Wer war der Bruchsaler Ludwig Barth?

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Montag, 27. Juni 2011 - 15:36

Besucht man heute das Bruchsaler Rathaus, wird man in jedem Stockwerk, so man das Treppenhaus des Haupteinganges benutzt, zunächst von einer grellroten Wand empfangen. Doch noch nicht sehr lange ist in unserem Rathaus diese Art von "Kunst am Bau" zu besichtigen. Erst im Rahmen der Modernisierung des Rathauses wurden diese blutroten Wände kreiert. Vielleicht sind die sich aufdrängenden Gedanken an Anleihen bei dem avantgardistischen russischen Künstler Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch nicht nur zufällig sondern sogar gewollt? Erinnert sei an dessen Bild "Rotes Quadrat" aus dem Jahre 1915.

"Modern und zeitgemäß" solle das Rathaus jetzt sein wurde von amtlicher Seite auf die Nachfrage beschieden, warum seit Neuestem diese knallroten Kleckse an den Rathauswänden zu finden seien.

Bei bruchsal.org hat bereits vor einiger Zeit die Autorin "Bawett" hierzu recht resigniert berichtet: Bruchsals Geschichte - verhüllt, vermauert und mit Füßen getreten?

Wie Bawett in ihrem Beitrag schreibt, verbergen sich hinter den vorgehängten Wänden drei Fresken von Ludwig Barth-(Uchatzy), die dieser im Auftrage der Stadt Bruchsal im Jahre 1954 schuf. Hier als Beispiel das mittlerweile verhüllte Wandbild (Fresko) im Treppenhaus des Rathauses mit Cardinal Damian Hugo von Schönborn und der Darstellung des "Generalplan der Damiansburg 1723".

Wer war der Künstler Ludwig Barth-Uchatzy?

Ludwig Barth-Uchatzy

Ludwig Barth-Uchatzy wurde am 7. Juni 1898 in Bruchsal geboren. Sein Vater war Zeichenlehrer am hiesigen Gymnasium. Das Talent von Ludwig Barth-Uchatzy zeigte sich schon während seiner Schulzeit, so reifte sein Wunsch, einmal Künstler zu werden.

Nach dem Besuch des Bruchsaler humanistischen Gymnasiums wechselte Ludwig Barth 1915 an die Kunstakademie Karlsruhe. Sein Lehrer war zunächst der Freskenmaler Prof. Walter Georgi.

Ludwig Barth musste ab Dezember 1916 am I. Weltkrieg teilnehmen. Diesen überstand er schwer verletzt und nach 18 Monate dauernder französischer Kriegsgefangenschaft konnte er 1920 wieder in seine Heimat zurück kehren. Auch im II. Weltkrieg war Ludwig Barth Kriegsteilnehmer und kam ebenfalls in Gefangenschaft.

Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft nahm er sein Studium bei dem bekannten Maler und Grafiker Prof. Walter Conz wieder auf. 1924 übersiedelte er nach Karlsruhe.

Bereits 1924 machte sich Ludwig Barth selbständig und er erwies sich als sehr guter Zeichner und Grafiker. Seine Ausdrucksweise könnte als „stilisierter Realismus" bezeichnet werden (Otto Gillen). Vögely schreibt in seinem Buch "Kraichgauer Gestalten", dass Ludwig Barth Formenklarheit anstrebte, sich auf das Wesentliche beschränkte, sich jedoch nicht aus dem Bereich des Gegenständlichen löste.

Bruchsal

Bruchsal

In seiner Frühzeit entstanden sehr viele Zeichnungen von Dörfern, Städten und Landschaften, die heute aufgrund der großen Veränderungen kaum mehr zu erkennen sind. Auf der obigen Abbildung sind von links nach rechts zu sehen die Peterskirche, die Stadtkirche und der Bergfried.

Johanna Spiry

Im Jahre 1924 illustrierte er Johanna-Spiry-Kinderbücher. Hierzu fertigte er 150 Zeichnungen. Von 1927 bis 1930 lieferte er die Illustrationen für drei Bände des Badischen Volksschullesebuches, im Jahre 1930 Illustrationen zu einem Band deutscher Sagen und 1950/52 die Bilder zu zwei Bänden „Kinderlegenden".

Auch später illustrierte Ludwig Barth viele Bücher bekannter Autoren und Verlage. So "Das Leben des Benvenuto Cellini" mit 100 Feder- und Pinselzeichnungen, „Hoffmanns Erzählungen" mit 60 und „Gullivers Reisen" mit 90 Zeichnungen.

Ab 1959 zeichnete Ludwig Barth für die Badischen Neuesten Nachrichten Prominentenporträts, das sog. „Porträt der Woche". Die Menge der Arbeiten für Zeitungen, Zeitschriften und Kalender ist kaum zu erfassen, er arbeitete mit Feder und Pinsel, fertigte Radierungen und zahlreiche Ölgemälde bis hin zu Urkunden- und Briefmarkenentwürfen und Schmucktelegrammen.

Schmucktelegramm

Schmucktelegramm für die Deutsche Bundespost (Stadtarchiv Bruchsal)

Eine Besonderheit sind die von Ludwig Barth-(Uchatzy) entworfenen Notgeldscheine (Gutscheine), die er für die Stadt Bruchsal als Ersatz für die wertlose Reichsmark während der Inflationszeit 1923 anfertigte. Köstlich die Reminiszenz an Otto Oppenheimers Lied "Der Brusler Dorscht": "Mir sinn des Grafe Erwe, Veramt durch seinen Dorscht, Statt münze dun mer drucke, Die Zahlart isch uns worscht". Die Inschrift um die Abbildung des "Männerzuchthaus Bruchsal" lautet wie folgt: "Um mich herum geht jeder fein, wer Scheine fälscht, der fährt hinein."

Notgeld
Notgeld

Ludwig Barth war auch ein talentierter Holzschneider. Eines seiner Spätwerke sind die großen und eindrucksvollen Holzschnitte, die  er für das Buch von Heinz Schröder „Jesus und das Geld" in den Jahren 1977 bis 1978 fertigte.

Jesus und das Geld

JESUS im TEMPEL | Johannes 2, 13-16

Ebenfalls 1924 begann Ludwig Barths Aufstieg als Gestalter von Wandgemälden und Kirchenfenstern. Sein erster großer Auftrag war ein Christus für die katholische Kirche in Lübeck.

Aufgrund seiner religiösen Grundeinstellung fertigte Ludwig Barth viele Darstellungen mit religiösem Hintergrund, wobei er sich von dem Inhalt der Bibel, die er sehr gut kannte, inspirieren ließ.

Kapsweyer

Mittelfresko in der St. Ulrichskirche in Kapsweyer

Eines der besten Beispiele seiner sakralen Kunst ist das 11 mal 12 Meter große Fresko in der St. Ulrichskirche in Kapsweyer, Dieses Fresko stellte er in lediglich sieben Tagen fertig. Der Künstler stand hierzu täglich viele Stunden auf dem Gerüst.

Auch das Deckengemälde in der Technik des al secco (Malerei auf den trockenen Putz) „Gnadenstuhl" in der Pfarrkirche Balzfeld bei Wiesloch stammt von Ludwig Barth.

Nicht zu vergessen das große Sgrafitto an der Stirnseite des Instituts Sancta Maria in Bruchsal. Die Inschrift lautet: „Nos cum prole pia, benedicat Virgo Maria“ (Mit ihrem lieben Kinde hat uns die Gottesmutter gesegnet).

Sancta Maria

Sancta  Maria in Bruchsal © R.S.

St.Anna in Menzingen

Kirchenfenster St. Anna in Menzingen

Eine Eisenplastik über der Hauteingangstür der Rintheimer Kirche St. Martin stammt ebenfalls von Ludwig Barth.

Von Ludwig Barth entworfene Kirchenfenster sind in vielen Kirchen der Gegend zu finden. Zum Beispiel in der Herz-Jesu-Kirche in der Karlsruher Weststadt, in St. Peter-und-Paul in Durlach, in der St. Anna-Kirche in Menzingen, in der Büchenauer Kirche oder in Münchweier an der Rotalb. Alle diese Fenster zeichnen sich durch eine hervorragende Komposition und hohe Leuchtkraft aus.

Im Jahre 1953 gestaltete Ludwig Barth seinen ersten Kreuzzug in Öltemperabildern in der Filialkirche Delkhofen im Dekanat Speichingen.

Doch nicht nur religiöse Themen waren ihm wichtig. Er schuf auch zahlreiche Wandgemälde mit weltlichen Themen. So realisierte er in mühevoller Arbeit die drei Wandbilder im Rathaus seiner Heimatstadt, die mittlerweile hinter einer karminrot angestrichenen Gipskartonverschalung versteckt sind. Diese drei Wandbilder wurden von Ludwig Barth im Sommer 1954 in einer Technik gefertigt, die Sgraffito (Kratzputz, Auflage verschiedenfarbiger Putzschichten) und Fresko (in Wasser gelöste Pigmente werden auf den frischen Putz aufgetragen) verbindet.

Ludwig Barth starb am 25. Oktober 1983 in Karlsruhe im Alter von 85 Jahren.

© Rolf Schmitt

 

St. Josef

St. Josef in der St. Josefs-Notkirche Bruchsal (Stadtarchiv Bruchsal)

 

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