Was hat Johann Michael Anton Bopp mit dem "Derre Aschd" zu tun?

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John Bopp. Deutsch-amerikanischer Geschäftsmann und Philanthrop.
Sonntag, 30. März 2014 - 3:24

John Bopp

Der Bruchsaler Ehrenbürger John Bopp findet Erwähnung in einigen Werken über die Bruchsaler Geschichte, unter anderem im “Heimatlexikon Bruchsal”, einer Veröffentlichung der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal im Verlag Regionalkultur, und dem Werk des Bruchsaler Stadtarchivars Thomas Moos “Die Bruchsaler Straßennamen und ihre Bedeutung” - Veröffentlichungen zur Geschichte der Stadt Bruchsal von 2008, ebenfalls im Verlag Regionalkultur, da John Bopp nicht nur Ehrenbürger der Stadt Bruchsal ist, sondern auch eine Straße nach ihm benannt ist.

Ich zitiere Thomas Moos: “John Bopp (1858-1936). Deutsch-amerikanischer Geschäftsmann und Philanthrop, Ehrenbürger der Stadt Bruchsal. Der in Bruchsal geborene John Bopp wanderte nach dem Absolvieren einer Schriftsetzerlehre in die Vereinigten Staaten aus und machte dort eine außerordentliche Karriere, die ihn bis in die Vorstandsspitze der größten New Yorker Brauerei führte. Aber auch in der neuen Heimat tat er viel für den Erhalt und die Pflege des deutschen Brauchtums und ließ den Kontakt zu seiner Geburtsstadt nie abreißen.

Durch das Sammeln von Spenden, aber auch aus eigenen Mitteln unterstützte er zahlreiche Projekte in seiner alten Heimat, besonders in den Notzeiten nach dem Ersten Weltkrieg. Ein besonderes Anliegen war ihm das Wohl der Kinder und der alten Menschen.”

Soweit Thomas Moos. Wer weiß aber, dass es in Bruchsal noch Mitglieder der weit verzweigten Sippe “Bopp” gibt und dass diese einen engen Kontakt zu einer Enkelin John Bopp’s, nämlich Carolin Ruprecht, 86 Jahre alt, pflegen.

Frau Carolin Ruprecht hatte lange Zeit zwei Wohnsitze, einen in den USA (Pawly Island, South Carolina) und einen in Kitzbühel, da sie mit einem Österreicher verheiratet war. Nun hat sie den Wohnsitz in den USA aufgegeben und lebt jetzt ausschließlich in Kitzbühel, was den Kontakt zu den Bruchsaler Sippenmitgliedern natürlich enorm erleichtert, da Besuche nun einfacher sind.

Bei den “Bruchsaler Bopps” handelt es sich um die Kinder der wohl allen Bruchsaler Obervorstädtlern bekannten (verstorbenen) Wirtin des “Derre Aschds” (Insidern als "Grüner Baum" bekannt), und deren (ebenfalls verstorbenen ) Ehemanns Emil Bopp, aus deren Ehe  wiederum drei Kinder hervorgingen, wovon zwei noch in der Württemberger Straße im Anwesen “Grüner Baum” wohnen.

Es sind Günther und dessen Ehefrau Sofia Bopp, die den Kontakt zur Enkelin John Bopp’s halten. Auf dem Photo unten sind beide, zusammen mit Carolin Ruprecht, der Enkelin, zu sehen.

Bopp

Von links: Enkelin Carolin Ruprecht, Sofia Bopp, Günther Bopp

Der 70. Todestag von John Bopp war ein besonderes Ereignis, weil man sich da wieder traf und ein Artikel von Stefan Schuhmacher im Amtsblatt Bruchsal dieses Ereignis würdigte. Das nachfolgende Photo zeigt Carolin Ruprecht und Sofia Bopp mit dieser Ausgabe  des Amtsblatts. Das war im Jahre 2006.

Corolin + Sofia

Carolin Ruprecht und Sofia Bopp mit Amtsblatt Bruchsal

Nachfolgend werde ich aus diesem Artikel zitieren. Interessant für mich ist jedoch der im Jahre 1959 vom Bruchsaler Kunstmaler Karl Geitz “gemalte” Stammbaum der Familie Bopp.

Stammbaum
Stammbaum


Daraus geht hervor, dass John Bopp ursprünglich auf den Namen “Johann Michael Anton” getauft wurde.

Stammbaum

Gemeinsamer Stammvater der Sippe Bopp war der Metzgermeister und “Viehhofwirt” Johannes Bopp, 1720 bis 1772. Ein Sohn von diesem, Anton Matthäus Bopp, quasi der Stammvater der "amerikanischen Linie", war ebenfalls Metzgermeister und "Grüner-Baum-Wirt". Insofern ist die Frage, was John Bopp mit dem "Derre Aschd" zu tun hat, geklärt.

Stammbaum

Aus dem Stammbaum ist auch zu entnehmen, dass es u.a. eine Linie “Metzger- und Landwirts-Bopp” gibt, “Weinhändler-Bopp”, “Ratgebers-Bopp”, “Lammwirts-Bopp”, “Kaufmanns-Bopp”, “Schneider-Bopp”, “Großkaufmanns-Bopp” und eben: “Amerikaner-Bopp”.

Stammbaum


Stammbaum

Jedem “Grünen-Baum”-Gast dürfte der Stammbaum noch in Erinnerung sein, hing er doch Jahrzehnte in der Gaststube über der Vitrine, in welcher die Stammgäste ihre persönlichen Bierkrüge deponierten und wo der meinige ebenfalls einen guten Platz hatte, war doch der damalige (Hobby-)Wirt des Grünen Baumes, Berthold Staiger, ein Klassenkamerad von mir und darüberhinaus auch noch mein Schwager. Der Stammbaum ist, als Ganzes gesehen, auch eine Art Kunstwerk.

Nun aber zum Text Stefan Schuhmachers: “Im fernen New York, seiner langjährigen ‘neuen Heimat’, starb am 28. Januar 1936, der Bruchsaler Ehrenbürger John Bopp.

Als ältester von fünf Geschwistern erblickte Johann Michael Anton Bopp am 15. April 1858 im großherzoglichen Amtsstädtchen Bruchsal das Licht der Welt. Volksschule, einige Gymnasiumsjahre sowie eine Schriftsetzerlehre absolvierte er in seiner Geburtsstadt, ehe der 18-jährige den Sprung über den großen Teich wagte.

Er landete in New York bei der Verwandtschaft und sattelte beruflich um. Von der Pieke auf erlernte er den Bierbrauerberuf in der Firma seines Onkels (wie aus dem Stammbaum zu entnehmen, war sein Vater Johann Eduard ebenfalls Bierbrauer, d.Verfasser) und arbeitete sich im Betrieb hoch bis zum Führungamt der damals größten Brauere der US-Metropole.

Das alles wäre noch kein Anlass für die Verleihung des Ehrenbürgerbriefes seiner Heimatstadt im April 1924 gewesen. Doch der “amerikanisierte” John erwies sich in treuer Heimatverbundenheit als großer Wohltäter Bruchsals, insbesondere der Kinder und Armen. Nicht nur dass er selbst freigiebig spendete für das Jugendheim an der Durlacher Straße, das Versorgungsheim in der Huttenstraße, das Sonnen- und Solarbad beim Schlachthof oder die Stiftung für Kinderhilfe und andere Anliegen, etwa das von ihm gesponserte Gefallenenehrenmal des 1. Weltkriegs im Friedhof.

Er brachte auch andere Bruchsaler Auswanderer in New York dazu, Herz und Hand für die Vaterstadt zu öffnen. Sein Interesse an ihr und ihrem Geschick erlahmte auch in den schweren Zeiten der gar nicht so goldenen 20er Jahre nicht.

Ein Nachkriegsbesuch anno 1924 war direkter Anlaß zur Verleihung der Ehrenbürgerurkunde durch OB Dr. Karl Meister. Auf Betreiben seines kunstsinnigen Bruchsaler Sozialbürgermeisters Wilhelm Mehner schuf der Berliner Maler Sebastian Lucius ein würdiges Bopp-Konterfei, das im barocken Rathaus seinen Ehrenplatz fand und am 1.3.1945 mit Bruchsal unterging (auf Zeitungsfotos noch zu sehen). Ein Nachkriegsbild, von Karl Geitz gemalt (s.o.), schmückt heute den Sitzungssaal im Rathaus."

(Aber nicht nur die Ehrenbürgerwürde wurde ihm anlässlich seines Besuches im Jahre 1924 verliehen. Der Liederkranz Bruchsal machte ihn "in dankbarer Anerkennung seiner Treue und Opferwilligkeit im Dienste des Deutschen Liedes" zu seinem Ehrenmitglied, wie eine jetzt aufgetauchte, von Carolin Ruprecht an die Familie Bopp übergebene Ehrenurkunde beweist, d. Verf.)

Ehrenurkunde


Übersetzung

"Späte Früchte seiner starken Heimatverbundenheit " - so Stefan Schuhmacher weiter - "vielleicht gar seines Heimwehs, sind seine schriftlich fixierten und im Druck erschienenen Erinnerungen an die Brusler seiner Kinder- und Jugendjahre.Wer nach einem halben Jahrhundert noch so im Dialekt seiner Kindheit zu reimen versteht, scheint nie fort gewesen zu sein.

Eine köstliche historische Fundgrube sind seine Schriften, gereimt in Knittelversen und in Mundart niedergeschrieben. In seinen 'Alt-Brusler-Erinnerungen aus den 60er und 70er Jahren' (im Reprint der 1926er Ausgabe noch erhältlich) feiern mehr als zwölf Dutzend Bruchsaler, Handwerker und Geschäftsleute, Dragoner-Soldaten, Beamte, Angestelllte und ‘Freiberufler’ fröhliche Auferstehung.Die Saalbachstadt scheint nur von Originalen bewohnt gewesen zu sein.

Nicht minder humorvoll ist seine Kollektion ‘Allerlei aus meiner Sammelmapp’. Was Bopp noch an Mundartausdrücken drauf hat, kann nur verwundern. Eine herrliche Fundgrube für alle, die sich etwas mit dem heimischen Dialekt befassen. Vieles davon ist schon fast der Vergessenheit anheim gefallen. Lassen wir ihn, den begeisterten Heimatdichter und begeisterten Sänger in den Gesangvereinen der deutschen Kolonie am Hudson, noch selbst zu Wort kommen mit den letzten Zeilen von seinem ‘Schlusswort: 

'So leg ich Eich die Verslein vor als winziges Vermächtnis. Nun ruf ich Dir, lieb Brusl, Du, ein Vivat, floreat, crescat! zu. Un winsch Dir allerwege auch ferner Glick un Sege!”

 

John Bopp

John Bopp. Photo: Stadtarchiv

 

In seiner Heimatliebe und Verbundenheit zur Heimat sowie in seinem segensreichen Wirken für die Stadt Bruchsal erinnert mich Johann Michael Anton Bopp an einen anderen Bruchsaler mit Leib und Seele: an Otto Oppenheimer...dem späte Anerkennung zuteil wurde.

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