Der Traum von der Bahnstadt

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Attraktives Wohnen im Industriegebiet
Mittwoch, 5. Oktober 2011 - 17:23
Bahnstadt Bruchsal

Der Traum von der Bahnstadt

Da ist sie nun in aller Munde – die „Bahnstadt“. Nachdem die Stadtbahnthematik – zumindest offiziell - in den Tiefen der standardisierten Bewertung verschwunden ist, sind wir Bruchsaler ja schon fast froh, wenigstens ein wenig kommunalpolitisches Geschehen in Bruchsal verfolgen zu können. Das Geeiere mit dem Sparhaushalt und den „Aktionen“ drum herum hat ja nicht wirklich viel bewegt, es lag wohl aber auch an der Sommerpause...

Jetzt allerdings wird in den Printmedien mehr und mehr und immer wieder das Thema Bahnstadt angerissen. Wenn ich diese Berichte dann so lese –zumindest oberflächlich- verstärkt sich für mich der Eindruck, daß es aktuell geradezu hip ist, darüber zu berichten. Ich selbst habe mir so meine Gedanken gemacht und kam zu dem Schluß, daß es aus meiner Sicht noch viel zu viele unbeantwortete Fragen zu diesem Thema gibt. Es scheint auch so zu sein –wenn man üblicherweise gut unterrichteten Kreisen Glauben schenken darf- daß auch auf Seiten der Verwaltung vieles an der Öffentlichkeit vorbei „in der Mache“ ist. Ob der Gemeinderat über alles informiert ist weiß ich nicht, habe aber da so meine eigenen Vermutungen.

Die Hauptfrage ist aus meiner Sicht allerdings: Wer will denn dort tatsächlich wohnen?

Ein Neubaugebiet in direkter Nachbarschaft zum Bahnhof und begrenzt durch eine stark befahrene Bundesstraße, die in erhöhter Position am fraglichen Areal vorbeiführt, als Wohnqualität in stadtnaher Lage zu bewerben ist aus meiner Sicht schwer nachvollziehbar.

Ich habe selbst fast 20 Jahre im Wohngebiet Im Hammer in Bruchsal gewohnt, glauben sie mir, ich weiß was Zuglärm ist. Dann noch die Frage ob OGA bleibt oder nicht... Nun, wenn die OGA bleibt, dann ist auch noch gewährleistet, daß zum Zuglärm der Lärm der LKW’s und deren Gestank kommt, eine tolle Mischung für die junge Familie, die sich gerade ihr neues Heim für teures Geld gebaut oder gekauft hat.

Natürlich ist mir bekannt, daß das Thema Bahnstadt in anderen Kommunen angeblich  ein toller Erfolg ist, das immer wieder ins Feld geführte Beispiel Heidelberg scheint ja besonders attraktiv zu sein. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob Heidelberg oder andere Beispiele mit Bruchsal vergleichbar sind, jedenfalls habe ich bisher noch nichts gefunden, was diese Annahme stützen würde. Vielleicht klärt man den mündigen Bürger hier mal mit Informationen auf.

Tatsache ist, daß das fragliche Areal in Bruchsal jahrzehntelanger industrieller Nutzung unterzogen war und somit zwangsläufig das Thema Altlasten ein Großes sein wird. Ebenso weiß man, daß während des Krieges und v.a. am 1. März 1945 tonnenweise Bomben auf das Areal regneten, auch dies sicherlich ein Punkt der wesentliche Kosten verursachen wird, die im Rahmen einer eventuellen Erschließung anfallen werden. Dies ist zum Beispiel ein wesentlicher Unterschied zu Heidelberg, das bekanntlich keinen Bombenangriffen ausgesetzt war.

Sicher ist jetzt schon, daß entsprechende Gutachten, die zuvor zur Beruhigung des Gemeinderates –sollte dieser überhaupt irgendwelche Regungen zeigen- eingeholt wurden, von deutlich weniger Belastungen und dadurch verursachten Kosten ausgehen, als dann letztendlich anfallen werden. Wohin selbst angeblich seriöse und berechenbare Planung in der heutigen Zeit führt, zeigt vor der Haustür das UStrab Projekt in Karlsruhe, oder aber die Elbphilharmonie in Hamburg, wo die Projektkosten zum Teil um ein vielfaches überschritten werden. Und ja, die Stadt Bruchsal hat KEIN Geld, nicht einmal welches, um schon bestehende Bauwerke wie Brücken und Kinderhäuser nachhaltig und dauerhaft zu sanieren. Sollte jedoch die Bahnstadt realisiert werden, dürfte wenigstens die Saalbachbrücke beim Umspannwerk renoviert werden, damit die Laster und später die Bewohner wenigstens sicher zum Areal gelangen können. Das aber nur nebenbei.

Die Frage nach der Finanzierung des Erwerbs und der Erschließung des Gebietes ist ebenfalls noch sehr wenig diskutiert worden. Hier würde ich mir wirklich die versprochene Transparenz wünschen und zwar dadurch, daß die Verwaltung hier die Finanzplanung –soweit das wegen der oben genannten Punkte überhaupt möglich ist- vorlegt, damit der interessierte Bürger sich ein Bild machen kann.

Bitte verstehen sie mich richtig, ich bin nicht der Befürworter einer Erschließung neuer Baugebiete im Rand- oder Aussenbereich, aber dieses „Bahnstadt Areal“ mag ja für vieles geeignet sein, sicher nicht aber für eine qualitativ hochwertige Wohnbebauung. Und qualitativ hochwertig heißt hier nicht hochwertig im Sinne der oberen 10.000, sondern im Sinne von nicht noch weiter erhöhten Lärm- und Abgaswerten.

Bruchsal.org hat auf der Startseite eine Umfrage eingestellt bei welcher sie abstimmen können, ob sie, hätten sie die Möglichkeit dazu, in der Bahnstadt wohnen wollten oder nicht. Machen Sie mit, das dürfte eine Abstimmung mit einem interessanten Ergebnis sein.

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Kommentare

Oberer Weiherberg, Bahnstadt...

... und zwischendurch auch noch die "Feuerwehrschul-Stadt" auf dem Gelände der bald früheren Feuerwehrschule im Weiherberg - woher sollen die Bauherren - pardon - Baudamen denn kommen?!

Ist doch einfach. Erst mal

Ist doch einfach. Erst mal ansiedeln, dann klagen wegen Lärm
und Gestank. OGA verlagern, anschließend Bahnhof und Bahnstrecke
unterirdisch. 2-spuriger Ausbau der B35 incl. Lärmschutz und bei
dieser Gelegenheit Stadtbahn durch Bruchsal. Das bietet genug
potential für Jahrzehnte Steuergelder im Sinne der Stadtentwicklung
anzulegen. Natürlich mit entsprechender finanzieller Unterstützung
aus Brüssel. Sollten Gelder knapp werden, können wir uns in einem
Bürgerforum den Kopf über unerschlossene Steuerquellen der Stadt
zerbrechen. Den momentanen finanziellen Engpass überbrücken wir
solange mit den Mehreinahmen aus Schließung sozialer Einrichtungen
und Erhöhung der Hundesteuer.

Geschrieben ohne nachzudenken !

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