Welchen Bürgermeister benötigt Bad Schönborn? (Dritter und letzter Teil)

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Zur Bürgermeisterwahl am 6. Februar 2011
Sonntag, 23. Januar 2011 - 17:52

Die öffentlichen Kandidatenvorstellungen am 17. und 19. Januar haben gezeigt:

  • das Interesse an der Wahl ist hoch. In der Ohrenberg- und insbesondere in der Kraichgauhalle mussten Dutzende von Bürgern eng zusammenstehend den Vorstellungen und den Fragerunden zuhören. Rund zehn Prozent der Wahlberechtigten haben sich an den beiden Abenden selbst einen guten Eindruck von Klaus Detlev Huge und Bernhard Böser verschaffen können.
  • Dass „nur“ zwei Kandidaten zur Auswahl stehen, zeigt auch wie gut die Qualitäten beider Kandidaten sind und von anderen potenziellen Kandidaten eingeschätzt wurden. Überraschend ist, dass die Freien Wähler keinen parteilosen Kandidaten zur Wahl stellen konnten.
  • Die schriftliche Fragestunde war einerseits gut für einen zügigen Ablauf der Veranstaltung. Sie führte allerdings dazu, dass sich ähnliche Fragen wiederholten und die Reihenfolge der Fragen vom Versammlungsleiter bestimmt wurde.

1. Was unterscheidet die beiden Kandidaten?

Auf Basis der Stärken und Schwächen der Gemeinde sind die folgenden Themen besonders wichtig für die Zukunft von Bad Schönborn:

  • Angebote für Jugendliche und Senioren
  • Ortskernentwicklung Langenbrücken
  • Planfeststellungsverfahren Umgehungsstraße
  • Innerörtliches Verkehrskonzept
  • Standortmarketing & Wirtschaftsförderung

1.1 Angebote für Jugendliche und Senioren

Beide Kandidaten sprechen sich dafür aus, flexible Angebote für Jugendliche zu schaffen. Gerade für Jugendliche sei es wichtig, dass sie nicht nur einbezogen würden, sondern auch in kurzer Zeit ein Ergebnis ihrer Vorschläge erleben könnten, so Detlev Huge. Beide wollen sich aber auch für Angebote für aktive Senioren einsetzen. Die Netzwerke zwischen den Schulen und den Betrieben sollen ausgebaut werden. Auch den Zusammenhalt zwischen den Bevölkerungsgruppen wollen beide Kandidaten stärken. Bei diesem Thema hat keiner der beiden Kandidaten die Nase vorn.

1.2 Ortskernentwicklung Langenbrücken

Beide wollen die Qualität des Ortskerns von Langenbrücken verbessern. Bernhard Böser setzt v.a. darauf, das Areal des Kurbereichs wiederzubeleben und auf den Verkehr durch die neue Umgehungsstrasse zu verlagern. Detlev Huge möchte den Verkehr beruhigen, wertvolle Gebäude sanieren lassen und den öffentlichen Raum aufwerten. Ein leichter Vorteil für Detlev Huge bei diesem Thema auf Basis seiner Tätigkeit im Stadtplanungsamt Heidelberg.

1.3 Planfeststellungsverfahren Umgehungsstraße

Detlev Huge bringt praktische Erfahrungen aus Planfeststellungsverfahren der Stadt Heidelberg mit. Zudem hat er – im Unterschied zu Bernhard Böser - eine neutrale Position was das Landratsamt Karlsruhe-Land als Vorhabensträger für die Umgehungsstraße betrifft. Der Gemeinderat von Bad Schönborn hatte im Dezember der Planung nur zugestimmt unter der Bedingung, dass alle Planungsänderungen umgesetzt werden. Um die Interessen der Gemeinde gegenüber dem Landratsamt durchzusetzen, benötigen wir einen Bürgermeister der in der Sache erfahren und unabhängig ist. Bei diesem Thema: Vorteil für Detlev Huge.

1.4 Innerörtliches Verkehrskonzept

Beide Kandidaten sprechen sich für ein innerörtliches Verkehrskonzept aus. Themen wie Parkraumbewirtschaftung, Schleichverkehr, Sichere Wege für Fußgänger, Verdoppelung des Radfahreranteils, öffentlicher Nahverkehr, Wege für Kurgäste stehen in den nächsten Jahren auf der Tagesordnung. Für einen deutlich nachhaltigeren Umgang mit den freien Flächen hat Detlev Huge geworben, während Bernhard Böser sich für flächenverbrauchende Massnahmen wie z.B. Ausbau der Parkplätze ausgesprochen hat. Bei diesem Thema ist Detlev Huge als früherer Leiter des Verkehrsmanagements der Stadt Heidelberg deutlich erfahrener als Bernhard Böser: Vorteil für Detlev Huge.

1.5 Standortmarketing und Wirtschaftsförderung

Sowohl Bernhard Böser wie auch Detlev Huge sprechen sich dafür aus, das Standortmarketing deutlich zu verbessern. „Bad Schönborn als Ort der guten Gesundheit“, so Detlev Huge. Zur "guten Gesundheit" gehöre für ihn auch der Schutz von Natur, Landschaft und Klima. Gutes Standortmarketing fange bei einem zeitgemässen Webauftritt an und höre dann letztendlich bei der Wirtschaftsförderung auf. „Wirtschaftsförderung sei Chefsache und müsse kurverträglich sein“ heisst es unisono aus dem Mund von Detlev Huge wie auch von Bernhard Böser. Ob sie das auch umsetzen können, wird sich erst nach der Wahl zeigen, denn beide haben bisher wenig mit Wirtschaftsförderung zu tun gehabt. Bei diesem Thema: unentschieden.

2. Wie sieht es mit den Qualitäten der Kandidaten aus?

Die wichtigsten Qualitäten für einen Bürgermeister wurden in diesem Artikel kurz vorgestellt.

2.1 Glaubwürdigkeit

Der einzig auffallende Unterschied ist, dass die CDU als unterstützende Partei versucht die Glaubwürdigkeit von Detlev Huge herabzusetzen. So steht auf ihren Seiten „... So blieb er (Anmerkung des Autors: Bernhard Böser) im Gegensatz zu seinem Konkurrenten auch bei der Veranstaltung in Langenbrücken keine Antwort schuldig“.

Ich weiß nicht, wieso solche Sätze notwendig sind. Zu jeder Frage gab es von den Kandidaten Antworten: die Behauptung ist also schlicht falsch.

2.2 Bürgernähe

Beide Kandidaten wollen einen sachlichen und offenen Gesprächsstil pflegen. Beide versprechen ein Rathaus mit offenen Türen, wo mit allen ein kontinuierliches Gespräch geführt wird. Dieser Punkt geht unentschieden aus.

2.3 Durchsetzungsfähigkeit

Bei diesem Punkt liegt der Vorteil bei Bernhard Böser, der in den letzten sieben Jahren als Leiter des Amtes für Schulen und Kultur im Landkreis Karlsruhe-Land mit rund 100 Mitarbeitern in diesem Bereich mehr Erfahrungen sammeln konnte. Zudem kann er im Gemeinderat von Bad Schönborn auf die heute größte Fraktion (CDU) zählen.

2.4 Kooperationsfähigkeit

Zu diesem Punkt verweist Bernhard Böser auf seine Zeit als Fraktionsvorsitzender der CDU in Östringen. Er habe in dieser Zeit ein gutes Verhältnis mit allen Fraktionen aufgebaut. Dienstleistung und das Erreichen von Kompromissen stehe für ihn im Vordergrund, berichtet auch die BNN. „Partnerschaftliche Verwaltung“ steht auch für Detlev Huge im Programm. Insgesamt versprechen beide Kandidaten mit allen Bevölkerungsgruppen zusammenzuarbeiten: hier ein klares Unentschieden.

2.5 Offen für Bürgerbeteiligung

Hier hörten die Antworten bei Bernhard Böser häufig mit der Aktivität „Meinung äussern“ auf. Die Bürger zu beteiligen hat Detlev Huge z.B. im Verfahren zur Straßenbahnlinie nach Heidelberg-Kirchheim gelernt. Er hat es in seiner Präsentation hervorgehoben: Er wolle „gemeinsam gestalten“ und „die Einwohner sind die Fachleute für Bad Schönborn“. Leichter Vorteil für Detlev Huge bei diesem Punkt.

2.6 Sympathie

Das ist ein Punkt, den wirklich jeder selbst erkennen muss.

2.7 Sprachgewandheit

Während Bernhard Böser die deutlichere Stimme und die sicherere Präsentation bot, war der Vortrag von Detlev Huge lebendiger und klarer. Beide sind schlagfertig, was sie in den Fragerunden unter Beweis gestellt haben. Dieser Punkt geht unentschieden aus.

2.8 Politische Visionen

Klarer Vorteil für Detlev Huge, der von Beginn an vermittelt hat, dass er ein Projekt, griffige Ideen und konkrete Vorstellungen hat. Bernhard Böser wies in seine Antworten immer wieder allgemein auf „ganz neue kreative Ideen“ und auf „dynamische Entwicklungen“ hin. Detlev Huge hat sie und deshalb geht dieser Punkt an ihn.

2.9 Parteipolitische Unabhängigkeit

Nun stossen wir zu Punkten vor, die nicht mehr ganz so wichtig sind. Für die Freien Wähler Bad Schönborn war das SPD-Parteibuch von Detlev Huge und die Unterstützung durch die SPD Bad Schönborn ein Grund sich doch nicht als Fraktion für Detlev Huge auszusprechen. Bernhard Böser ist als CDU-Mitglied bereits Mandatsträger gewesen: fünf Jahre als Fraktionsvorsitzender der CDU-Gemeinderatsfraktion Östringen. Hier spricht gegen Bernhard Böser und für Detlev Huge, dass es für das Wohl aller Bürger gut ist, wenn der Bürgermeister nicht der gleichen Partei angehört, die im Gemeinderat am stärksten vertreten ist.

2.10 Fachwissen in Verwaltungsfragen

Beide Kandidaten sind seit vielen Jahren in der Verwaltung in einer Stadt bzw. im Landkreis tätig. Zu diesem Punkt gibt es keine großen Unterschiede zwischen den Kandidaten.

3. Was ist mein Fazit?

Bad Schönborn hat die Wahl zwischen zwei guten Kandidaten. Keiner der beiden sticht so hervor, dass seine Wahl alternativlos wäre. Das trifft auch die Stimmung in den beiden Ortsteilen, wo viele Bürger noch unentschieden sind.

Deshalb habe ich mich entschieden, meinen Abwägungsprozess öffentlich und transparent zu machen.

Für die aktuellen Herausforderungen vor denen Bad Schönborn steht, ist nach Abwägung aller Schwächen und Stärken Klaus Detlev Huge der passende Kandidat: am Sonntag, den 6. Februar 2011 – Huge wählen!

Jede Stimme zählt - das zeigt die Simulation der Wahl...

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Kommentare

Welchen Bürgermeister benötigt Bad Schönborn?

Glaubwürdigkeit:

Welches Amt leitet Herr Klaus Detlev Huge nun konkret?

http://www.heidelberg.de/servlet/PB/menu/1025658/index.html

Ich kann keines finden. Können Sie mir da weiterhelfen?

Wo bleibt da die Glaubwürdigkeit?
Wo sind da die leichten Vorteile?
Wo ist da die 20-jährige Erfahrung in leitender Funktion?

Glaubwürdigkeit

Sehr geehrter Herr Bechtler,

ich kann in Ihrer Antwort keinen Zusammenhang zur Glaubwürdigkeit von Herrn Huge erkennen. Da Sie das Internet auch aktiv nutzen hätte eine kurze Suche bei google folgendes zur Funktion von Herrn Huge bei der Stadt Heidelberg ergeben:

Dezernat II
Amt für Verkehrsmanagement
Die Abteilung 2 „Mobilitätsmanagement“ (Leitung: Klaus-Detlev Huge)

http://ww2.heidelberg.de/stadtblatt-online/index.php?artikel_id=3025&bf=

Die Information über die 20 Jahre Erfahrung in größtenteils leitender Position findet man ebenfalls online auf der persönlichen homepage von Herrn Huge:

.... Sieben Jahre als wissenschaftlicher Referent von Oberbürgermeisterin Beate Weber, neun Jahre Abteilungsleiter im Baudezernat und drei Jahre Abteilungsleiter im Kinder- und Jugendamt bzw.Verwaltungsleiter im Explo ....

zu finden unter: http://www.huge-waehlen.de/node/4

Da das Thema Verkehrsplanung in Bad Schönborn ein sehr wichtiges ist, kann man wohl schon von leichten Vorteilen für Herrn Huge an dieser Stelle aufgrund seines Werdegangs sprechen.

Mit freundlichem Gruß,
Torsten Thal

"Amtsleiter" und Verwaltungserfahrung

Liebe Leute, bevor man sich über die Auswirkungen derartiger Dinge streitet sollte man sich mal einig werden, was sie überhaupt bedeuten - was ist denn ein "Amtsleiter" und welche Art von Verwaltungserfahrung ist für unsere Gemeinde wichtig?
Was in einer Großstadt eine Abteilung ist, wird in einer Mittelstadt als "Amt" bezeichnet - ein Fachbereich hier ist in dieser Stadt ein Dezernat!
Beide Bewerber haben höchst unterschiedlichen Tätigkeiten in Verwaltungen mit ganz verschiedenartigen Aufgabenstellungen ausgeübt.
Wer hat Erfahrung im Umgang mit der Bevölkerung, mit dem Publikum? Und zwar an der Basis, nicht irgendwo oben hinter dichten Vorzimmertüren?
Wer kann wie mit kommunalen Gremien - Gemeinderäten, Ortschaftsräten - umgehen?
Wer hat Erfahrungen mit Verhandlungen mit Fach- und Rechtsaufsichtbehörden?
Und: Wie werden seine Arbeitsergebnisse von der Bevölkerung, den unmittelbar von seinen Entscheidungen Betroffenen, MiterabeiterInnen, Kollegen, Vorgesetzten, anderen Behörden usw. beurteilt?

Sehr geehrter Herr

Sehr geehrter Herr Dr.Bechtler,

der Versuch, die Glaubwürdigkeit von Herrn Huge in Frage zustellen ist bereits auf der Homepage der CDU Bad Schönborn, bei "Fellhauer bloggt" gründlich daneben gegangen...denn wer lesen kann ist klar im Vorteil...

Ich gehe davon aus, dass Sie als aktives CDU Mitglied in Bad Schönborn,
den Blogg gelesen haben und mittlerweile über den beruflichen Werdegang von Herrn Huge informiert sind und es sicherlich keinen Anlass Ihrerseits mehr gibt,
die Glaubwürdigkeit von Herrn Huge anzuzweifeln.

Wie schon Herr Fellhauer bloggte:"Auf ein faires Wahlkampffinale"

Gruß
Anke Lenzner

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