Vom Auwald in den Bergwald

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Eine Exkursion
Sonntag, 12. Mai 2013 - 19:22

Förster Michael Durst

Förster Michael Durst

30 Jahre für die Natur vor Ort kann der Verein für Umwelt- und Naturschutz Untergrombach e.V. in diesem Jahr für sich reklamieren. Passend dazu wurde denn auch am Samstag, den 11. Mai, eine natur- und heimatkundlich-historische Exkursion vom Auwald in der "Kinzig-Murg-Rinne" zum "Bergwald" am Kraichgaurand unter sachkundiger Führung von Förster Michael Durst und dem ersten Vorsitzenden des Vereins, Thomas Adam, durchgeführt.

Die Exkursion dauerte ungefähr drei Stunden und führte vom Bahnhof Untergrombach in die Niederungen zwischen Bahnlinie und der B 3, vorbei am Feuchtgebiet Eisweiher, in die Auwälder in den heute noch erkennbaren Flußläufen der ehemaligen Kinzig-Murg-Rinne, einem alten Flußsystem am Ostrand des Nördlichen Oberrheingrabens.

Kinzig-Murg-Rinne

Kinzig-Murg-Rinne

Förster Michael Durst erläuterte, daß vor 12.000 Jahren bis vor etwa 3000 Jahren das Wasser der Bäche und Flüsse des Schwarzwalds und des Kraichgaus nicht direkt in den Rhein flossen, sondern in der Kinzig-Murg-Rinne nach Norden bis etwa nach Heidelberg, und von dort in den Rhein mündeten.

Als die Murg vor ca. 7000 Jahren in den Rhein durchbrach, verringerte sich die Wassermenge in der Kinzig-Murg-Rinne erheblich, der abgelagerte Kies und die Gesteinsmassen konnten durch die geringe Strömung nicht mehr weggeräumt werden, so daß im Laufe der Zeit große Schwemmfächer entstanden, zwischen denen letztendlich Stillgewässer zurückblieben, aus denen sich durch zunehmende Verlandung ausgedehnte Niedermore wie zum Beispiel das Weingartener Moor entwickelten.

Weingartener Moor

Weingartener Moor

In den Niederungen an der Bahnline nach Karlsruhe konnte man den Verlauf der alten Bäche noch sehr gut erkennen, da sie in dieser Jahreszeit unter Wasser stehen, im Sommer aber ausgetrocknet sind.

Michael Durst erläuterte, weshalb nur ganz bestimmte Baumarten wie die Weide, die Pappel und die Erle in diesem Gelände wachsen können und andere wie die Buche und Eiche nicht. Er zeigte auf, daß die Art des Waldes bodenabhängig ist, daß sich also von der Zusammensetzung des Bodens der Baumbewuchs ableitet und natürlich dann auch von der vorhandenden Feuchtigkeit.

Interesant war, daß sich in früheren Zeiten auch die Behausungen der Menschen nach dem Boden richteten. In den Dörfern der Rheinebene mit ihren armen Sandböden waren die Menschen ebenfalls arm und ihre Häuser nur einstöckig, während hingegen die Fachwerkhäuser im Kraichgau mit seinen fruchtbaren Lößböden bis zu fünf Stockwerke hoch waren. "Die Güte des Bodens drückt die Höhe der Häuser aus", so Michael Durst.

Auch an einigen alten Spitznamen für die Dörfer zeigt sich das heute noch, wie bei den Forster "Sandhasen". Die Untergrombacher nannte man "Frösche", was auf die feuchten Niederungen um Untergrombach hinwies.

Michael Durst veranschaulichte den Teilnehmern, die in nicht unerheblicher Zahl dabei waren, wie eine Wiese, die jahrelang sich selbst überlassen blieb, langsam wieder vom Wald zurück erobert wird und welche Baumarten dies bewerkstelligen.

Interessantes gab es auch über Schwarz- und Rehwild zu erfahren sowie über den "Zunderpilz", einen Baumpilz, aus dem früher Zunder zum Anzünden von Feuer hergestellt wurde, wie Thomas Adam sehr schön erläuterte.

Nach einer kleinen Pause bei einer Forsthütte, bei der ein Umtrunk eingenommen werden konnte,

Forsthütte

Forsthütte

ging es über teilweise abenteuerliche Pfade

Pfade

weiter Richtung Ungeheuerklamm,wo die B 3 überquert wurde und es dann unglaublich steil, wie Sie auch im Video sehen können, auf schmalem Weg nach oben in den "Bergwald" ging, wo eine ganz andere Art von Wald zu sehen war als unten in der Niederung.

Steiler Anstieg

Steiler Anstieg aus der Ungeheuerklamm

Michael Durst erläuterte auch hier wieder in gekonnter Manier das Warum und zeigte nochmals die Unterschiede, auf, wobei er immer wieder darauf hinwies, wie nahe und zugängliche eine eigentlich wilde Natur doch sein kann und daß wir, zumindest hier in der Gegend, keine Naturparks bräuchten, da wir alles im Kleinen hätten und dankbar sein müssen, daß dem so sei. Bei unserer Wanderung sind wir auch tatsächlich keinem Menschen begegnet und mir persönlich war die wunderschöne Niederung zwischen Bahn und B 3 auch noch nicht bekannt.Nun weiß ich aber, wo ich zukünftig des Öfteren mit meinem Hund unterwegs sein werde, um das Gebiet genauer zu erkunden.

Alles in allem kann man als Fazit festhalten, daß die Teilnahme an dieser Exkursion ein außergewöhnliches Erlebnis war, konnte man doch eine herrliche Natur erleben und dabei viel Wissenswertes und Interessantes aus erster Hand erfahren, ganz zu schweigen vom gesunden Effekt der Bewegung in freier Natur. Und weil ich Ihnen dieses Erlebnis nahe bringen will, ist das Video diesesmal mit über 80 Minuten besonders umfangreich ausgefallen, diese Veranstaltung war es auf jeden Fall wert, dokumentiert zu werden.

P.S. Zur besseren Wiedergabequalität wie gehabt nach dem Start des Videos auf das Zahnradsymbol klicken, dann auf 1080 oder 720p, wenn es Ihre Übertragungsgeschwindigkeit zuläßt. Ansonsten gibt es noch die Möglichkeit mit 480p

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