"Und was hat jetzt Joachim (Jogi) Löw mit Bruchsal zu tun …?"

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Die Familienbande von Bruchsalern nach Schönau im Schwarzwald
Dienstag, 5. August 2014 - 11:31

Ausgefeiert. Dieser Eindruck verfestigt sich, wenn man aufmerksam durch Bruchsal geht. Sind wir doch mittlerweile seit über drei Wochen Fußball-Weltmeister. Und irgend wann mal muss ja wirklich Schluss sein mit den Feiereien und der überschwänglichen Ausgelassenheit. Die bettlakengroßen Fan-Fahnen wurden nach über drei Wochen Ruhmessuhlen und Siegestrunkenheit wieder aus den Fenstern genommen, die Auto-Rückspiegel-Präservative in den Landesfarben wurden für in zwei Jahre verstaut und die schwarz-rot-goldene Schminke hatten eh die meisten Hardcore-Fans bereits am Tag nach dem Endspiel aus dem Gesicht gewischt – als beispielsweise seriöser Rechtsanwalt oder Firmenlenker wollte man seinen Mandanten oder Mitarbeitern nun doch nicht derart ver(un)ziert gegenüber sitzen.

Schönau

Schönau im Schwarzwald. Foto: privat

Sogar in Schönau, einer kleinen Gemeinde im Südschwarzwald, nahe der Schweizer Grenze, ist mittlerweile wieder Ruhe eingekehrt. Auch für die nur wenig mehr als 2.300 Seelen im Geburtsort des Bundestrainers Joachim Löw hat nach ausgelassenen Feiern der Alltag wieder Einzug gehalten.

Allerdings stehen in Schönau jetzt noch die Feierlichkeiten zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde an „den Jogi“ an. „Wir werden ihm einen grandiosen Empfang bereiten,“ sagte der Schönauer Bürgermeister, „denn wir sind stolz auf Jogi Löw. Er hat den Namen Schönau in alle Welt getragen“ und er versprach seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, dass anlässlich des Termins zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde auch das Schönauer Fußballstadion, in dem Klein-Jogi seine ersten Tretübungen machte, umbenannt wird in Jogi-Löw-Stadion.

"Und was hat jetzt Joachim (Jogi) Löw mit Bruchsal zu tun ...?"

Um diese Frage beantworten zu können, muss man sich auf eine Zeitreise begeben, zurück in die 1880er, 1890er Jahre.

Zu dieser Zeit heiratete der 1854 geborene Schönauer Hutmacher Johann Innozenz Bläsi die ebenfalls aus Schönau stammende, acht Jahre jüngere Friederike Henriette Ebert, die von allen im Ort nur „Hedwig“ gerufen wurde. Ob die Geschäfte des Hutmachers Johann Innozenz Bläsi damals gut gingen ist nicht überliefert, setzte sich doch Ende des 19. Jahrhunderts die fabrikmäßige Hutproduktion durch und verdrängte die handwerkliche Fertigung solcher meist aus Filz gefertigten Kopfbedeckungen weitgehend. Johann und Hedwig Bläsi dürften sich jedoch geliebt haben, darauf lässt jedenfalls die recht große Kinderschar – zwei Buben und fünf Mädchen – schließen.

Bläsi

Franz Bläsi, 1950er Jahre. Foto: privat

Einer der Buben war der 1893 geborene Franz Josef, drittes Kind der Eheleute Johann und Hedwig, der nach den beiden Töchtern Hedwig und Maria Theresia zur Welt kam. Die Eltern ermöglichten unter großen finanziellen Opfern ihrem begabten Sohn Franz Josef zu studieren. An der Universität Freiburg studierte er fleißig Mathematik und Physik, legte 1919 die Staatsprüfung für das Höhere Lehramt ab und unterrichtete ab diesem Jahr am Bruchsaler humanistischen Gymnasium, heute bekannt als Schönborn-Gymnasium. Seine negative Einstellung zum NS-Regime kannten die Beamten des Dritten Reiches, so dass er 1941 wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ ans Realgymnasium Karlsruhe-Durlach strafversetzt wurde. 1945 wurde der unbeugsame Franz Josef Bläsi von der amerikanischen Militärregierung zum Bürgermeister von Bruchsal ernannt. Diese Position, später Oberbürgermeister, hatte er bis zu seinem krankheitsbedingten Tod 1963 inne.

Bereits 1920 heiratete Franz Bläsi die 1896 geborene, gebürtige Bruchsalerin Elisabeth Winterhalter. Neun Kinder hatten die Eheleute Bläsi, fünf Jungen und vier Mädchen. In Bruchsal und umliegenden Gemeinden leben noch heute Nachfahren von Franz und Elisabeth Bläsi. Man muss dazu nur die aktuellen Telefonbücher aufschlagen.

"Und was hat das jetzt mit Jogi Löw zu tun? Es wäre sinnvoll, wenn der Autor endlich zu Potte käme ..."

Eine der Schwestern von Franz Josef Bläsi war die 1904 geborene Rosele Bläsi. Diese heiratete in den späten 1920er, frühen 1930er Jahren einen Herrn, von dem nurmehr der Nachname bekannt ist: Lais. Ein in Schönau recht verbreiteter Familienname, wie ein Blick ins Telefonverzeichnis dieser Ortschaft verrät. Insofern darf angenommen werden, dass auch dieser Herr Lais ein gebürtiger Schönauer aus dieser heute so weitverzweigten Schönauer Familie war. 

Wieviele Kinder die Eheleute Lais hatten ist nicht bekannt. Anno 1933 jedoch erblickte in Schönau eine Tochter der Eheleute Lais das Licht der Welt, die den schönen Vornamen Hildegard erhielt.

Joachim

Joachim Löw. Foto: privat

Diese heiratete in den späten 1950er Jahren den zwölf Jahre älteren Hans Roland Löw, gebürtig aus Baden-Baden, einen selbstständigen Kachelofenbauer. Und wie es eben so kommt. Auch Hans und Hildegard bekamen Kinder, vier an der Zahl, alles Söhne und das älteste dieser Kinder ist der 1960 geborene Joachim „Jogi“ Löw, unser Bundestrainer, der in den sogenannten „sozialen Netzwerken“ gerne als „unser Weltmeistermacher“, „unser Held“, „unser Jogibär“, „die Jogirette“, „der Yu-Gi-Löw“ oder gar „unsere neue Lichtgestalt“ apostrophiert wird.

Fassen wir zusammen. Sowohl der Schönauer Löw-Linie als auch der Bruchsaler Bläsi-Linie ist eines gemeinsam: Die Schönauer Stammeltern: Johann Innozenz Bläsi und Friederike Henriette, genannt Hedwig, geborene Ebert.

Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten, dass bei der Einweihung des Joachim-Löw-Stadions in Schönau und der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Schönau im Schwarzwald an Joachim Löw die Bruchsaler Nachfahren von Johann und Hedwig Bläsi ebenfalls anwesend sein werden. Ist doch bis heute der Kontakt zu Schönau und den dort lebenden Verwandten, heißen sie nun Lais, Löw oder Bläsi, nie abgerissen. Man trifft sich immer wieder gerne zu Familienfeierlichkeiten.


Addenda

Elisabeth

Elisabeth Bläsi, 1950er Jahre. Foto: privat

 

Von Friederike Henriette Ebert ist, wie nebenbei zu bemerken wäre, bekannt, dass diese einen sehr berühmten Verwandten hatte. Sie ist eine Cousine des ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik, Friedrich Ebert.

 

Und auch zu Elisabeth Bläsi, geborene Winterhalter, gibt es eine, hier sogar Bruchsaler Geschichte. In den frühen 1960er Jahren erhielt die Ehefrau des Bruchsaler Oberbürgermeisters Franz Bläsi einen überraschenden Besuch von jenseits des atlantischen Ozeans, aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Zu Besuch kam Gertrude Bernkopf. Diese war über viele Jahre die beste Freundin von Elisabeth. Die beiden besuchten seit der Einschulung im Jahre 1902 oder 1903 gemeinsam die gleiche Klasse der Bruchsaler Schule.

Gertrude

Gertrude Bernkopf, 1960er Jahre. Foto: privat

Gertrude Bernkopf musste 1940 zusammen mit Ehemann Siegfried und Sohn Walter vor den Nationalsozialisten aus Deutschland in die USA fliehen. Ihr Sohn Walter emigrierte bereits 1938 in die Vereinigten Staaten. Gertrude Bernkopf war es sehr wichtig, sich mit ihrer früheren Freundin wieder zu treffen.

Gertrude war die Tochter von Jacob Oppenheimer, dem Bruder des Dichters der heute noch gesungenen Bruchsaler Lokalhymne „De Brusler Dorscht“, Otto Oppenheimer.

© Rolf Schmitt

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Kommentare

Machen S´ lieber nicht so ´n Wirbel..

..um die G´schicht´, Herr Schmitt, sonst müssen S´ vielleicht schon morgen vor Scham im Erdboden versinken, wenn das "nägschde" Länderspiel (gegen Argentinien) vom Yogi, bzw. dem seiner Mannschaft verbockt wird.

Heut´ gefeiert, morgen gefeuert; heut´ ein Held, morgen ein Versager.

Ich selber hab einen Hölderlin in der Ahnentafel und mein kürzlich verstorbener Onkel war Präsident des deutschen Designerbundes, dessen Büro u.v.a. den legendären Ro80 designt hat.
Aber deshalb müssen Sie jetzt nicht gleich eine Allee nach mir benennen, eine Sackgasse tut ´s auch. :-))

Warum nur ??

Warum nur so ein Beitrag ?? Vielleicht hat Joachim Löw ja einen Hund dem sein Ur Ur Großvater aus bruchsal stammt den es aber der liebe wegen zu einem Pudel damals in den Schwarzwald verschlagen hat. Auch seine verwanden die heute noch in bruchsal zuhause sind haben ihr kommen zugesagt.

Herr Rolf Schmitt...

...langsam wird es peinlich. Wen interesseirt solch ein Schmarrn?

Apropos Bruchsal Herr Schmitt, wo genau können die Brusler mal erfahren, wie groß der Schuldenberg ist, den die Stadt angehäuft hat und wer diese zurückbezahlen soll?

Die liebe Verwandtschaft

"Ausgefeiert. ( ....)Sind wir doch mittlerweile seit über drei Wochen Fußball-Weltmeister."

Jawoll, wir sind Weltmeister. Wir? Nein, wir nicht, eine kleine Mannschaft aus Deutschland hat es geschafft, Weltmeister zu werden. Aber so ist es eben, man bekleckert sich gerne mit dem Ruhm, den andere erreicht haben.

So ist es nicht verwunderlich, wenn eine Beziehung von Joachim Löw mit Bruchsal hergestellt wird. Haben "wir" doch demnächst die Heimattage und da sind ein paar berühmte Personen, die mit Bruchsal zu tun haben, sehr wichtig.

Mozart und der Kaiser sind auch schon durch Bruchsal gefahren und ein paar Frauenschicksale werden sich auch noch auftreiben lassen. Mit den Helden aus dem tausendjährigen Reich will man dagegen nichts mehr zu tun haben.

Schließlich sind wir ja alle irgendwie weitläufig verwandt und so wird sich die eine oder andere Persönlichkeit schon noch finden lassen. Vielleicht ist man auch mit dem einen oder anderen Schergen verwandt, aber daran wollen wir nicht rühren. Und wenn man weiß, dass die Fürsten und Landesherren das Recht der ersten Nacht hatten, so gibt es bestimmt auch eine Menge an fürstlichen Nachkommen in Bruchsal, die man herausstellen kann. Man muss nur genügend forschen.

Tja, die Heimattage. Bruchsal putzt sich heraus. An allen Ecken und Enden werden die Straßen saniert. Und nicht nur oben, auch unter den Straßen wird fleißig geputzt und gefilmt und repariert. Man könnte fast meinen, es gäbe Führungen durch den Bruchsaler Untergrund, wie in anderen Großstädten

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