Was haben Latrinenparolen mit der Bruchsaler CDU zu tun?

DruckversionPer e-Mail versenden
Und warum steht die Bruchsaler CDU vor einem Scherbelhaufen und sieht diesen nicht?
Montag, 14. September 2009 - 2:00

Nach dem Lesen des Kommentars von Herrn Streib in der Bruchsaler Rundschau vom Samstag, den 12. September 2009, stieg mir erst mal die Galle hoch. Was hat der nur wieder geschrieben. „Keiner kann und will schon wieder einen Wahlkampf führen“ und jetzt der Halbsatz, der mir diesen unangenehm bitteren Geschmack im Mund vermittelte: „nur weil möglicherweise ein Einzelner unehrlich war“. Und daran anschließend: „Die Konsequenzen soll dieser dann bitte schön alleine tragen“.

Meine Frau brachte mich dann glücklicherweise wieder in die Spur. „Was regst Du Dich auf. Herr Streib ist doch noch nicht so lange in Bruchsal. Der kennt die Bruchsaler Verhältnisse noch nicht so genau. Der weiß doch noch gar nicht alles aus der Historie Bruchsals. Sonst würde und könnte er so nicht schreiben“. Sie hat Recht. Frauen sind manchmal viel pragmatischer als Männer. Eine Prise gesunder Menschenverstand und man ist wieder auf dem richtigen Weg. Darum schreibe ich jetzt ganz unaufgeregt und ruhig weiter.

Im Kommentar steht: „Nur weil möglicherweise ein Einzelner unehrlich war“. War wirklich ein Einzelner unehrlich? Ganz sicher ist Herr Scherbel nicht plötzlich aus dem Mond gefallen und die CDU-Granden sind darüber so erschrocken, dass sie ihn sogleich als Gemeinderatskandidaten aufstellten.

Man kennt sich. Man kennt die Lebensumstände seiner Partei- und seiner sonstigen Freunde. Man kennt sich über Sport- und andere Vereine, man kennt sich über Lions oder Rotary. Worauf ich hinaus will? Ich glaube nicht, dass hier, wie von Herrn Streib in dessen Randnotizen beschworen, ein Einzelner unehrlich war. Ist es wirklich von der Hand zu weisen, dass von der CDU-Nomenklatura, verkörpert durch Herrn Brüstle und Herrn Stark, etwas schlitzohrig übersehen wurde, dass Scherbel im maßgeblichen Zeitraum vor der Kommunalwahl gar nicht in Bruchsal gewohnt hat, sich also seinen Sitz im Gemeinderat erschlichen hat? Wollen die mit der Kandidatensuche betrauten Personen der CDU tatsächlich nicht gewusst haben, dass Herr Scherbel die gesetzlichen Vorschriften nicht erfüllt? Wir reden hier von Politprofis, die seit Jahrzehnten im Politikgeschäft sind! Und die wollen jetzt so von diesem bösen Herrn Scherbel reingelegt worden sein?

Oder hat die CDU Bruchsal aus Gründen des Machterhalts die von Streib in den Raum gestellte Unehrlichkeit des Herrn Scherbel billigend in Kauf genommen? Ich befürchte, die Bruchsaler CDU stellte diesen Kandidaten als Stimmenbringer auf. Gegen besseres Wissen. Denn für viele Wählerstimmen ist ein Arzt als Vertrauensperson immer gut. Und wenn’s Wählerstimmen bringt und der Macht- und Pfründeerhaltung dient, schaut man gerne mal nicht so genau hin.

Vielleicht noch eines zu dem Kommentar des Herrn Streib, in dem er schreibt: "sorgen gegenteilige Latrinenparolen immer noch für Verunsicherung...".

Wenn Mitglieder der anderen im Gemeinderat vertretenen Parteien darüber spekulieren, ob diese erneute (die wievielte eigentlich?) Affäre der Bruchsaler CDU zu einer Neuwahl oder Umbesetzung des Gemeinderats führt oder nicht, wenn die Bruchsalerinnen und Bruchsaler über den Ausgang dieses Skandals spekulieren, so sind dies bitteschön keine „Latrinenparolen“ wie Herr Streib in seinem Kommentar etwas bräsig schreibt.

Wir leben glücklicherweise in einer Demokratie, wo das Recht auf freie Meinungsäußerung ein hohes Gut ist. Abweichende Meinungen als Latrinenparolen abzuqualifizieren ist zumindest höchst respektlos und arrogant der Meinung anderer gegenüber.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (2 Bewertungen)

Kommentare

Ich hätte es den Mitgliedern

Ich hätte es den Mitgliedern der Jungen Union Bruchsal gegönnt, leider haben diese den Einzug in den Gemeinderat nur knapp verfehlt. Das liegt sicher nur an der CDU Bruchsal, denn ein frischer Wind würde denen sicherlich gut tun!

Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen