Von Kaffee aus Togo, Negerküssen und Mohrenköpfen

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Dienstag, 5. April 2011 - 15:56

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Originalfoto aus Bruchsal

Originalfoto aus einer Bruchsaler Bäckerei

Zu ergänzen ist diese Sammlung von Begriffen, die gemeinsam mit "Kaffee" beginnen und mit etwas Unterschiedlichem enden, um einen neudeutschen Begriff, einen sich mittlerweile weltweit, überraschenderweise sogar in Bruchsal "breit" machenden Begriff, dem Kaffeetogo. Insbesondere Bäckereien mit angeschlossenem Stehcafé, wie beispielsweise das beim REWE, bieten diesen Togo-Kaffee an. Zu kriegen ist dieses edle Heißgetränk aber auch an Tankstellen oder in kleinen Imbissstuben. Serviert wird der Cafe-to-go in pappigen Pappbechern, wodurch das Geschmackserlebnis um ein vielfaches potenziert wird.

Über die Erfindung des Togo-Kaffees wird wie folgt berichtet: Einem abgewirtschafteten Coffee-Shop-Betreiber in den USA gingen die Porzellantassen aus, zu viele seiner Kaffeetassen ließen ihr Leben im Spülbecken. Geld für den Kauf neuer Tassen hatte er nicht mehr. So kam er auf die obstruse Idee, seine leckeren Brühprodukte in Pappbechern abzufüllen. Beim ersten Probetrinken kam dann der Aufschrei: „Oh (my) God! That sucks". ("Du meine Güte, das ist echt beschissen!"). Trotzdem (oder gar deswegen?) entwickelte er die Idee, seinen Kunden für diese epochemachende Erfindung horrende Summen abzuleiern (alles wo irgendwie "NEU" ist, geht ja bekannterweise ab wie frische Semmeln), und auf der Suche nach einem Namen entsann er sich seines ersten Aufschreis. Er verdrehte die Buchstaben (Dogho), hübschte sie ein wenig auf und so entstand die Wortschöpfung „ToGo". Und jedes mal wenn die Kasse klingelt, verrät ihn, und mittlerweile nicht mehr nur ihn, auch noch heute ein maliziöses Grienen in den Mundwinkeln.

Nun denn ...


Der Ludwigshafener Fotograf und Autor Udo Pagga hat sich ebenfalls so seine Gedanken zum Kaffee to go gemacht, womit wiederholt klar wird, dass es sich bei dieser Kaffeespezialität nicht um ein rein Bruchsalerisches Phänomen handelt.

Kaffee Togo ohne Negerküsse

Er geht durch die Fußgängerzone und ärgert sich über die vielen Anglizismen, die ihn nerven. Warum wird man in einem Information Centre upgedatet? Warum findet im 4-you-Shop Sale statt? Warum sind das Candle-light-dinner und das Beauty Special im Wellness Resort ein Event? Was passiert eigentlich, wenn man im Callcenter ein Callgirl on demand ordert? Könnte man das nicht auch auf Deutsch sagen? Seltsamerweise geht man ja immer noch durch die Fußgängerzone und nicht durch eine pedestrian precinct oder shopping promenade. Vor einem Stehcafe mit dem Namen Back-Factory bleibt er stehen und fragt sich, was eigentlich eine Zurückfabrik ist.

Er geht hinein. Er ist der einzige Kunde. Die Frau hinter der Theke fragt:

Was hätten Sie gern?"

„Einen Kaffee Kamerun."

„Was wollen Sie?"

„Einen Kaffee Kamerun. Haben Sie keinen?"
„Wenn Sie Kaffee Togo haben, könnten sie doch auch Kaffee Kamerun haben."

Er sagte [too:goo].

„Hä? Was soll das mit Togo und Kameruun?" Sie betont das u.

„Sagen Sie bloß, Sie kennen nicht Togo und Kamerun? Zwei Staaten in Afrika."

„Ach ja? Die kenn ich nicht, aber ich war schon mal im Urlaub in Afrika, in Tunesien. Warten Sie mal, da fällt mir ein, neulich kam mal was im Fernsehen. Wie hieß das gleich? So ähnlich wie Tabak, wie..." Sie denkt nach. „Wie Tobacco. Ach ja, Tobago, meinen Sie vielleicht Tobago?"

„Nein, außerdem liegt Tobago nicht in Afrika."

„Nein? Aber es gibt da Neger. Die habe ich im Fernsehen gesehen."

„Neger sagt man nicht, das ist eine Beleidigung."

„Wieso Beleidigung? Es stimmt doch, es sind doch Schwarze, halt Neger. Aber jetzt sagen Sie mir doch mal, warum Sie einen Kaffee Kameruun wollen."

„Na ja, weil ich schon so oft Kaffee Togo getrunken habe, den bekommt man in jedem Stehcafe, hier ja auch, aber Kaffee Kamerun habe ich noch nie getrunken. Vielleicht schmeckt der ganz anders."

„Was soll der Unsinn? Wir haben doch gar keinen Kaffee Togo."

„Wieso nicht? Da steht doch ganz groß „Kaffee to go". Er deutet auf das Schild, das über der Preisliste angebracht ist. Sie schaut hin und lacht.

„Was Sie für einen Schmarren reden. Das heißt doch Kaffee to go."
Sie spricht das to go Englisch aus [tu gou], wenn es auch mehr nach [tu go] klang. „Das ist Kaffee zum Mitnehmen, in Pappbechern, verstehen Sie?"

„Wenn das Kaffee zum Mitnehmen ist, warum schreiben Sie nicht hin Kaffee zum Mitnehmen oder Kaffee in Pappbechern?".

„Der heißt halt so, Kaffee to go. Klingt doch besser als Kaffee zum Mitnehmen, finden Sie nicht?"

„Nein, finde ich nicht. Aber ich nehme einen und trinke ihn trotzdem hier, weil ich dann an Togo denke. Da möchte ich nämlich mal hin."

Sie wartet, bis der Kaffee durchgelaufen ist, nimmt den Becher und stellt ihn auf die Theke.

„Wünschen Sie noch etwas? Ein Stück Kuchen?"

„Ja, einen Negerkuss."

„ Einen was?"

„Einen Negerkuss. Wissen Sie nicht, was das ist?"

„Nein, nie gehört."

„Vielleicht darf man das heute auch nicht mehr sagen. Aber Afrikanerkuss oder Menschen-mit-schwarzer-Hautfarbe-Kuss klingt ja richtig bescheuert. Man sagt auch Mohrenkopf. Kennen Sie Mohrenköpfe, diese schwarzen Halbkugeln mit weißem Schaum drin?"

„Ja, Mohrenköpfe, die kenn ich. Die gibt es immer auf dem Jahrmarkt. Aber so was haben wir hier nicht. Wir sind ja eine Bäckerei und keine Konditorei. Wir haben frische Butterbrezeln im Angebot, drei für den Preis von zwei. Wollen Sie?"

„Nein, keine Butterbrezeln, die sind mir zu exotisch, die kommen aus dem Schwobeländle, aus Stuaget. Ich hätte lieber viele Negerküsse und deswegen will ich ja auch nach Togo fahren."

Sie lacht. „Was Sie da so reden. Viele Negerküsse in Togo. Sie meinen jetzt bestimmt schon wieder etwas anderes. Ich weiß, was Sie meinen. Sie meinen Küsse von Negerinnen. Sie sind vielleicht witzig."

Sie wendet sich, immer noch lachend, einem neu eingetretenen Kunden zu, der einen Kaffee to go und eine Butterbrezel bestellt.

© yupag 2008

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Kommentare

Ein AOK-Brot ist gesünder, Herr Schmitt

Man bekommt in Bruchsal auch AOK-Brote. Sogar dann, wenn man in der DAK versichert ist.

Das ist allemal gesünder als das afrikanische Zeugs.

Manchmal bekommt man aber auch eine

Morgenlatte

und wer besonders viel Appetit hat, kann ja zum Italiener gehen

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