Die vier Elemente im Bruchsaler Schlosspark von Johann Joachim Günther

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von Bettina Broxtermann
Donnerstag, 31. Oktober 2013 - 18:28
Broxtermann

Dr. Bettina Broxtermann

Der nachstehenden Beitrag zur Figurengruppe "die Vier Elemente" im Bruchsaler Schlossgarten wurde bruchsal.org dankenswerterweise von Frau Dr. Bettina Broxtermann überlassen.

Frau Dr. Broxtermann schrieb diese Seminararbeit im Sommersemester 1981 im Rahmen ihres Studiums an der Universität Karlsruhe am Institut für Kunst-geschichte im Hauptseminar "Barock in Baden-Württemberg" bei dem 1992 in Karlsruhe verstorbenen Professor Dr. Klaus Lankheit. Dieser war einer der größten Kenner der Werke und des Lebens des Malers Franz Marc.

Frau Dr. Broxtermann schrieb 1988 ihre Dissertation zum Thema "Der Keramiker Walter Popp (1913-1977)". Sie lebt heute in Frankfurt und ist dort Inhaberin  einer Kunst- und Unternehmensberatung.


 

Die vier Elemente im Bruchsaler Schlosspark von Johann Joachim Günther

Inhaltsangabe

1. Der Bruchsaler Schlosspark und die Aufstellung der Gartenfiguren

2. Die Beschreibung der vier Elemente

    2.1 Die Postamente

    2.2 Die Allegorie der Luft

    2.3 Die Allegorie der Erde

    2.4 Die Allegorie des Feuers

    2.5 Die Allegorie des Wassers

3. Die Aufstellung der Elemente zueinander

4. Die Ikonographie

5. Zuschreibung

6. Nachwirkungen

7. Literaturnachweis

8. Anmerkungen

 

1. Der Bruchsaler Schlosspark und die Aufstellung der Gartenfiguren

Der Park des Bruchsaler Schlosses wurde durch Damian Hugo von Schönborn, Fürstbischof und Landesherr von Speyer, zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach französischem Vorbild angelegt.

Seine künstlerische Vollendung konnte jedoch erst unter Schönborns Nachfolger, Fürstbischof Franz Christoph von Hutten, durch zwölf Gartenfiguren erreicht werden.

Eine breite Hauptallee mit Seiten- und Konteralleen durchzog vom Schloss aus mit seinemTerrassenbereich die gesamte Anlage. Heute wird der Garten durch die Eisenbahnlinie und eine Straße in drei Teile zerlegt.

Für meine Arbeit ist nur der obere, am Schloss gelegene Abschnitt mit den Gartenfiguren von Johann Joachim Günther von Interesse.

Mit der Ausschmückung des Parks wurde unter Hutten in Teilabschnitten vom Schloss ausgehend begonnen. Die beiden Söldnerpaare standen zeitweilig am Anfang und am Ende des Gartens, wo sie die Gruppen der vier Jahreszeiten und der vier Elemente in ihre Mitte nahmen. Seit kurzer Zeit sind die zwölf Figuren wieder an ihrem ursprünglichen Platz zu sehen. Die Hellebardiere sind vor der Mauer des rekonstruierten Terrassenbereichs aufgestellt. Der Standort der Jahreszeiten und der Elemente wurde beibehalten.

Die Figuren dieser Gruppen stehen in den Ecken der beiden Wegkreuzungen von Hauptallee und Seitenwegen. So werden vom Schloss aus gesehen auf der rechten Seite der Hauptallee die Jahreszeiten Sommer und Herbst und nach der Rasenfläche die Elemente Wasser und Feuer durch die Seitenwege getrennt. Dementsprechend stehen auf der anderen Seite der Mittelallee die Jahreszeiten Frühling und Winter und die Elemente Luft und Erde.

2. Die Beschreibung der vier Elemente

Die vier Elemente wurden 1761 aus grauem Sandstein aus den Sulzfelder Steinbrüchen gehauen. Die ursprünglich weiß gefassten Statuen wurden in den Jahren zwischen 1963 und 1968 durch Kopien aus Sandstein von dem Bildhauer Hans Volker Dursy ersetzt. Die natürliche Farbe des Steines blieb erhalten.

Die Figuren haben eine Höhe von 2,30 m und sind vollrund gearbeitet.

2.1. Die Postamente

Luft

Postament "Luft", Vorderseite. Foto: R. Schmitt

 

Die Gartenfiguren stehen auf Postamenten, die eine Höhe von 1,55 m haben. Über einer Bodenplatte mit den Maßen 1,20 x 1,10 läuft der Sockel in leichtem Bogen steil nach oben zu, wo er mit einem breiten Gesims abschließt. Ein schmales Zierband schmückt ihn im oberen Viertel.

Auf den Postamenten werden Attribute, die jede einzelne Allegorie genauer bestimmen oder typische Merkmale dieses Elements sind, in Form von Reliefen dargestellt. Eine Seite bleibt jedoch auf allen Sockeln frei.

Erde

Postament "Erde", Vorderseite. Foto: R. Schmitt

Heute sind die Statuen so aufgestellt, dass jeweils die Flächen, die bei den Allegorien der Luft und des Wassers zum Schloss und bei den Elementen Erde und Feuer zum Parkausgang zeigen, kein Relief tragen. Warum man nicht alle vier Seiten mit den entsprechen- den Attributen versehen hat, zumal die leeren Flächen den Gesamteindruck sehr beeinträchtigen, kann heute nicht mehr geklärt werden. Eine Möglichkeit wäre, dass diese Seiten nach der heutigen Aufstellung durch die aufwendige barocke Gartenarchitektur vom Spaziergänger nicht gesehen werden konnten. An den anderen Sockelseiten führen Wege in geringer Entfernung vorbei.

Feuer

Postament "Feuer", Vorderseite. Foto: R. Schmitt

Die Attribute auf den Sockeln werden durch Rocaillemuscheln, ein typisches Stilelement des sich ankündigenden Rokoko, umrahmt. Sie nehmen die Form eines Vierecks mit abgerundeten Ecken und nach innen gebauchten Seitenteilen ein. Die obere und untere Mitte der Verzierung wird durch Kartuschen unterbrochen. Die obere ist länglich und legt sich über das schmale Zierband, von dem kleine Blüten herabhängen. Die untere Kartusche wird durch die nach unten auslaufende Form des Sockels rundlicher und hebt sich nach oben aus dem Rocaillemotiv.

Wasser

Postament "Wasser", Vorderseite. Foto: R. Schmitt

Die Attribute werden auf dem wulstigen Kartuschenrand angeordnet, wodurch sie in die Mitte des Freiraumes gerückt werden und eine zentrale Stellung erhalten. Kleinere Attribute, die für jedes Element charakteristisch sind, wie z.B. Wasserpflanzen oder Blüten, schmücken zusätzlich den Rahmen. Auffallend ist die Plastizität des Reliefs.

 

2.2. Die Allegorie der Luft

Luft

Allegorie der Luft. Foto: R. Schmitt


Die Allegorie der Luft wurde von Joachim Günther als junges Mädchen dargestellt. Die Haltung der wohlge-formten, rundlichen Gestalt entwickelt sich aus einem Kontrapost [Gestaltungsmittel in der Bildhauerei, bezeichnet das Nebeneinander von Stand- und Spielbein einer menschlichen Figur zum Ausgleich der Gewichts- verhältnisse]. Ihr rechtes Bein ist angewinkelt nach außen gedreht und übernimmt die Funktion des Spielbeins. Durch das Abknicken in der Hüfte wird die Hüftpartie des Standbeins betont. Die aufwärtsstrebende Linie dieser Körperhälfte wird durch den zur Stirn geführten, angewinkelten Arm und den zum Himmel gerichteten Kopf verstärkt. Die rechte Schulter ist leicht zurückgezogen, und die Hand ruht auf dem Kopf eines Adlers. Die weichen Körperformen der Luftallegorie werden kaum bedeckt. Ein Stück Stoff wird durch ein Band, das über die rechte Schulter und den entblößten Busen bis zur Bauchmitte verläuft, mit einem Knoten gehalten. Das Tuch fällt über dem rechten Bein in zwei Teile auseinander und lässt sich vom Wind an der linken Hüfte vorbei in tiefen, winkligen Falten bis zum Kopf des Mädchens empor tragen. Am Rücken der Allegorie fällt die restliche der am Band befestigten Stoffbahn hinunter und bildet somit Hintergrund und Stütze der Figur.

Die langen Haare des Mädchens spielen wie die Kleidung im Wind. Seine Gesichtszüge mit den großen Augen und den weichen Lippen sind glatt, voll und jugendlich. Nur der etwas zu breite Nasenrücken beeinträchtigt das ebenmäßige Bild. Die linke Hand, die das Ende des aufgewehten Stoffzipfels ergriffen hat, scheint die zum Himmel gerichteten suchenden Augen vor dem Einfall der Sonne schützen zu wollen.

Luft

Porträt der Luftallegorie. Foto: Rolf Schmitt

Die Figur verharrt in einer vollendeten Bewegung, nur das Gewand vermittelt den Eindruck von Lebendigkeit. Auch das Gesicht zeigt keinerlei Regung.

Der Adler ist der Luft- allegorie als Vertreter des Himmelselements zur Seite gestellt. Er verkörpert als König der Lüfte Stärke und Macht. Als weiteres Attribut liegt dem Mädchen ein Puttenkopf mit windblasen- den Wangen zu Füßen.

Als Attribute der Luft sind auf der vorderen Sockelfläche die Winde dargestellt. Aus einem großen Wolkenberg schauen die Gesichter kleiner Putti heraus. Mit prallen Wangen blasen sie in alle Himmelsrichtungen. Das Relief hebt sich plastisch von der Sockelfläche ab. Zwei Vögel und mehrere Wölkchen ergänzen die Umrahmung.

Auf der rechten Postamentseite sind Dinge abgebildet, die vom Wind bewegt werden. Ein Drache liegt mit einer seiner Langseiten auf der Kartusche auf. Drei Drachenschwänze aus dicken Quasten und die Schnur, die in der Rolle im linken Reliefrand endet, fallen lose über den Drachen und die Rocailleverzierung. Eine Fahne und ein Windrad werden am oberen Rand des Drachens sichtbar.

Auf der linken Seite hängt ein Dudelsack, der mit einer großen Schleife an einem Ring befestigt ist, von der oberen bis auf die untere Kartusche herab. Der dicke Bauch eines Blasebalgs, sowie Blatt und Stiel eines Fächers schauen hinter dem Dudelsack hervor.

2.3. Die Allegorie der Erde

Erde

Allegorie der Erde. Foto: R. Schmitt

 

Die Allegorie der Erde stellte Joachim Günther nicht wie es bisher üblich war als ältere Frau "Mutter Erde", sondern als jungen Mann dar. Sein muskulöser, kräftiger Körper wird durch lange, an einem Riemen befestigte Stoffbahnen bedeckt. In tiefen Falten fallen sie über die Hüften und das rechte Bein. Über dem Spielbein, das nach vorne aufgesetzt ist, schlägt der Stoff bis zur Bauchmitte nach oben und lässt so die Beinmuskulatur erkennen. Am rechten Schulterblatt der Figur gleitet das spärliche Kleidungsstück in wenigen winkligen Falten, die stark hervortreten und durch kleinere Knicke unterbrochen werden, bis zum Boden hinunter. Die linke Schulter wird durch einen einzigen Stoffzipfel, der im Wind spielt, unzureichend bedeckt.

Die Erdallegorie hat den rechten Arm angewinkelt an der Brust vorbeigeführt, um auf der linken Körperseite mit beiden Händen ein großes Füllhorn zu tragen. Die rechte Hand hat die breite Öffnung gefasst, während sich die linke um den schlanken, gedrehten Hals legt. Der Kopf ist über die leicht nach vorne geschobene rechte Schulter zur diagonal gegenüberstehenden Allegorie des Wassers gewandt. Trotz des kräftigen Körpers weist das Gesicht der Erdallegorie weibliche Züge auf. Schön geschwungene Lippen, ein gerader Nasenrücken und große Augen mit feingliedrigen Brauen harmonieren mit dem gewellten Haar.

Der Allegorie der Erde sind mehrere Attribute beigegeben. Aus der ausladenden Öffnung des Füllhorns quillen Äpfel, Quitten, Artischocken und Blattwerk als Gaben der Erde. Der zwischen den Füßen des Jünglings majestätisch hin gelagerte Löwe ist als König der Tiere im Gegensatz zum König der Lüfte, dem Adler, ein Vertreter der erdverbundenen Tierwelt. Als Zeichen der Städte thront die Mauerkrone auf dem gewellten Haar der Erdallegorie.

Erde

Porträt der Erde-Allegorie. Foto: Rolf Schmitt

Warum Günther die Auffassung von der Erde als Mutter allen Lebens nicht aufgriff und statt einer älteren, mütterlichen Frau einen jungen Mann wählte, kann nicht erklärt werden. Vielleicht gefielen ihm, wie Karin Jäckel vermutet (1), die Stärke und die Macht eines jungen Mannes als Kennzeichen der Erd- allegorie besser als der Anblick einer vom Gebären müde gewordenen, hingelagerten Frau, wie sie in der Antike auf dem Ara Pacis [Ara Pacis Augustae (lateinisch "Altar des Friedens des Augustus" ist ein Monument] in Rom dargestellt wurde. Eine andere Möglichkeit wäre, dass Günther auf Pluto, den Gott der Unterwelt, der den Pflanzen ihren Nährboden und den Menschen seine Schätze an Edelmetallen darbietet, zurückgriff.

Die Diskrepanz zwischen der Mythologie und den weltlichen Attributen kann durch die Verschmelzung der verschiedenen Elementdarstellungen erklärt werden. Ich werde an anderer Stelle darauf zurückkommen.

Auf der Vorderseite des Postaments zieht sich ein Erdhaufen über den Kartuschenrücken bis in die Muschelverzierungen. In den Mittelpunkt des umrahmten Feldes wird ein Berg von Früchten gerückt. Karotten, Äpfel und Blattwerk sind zu erkennen. Die Enden eines Spatens und einer Sichel stecken jeweils in der rechten und der linken Muschel. Die Stiele überkreuzen sich hinter dem Obsthaufen. Blüten verzieren den äußeren und inneren Rand des Ornaments.

Auf der linken Sockelseite sind ebenfalls Früchte zu sehen. Ein dicker Apfel, eine Weintraube mit Blättern und Blüten liegen auf dem Kartuschenrand. Drei Artischocken, umgeben von Blättern, bekrönen das Ganze.

Auf der dritten Seite zieht sich ein Steinhaufen über den Kartuschenrücken bis in die Rocailleverzierungen, wo er den Boden für zwei kaum beblätterte, knochige Bäume bietet. Auf dem Steinhügel steht eine winklige Burganlage von zwei Bäumen umgeben.

2.4. Die Allegorie des Feuers

Feuer

Allegorie des Feuers. Foto: R. Schmitt

 

Die Allegorie des Feuers wird durch ein junges Mädchen verkörpert. Wie die beiden anderen Figuren steht auch diese im Kontrapost. Das rechte Bein, das Spielbein, ist angewinkelt neben dem Standbein aufgesetzt. Wie bei der Luftallegorie wird die Hüfte des Standbeines vorgeschoben und durch die an dieser Körperseite herabfallenden Stoffbahnen zusätzlich betont. Mit beiden Händen hält das Mädchen einen Feuerkessel, der rechts von ihr etwas hinter ihrem Körper auf einem aufge-türmten Steinstapel steht. Dadurch wird der Oberkörper der Figur stark nach rechts gedreht. Den Kopf hat sie in die entgegengesetzte Richtung zur diagonal gegenüberstehenden Luftallegorie gewandt. Die spärliche Kleidung besteht aus einzelnen Tuchstücken und wird im Rücken und vor dem Bauch mit einem Riemen, der quer über die entblößte Brust verläuft, gehalten.

Am linken Arm der Figur täuscht ein gefälteltes Zierband den Ärmel einer Jacke vor. Das Gewand legt sich an der linken Körperhälfte teils mehrlagig, dann sich einrollend, aber dennoch fast flächig wie ein Rock über Hüfte und Bein. In großzügigen Falten gleitet die Stoffdraperie am Rücken wie ein Mantel zur Erde und bildet Hintergrund und Stütze der Figur. Am Hals der Feuerallegorie ist der Stoff kragenähnlich umgeschlagen und ein losgelöster Zipfel spielt im Wind. Lässig ist über den rechten Arm das Tuchende geworfen.

Feuer

Porträt der Feuerallegorie. Foto: Rolf Schmitt

Das Gesicht des Mädchens wirkt sehr knabenhaft, trotz der feinen, ebenmäßigen Linien der Lippen, Augen- brauen und des Nasen- rückens. Wahrscheinlich tragen die wirren Haartollen, die wie die Flammen des Feuers zum Himmel schlagen, zu dem jungenhaften Aussehen bei.

Als Attribute sind der Allegorie des Feuers der Feuerkessel, aus dem lodernde Flammen schlagen, sowie Feuersalamander, die zu ihren Füßen zwischen Steinen, Holzscheiten und Flammen kriechen, beigegeben. Der Feuersalamander ist wegen seines rot-gelben Bauches ein Sinnbild des Feuers.

Weitere charakteristische Attribute findet man auf dem Sockel.

Auf der Sockelvorderseite steht ein brennendes Haus auf dem Kartuschenrücken. Aus den Fenstern und Türen züngeln Flammen, und Rauchwolken steigen zum Himmel. Die Ursache des Brandes sind wilde Blitze, die aus einer Wolke in der linken oberen Rocaillemuschel kommen.

Auf der rechten Seite ist ein kugelförmiges Gefäß in die Mitte der Umrahmung gerückt. Aus den trichterförmigen Öffnungen, die über den Kugelbauch verteilt sind, schlagen Flammen. Blitze kommen aus den oberen Rocaillemuscheln.

Auf der hinteren Postamentfläche sitzt ein Vogel auf einem Scheiterhaufen umgeben von lodernden Flammen. Rauchwolken steigen in die Luft. Der Vogel ist ein Phönix, der aus sich selbst geboren wird und entstehend stirbt und sterbend entsteht. Er geht aus dem brennenden Nest immer wieder erneuert hervor.

In der Umrahmung des Feuersockels sind züngelnde Flammen als zusätzliche Verzierungen angebracht.

2.5. Die Allegorie des Wassers

Wasser

Allegorie des Wassers. Foto: R. Schmitt


Die Allegorie des Wassers wird durch einen alten, aber immer noch muskulösen, kräftigen Mann verkörpert. Sein linkes Bein ist leicht angewinkelt nach vorne aufgesetzt. Das Standbein verschwindet unter gebauschten Stoffmassen. Sie werden über der linken Hüfte geknotet und ihre Enden liegen faltig über dem rechten zum Körper gezogenen Arm, von der Schulter gleitet ein schmaler Stoffstreifen über den Rücken bis zum Boden.

In der Hand hält die Wasserallegorie ein Büschel Wasserpflanzen. Im Gegensatz zu den anderen Elementen steht die Figur nicht im Kontrapost. Der Oberkörper ist dem Betrachter frontal zugewandt. Die Hüften, die Knie und die Schultern liegen jeweils auf einer Ebene.

Wasser

Porträt der Wasserallegorie. Foto: Rolf Schmitt

Der Kopf der Wasser-allegorie ist nach unten auf die rechte Brust gesenkt. Ein breiter Kranz aus Wasser-pflanzen krönt ihr Haupt und fällt tief in die Stirn. Das Gesicht wird von einem wilden, auf die Brust herabfallenden Bart umrahmt. Halb geschlossene Augen, stark hervortretende Jochbeine und tiefe Furchen, die den Nasenrücken in der Senkrechten verlängern, geben dem Gesicht einen grimmigen und müden Ausdruck. Aber dennoch strahlt der alte Mann, wie ebenfalls bei den anderen Elementen zu beobachten war, keine Lebendigkeit aus.

In der linken Hand hält die Wasserallegorie als Attribut ein Ruder, das hinter dem Körper aufgesetzt ist. Zwischen ihren Beinen liegt ein großer, schuppiger Fisch mit weit geöffnetem Maul, aus dem Wasser über die Plinthe [Sockel für ein Standbild] fließt. Der Schwanz des von Wasserpflanzen umgebenen Fisches schlägt gegen das Ruder.

Auf der Sockelvorderseite ist ein Schiff auf der Kartusche gekentert. An seinem hinteren stark beschädigten Ende wird es von einem Dreizack überschnitten. Hinter dem Schiff stecken ein Enterhaken und ein Paddel im Sand. Wasserpflanzen versetzen den Betrachter auf den Grund eines Gewässers.

Auf der linken Seite ist eine Schleuse, in die sich ein Enterhaken verfangen hat, zu sehen. Unter dem halbgeöffneten Schleusentor strömt Wasser über die Kartusche. Die Enden eines zweiten Enterhakens und einer Angel, deren Schnur bis in ein Boot in der rechten Umrahmung hinab hängt, werden hinter der Schleuse sichtbar.

Auf der hinteren Postamentseite zieht sich ein Steinhaufen über das Ornament. Ein Springbrunnen ist in den Mittelpunkt gerückt. Eine Fontäne schießt empor und schüttet ihre Wassermassen über zwei übereinander angeordnete Becken. Selbst das untere, größere Bassin kann das Wasser nicht auffangen und lässt es über den Steinhaufen in die Muschelverzierungen fließen.

3. Die Aufstellung der Elemente zueinander

Die Elemente im Bruchsaler Schlosspark bestehen aus den beiden weiblichen Figuren Feuer und Luft und den beiden männlichen Wasser und Erde. Sie sind so angeordnet, dass sich die Figuren eines Geschlechtes diagonal gegenüberstehen. Außerdem kann aus der jeweiligen Position zu den anderen Elementen eine innere Beziehung abgeleitet werden. Vom Schloss aus gesehen stehen auf der linken Geraden die beiden entgegengesetzten Elemente Luft und Erde, auf der anderen Seite die beiden feindlich gesinnten Wasser und Feuer. Die sich diagonal zugewandten Allegorien Erde und Wasser sind in der Natur greifbare Stoffe, während Luft und Feuer spürbar, aber nicht fassbar sind. So entsteht eine Überkreuzbeziehung. Für die Aufstellung ließen sich jedoch auch andere Gründe finden. Es ist heute nicht mehr nachzuvollziehen, warum die Figuren so postiert wurden.

Karin Jäckel entnimmt in ihrem Aufsatz über die Bruchsaler Gartenfiguren die innere Beziehung aus den sich treffenden Blicken der diagonal angeordneten Elemente. Sie sieht die Gemeinsamkeiten zwischen Feuer und Luft in "der stürmischen, unsteten Art ihres Wesens" (2) und im Nutzen bzw. in der Gefahr für den Menschen. Ihre Behauptung, dass beide ohne die Einwirkung des anderen dem Menschen dienen können, muss ich zurückweisen (3). Das Feuer kann niemals ohne die Luft, bzw. den Sauerstoff aus der Luft bestehen.

Ferner kann ich Karin Jäckel nicht darin beipflichten, dass die ganze Gruppe "den Sinn und logischen Zusammenhalt" verlöre, wenn man ein Glied umpostierte (4). Ich stimme mit ihr darin überein, dass die Elemente nur als Vierereinheit existieren können, da sie für Mensch und Tier die Voraussetzung allen Lebens sind. Doch lassen sich für die Aufstellung andere, genauso logische Aspekte finden, ohne dass der innere Zusammenhalt gestört wurde.

4. Die Ikonographie

Die Lehre von den vier Elementen hat sich aus der griechischen Philosophie entwickelt. Sie erwächst aus der Frage nach dem Ursprung und der Substanz aller Dinge.

Luft

Adler aus Element "Luft". Foto: R. Schmitt

Seit der Antike kennt man drei Darstellungsweisen für die Elemente. Sie wurden als erstes durch mythologische Gottheiten personifiziert. Bei Empedokles wurde das Feuer durch den Blitz und Donner schickenden Göttervater Zeus dargestellt. Aidoneus wurde als Erdgott, Nestis als Wassergöttin und die Ehegattin des Zeus, Hera, als Luft verkörpert.

Aus der mythologischen Zuordnung ergab sich die zweite Möglichkeit, die Bestimmung des Geschlechts der einzelnen Elemente. Feuer und Luft waren meistens männlich, Erde und Wasser weiblich. Hierbei gab es jedoch keine festen, bindenden Regeln.

Als drittes wurden die Elemente durch Tiere, die charakteristisch für sie waren, oder durch gegenständliche Erscheinungen wie Erdscholle, Welle, Wolke und Flamme wiedergegeben.

Erde

Löwe aus Element "Erde". Foto: R. Schmitt

In der Antike symbolisierten die Elemente vorwiegend mythologische Gottheiten und traten bei Schilderungen kosmisch bedingter Ereignisse auf. Während sich das frühe Christentum der Personifikation ablehnend gegenüber verhielt, wurden die Elemente im 12. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem verstärkten Einfluss der antiken und byzantinischen Kunst wieder häufiger, vor allem aber bewegter dargestellt. Im Spätmittelalter wurde die Elementlehre hauptsächlich durch die Literatur überliefert, was in der Neuzeit zu einer thematischen Wiederentdeckung für die bildende Kunst führte. In der Renaissance und im Barock führten Variationen, Ausschmückungen und die gegenseitige Durchdringung der Haupttypen zu vielfältigen und neuartigen Darstellungsformen.

Feuer

Feuersalamander aus Element "Feuer". Foto: R. Schmitt

Die Wiedergabe einzelner Göttergestalten wurde vor allem im 17. und 18. Jahrhundert beliebt. Während mythologische Szenen besonders durch die Malerei überliefert wurden, findet man in der Plastik Element-Personifikationen, die durch allegorisch bedeutende Götter verkörpert wurden. Bei den Personifikationen griff man immer wieder auf die selben Götter zurück. Da man im Laufe des 17. Jahrhunderts die Götterattribute häufiger einfachen Element-Personifikationen übertrug, verwischten sich mit der Zeit die Grenzen dieser beiden Darstellungsformen.

Durch die Vereinigung beider Typen findet man eine breite Palette der Attribute, von denen ich nur einige aufzählen will.

Wasser

Fisch aus Element "Wasser". Foto: R. Schmitt

Für die Luft stehen als häufigste Attribute: der Adler, Vögel und Insekten aller Art, Wolken, Regen, Winde, Segelschiffe, Windmühlen, ein Blasebalg und Fächer.

Der Erde stehen der Löwe, der Bär und andere auf der Erde lebende Tiere zur Seite. Weiter wird die Erdallegorie durch Pflanzen, Früchte, Spaten, Sensen und die Mauerkrone gekennzeichnet.

Beim Feuer treten Feuersalamander, ein Adler, Fackeln, Flammenbündel, Blitz, Kaminfeuer, ein Räucheraltar und eine brennende Stadt auf.

Dem Wasser sind der Delphin und andere Tiere, sowie Wasserpflanzen, Wasserspiele, Schiffe und Angler, Dreizack und Ruder beigegeben.

Bei den Bruchsaler Gartenfiguren findet man viele dieser Attribute wieder.

5. Zuschreibung

Die Gruppe der vier Elemente wurde bisher nicht eindeutig Joachim Günther zugeschrieben. Meiner Meinung nach gibt es jedoch einige Hinweise, nach denen die Figuren als Werk Günthers bestimmt werden können.

Am 5. August 1758 erhielt Günther den Auftrag zwei Schweizer aus Sandstein zu fertigen (5). Ein Jahr später wurden bei dem Steinhauer Weber Postamente für diese Figuren bestellt (6). Im August des selben Jahres bekam Weber erneut Anweisungen, Steine für "annoch 4 statue von stein in allhiesigen hofgarten" zu brechen (7).

Wem der Auftrag für die Erstellung der vier Statuen, bei denen es sich zweifelsohne um die vier Jahreszeiten handelt, erteilt wurde, geht aus dem Dokument nicht hervor. Vom Oktober 1761 findet man in den Bauamtsprotokollen die Eintragung, dass 14 Mann "auch die stein zu denen new zu fertigenden Statuen in den hof garten in dem Sulsfelder steinbruch helfen auf und ablaten" (8). Ferner seien Postamente unter die Statuen im Hofgarten auf- und abgeladen worden und Arbeiter hätten "in dem hofgarten an denen statuen geholfen und gehandlanget, auch farben zu anstreichung deren statuen gerieben" (9).

Da mit der Gartenausschmückung vom Schloss aus begonnen wurde, können mit den "new zu fertigenden statuen" als dritter Teilabschnitt nur die vier Elemente gemeint sein. Wie aus dem Protokoll hervorgeht, wurden die vier Jahreszeiten zu der Zeit bereits auf die Postamente gestellt und weiß gefasst.

Obwohl nur in der ersten Eintragung über die Erstellung der beiden Söldner Günther als Bildhauer erwähnt wird, kann man davon ausgehen, dass er auch die beiden anderen Figurengruppen gearbeitet hat. Er war seit 1755 Hofbildhauer in Bruchsal und hatte schon einige Aufträge in diesem Raum ausgeführt. Warum sollte ihm ein anderer Künstler seine Stellung streitig gemacht haben? Andernfalls wäre doch der Name eines anderen Meisters in den Akten genannt worden.

1945 schrieb Jacob Rosenberg auf Grund eines Bozzetto [Modell als Entwurf für z. B. Figur] des Winters von Johann Peter Wagner die Gartenfiguren dessen Lehrmeister Paul Egell zu. Wagner habe, wie es zu der Zeit üblich war, Modelle seines Lehrherrn kopiert. Rosenberg belegt die Zuschreibung an Egell unter anderem durch die Ähnlichkeit der Elemente, vor allem aber der Allegorie der Luft mit dem Apoll in Schwetzingen.

1954 konnte jedoch durch die von Klaus Lankheit veröffentlichten Zeichnungen von Paul Egell (10) bewiesen werden, dass Egell nicht der Schöpfer der Bruchsaler Figuren gewesen sein kann. Egells Entwürfe zu Gartenfiguren der Allegorien der Luft und der Erde haben keinerlei Ähnlichkeit mit den ausgeführten Statuen (11). Weiterhin kann angeführt werden, dass der Mannheimer Hofbildhauer seit neun Jahren tot war, als der Auftrag zu den Elementen erteilt wurde.

Bei der Zuschreibung der vier Elemente kommen vor allem deshalb Zweifel auf, weil sie sich in der Qualität deutlich von den Jahreszeiten unterscheiden. Die Abweichung der beiden Gruppen voneinander wird schon allein in der Körperhaltung sichtbar. Die Jahreszeiten sind schwungvoller und bewegter, die Elemente wirken statuarisch steif. Die spielerische Anmut der weiblichen Figuren Frühling und Sommer fehlt den Allegorien des Feuers und der Luft. Auch Züge wie das spürbare Zittern des Winters oder das schalkhafte Lachen des Herbstes sind bei den Elementen nicht zu finden. Es mangelt ihnen an der lebendigen Ausstrahlung der Jahreszeiten.

Und doch kann man nicht verleugnen, dass beide Figurengruppen von einer Hand geschaffen wurden. Die kontrapostische Stellung der Statuen, der Faltenwurf der Gewänder und ihre vorgetäuschte Bewegung zeigen eine große Verwandtschaft.

Vergleicht man die Gartenfiguren mit anderen Werken Günthers, lassen sich die gleichen Gemeinsamkeiten erkennen. Die Körperhaltung im Kontrapost und das über die Hüften hochgezogene Gewand sind ebenso beim Heiligen Sebastian in der Peterskirche in Bruchsal und bei der Immakulata auf dem Michaelsberg in Untergrombach zu finden. Als typische Eigenheit Günthers fällt auch hier jener fliegende, an seinem Ende verschnörkelte Gewandzipfel auf.

Als Grund für die schwächere Ausführung der Elemente muss die weitaus seltenere Darstellung dieses Themas angeführt werden. Direkte Vorbilder, die es zu den Jahreszeiten gab und die Günther benutzt hat, konnte ich für die Elemente nicht finden.

5. Nachwirkungen

1768, also sieben Jahre nach der Entstehung der Bruchsaler Elemente, schuf Konrad Linck für die Frankenthaler Porzellanmanufaktur Modelle für vier Elemente. Die Verwandtschaft mit Günthers Statuen fällt durch die Geschlechtszuordnung, die Körperhaltung, die Bekleidung und die Attributwahl auf. Die Andersartigkeit drückt sich lediglich durch das unterschiedliche Material und die Farbigkeit des Porzellans aus.

Da ich keine Vorbilder zu Günthers Arbeiten gefunden habe, müssen die Porzellanfiguren von Konrad Linck nach den Gartenstatuen geschaffen worden sein.

Die Bruchsaler Gartenfiguren des Bildhauers Joachim Günther waren wegen des sich ständig ändernden Zeitgeschmacks viele Jahre in Vergessenheit geraten. Erst in der heutigen Zeit lernt man sie wieder schätzen und ist bemüht, die Zeugen vergangener Jahrhunderte zu erhalten.

 

7. Literaturnachweis

Karin Jäckel: Forschungsergebnisse zum Leben des Bruchsaler Hofbildhauers und Stukkateurs Joachim Günther, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Bd. 127, herausgegeben von der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Stuttgart 1979

Karin Jäckel: Die Sandsteinplastiken im Bruchsaler Schlosspark. Ein Werk des Bildhauers Joachim Günther (1720-1789), in: Pfälzer Heimat, Jg. 30/ Heft 3, Speyer 1979

Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, Band IV

Jacob Rosenberg: The Four Seasons. Bulletin of the Fogg Museum of Art 1945

Hans Rott: Bruchsal. Quellen zur Kunstgeschichte des Schlosses und der bischöflichen Residenzstadt, in: Zeitschrift für Geschichte der Architektur, Beiheft 11, Heidelberg 1914

Alois Siegel: Johann Joachim Günther, in: Oberrheinische Kunst, Jahrbuch der oberrheinischen Museen, Jg. VII, Freiburg 1936

8. Anmerkungen

(1) K. Jäckel, Sandsteinplastiken, Seite 96

(2) (3) (4) K. Jäckel, Sandsteinplastiken, Seite 97

(5) H. Rott, Bruchsal. Quellen, 488. Bauamtsprot.

(6) dto., 492. Bauamtsprot.

(7) dto., 494. Bauamtsprot.

(8) (9) dto., 498. Bauamtsprot.

(10) Klaus Lankheit, Die Zeichnungen des Kurpfälzischen Hofbildhauers Paul Egell (1691-1752). Karlsruhe 1954

(11) Klaus Lankheit, Zeichnungen, Tafeln 20, 21

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