben, sie sind alle offensichtlich nicht erwischt worden. Selbst wird man aber des Plagiats überführt, weil die Suchmaschine diese Plagiate entdeckt und der Verdacht dann naheliegt, man habe von den Plagiatoren abgeschrieben! Sogar kommerzielle Seiten, in meinem Fall Hundeseiten, wie Wauwi Wauwi, zitieren auf ihren Webseiten hemmungslos, ohne Kennzeichnung, aus bekannter wissenschaftlicher Literatur (z.B. von Dr. Konrad Lorenz) - ein weites Feld für Anwälte, die sich auf Urherberrecht spezialisiert haben. Also aufpassen, (abgesehen von der Schande, in einer wissenschaftlichen Arbeit angeblich von"Wauwi wauwi" abgeschrieben zu haben!). Zum Schluß noch ein Angebot: Ich schreibe zum Vorzugspreis jede Haus- Diplom- oder Doktorarbeit in den "Laberfächern" Germanistik, Soziologie, Erziehungswissenschaften (und Doktorabeiten auch im Fach Rechtswissenschaft - die Doktorabeit Guttenbergs ist eine vergleichende Darstellung der Entwicklung der amerikanischen und europäischen Verfassung - da kann man viel "labern" wie z.B. "Ein Blick in die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika offenbart, daß darin der Begriff "Gott" unmittelbar nicht enthalten ist...."). Übrigens: Obiges "Angebot" ist natürlich nur satirisch zu verstehen, auch möchte ich niemand zum Plagiieren verführen. Vielleicht googeln Interessierte mal diesen Text und finden heraus, was alles wo abgekupfert wurde? Denn selbstverständlich stammt der größte Teil des Textes nicht von mir, er ist ein Plagiat, da ich ihn bausteinmäßig aus Internettexten zusammengesetzt habe - es geht!

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Kommentare

Viel Arbeit auf jeden Fall

Da haben Sie sich aber viel Arbeit gemacht. Wenn ich das alles so lese, ist so eine abgekupferte Arbeit auch mit viel Aufwand verbunden. Man müsste zukünftig diese Doktorarbeiten aufteilen unter der Angabe - abgeschriebenes Werk mit Fremdhilfe und mit eigenem Suchen - das ergibt dann den Doktorzusatz z.B. Dr. jur. plag. oder völlig eigenes Werk ohne jegl. Fremdhilfe und auch ohne Zitate und Fußnoten, das ergibt dann den echten Dr. jur. oder man schafft einfach diese Doktortitel ab, sie haben ja wohl heutzutage doch keinen besonderen Wert mehr. Eine Leistung muss sich doch erst im späteren Beruf des Betroffenen offenbaren.

Er hat eine Collage von Plagiaten angefertigt, über Hunderte von

"Er hat eine Collage von Plagiaten angefertigt, über Hunderte von Seiten." Professor Lepsius, Universität Bayreuth.

Collage von Plagiaten

Wow! Das war deutlich. Wenn der Mann noch einen Funken Anstand oder Ehrgefühl (gerade als Adliger) im Leib hätte, würde er alle Ämter niederlegen und zurücktreten. Und wenn die Kanzlerin ebensolche Gefühle hätte, würde sie ihm das anraten.

Welttag des Schutzes des geistigen Eigentums

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel nimmt Stellung zur Guttenberg-Affäre:

Pfui

Wenn man es nicht sehen und hören würde - unglaublich, wie unsere gewählten und vereidigten Minister und die Kanzlerin mit unseren Werten umgehen. Diese Dreistigkeit ist wirklich zum Kotzen. Pfui.
Ich kann nur auf die nächsten Wahlen hoffen, diese immer noch das Wort "christlich" im Namen führende Partei endlich einmal nachhaltig zum Regenerieren in eine lange Oppositionszeit zu schicken.

Zur Umfrage

Können Sie denn auch die Originalfrage aus der Umfrage anführen, nach der 90% der Studierenden das geantwortet haben sollen? Da kommt es nämlich schon sehr auf die Formulierung an; schließlich ist es ohne weiteres vom Zitatrecht gedeckt fremde Texte oder Textteile zu verwenden ohne den Autor um Erlaubnis zu fragen, solange man das Ganze kenntlich macht.

Erschreckend ist es wohl, allein: Je nach Fragestellung erschreckt die Antwort der Studierenden oder aber ihr Umgang damit.

Umfrage

Ja, die Umfrage ist von Sattler und wird in verschiedenen Beiträgen zitiert. Nachfolgend ein Auszug (Methode: copy and paste):

"An der Universität heißt das Rippen
»Abschreiben« oder »Plagiieren«, und es
scheint ebenso populär zu sein: 90 Prozent der 226 Leipziger Studierenden, die
Sebastian Sattler im Rahmen seiner Abschlussarbeit befragte, gaben an, dass sie
für Hausarbeiten unerlaubt fremde Texte
kopieren würden [2, 3]. Ähnliche Zahlen
ergaben sich in wissenschaftlichen Studien und weiteren Umfragen im In- und
Ausland [4, 5, 6]. An der Humboldt-Universität gaben in einer Online-Umfrage
16 der 29 Antwortenden an, dass der
Anteil an Plagiaten bei den Arbeiten
ihrer Studierenden mindestens »schon
bedeutsam« (zw. 5 % und 15 %), »recht
groß« (zw. 15 % und 25 %), »sehr groß«
(zw. 25 % und 50 %) oder »absolut kritisch« (über 50 %) sei [7]."

(zit. nach: Berendt, Bettina 2007: Anti-Schummel-Software oder Hilfe bei der wissenschaftlichen Ausbildung? Plagiatsdetektion- und Prävention. Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Wirtschaftsinformatik. Humboldt-Universität zu Berlin. In: cms-journal 29, S. 47-51 URL:
http://edoc.hu-berlin.de/cmsj/29/berendt-bettina-47/PDF/berendt.pdf 25.02.2011 16:08).

Das wäre das korrekte Zitat dieser Fundstelle gewesen, (auch durch Google oder PlagiarismFinder zu finden). Die Internetfundstelle (URL) muß im Zitat ebenfalls angegeben werden, ebenso Tag und Uhrzeit des letzten Zugriffs. Erst dann ist eine Fußnote oder ein Zitat korrekt! Jeder kann nun nachvollziehen, woher das Zitat stammt. "Unerlaubt" übernehmen heißt also "nicht kenntlich machen".

Tipp: Markieren Sie mal obige Textstelle z.B. von "90 Prozent der Leipziger Studenten" bis "unerlaubt fremde Texte". Kopieren Sie das und geben Sie es in die Suchmaschine Google ein. Dort erscheint dann in Rot: "Meinten Sie: 90 Prozent der...." Dort draufklicken. Es öffnet sich eine Seite mit verschiedenen Quellen zu Sebastian Sattler, wo das Zitat erscheint, und schon ist man überführt, hat man nicht korrekt zitiert. Nun klicken Sie auf:
"(PDF) Anti-Schummel-Software oder Hilfe bei der wissenschaftlichen...." - und es erscheint die von mir oben zitierte Quelle. Nun ist auch bekannt, wo genau man abgeschrieben hat. So funktioniert's mit Google. Mit Plagiatsfindern noch viel einfacher. Ich habe das nur als Beispiel gebracht: Wenn man Zahlen bringt, dann müssen die auch belegt werden, sonst fliegt das mit Sicherheit auf. Aber auch jeder markante Text, ohne Zahlen, sofern er im Internet steht, wird gefunden - ja, wenn man nicht die von mir geschilderten Methoden anwendet. Auch das haben Guttenberg oder sein Ghostwriter nicht gemacht. Dumm gelaufen!

(Eine über 400 Seiten dicke Arbeit wäre auf diese Weise viel zu aufwendig zu produzieren. Das macht man nur, wenn einem absolut nichts Eigenes einfällt und wenn man Zeit hat. Guttenberg hatte keine Zeit, der war beschäftigt mit Karriere. Also kann er das Machwerk nicht verfaßt haben, er hat es schreiben lassen. Ein Ghostwriter aber kniet sich nicht derart aufwendig hinein, der möchte ein solches Werk mit minimalem Aufwand "fabrizieren", d.h. er plagiiert ohne aufwendige Überprüfung und Anpassung, weshalb ich der Meinung bin, Guttenberg hat "sein Werk" schreiben lassen - und hat sich dabei ganz auf den/die Schreiber verlassen, was heißt, daß er denen vertraut hat. Er schien ja selber sehr überrascht über die Enthüllungen - d.h. er wußte nichts). Ich nehme an, die Karriere des/der Ghostwriter ist ein für allemal beendet - so ist er halt, unser "Gutti".

Guttenberg-Satire

Wie heißt der Guttenberg noch mal?

Karl-Theodor, Karl-Theo-Tor oder Kalle-Eigentor?

Wenn Sie die Quelle doch

Wenn Sie die Quelle doch kennen und zitieren, setzen Sie doch einfach an entsprechender Stelle einen Link. Da braucht man gar keine Fußnote und auch keinen Sermon.

Sermon

Wenn Sie sich belehrt gefühlt haben, so bitte ich dies zu entschuldigen. Natürlich hätte ich lediglich einen Link setzten können. Aber darum ging es mir gar nicht. Da ich meinen Artikel "plagiiert" habe, wollte ich anhand Ihrer Frage zeigen, wie meine Ausführungen an dieser Stelle richtig hätten zitiert werden müssen und wie man anhand der Suchmaschine Google solche nicht gekennzeichneten Stellen auffindet. Mehr nicht.

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