Visionen einer Oberbürgermeisterin?

DruckversionPer e-Mail versenden
Bahnstadt mit Unabwägbarkeiten?
Montag, 17. September 2012 - 16:27

Vortrag

Das Thema “Bahnstadt” wurde in bruchsal.org nun ja schon ausführlichst behandelt. Es gibt zig Beiträge dazu, geben Sie oben in das Suchfeld nur mal den Begriff "Bahnstadt" ein. Ich verweise hierzu auch auf nachfolgende Links:

http://www.bruchsal.org/story/bahnstadt-als-chance

http://www.bruchsal.org/story/bahnstadt-bruchsal-0

Nach der SPD hat nun auch die CDU Bruchsal unter ihrem neuen Vorsitzenden Walter Jaksch das Thema aufgegriffen und am Donnerstag, den 13. September, zu einer weiteren öffentlichen Informationsveranstaltung geladen.

Walter Jaksch

Walter Jaksch, neuer Vorsitzender der CDU Bruchsal

Dies schien irgendwie auch notwendig gewesen zu sein, denn in den bisherigen Veranstaltungen der Stadt Bruchsal habe ich kaum ein CDU-Mitglied gesehen.

Der Schwerpunkt lag allerdings, anders als bei der SPD, die zwar das Projekt nicht grundsätzlich verneint, jedoch kritische Punkte wie OGA-Verlagerung und deren Finanzierung vorher geklärt haben will, bei einer puren Darstellung des Projekts durch die Oberbürgermeisterin und Stadtplaner Prof. Ayrle.

Außer dem Ex-OB war die gesamte CDU-Prominenz vertreten, und aus den Reihen der Mitglieder kamen durchaus kritische Fragen auf. Stadtplaner Ayrle übernahm den Part der Erläuterung und Darstellung des Projekts, während die Oberbürgermeisterin, darauf aufbauend, visionär auf die Frage nach dem “Warum” einging.

Stadtplaner Ayrle

Stadtplaner Prof. Dr. Ayrle

Ayrle erläuterte  bruchsal.org-Lesern schon mehr oder weniger Bekanntes, zu sehen auf Video I. Unter anderem über den Besatz des Einkaufszentrums in der Prinz-Wilhelm-Straße: Keine Nutzung darf die Schwerpunkte in der Innenstadt beeinträchtigen.

Dies schien unter den Anwesenden eine umstrittene Frage zu sein, denn viele glaubten das so nicht, wie sich in der anschließenden Diskussion (Teil II des Videobeitrags) herausstellte, auch mir scheint diese Frage nicht ganz geklärt, denn die Projektoren sollen, lt. Andreas Gehard, Betreiber des Merkur-Centrums, sogar auf innerstädtische Einzelhändler wie Bäcker und Metzger zugehen, um das Einkaufszentrum zu füllen. Auch auf Ärzte im Ärztehaus im Merkur-Centrum und auf Apotheken sei man schon zugegangen.

Andreas Gehard

Andreas Gehard, Betreiber Merkur-Centrum

Ein weiterer umstrittener Punkt war die Etablierung eines Lebensmittel-Vollsortimenters. Viele waren der Meinung, dass ein weiterer Lebensmittelversorger neben Rewe und Marktkauf in Bruchsal nicht notwendig sei. Hier berief sich die Oberbürgermeisterin auf durchgeführte Untersuchungen, die genau den Bedarf eines solchen konstatierten.

Man habe den Marktkauf, der zur Edeka-Gruppe gehört, so Stadtplaner Ayrle, eingeladen, aber dieser habe nicht reagiert. Nun, da Konkurrenz kommt, wache Edeka auf und will seinen Markt renovieren, was seit 20 Jahren nicht geschehen sei. Beide Vollsortimenter wüßten voneinander, und Konkurrenz belebe nun einmal das Geschäft.

Mathias Holoch, Fraktionsvorsitzender der CDU im Bruchsaler Gemeinderat, meinte sinngemäß dazu, man müßte den Handel in Bruchsal zentrieren und nicht an jeder Ecke verzetteln. “Es muß doch das Ziel sein, Handelsflächen zusammenzubringen. Wir haben zum Teil einen Flickenteppich, an jeder Ecke kann man irgendetwas kaufen, das kann nicht sinnvolle Strukturpolitik sein..."

Mathias Holoch

Mathias Holoch, Fraktionsvorsitzender der CDU im Gemeinderat Bruchsal

Da reibe ich mir verwundert die Ohren, wollte man nicht die ganze Zeit eine “belebte Innenstadt” mit recht vielen florierenden Geschäften und einem gut gehenden Einzelhandel, und nun muß aus strukturpolitischen Gründen plötzlich “das Ziel sein, Handelsflächen zusammenzubringen”?, so Holoch.

Eine Vertreterin der Werbegemeinschaft äußerte  Bedenken, dass das “zarte Pflänzchen” der Neubelebung der Innenstadt durch ein “Konkurrenz-Zentrum” beschädigt werden könne, trotz der Versicherung Ayrles, dass durch die Nutzung des neuen Zentrums die Schwerpunkte der Innenstadt nicht betroffen seien.

Folgt man den Ausführungen Holochs, können genau an diesem Punkt Zweifel aufkommen, erst recht, wenn man einen kritischen Einwand Günter Brüstles reflektiert, der erläuterte (s. Video II), dass vor ca. 6 Jahren unter Bernd Doill schon einmal die Frage nach einem Lebensmittelvollsortimenter im Gemeinderat diskutiert wurde.

Günter Brüstle

Günter Brüstle, CDU-Fraktion Gemeinderat Bruchsal

Damals sei das Projekt “ad acta gelegt worden, weil die SPD einen Marketing-Guru aus Bad Reichenhall eingeladen habe, der mit einem Troß von Leuten durch die Stadt ging, dann eine große Pressekonferenz gemacht habe, den Bedarf geschätzt (bei der Hälfte der Ladenfläche, um die es heute geht), und geurteilt habe, dass das Fachmarktzentrum in der Prinz-Wilhelm-Straße nicht kommen dürfe, da es bereits jetzt in Bruchsal einen Überhang an Verkaufsflächen gäbe.

Im Durchschnitt gäbe es in Deutschland 1.4 qm Verkaufsfläche pro Einwohner, im Rest Europas seien es sogar nur 0.7 qm. In Bruchsal gab es damals, vor 6 Jahren, schon 2.5 (!) qm. Mit Friedrichspalais und Prinz-Wilhelm-Straße tendiert Bruchsal schon zu 4 qm pro Einwohner, was damals mit ein Punkt gewesen sei, warum das Projekt abgelehnt wurde.

Heute haben wir sogar noch den Jöst dazu und das SEPA-Zentrum! Die Quadratmeterzahl Verkaufsfläche dürfte somit gegen 5 bis 6 qm pro Einwohner tendieren! Also ich meine, das ist doch eine totale Überversorgung für Bruchsal. Es wird ein Hauen und Stechen unter dem Einzelhandel einsetzen, um zu überleben, da braucht man m.E. nicht lange darüber nachzudenken, die Natur macht uns das überall vor, wo es um knappe Ressourcen (hier: Käufer) geht.

Ich habe so meine Bedenken, dass das “zarte Pflänzchen Innenstadt” das unbeschadet überleben wird. Aus dieser Meinung habe ich noch nie einen Hehl gemacht, siehe auch meine bisherigen Beiträge zum Thema.

Seltsam ist, dass die SPD diese, ihre “eigene Untersuchung”, in der Diskussion “unter den Tisch” fallen läßt, wohl weil man den “Visionen” der OB folgen möchte?

Ein weiteres, meines Erachtens nicht ganz geklärtes Thema war der Verkehr in der Prinz-Wilhelm-Straße. Andreas Gehard meinte, dass sich die Verkehrs-Situation in dieser Straße “extrem” verändern müsse, da es jetzt schon morgens und abends in der Regel einen Stau vom Siemens-Kreisel bis zur Bundesstraße gäbe. Er wisse nicht, wie, bei 10.000 qm Verkaufsfläche plus den Parkplätzen, diese Straße das aufnehmen und wie der Verkehr in Richtung Untergrombach abfließen solle.

Die OB bezog sich wieder auf durchgeführte “Untersuchungen”, Städteplaner Ayrle räumte durchaus eine gewisse Problematik ein, derer man aber durch Maßnahmen wie Verbreiterung der Straße durch ein Parkverbot auf der Wohnseite begegnen könne.

Ein weiteres “heißes” Thema waren die Kosten. Der SPD liegt bekanntermaßen die OGA-Verlagerung im Magen, die mit 8 bis 10 Mio zu Buche schlagen soll. Darauf ging die OB nur flüchtig ein mit der Bemerkung, dass sich durch “Verkauf” der Betrag letztendlich wieder reinholen lasse. Unklar blieb, wenigstens mir, was sie damit gemeint haben könnte.

Nach ihren Ausführungen kämen auf die Stadt lediglich Kosten bon 2 bis 2.5 Mio zu, bei einem generierten Investitionsvolumen von 100 bis 110 Mio, und das läge auch nur an der Bahnhofsunterführung, die 7 bis 8 Mio kosten würde, wovon lediglich die 2 bis 2.5 Mio bei der Stadt hängen blieben.

A propos Unterführung: Ein ebenfalls heiß diskutiertes Thema. Viele der Anwesenden waren der Meinung, dass eine Überquerung mittels Brücke besser gewesen wäre, denn man kennt ja die Bahnhofsunterführungen, ob eine solche angenommen werde, sei zu bezweifeln.

Stadtplaner Ayrle führte dazu aus, dass diese Unterführung freundlich, hell und farbig gestaltet würde, mit großen Eingangsbereichen, so dass man am Anfang auch schon gut den Ausgang sehen könne. Außerdem sei es nicht die Aufgabe, ein Projekt, das vor Jahren aus Kostengründen abgelehnt worden sei (die Brücke), nun wieder aus der Schublade zu holen.Eine Brücke käme, wegen der Zu- und Abfahrtsrampen für Behinderte, um 2.5 Mio Euro teurer als die Unterführung.

Also ich frage mich, wenn schon so ein Projekt, dann doch bitte richtig. Und könnte man sich Auffahrrampen nicht sparen und stattdessen, wie bei der Unterführung auch, Fahrstühle einbauen? Dann lägen doch die Kosten in Ungefähr gleich!

Ja, natürlich, bevor ich es vergesse: Wer soll eigentlich in die Bahnstadt ziehen? Hierzu verweise ich auf die Ausführungen der Oberbürgermeisterin im Video I, aber auch dazu gab es skeptische Stimmen. Eine Zuhörerin meinte, sie arbeite bei SEW-Eurodrive, und diese Firma mache Werbung mit dem Spruch: “Arbeiten in Bruchsal, wohnen in Karlsruhe”. Das sagt schon alles.

Die OB möchte das gerne ändern. Zum Schluß wurde sie noch gefragt, ob sie sich mit der Bahnstadt ein “Denkmal” setzen wolle. Die Antwort war, dass der, der das unbedingt so sehen wolle, es wohl so sehen wird. Ihre Aufgabe wäre es jedoch, sich für die Stadt Bruchsal einzusetzen, für deren Entwicklung und Wohl, und um deren Zukunftsfähigkeit zu sichern.

Zur besseren Wiedergabe wie gehabt nach Einschalten des Videos auf das Zahnradsymbol klicken, dann auf 720 0der 1080p

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.9 (13 Bewertungen)

Kommentare

Bahnstadt

Besten Dank für die Berichterstattung, sie ermöglicht, sich alles noch mal in Ruhe anzusehen. Natürlich gibt es dazu viel Für und Wider und es ist schwierig, alle Positionen gegeneinander abzuwägen. Einige Kleinigkeiten sind mir aufgefallen, denn die wichtigen Dinge will ich nicht ansprechen, damit ich nicht auch die nachfolgende Antwort bekomme.

"Wenn Sie's besser wissen als wir Gemeinderäte .....", das nenne ich überheblich.

Eine Feststellung: "Inzwischen sind 10% der Fahrräder motorisiert ....", na, dann würde ich mir einmal große Fahrradparkplätze anschauen und zu zählen beginnen.
Und will mir jemand erzählen, er würde in einen großen Markt mit dem Fahrrad zum Wochenendeinkauf fahren? Ja, das gibt es auch. Aber die Beladung ist dann teilweise abenteuerlich und verkehrsgefährdend. Wer es nicht glaubt, der beobachte mal die Radfahreinkäufer bei Aldi und Marktkauf. Das Körbchen hinten überladen, die Lenkertasche voll, eine Plastiktüte baumelt vom Lenker und mit einer Hand hält man, halb verdreht, die Wasserflaschenpackung auf dem Gepäckträger fest.

Eine Apotheke: Davon haben wir in Bruchsal noch nicht genug, oder doch?

Eine Unterführung: Wenn in den Stoßzeiten morgens und abends Züge ankommen, ist die Unterführung im Bahnhof dicht. Gegen den Strom hat man gar keine Chance. Dazu noch einen Fuß- Rad- und Rollverkehr von und nach der Bahnstadt.......

Die Wilhelmstraße: Die Bäume sollen gemäß der Planung bleiben. Wie soll dann die Straße leistungsfähiger werden? Parkverbot für die Anwohner? Es wird sein, wie in der Rathausstraße: Trotz Halteverbot stehen in der Zufahrt von der B3 zum Parkhaus dort immer parkende oder haltende Autos. Auch Rettungswagen stehen dort sehr oft in dieser Straße (Altenzentrum). Warum haben die um die Ecke, in der John-Bopp-Straße nicht einen ausgewiesenen resrvierten Platz?

Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen