Was man schon immer über das Stundengebet wissen wollte…

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Oder: braucht man das überhaupt?
Montag, 18. November 2013 - 21:25

Ein menschliches Bedürfnis ist die innere Suche nach dem Selbst. Diese kann so unterschiedliche Wege gehen wie z.B. Gedichte lesen, die Betrachtung eines Gemäldes, das Hören von Musik. So etwas könnte durchaus auch Gebet genannt werden – nämlich dann, wenn es durch das Streben nach Spirituellem motiviert ist: das Selbst im Einklang mit Gott... Etwas, von dem man in der heutigen Zeit vielleicht nicht zugeben möchte, dass man es tut - es scheint nämlich ziemlich uncool zu sein…

Eine Form solcher Bemühungen ist aber auch das Stundengebet im christlichen Sinne: ein Zusammenwirken von Textrezitation (Psalmen), körperlicher Haltung, und, wenn man will, Gesang. Ich will an dieser Stelle nicht die Geschichte von den Anfängen bis in die Moderne schildern sondern vielmehr Sinn und Relevanz für das Leben des Einzelnen beleuchten.

Warum Stundengebet? Der Begriff stammt aus der Antike und bezieht sich auf die Einteilung des Tages in 12, in Bezug auf die Jahreszeiten in der Dauer flexiblen Stunden („Horen“). In unserer abendländlichen Tradition zwar als Gebet zu verstehen, aber als kein individuell frei zu gestaltendes sondern eines streng nach niedergeschriebenen Texten, die das Wort Gottes wiedergeben. Ein Grundgedanke dabei ist auch, dass das ständige Wiederholen Gottes Wort in Fleisch und Blut übergehen lässt und unter Anderem zu Offenbarung und Einklang mit der Schöpfung führt. Ein vom Judentum abgeleitetes Gebetsideal, mindestens dreimal täglich auszuführen. Ins Christliche übertragen: der Sonnenaufgang als die Auferstehung, die Mitte des Tages / der Nacht als Stationen des Leidens Christi und dann wieder der Sonnenuntergang als Symbol des Todes/ „Schlafens“.

Diese Gebetsform wurde und wird immer noch in Klöstern von Mönchen und Nonnen praktiziert, die schon immer den Ruf als weltliche Aussteiger hatten. Auch galt dies als die normale Gebetsform für Christen in Gegensatz zur Feier der Eucharistie. Ich könnte hier lang und breit erzählen, wie sich alles entwickelte…Interessant ist aber nur, dass durch das 2. Vatikanische Konzil (1962-1965) das Stundengebet von Grund auf neu durchdacht und modernisiert wurde, mit dem Morgengebet  „Laudes“ und dem Abendgebet “Vesper“ als Eckpunkte des Rituals. Moderne Formen des Stundegebets kommen in den Gebetsfeiern von zum Beispiel der Taizé-Gemeinschaft vor. In vielen normalen kirchlichen Gemeinden ist das Stundengebet als Gemeinschaftserlebnis praktisch ausgestorben. In Bruchsal wird es, zurzeit, einmal im Monat mit einer Vesper in St. Peter praktiziert. Das was immer mehr wird, die Übernahme von kirchlichen Tätigkeiten von Laien - was für uns bedeutet, eine Möglichkeit innerhalb eines Rahmens sehr kreativ zu agieren. Das Stundengebet kann von einer schlichten Feier zur aufwendigen musikalischen Inszenierung gestaltet werden. Grundtenor ist ein Element der Meditation und Kontemplation. Wer vielleicht neugierig geworden ist, darf nächste Woche in St. Peter eine Variante erleben, die sich irgendwo dazwischen bewegt. Die „Ambrosianer“-Schola  und Maria Ayrle gestalten die Vesper am 24.11.2013 um 18 Uhr in St. Peter. :)

Ambrosianer

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