Unruhestifter DM und andere Handelsprobleme

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Mittwoch, 29. Juni 2011 - 15:18

Der Drogeriemarkt „DM" ist umgezogen. Schon vor einiger Zeit - in die hübsch hergerichteten Räumlichkeiten am Friedrichsplatz. Schließlich galt es, das neue Unternehmenskonzept mit viel Platz und Licht umzusetzen und noch mehr galt es, dem aufgetauchten Konkurrenten Müller Paroli zu bieten.

DM

Das Werk ist vollbracht. Doch hat es Gutes bewirkt?

Mitnichten. Der neue Vermieter von DM, vorher Gastgeber für Tengelmann, der im neuen REWE-Gewand jetzt im SEPA-Projekt residiert, darf sich über ein hübsches Sümmchen an monatlicher Miete freuen. Diese wiederum hat ihn jeglicher Motivation beraubt, das Areal neu zu ordnen, spricht städtebaulich zu verdichten und noch mehr Handelsnutzungen unterzubringen. Der Friedrichsplatz hätte eine "Platzwand" gebraucht, die er nun leider nicht erhalten hat. Auch gilt es in diesem Zusammenhang an eine Altlast zu denken. Hätte der Alt-OB wenigstens Briefe beantwortet, um den Vermieter und  Investor bei Investitionslaune zu halten.

Nein. Es ging nur darum Tengelmann-REWE ins SEPA-Projekt zu befördern.

Sei's drum, das war gestern.

Leerstand

Heute lassen die ehemaligen DM-Räume nebst ehemaligem Wäschegeschäft in der mittleren Kaiserstraße, Super 1-Lage, ungerührt mit Leerstand grüßen. Der fachkundige Innenstadt-Besucher wundert sich, der weniger fachkundige glaubt an einen erneuten Niedergang der Bruchsaler Innenstadt. Der gemeine Bruchsaler glaubt ja ohnehin lieber an Niedergang, als an Aufschwung.

Und nun der leere Hohl (ehemaliges Kleinkaufhaus).

Plakate ankleben verboten

Solche Schilder lassen immer auf längeren Leerstand schließen.

Warum? Da müsste man den Besitzer der Immobilie und Nicht-Vermieter befragen. Der träumt wohl noch von (Achtung!) alter DM-Miete und weigert sich beharrlich mit weniger auszukommen. Vielleicht hat er auch die Lust an der Vermietung der wichtigen Einzelhandels-Immobilien gänzlich verloren und bringt lieber Plakate-ankleben-verboten-Schilder an: Und fügt damit der Innenstadt zunehmend Schaden zu. Die Stadt investiert Millionen in Platzgestaltung und damit die notwendige Aufenthaltsqualität und wichtige Immobilienbesitzer lehnen sich zurück und haben einfach keine Lust. Ein Trauerspiel.

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Kommentare

Unverständlicher Artikel

tja Herr Schmitt

Jetzt aber mal Butter bei den Fischen. Das es Leerstände in Bruchsal gibt ist traurig, aber trotz alle dem verstehe ich Ihren Artikel nicht. Ich finde da sollten Sie als Gemeinderatsmitglied mehr Details hinzufügen. Die Sie anscheinend doch haben, oder?

"Der gemeine Bruchsaler glaubt ja ohnehin lieber an Niedergang, als an Aufschwung." Diese Bruchsaler geben z.B. Ihnen, bei der nächsten Wahl, ihre Stimme. Sie könnten ja dazu beitragen, dass der sogenannte "gemeine Bruchsaler" zu einem kritischen Bruchsaler wird und auch mal was hinterfragt.

Für diesen Artikel bekommen sie von mir erst mal nur ein Feuer. Vielleicht ändert sich das ja noch.

Ich verstehe nicht...

warum der DM-Markt ein "Unruhestifter" sein soll. Nur weil er sich, als alteingesessener Anbieter, gegen die die SEPA-Konkurrenz wehrt? Das ist doch völlig normal, oder hätte er, zugunsten des SEPA-Anbieters, zumachen sollen? Scheint fast ein Wunsch zu sein. Nun kann man dem DM-Markt auch nicht den Vorwurf machen, sein Umzug hätte "nichts Gutes bewirkt". Man kann doch den DM-Markt nicht als Buhmann dafür hinstellen, daß der Friedrichsplatz "keine Platzwand" erhalten hat. Das ist doch allein Sache des Hauseigentümers, und man kann nur darüber spekulieren, warum er das Gebäude nicht so herrrichtet, wie es Herr Schmitt gerne hätte - den DM-Markt da ins Spiel zu bringen, ist spekulativ. Auch den Leerstand beim Hohl kann man nicht dem DM-Markt in die Schuhe schieben, der Eigentümer "soll noch von den alten Mieten träumen" und deshalb die Immobilie verlottern lassen - böser DM-Markt!

"Unruhestifter" DM

Ich gebe zu, der Beitrag von Herrn Schmitt erschließt sich nicht sofort und es fehlen zum Verständnis auch einige Hintergrundinformationen, die für Herrn Schmitt aufgrund seiner jahrelangen beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten selbstverständlich sind.
Aber vielleicht werden die ja noch - soweit zulässig! - nachgeliefert.
Auf jeden Fall sollte der Begriff "Unruhestifter" in diesem Zusammenhang in die berühmten "Gänsefüßchen" gesetzt werden (wie oben geschehen).
Und: Es gibt ja auch Unruhestifter im positiven Sinne.

"Gänsefüßchen"

Banal formuliert: Wenn ein Mieter - wie DM - sehr viel Miete zahlt, hat der Eine (Neu-Vermieter) keinen Bedarf mehr groß zu bauen, weil der Ertrag durch die (hohe) Miete in der Bestandsimmobilie reicht und der andere (Alt-Vermieter)  tut sich mit dem vermieten schwer, weil er eine sehr hohe Miete erwartet, die außer DM niemand zu zahlen bereit ist. Folge: Kein Neubau am Friedrichsplatz und Leerstand in der 1a-Lage. Ersteres kann man noch verstehen - letzteres ist optisch schlecht und außerdem fehlt in der 1a - Lage, solange der Laden leersteht, ein Frequenzbringer. Der dortige Vermieter wartet erkennbar bis auf den St.-Nimmerleins-Tag bis ein genehmer Mieter kommt und die Stadt hat den Schaden. Genauer gesagt: der Laden muss schleunigst vermietet werden! Interessenten gibt es genug!!

Hohl durch hohle Besteuerung

Die ganze Problematik wäre vom Tisch, wenn Kommunen eine Steuer gemäß dem Grundstückswert (LVT-Land Value Tax) erheben würden/könnten. In einigen Ländern wird sie erhoben und innerhalb der EU von Irland angedacht. Die Steuer bewirkt keinerlei ökonomische Verzerrungen oder Mitnahmeeffekte und wirkt dem von Herrn Schmitt beschriebenen Problem beim früheren "Hohl" entgegen. Die LVT wirkt viel effektiver als die Grundsteuer, macht ebenso Landspekulation größtenteils nutzlos und beendet die Frustration seitens der Kommunen, öffentliche Gelder in die Infrastruktur zu stecken, die potenziell höheren Renditen aber nicht notwendigerweise abschöpfen zu können.

befristeter Mietvertrag

Vielleicht schon mal angedacht das der "DM" im "Hohl"  noch Mieter ist? Da kanns dem "Hohl" egal sein ob der Laden leersteht oder nicht.

Kanns dem Hohl egal sein?

Nein Menzi58, wenn der Sachverhalt so ist, wie Sie ihn beschreiben und "Hohl" rational handelt, dann ist es ihm nicht egal, ob er vermietet, sondern er (und natürlich DM) versucht, mit einem neuen Mieter und einer geänderten Ausstiegsklausel für DM seinen Gesamtmietzins nach Steuern zu erhöhen.

Ergebnis: es wäre neuvermietet, DM zahlt weniger an Hohl und Hohl hat eine gegenüber der DM-Miete nun höhere Rendite.

Immoscout Einzelhandelsfläche

Man kann sich seine Gedanken machen zu einzelnen Angeboten.

 

http://www.immobilienscout24.de/Suche/S-T/Einzelhandel/Baden-Wuerttember...?

Naja

Dem Kommentar von "carusino" ist eigentlich wenig hinzuzufügen. Der "gemeine Bruchsaler" glaubt mit Sicherheit nicht per se lieber an den Niedergang, vielleicht hat er aber negativere Erfahrungen gemacht als ein Bewohner anderer Städte. Oder wo sind die vielbeschworenen "Frequenzbringer", für die dann auch schonmal einiges geopfert wurde? Irgendwie will sich die "Frequenz" so garnicht einstellen, wenn mich nicht alles täuscht... Wo die Räumlichkeiten am Friedrichsplatz jetzt besonders "hübsch" sind erschliesst sich mir im Übrigen nicht, vielleicht innen, äußerlich ist das Ganze extrem augenkrebserregend, einfach scheußlich. Da fehlen nur noch die "Prilblumen" ;-)

Unruhestifter und andere Bürgerprobleme

Lieber Jürgen Schmitt,

Sie wünschen sich von den Immobilienbesitzern ein ausgeprägteres Pflichtbewußtsein, die Übernahme von Verantwortung für das allgemeine Wohl der Stadt, mehr Kooperationsbereitschaft. Es wird Sie nicht wundern, dass ich Sie verstehe. Die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger ist zweifellos ein zentraler Faktor für die gelingende Zukunft einer Stadt.

Aber ich lese Ihre anklagenden Zeilen auch geprägt von meinen eigenen Erfahrungen in den letzten Monaten mit der Stadtverwaltung Bruchsal - frustrierend, glücklicherweise nicht von allzu großer Bedeutung, gleichwohl aber aufschlussreich und, ja, ernüchternd. Und ich frage mich vor diesem Hintergrund natürlich, was möglicherweise diese Immobilienbesitzer bewegt, welchen Erfahrungsschatz sie haben.

Allen Interessierten möchte ich als Sommerlektüre in diesem Zusammenhang empfehlen: Robert Axelrod, die Evolution der Kooperation, Oldenburg 2009. Axelrod geht der Frage nach, wann eine Person oder Körperschaft bei einer fortlaufenden Interaktion mit einer anderen Person oder Körperschaft kooperieren, und wann sie sich selbstsüchtig verhalten sollte. Die Antwort lautet im Kern: Dauerhafte und erfolgreiche Kooperation setzt Gegenseitigkeit und Provozierbarkeit voraus. Das Erfolgsrezept: TIT FOR TAT, beginnend mit einer kooperativen Handlung, danach immer genau das tuend, was das Gegenüber tut.

Mit Blick auf diese Studie und auf meine eigenen Defektionserfahrungen wage ich, die These zu formulieren, dass zur Verbesserung der Kooperationsbereitschaft zunächst die versprochene Klimaverbesserung zwischen der Stadt und der Bürgerschaft in Bruchsal umgesetzt werden müsste, bevor man sich der Aufenthaltsqualität und anderen Themen zuwendet, für die Kooperationsbereitschaft wünschenswert wäre. Denn wer den Bürgerinnen und Bürgern mit einer Law-and-order-Mentalität gegenübertritt, muss sich nicht wundern, wenn so mancher nur tut, wozu er von Rechtswegen verpflichtet ist, und defektiert statt zu kooperieren. Vielleicht ist das in anderer Perspektive betrachtet nicht gut, aber wahr.

Sonnige Grüße
Claudia Fischer

DM - Leerstände - Hohl

Schon seit eingen Wochen kursiert in Bruchsaler Schulen das Gerücht, daß im ehem. Hohl ein McDonald eröffnet werden soll.
Wunschgedanken der Schülerinnen und Schüler oder läuft da tats. was?

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