Vom Rand des Alls

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Montag, 15. Oktober 2012 - 9:01

Technisch gesehen war der Aufstieg der Kapsel und der Absprung aus 39 km Höhe sicher eine Meisterleistung. Live übertragen von NTV war die Mission recht spannend.

Auch der "Verbindungsmann" Joe Kittinger, dessen Rekord von 1960 durch diesen Absprung gebrochen wurde, verdient alle Achtung, wie fit er mit 83 Jahren noch ist.

Ob der Absprung außer einer großen erfolgreichen Werbekampagne noch einen Zweck hat, darüber streiten sich die Fachleute. Die Durchführung der Mission und der Mut von Baumgartner sind jedenfalls bewundernswert.

Ob er tatsächlich die Schallmauer durchbrochen hat, wage ich zu bezweifeln. Die Schallmauer ist eine Geschwindigkeit bei der das Objekt sich so schnell fortbewegt, wie der Schall (in Luft). Nachdem es in dieser Höhe nur einen geringen Anteil Luftmolekülen gibt (Druck 1 mbar) ist die Schallgeschwindigkeit einen andere, wenn sich Schall dort überhaupt ausbreiten kann.

Er hat zwar eine Geschwindigkeit erreicht, die im Luftraum höher als die Schallgeschwindigkeit liegt, das Phänomen des "Durchbrechens der Schallmauer" hat m.E. nicht stattgefunden.

Am Rande sei noch bemerkt, was die Berichterstatter so alles vom Stapel ließen: "Vom Rande des Weltalls", dass das All Ränder hat, darüber streiten sich die Gelehrten. Es war vermutlich von den Grenzen unserer Atmosphäre. "Der höchste bemannte Ballonflug", wobei ein Ballon bekanntlich nicht fliegt und besser: "die höchste bemannte Ballonfahrt". Nein, das war es auch nicht. Es war keine Fahrt, es war ein Ballonaufstieg, alledings der höchste bemannte bislang.

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Kommentare

bestimmt eine grandiose Leistung

aber der "Rand des Alls" fängt bei etwa 100 km Höhe an und "leider" nicht schon bei 40 km Höhe. Dennoch absoluter Respekt davor, ich hätte mich das nicht getraut :-)

Das war...

technisch gesehen schon eine tolle Leistung, bei der Ausrüstung jedoch  nicht "gefährlicher" als jeder andere Fallschirmsprung auch. Da spielt die Höhe dann nicht so eine große Rolle. Die Schallgeschwindigkeit ändert sich übrigens mit der Temperatur, nicht mit dem Gasdruck, und da die Temperatur mit der Höhe abnimmt, nimmt auch die Geschwindigkeit des Schalls ab. Von einem Durchbruch der "Schallmauer" war nicht die Rede, lediglich vom "Erreichen" der Schallgeschwindigkeit. Bei dem geringen Luftdruck in dieser Höhe bemerkt der Springer - zumindest körperlich - nichts von der hohen Geschwindigkeit (Schockwelle, Temperatur) da so gut wie kein Luftwiderstand vorhanden (bei einem Überschallflug in Bodennähe erhitzt sich die Außenhaut des Flugzeugs an manchen Stellen bis auf 200°C). Die Erdumrundung von B. Piccard im Jahre 1999 in einem Heliumballon war da m.E. schon wesentlich riskanter. Der höchste "Aufstieg" eines Menschen ohne irgendwelche Ausrüstung, nur mit dem Fallschirm, wurde übrigens im Jahre 1959 erreicht, als ein Kampfpilot nahe New York in einem Gewitter in 5 km Höhe aussteigen mußte und dann von Gewitterstürmen, umzuckt von Blitzen, auf ca. 12 km Höhe  gehievt wurde. Er landete nach 30 Minuten zwar geschockt, aber wohlbehaltgen.

 

 

Nicht ganz :-)

Physikalisch gesehen ist Schall eine mechanische Welle in einem Medium. Schall breitet sich mit einer für das Medium (und seinem Zustand, wie Temperatur und Druck) sowie Wellenart charakteristischen Schallgeschwindigkeit c aus. In Gasen wie Luft kann Schall als eine dem statischen Luftdruck überlagerte Schalldruckwelle beschrieben werden (soweit Definition in Wikipedia).

Im Vakuum gibt es gar keinen Schall.

Die Schallgeschwindigkeit auf Meereshöhe beträgt bei normalen Umweltbedingungen ca. 1.220 km/h (rund 340 m/s). Die Schallgeschwindigkeit wird als Mach 1 bezeichnet. Diese Bezeichnung geht auf den Entdecker Ernst Mach zurück. Ab einer Höhe zwischen 18 bis 30 km entspricht die gleiche Geschwindkeit von 1.220 km/h bereits Mach 1,16.

Die Schallmauer (als Effekt) konnte der Springer aber nicht durchbrechen, da die physikalische Bedingung (kein Schallerzeuger) nicht vorlag..

Natürlich...

haben Sie recht, im Vakuum gibt es keine Schallausbreitung (siehe auch den sehr schönen anschaulichen Schulversuch im Physikunterricht mit dem Wecker in einer Glaskapsel, der dann langsam die Luft entzogen wird, man sieht den Wecker rasseln, hört ihn aber nicht mehr). Der Luftdruck ist bei der Messung der Schallgeschwindigkeit in großen Höhen, also dort, wo noch eine Schallausbreitung möglich ist, vernachlässigbar, da hier die Temperatur eine primäre Rolle spielt. Und da die Temperatur in verschiedenen Höhen und Luftschichten sehr variieren kann, ist auch die Schallgeschwindigkeit, je nach vorherrschender Temperatur in der Höhe (die Temperatur kann weiter oben durchaus "wärmer" sein als weiter unten) je nach durchflogener Luftschicht unterschiedlich (weshalb auch bei der Anzeige der Schallgeschwindigkeit im Cockpit ein Temperatur-Korrekturfaktor mit einfließt). Ich glaube aber,daß die Veranstalter auch gar nicht die physikalisch meßbare korrekte Schallgeschwindigkeit Baumgartners auf dem Weg nach unten in tiefere Luftschichten gemeint haben, sondern lediglich verdeutlichen wollten, welch hohes, der Schallgeschwindigkeit nahe kommendes Tempo erreicht wurde. Da allerdings müßten sie noch definieren, welche Schallgeschwindigkeit sie meinten, diejenige unter Normalluftdruck (1015mb) bei 20° C (ca.1245 km/H oder die in großen Höhen bei -50°C = ca.1100 km/h). Eigentlich können sie nur die annähernde Schallgeschwindigkeit in großen Höhen gemeint haben, da die Schallgeschwindigkeit unter Normalbedingungen in großen Höhen schon wieder Überschallgeschwindigkeit entspräche. Einfacher wäre es gewesen, die sicherlich per Radar gemessene, tatsächliche Geschwindigkeit in km/h anzugeben, um dann zu sagen, dies entspricht der Schallgeschwindigkeit in der und der Höhe bei der und der Temperatur. Ich denke, daß es nach Auswertung aller Meßdaten auch so kommen wird, da die Schallgeschwindigkeit ja keine Konstante ist (sie eignet sich deshalb in der Luftfahrt auch nicht zur genauen Navigation. Die Mach-Anzeige im Cockpit dient lediglich der Information, daß man sich der Schallgeschwindigkeit nähert oder schneller wird als dieselbe,

Mach-Anzeige

Mach-Anzeige=Anzeige der Fluggeschwindigkeit im Verhältnis zur Schallgeschwindigkeit, in Abhängigkeit der gemessenen Außentemperatur

was wiederum Einfluß auf das "Handling" des Flugzeugs hat, den Lufteinlauf sowie die Bedienung des Triebwerks und damit Vorsicht gebietet).

Also

Nach der neuesten Nachrichtenlage soll Baumgartner, wie ich vermutet habe, die radargemessene Geschwindigkeit von 1340 km/h erreicht und damit die für große Höhen geltende "Schallmauer" von ca 1100 km "durchbrochen" haben.

Die Meldung hätte demnach also richtig heißen müssen, daß Baumgartner eine Geschwindigkeit erreicht habe, die der Schallgeschwindigkeit unter Normalbedingungen entspricht oder der Überschallgeschwindigkeit in großen Höhen, und nicht, er habe die Schallmauer "durchbrochen". 

Denn hat gar nichts "durchbrochen", sondern lediglich die oben genannte Geschwindigkeit erreicht, und zwar schon weit vor dichteren Luftschichten, wo man eine Schallgeschwindigkeit gegenüber der Luft als solche auch messen und somit auch "durch die Schallmauer" gehen kann. Wo keine Luft ist, gibt es auch keine "Schallmauer".

In dichteren Luftschichten wäre eine größere Geschwindigkeit auch gar nicht möglich gewesen, da die Luftdichte eine solche verhindert hätte. Er wurde denn auch von der weiter unten dichteren Atmosphäre soweit abgebremst, daß er letztlich den Fallschirm öffnen konnte.

Hätte er seine Geschwindigkeit beibehalten, hätte er den Verdichtungsstoß  bei der dann in unteren Luftschichten wirklich stattgefundenen "Durchbrechung der Schallmauer"  nicht überlebt,  vorher aber wäre es ihm unangenehm heiß geworden und zuguter letzt hätte es den Fallschirm  bei der Öffnung zerfetzt.

Verdichtungsstoß

Verdichtungsstoß beim Durchbrechen der "Schallmauer"

In den Videos

Ist auch lediglich von einer "geschätzten" Geschwindigkeit von um die 1.100 km/h die Rede.

Wobei jetzt noch der Nutzen dieses Himmelsturzes zu klären wäre. Meiner Meinung gleich Null, da man z. B. Einen Notausstieg aus einer Raumfähre in vergleichbarer Höhe ist nur spekulativ und wird wahrscheinlich nie realisiert werden können, da die Zeit hierfür einfach zu kurz ist. Entweder explodiert vorher das Raumschiff oder der Insasse wird aller Vorraussicht nach in der Hektik zu viele Fehler machen.

Dennoch ist dies als hohe sportliche Leistung anzusehen, wobei man sich auch fragen darf, warum ein Mensch sein Leben so sinnlos aufs Spiel setzt, nur um in den Rekordbüchern zu stehen oder um möglicherweise für alle Zeiten ausgesorgt zu haben. Desweiteren ist es im Prinzip für mich unerträglich, dass eine private Firma, hier als Sponsor tätig war und im Prinzip der große Nutznießer ist. Die gleiche Firma hat auch Events von mindestens 3 Funsportlern gesponsert, wobei diese anschließend bei der Ausübung ums Leben gekommen sind (z. b. basejumps und auch ein Kunstflieger).

Allerdings bleibt festzuhalten, dass diese sich da alle freiwillig den Belastungen ob physisch oer psychisch ausgesetzt haben. Auch Felix Baumgartner hat sich ja im Vorfeld dazu geäußert, dass er einen Psychologen konsultiert habe, der ihm bei der Behandlung seiner auftretenden klaustrophobischen Ängste geholfen habe - was bestimmt im Nachhinein eine Kluge Entscheidung war!

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