Wenn „Lucy“ Dampf macht, und „Krümel“ Sonnenwärme sammelt…

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Burgschul-Grundschüler/-innen erweisen sich klassenübergreifend als Expert(inn)en für Erneuerbare Energien
Donnerstag, 4. Juli 2013 - 17:11

Kurz vor dem astronomischen Sommeranfang führte die Burgschule Obergrombach ihre diesjährigen Grundschul-Projekttage durch. Thema: die „Erneuerbaren Energien“. Ein Gremium aus fünf Lehrerinnen und einem Lehrer, das bereits vor rund einem Jahr mit den Planungen startete, befand, dass „in der Grundschule viel zu selten experimentiert wird“, wie Konrektorin Andrea Joosz resümiert. Anfang April setzte das Grundschulkollegium den Termin, 19. und 20. Juni, jeweils von 8.30 bis 12.30 Uhr, fest und entschied sich für „Strom und Wärme aus der Sonne“ als übergeordnetes Thema. Im Vorfeld hatte Konrektorin Joosz nach einem geeigneten Sponsor Ausschau gehalten. Wenn’s um Energie geht? Energie- und Wasserversorgung Bruchsal GmbH (ewb)! Schließlich nimmt die ewb ihre Verantwortung für die Menschen in Bruchsal und der Region ernst und praktiziert die nachhaltige Unterstützung der Bruchsaler Schulen. So war es Ehrensache für die ewb, den themenspezifischen Unterricht, den die Umweltpädagogin Julia Wolter freiberuflich für die gemeinnützige Deutsche Umwelt-Aktion e.V. (DUA) hielt, zu sponsern. Die besondere Herausforderung bestand darin, 87 Schüler/-innen aus den ersten bis vierten Klassen, eingeteilt in vier Gruppen, an zwei Vormittagen klassenübergreifend in das Thema einzuführen. Experiment gelungen? Um das festzustellen, durfte ich als Vertreter der ewb noch einmal für einen Vormittag die Schulbank drücken. Vor der Schule und auf dem Schulhof: konzentrierte Ruhe. Am Himmel zwar kein Sturm, aber finstres Schwarz. Im Saal: leicht subtropische Luftfeuchtigkeit und interessierte Mitmachstimmung.

Burgschule

Dampfmaschine „Lucy“ schnurrt, dampft und produziert sichtbar Strom: Die Burgschüler/-innen sind mit entsprechender Faszination am Unterricht beteiligt. Foto: tw

Julia Wolter erklärt schüler/-innengerecht ein Wärmekraftwerk, dessen einzelne Bestandteile sie nach und nach an die Tafel skizziert. Zur Erklärung nutzt sie den Kindern vertraute Alltagsphänomene: Wasserdampf, ein Rad (Turbine) oder einen Dynamo (Generator), der „Bewegungsenergie in elektrische Energie umwandelt“. Sie kitzelt das schlummernde Wissen der Kinder wach: „Nahwärme“, „Fernwärme“, „Rauch“, „CO2“/“Kohlendioxid“, ermuntert unermüdlich zum Mitmachen („Jule, trau dich!“), unterbindet Dauermelder, die geräuschvoll nach Aufmerksamkeit heischen, hakt im Vorübergehen fossile („ausgegraben“) und regenerative Energieträger ab, kommt zurück auf ihre Dampfmaschine (namens „Lucy“), das Modell eines Wärmekraftwerks, das mittels Wasserdampf Strom erzeugt, und erklärt nebenbei noch unseren Blauen Planeten. Hierfür steckt sie einen Schülerglobus in eine durchsichtige Henkeltragetüte, welche die schützende Atmosphäre darstellt, in die der Mensch allerlei schädliche Abgase bläst. Jetzt wird „Lucy“ mit Wasser zur Dampferzeugung und fossilem Brennstoff, drei Esbit-„Talern“ (Trockenbrennstoff- tabletten: Esbit steht als Abkürzung für Erich Schumms Brennstoff in Tablettenform), befüllt. Ein kurzer Exkurs zu diversen Rauchquellen, die immer auch Quellen für CO2-Emissionen sind, überbrückt die Aufwärmphase. Nebenbei wird der Klimawandel gestreift, der uns Hochwasser beschert oder den Lebensraum der Eisbären am Nordpol bedroht. Die Umweltpädagogin zieht alle Register ihres Könnens. Ein kleines Intermezzo mit Stabtaschenlampe (Sonne) und Solarspielzeug sorgt im 10-Uhr-Loch für neue Aufmerksamkeit. Auf die Photovoltaik en miniature folgt die Solarthermie. Aus einem Schuhkarton, schwarzem Seidenpapier, einer 0,5 l-PET-Flasche, Tesastreifen und Frischhaltefolie darf jeder seinen Solarkollektor basteln. Die Flasche wird mit Krümeltee (Instant-Tea) und Wasser gefüllt, in den schwarz ausgekleideten Karton gelegt, und die Frischhaltefolie an drei Seiten fest über den Karton gespannt, damit die „ganz doll gespeicherte Wärme nicht mehr rausgeht.“ Julia Wolter erwähnt, dass „gestern (am heißen der beiden Projekttage) im Karton, der auf dem Rasen der Sonne ausgesetzt wurde, sehr schnell über 50°C herrschten“. Dann heißt es: abwarten… und Tee (heute: lauwarm) trinken. – Kurze Verschnaufpause. Da capo al fine: Erneut bändigt die Umweltpädagogin einen brodelnden Mix von Erst- bis Viertklässler(inne)n und erreicht diszipliniert – gern lobend, seltener tadelnd – das Unterrichtsziel. Ab und zu kann man sie leise, mit einem Augenzwinkern ihr „Mantra“ aufsagen hören: „Ihr seid liebe Kinder, ich weiß das!“

Burgschule

Die Burgschüler/-innen, hier zusammen mit Andrea Joosz (10. v.l.) und Julia Wolter (4. v.r.), warten ab mit dem Teetrinken, bis ihre Kollektoren genug Sonnenwärme gesammelt haben. Foto: tw

Als Rahmenprogramm zeigten die Organisator(inn)en den Schülern Filme aus dem Kreismedienzentrum Bruchsal im Landratsamt zu den vier Elementen (Erde, Sonne, Wasser, Wind) und der Nutzung ihrer Energie durch den Menschen. Die Kinder bastelten aus Recyclingmaterial wie Joghurtbechern, Flaschenkorken, Pappe, Papier und Schaschlikstäbchen kreative Wasser- und Windräder. Zur Nachbereitung und Information der Eltern über die Projekttage bekamen die Schüler/-innen das Arbeitsheft „Erneuerbare Energien“ vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU). Eine Woche später, am Mittwoch, 26. Juni, unternahmen Schüler/-innen und Lehrer/innen der Burgschule zum krönenden Abschluss eine Busfahrt nach Mannheim zum Besuch des Technoseums (Museums für Arbeit und Technik), um das Unterrichtsergebnis der Projekttage zu sichern. Ein Ausflug in die nahe gelegene Natur des Luisenparks bot anschließend ausreichend Gelegenheit, die Akkus ganz entspannt wieder aufzuladen. 

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