Waldbegehung des Gemeinderats der Stadt Bruchsal

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Für Baumfreunde
Sonntag, 3. Oktober 2010 - 8:17

Heidelsheimer Wald

Heidelsheimer Wald

Gegenwärtig ist das Thema "Bäume" ja brandaktuell. Jede Menge davon zu sehen bekam am Freitag, den 01.10.2010 der Bruchsaler Gemeinderat. Wer dachte, so eine Waldbegehung sein ein langweiliges Event, wurde durch die Führung und Präsentation von Förster Durst eines besseren belehrt, zumal dieser es schaffte, daß auch das Wetter mitzog - so hätte man meinen können, wenn man die rundum gelungene Veranstaltung betrachtet. Vorab möchte ich feststellen, daß ich selten eine so informative, lebendige, abwechslungsreiche und unterhaltsame Darbietung miterlebt habe und möchte Herrn Durst gewisse Entertainment-Qualitäten nicht absprechen. Sogar ich, den man guten Gewissens fast als "Coureur du Bois", als "Waldläufer" bezeichnen könnte, habe noch viel dazu gelernt, und dieses auf unterhaltsame und kurzweilige Art auf einem fast zweistündigen Rundkurs in der Nähe des Waldspielplatzes in Heidelsheim. Ich hatte zunächst vor, einen üblichen, 10minütigen Videoclip zu drehen, habe jedoch, wegen der Fülle des abwechslungsreich vorgetragenen Materials, daraus zwei Beiträge von insgesamt fast 30 Minuten gemacht, die Sie am Ende des Berichts wie immer ansehen können. Natürlich mußte ich aus der Fülle des Materials eine Auswahl treffen, die folglich sehr persönlich ist, aber da rundweg alles Dargebotene interessant war, konnte ich keinen Fehler machen. Und da Bruchsal.org keine festen "Sendezeiten" hat, kann, was die Länge der Beiträge betrifft, gottseidank auch improvisiert werden, und wem es eventuell doch zu langweilig werden sollte, kann ja abschalten. Nun aber zum Inhaltlichen mit einem Zitat aus dem Stadtleitbild: "Die Stadt Bruchsal zeichnet sich durch einen hohen Anteil an zusammenhängenden Waldflächen mit hoher Erholungsqualität aus. Sie werden nachhaltig und naturgemäß bewirtschaftet." Um sich davon überzeugen zu können, werden im Abstand von ungefähr 10 Jahren für den Gemeinderat sogenannte "Waldbegehungen" durchgeführt.

 

Stadtwald Bruchsal bei Heidelsheim

Buchenwald bei Heidelsheim

 

Der Stadtwald Bruchsal weist einen hohen Anteil an Altbuchen über 120 Jahre aus, damit ergibt sich ein Spannungsfeld zwischen Holzverwertung und Naturschutz. Gerade alte Bäume bieten Lebensraum für viele bedrohte Arten. Folgende Baumartenverteilung findet man im Bruchsaler Wald: 80% Laubholz, verteilt auf 48% Buche, 14% Eiche, 5% Ahorn, 5% Esche und 8% sonstiges Laubholz wie Erle, Pappel, Hainbuche, und 20% Nadelholz, verteilt auf 9% Douglasie, 4% Fichte, 4% Lärche und 1% sonstiges Nadelholz wie Kiefer und Tanne. Die Bruchsaler sind, wie Herr Durst betonte, keine "Holzlumpen" ohne Wald mehr, denn die Waldflächen sind durch Eingemeindung in den 70-er Jahren zur Stadt gekommen, weshalb sich der Wald eher im Osten der Gemarkungsfläche befindet. Direkt um die Kernstadt liegt staatlicher Wald (Büchenauer Hardt und Eichelberg, ca 1130 ha) und ca. 20 ha Bundeswald. Ungefähr 30% der Gemarkungsfläche sind damit bewaldet, wobei Heidelsheim einen Waldanteil von 621 ha aufweisen kann, Untergrombach 370 ha, Obergrombach 262 ha, Helmsheim 115 ha und Büchenau 10 ha. Im Rohrbachtal in Bruchsal gibt es noch einen stadtnahen Stiftungswald, der vorrangig der Erholung dient. Die Flächengröße für den Stadtwald liegt bei 1379,3 ha, den Stiftungswald 53,9 ha und für den Privatwald, den es auch noch gibt, bei 70 ha. Der Stadtwald ist gem. PEFC zertifiziert, ca. 40% der Waldfläche ist FFH-Gebiet. Es gibt zwei Waldschutzgebiete, die Ungeheuerklamm und den Bruchsaler Bruch. Im Wald gibt es natürlich auch Jagdreviere. Die Stadt Bruchsal hat alle gemeinschaftlichen Jagdflächen verpachtet, insgesamt 12 Reviere, davon 9 Reviere mit Waldanteil. Es wurden in der Saison 2008/09 290 Rehe abgeschossen, 250 Stück Schwarzwild und 230 Füchse. Es gibt durchaus einen Konflikt Wald - Wild, der von Herrn Durst (zu sehen im Video) thematisiert wurde. Es existiert ein Leitbild für einen Buchen-Laubbaum-Mischwald: Das Kronendach starker und geradschaftiger Buchen wird in unregelmäßigem Muster von jüngeren Bestandteilen verschiedener Entwicklungsphasen unterbrochen. Andere Laubbaumarten und auch Nadelbäume aller Durchmesserbereiche sind einzeln bis gruppenweise beigemischt. Auf lichtem Raum verjüngen sich Buche, Ahorn, Esche und andere Laubbäume natürlich. Davon konnten sich die Mitglieder des Gemeinderats per Augenschein überzeugen. Die Buche ist die herrrschende Baumart und kann über 90% der Baumschicht einnehmen. Eichenwälder haben dagegen einen größeren Anteil von Mischbaumarten. Die Buche duldet unter optimalen standörtlichen Verhältnissen (Nährkraft der Böden und Feuchte) kaum eine andere Baumart neben sich, d.h. sie ist die Gewinnerin beim Kampf um das Licht. Sie vermag, wie kaum eine andere Baumart, Lücken im Bestand durch Ausbreiten ihrer Krone in kurzer Zeit wieder zu schließen. Sie macht das Bestandsdach wieder dicht und andere Baumarten verkümmern durch zu wenig Licht. Sie selber kann, besonders in der Jugend, sehr viel Schatten vertragen. Junge Buchen lauern in der schattigen Unterschicht sehr lange und schießen bei einer Auflichtung schnell nach oben. Buchen sind auch darum bei der Verbreitung so erfolgreich, weil sie eine große standörtliche Bandbreite besitzen. Mit Ausnahme sehr sauerer und sehr trockener Böden können sie überall wachsen. Dies alles und mehr erfuhren die Teilnehmer der Waldbegehung auf lockere und unterhaltsame Art. Zur Stärkung wurde mitten im "Urtwald", neben einer Wildschwein-Suhle, das passende Vesper gereicht, nämlich Wildfleischwurst und -schinken aller Art - lecker! Nach Abschluß des Rundgangs bekam die Oberbürgermeisterin von Herrn Durst, zur Erinnerung an diesen Tag, ein Bäumchen für den Garten geschenkt mit der Mahnung, daß man sich als OB unter einem selbstgepflanzten Baum nicht ausruhen sollte, und Stadtrat Jürgen Schmitt überreichte der Oberbürgermeisterin als Überraschungsgeschenk des Gemeinderats für 365 Tage im Amt eine Wetterstation - wegen etwaiger "Sturmwarnungen".

Im zweiten Teil sehen Sie etwas Action und die Schlußworte der Oberbürgermeisterin:

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