Unerträglicher medialer Shitstorm

DruckversionPer e-Mail versenden
Freitag, 26. September 2014 - 9:35

Wer kann sich noch an den dramatischen Fall von Selbstjustiz aus dem Frühsommer erinnern, als ein von Hass erfüllter Bruder den mutmaßlichen Vergewaltiger seiner Schwester erstochen hat? Der sogenannte Shitstorm, der hinterher durch die sozialen Netzwerke ging, war teils unerträglich. Selbst bis dahin vernünftig erscheinende Menschen posteten scheinbar nichts denkend „recht so – hätte ich auch gemacht!“

 Nun hat die Polizei in Rüsselsheim zwei American Staffordshire Hunde erschossen, die morgendlich in der Fussgängerzone umhergestreunt sind und dabei zwei Menschen gebissen haben. Auf die näheren Umstände möchte ich gar nicht eingehen, mir reicht es bereits, wenn der Besitzer der die Hunde über Nacht alleine gelassen hat radebrechend berichtet, wie er; ich zitiere:„Futter und Wasser auf den Boden gelegt hat“ Zitat Ende. Da schalte ich entnervt ab, gerade weil dieser auch noch während des ganzen Interviews nervös an einer Zigarette zieht und den Rauch in die Kamera bläst, sowas hat mit seriöser Berichterstattung in meinen Augen nichts zu tun. Natürlich ist ihm hier seiner Meinung nach Unrecht geschehen. Nachdem er bei sozialen Netzwerken Hasstiraden gegen die Polizei gepostet hat, steht er am nächsten Tag nervös hin-und herwippend vor der Kamera, während sein Kumpel erklärt, man solle jetzt nicht mit den Hasstiraden weitermachen, es habe schon genug Ärger gegeben. Aus meiner Sicht ist es traurig, dass hierfür noch Hunderttausende an Klicks und Likes verschwendet werden, man könnte Sinnvolleres mit seiner Zeit anfangen, würde dies nicht von angeblichen Tierfreunden und Polizistenhassern auch noch tausendfach geteilt. Ein Video, dass einen prügelnden Polizisten aus Köln zeigt, der eindeutig erst schlägt, nachdem er selbst angegriffen wurde, wird gleich mal mitgeteilt, es könnte ja zufällig sein, dass es zum Thema passt. Es wurde ja hier in einem Kommentar bereits beschrieben, dass es ganz großes Kino für Trolle ist, wenn man für ein eigentlich unpassendes Statement möglichst viele „Likes“ erhält.

Da wundert es auch nicht, dass am Montagabend in der Talkshow von Frank Plasberg mit Hassan Dabbagh ein Imam präsentiert wird, der alle Klischees zu erfüllen scheint. Dieser konnte während der ganzen Sendung keinen einzigen grammatikalisch korrekten Satz sagen, obwohl er seit Jahrzehnten in Deutschland lebt und wetterte seinerseits scheinbar grundsätzlich gegen alle Wortmeldungen, beleidigte gar gegen Ende der Sendung den neben ihm sitzenden Volker Beck, der als Einziger noch auf seine kruden Argumente einging. Angebotene Hilfsprogramme der Bundesregierung seien für ihn als Imam nicht notwendig, in seinen Kreisen regele man die Angelegenheiten lieber selbst. Dass Herr Dabbagh sich während der ganzen Sendezeit jeglicher Diskussion erfolgreich verweigerte, tut das Übrige dazu.

Kein Wunder also, dass auch einige junge Deutsche scheinbar alles glauben, was im Fernsehen läuft oder jemanden brauchen, der für sie Entscheidungen trifft. Gibt es keine Informationen für politische Bildung mehr, wie das früher war? Rennt man mal diesem oder jenem hinterher, weil es gerade in Mode zu sein scheint?

Haben wir in Deutschland insofern ein Unterschichtenproblem, dass diese mittlerweile in eine Parallelwelt abtauchen, wo nur noch die eigene Legendenbildung wahrgenommen wird und selbst objektive Quellen der Lüge bezichtigt werden?

Ich hoffe, die nächste Woche bringt bessere Themen mit sich.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (11 Bewertungen)

Kommentare

Was ist denn "politische Bildung"?

Oder besser gefragt: Wann ist man denn politisch gebildet und wann verdummt?

Ob ein nachlässiger Hundebesitzer nicht qualmen darf, während er interviewt wird, ob ein Imam unbedingt grammatikalisch fehlerfrei Deutsch sprechen müsste, nur weil er schon lange in Deutschland wohnt, weiß ich alles nicht, aber es gibt immer 2 Seiten eines Blattes und nicht immer entspricht der erste oder der über die Medien verbreitete Anschein den Tatsachen. Oft wird sogar absichtlich ein falscher Anschein erweckt.

Audiatur et altera pars

Aber hauptsächlich geht es mir darum, wen Sie für politisch gebildeter halten? Den, der sich gegen Windkraftanlagen in O'grombach richtet, weil sie die Landschaft verschandeln, Schatten werfen, Geräusche verursachen, Vögel erschlagen oder den, der vorschlägt, all das in Kauf zu nehmen, um regenerative Energie zu haben?
Halten Sie denjenigen für politisch gebildeter, der sich gegen Beschneidung von Knaben islamischer Eltern ausspricht, weil das Kind in D einen verbrieften Schutz genießen muss oder ist es eher der, der den Moslems die Ausübung ihrer Religion erlaubt, was ebenfalls verbrieftes Recht hier ist?

Meinetwegen kann auch in diesen m.E. besch!ssenen souschl netwörks darüber diskutiert und gehändelt und diese lächerlichen "likes" oder "unlikes" verteilt werden.
Ich persönlich freue mich darüber, wenn sich Leute an Diskussionen beteiligen, sich für ein Thema interessieren, auch mal dumme oder unpassende Kommentare absondern.

Viel mehr regt mich Phlegmatismus und Ignoranz auf..

Wer sich an nicht richtig Deutsch sprechenden Imame stößt, hat dasselbe Recht auf seine Meinung auf Meinungsäußerung wie derjenige, der sich über nicht richtig Deutsch sprechende Moderatoren im TV aufregen. Es lässt sich aus einer Meinung nicht immer ableiten, wer der "Gebildetere" ist.

Nochmals: Politische Bildung

Und was ist eigentlich eine "objektive Quelle"?

Ich kenne keine. Weshalb ich - wann immer möglich - stets konträre Ansichten, jede für sich genommen NICHT objektiv, in die eigene Meinungsbildung einfließen lasse.
Und selbst dann gibt es nicht eine einzige und alleingültige Wahrheit.

@Sackrattes eine "objektive Quelle"...

...das ist eine gute Frage. Jedenfalls nicht unsere Systemmedien. Die sind alle gleichgeschaltet und berichten nur das, was der Michel hören soll. Gerade hat Udo Ulfkotte sein neues Buch: "Gekaufte Journalisten" herausgebracht. Bin mal gespannt, was wieder alles verdreht und vertuscht wurde.
Journalisten manipulieren uns im Interesse der Mächtigen...

Ehrlich gesagt

als Nickname Sackrattes zu nehmen und Seneca zu zitiern ist durchaus möglich aber eventuell erklärungsbedürftig. Der Lateiner in den Niederungen? Aber die Zeiten sind doch vorbei, wo man beschissen mit Ausrufezeichen statt "i" schreibt und wo man "souschl netwörks" lautsprachlich schreibt um sich vielleicht einen volksnahen Anstrich zu geben?

Was ist "politische Bildung?", steht über dem Kommentar. Besser als die Zusammenfassung in Wikipedia könnte ich es auch nicht sagen: "Ziel ist, Zusammenhänge im politischen Geschehen zu erkennen, Toleranz und Kritikfähigkeit zu vermitteln und zu stärken, demokratische Spielregeln zu verankern und damit zur Herausbildung und Weiterentwicklung von aktiver Bürgerschaft, gesellschaftlicher Partizipation und politischer Beteiligung beizutragen."

Und wenn es jemand schon so sauber formuliert hat, was sollte dann dieses Geschwurbel? Dass man über etwas unterschiedlicher Meinung sein kann, das braucht doch niemand zu erklären, oder doch? 

Des Pudels Kern....

...haben Sie noch nicht entdeckt, geehrter Filou.
Sie haben ja ganz nett aus Wikipedia abgeschrieben, aber sind uns die Antwort auf die Frage schuldig geblieben, wen wohl Wikipedia für "kritikfähig" hält, wer wohl "politisches Geschehen [richtig] erkennt", wer genügend "tolerant" ist usw.
Wer bewertet das alles?

Außerdem bestreite ich, dass diejenigen, die "aktiv" sind, "partizipieren" und sich "beteiligen" wollen, automatisch als "politisch gebildet" gelten dürfen.
Eher im Gegenteil!

Interessant, aber neben dem Thema, finde ich die Auseinandersetzung mit meinem Nick. Darf man Ihren als Eigenschaft wörtlich nehmen?
Das Ausrufezeichen dient der Aushebelung automatischer Filter und die Lautschrift der Kenntlichmachung meiner Verachtung für diese Angebote.

Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen