Verstärkte Ausbreitung von Masern in Baden-Württemberg, 15 Landkreise und 6 Stadtkreise betroffen

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Landesgesundheitsamt rät zur Impfung
Dienstag, 12. April 2011 - 18:22

Seit Beginn des Jahres bis zum 11. April 2011 wurden in Baden-Württemberg 107 Masernfälle gemeldet. Das sind fast siebenmal so viele Erkrankungen wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres (1.1.-11.4.2010: 16 Fälle). Betroffen sind hierbei die Altersgruppen 0-10 mit 45 Fällen, Kinder ab 10 und Jugendliche bis 18 Jahren mit 34 Fällen, junge Erwachsene zwischen 18 und 30 mit 18 Fällen und ältere Erwachsene von 33 bis 52 mit 10 Fällen.

Neben größeren Ausbrüchen in Ballungsräumen wie Stuttgart und Karlsruhe mit bis zu 17 übermittelten Fällen, kommt es in weiteren Regionen zum Auftreten von kleineren Ausbrüchen und Einzelfällen. Insgesamt sind 15 Landkreise und 6 Stadtkreise betroffen. Die aktuelle Situation weist auf eine verstärkte Ausbreitung/Verbreitung von Masernviren in der ungeschützten Bevölkerung der betroffenen Regionen hin. Das Landesgesundheitsamt rät deshalb allen Eltern und insbesondere auch Jugendlichen und jungen, nach 1970 geborenen Erwachsenen, ihren Impfschutz zu überprüfen und Impflücken zu schliessen.

Masern ist eine der ansteckendsten Krankheiten. Der Erreger, das Masernvirus, wird ausschließlich von Mensch zu Mensch durch den direkten Kontakt mit Infizierten durch Tröpfcheninfektion übertragen. Das Masernvirus führt bereits nach kurzem Kontakt zu einer Ansteckung. Bei 95 Prozent der Personen ohne schützende Antikörper kommt es nach sieben bis 18 Tagen zu einer Erkrankung. Masern beginnen mit Fieber, Bindehautentzündung, Schnupfen und Husten. Charakteristisch ist ein fleckig-knotiger Ausschlag (Masernexanthem) am dritten bis siebten Tag nach Auftreten der Erkrankung. Die Masern bedingen eine vorübergehende Immunschwäche von etwa 6 Wochen.

Bakterielle Superinfektionen (Mittelohrentzündung, Lungenentzündung), die akute Hirnhautentzündung, zu der es in 0,1 Prozent der Fälle kommt und die sehr seltene nach durchschnittlich sechs bis acht Jahren auftretende schwere generalisierte Entzündung des Gehirns (subakute sklerosierende Panenzephalitis) sind die schwersten Komplikationen der Masern-Infektion. Die Komplikationsrate bei Masern-Infektionen im Erwachsenenalter ist erhöht.

Da der Mensch der einzige Wirt des Virus ist, das Virus sich wenig verändert und ein geeigneter Impfstoff zur Verfügung steht, ist eine wirksame Prävention bis zur weltweiten Eliminierung bzw. deutlichen Reduktion der Neuerkrankungsrate möglich. Anfang der 90er-Jahre wurde in vielen europäischen Ländern durch den Einsatz der Impfung eine starke Reduzierung der Neuerkrankungsraten der Masern erreicht. Die Einführung der Masernimpfung hat zwar zu einem Rückgang der Masern in Deutschland geführt, jedoch konnten die für eine Eliminierung der Masern erforderlichen Impfraten von 95 % nach 2. Impfung noch nicht erreicht werden. Das hat dazu geführt, dass die Masernviren weiterhin in der Bevölkerung zirkulieren können.

1999 wurde ein nationales Programm zur Eliminierung der Masern in Deutschland gestartet. Leitziel war die Senkung der Masern-Neuerkrankungsrate (Inzidenz) auf weniger als eine Erkrankung pro 100 000 Einwohner und Jahr. Wichtige Elemente des Nationalen Programmes zur Eradikation sind die Erhöhung der Impfraten auf 95 Prozent im frühen Kindesalter, die Bereitschaft zur Unterstützung in der Bevölkerung und innerhalb der Ärzteschaft. Die Erstimpfung sollte im Alter von 11 bis 14 Monaten erfolgen. Durch eine zweite Impfung im Alter von 15 bis 23 Monaten können Kinder, die nach der Erstimpfung noch keine schützenden Antikörpertiter aufgebaut haben, erreicht werden.

Kommt es zu Übermittlungen von Krankheitsfällen, kontaktiert das zuständige Gesundheitsamt den Erkrankten bzw. die Angehörigen und ergreift die notwendigen Maßnahmen um eine Weiterverbreitung zu verhindern. Dazu gehört der Ausschluss von Erkrankten und Erkrankungs-Verdächtigen aus Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen. Dies kann für jugendliche Erkrankte bzw. Erkrankungsverdächtige sowie junge Erwachsene in Hinblick auf bevorstehende Abschluss-Prüfungen weitreichende Folgen haben. Eine weitere Ausbreitung kann durch eine postexpositionelle Impfung ungeimpfter bzw. nur einmal geimpfter Kontaktpersonen erfolgen (Riegelungsimpfung), die innerhalb der ersten drei Tage nach Kontakt erfolgen sollte. Neben Arztpraxen, Kliniken, Leiterinnen und Leiter von Pflegeeinrichtungen sind auch Leiterinnen und Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen, wie zum Beispiel Schulen und Kindergärten verpflichtet Masernverdachtsfälle zu melden.

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