Die Synagoge (IV)

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Montag, 11. November 2013 - 23:35

Seit meinem letzten Beitrag zur digitalen Rekonstruktion der zerstörten Bruchsaler Synagoge ist schon geraume Zeit ins Land gegangen. Am vergangenen Samstag durfte ich nun im Rahmen der Gedenkveranstaltungen zum 75. Jahrestag der Reichspogromnacht und der damit verbundenen Zerstörung der Synagoge den Stand meiner bisherigen Arbeit vorstellen.

Ich will dies hier noch einmal in aller Kürze zusammenfassen.

Wie ich zuletzt bereits erklärt hatte war ich zu Beginn meiner Rekonstruktionsarbeit einem Fehler aufgesessen, der unwesentlich erscheinen mag jedoch symptomatisch für die Problematik eines solchen Projektes ist.

Ich hatte ein Schmuckelement des Säulenkapitells in einer Buchabbildung als Davidstern interpretiert, welches sich nach Erhalt eines hochauflösenden Scans der betreffenden Fotografie als Blattornament herausstellte.

Vergleich Säulenkapitell

Jeweils rechts habe ich hier die Gitternetzstruktur sichtbar gemacht, welche die Geometrie des Modells mittels vieler Einzelflächen, sogenannter Polygone, bildet.

Auf den technischen Konstruktionsprozess möchte ich hier im Einzelnen gar nicht weiter eingehen, In jedem Fall muss jedes Einzelelement erzeugt werden und diese dann zu einem Ganzen zusammengefügt werden.

Portale 1

Hier haben wir einen Teil der Ostfassade in ihrer nackten Geometrie, also mit einer neutralen Oberfläche, aber bereits realistischer Beleuchtung.

Links sehen wir das eigentlich zentrale Portal, das in den sakristeiartigen Vorbau führt.

In der Mitte der Zugang für die Männer und schließlich rechts das Treppenhaus, welches zur Frauenempore führt. Oberhalb dieses Eingangs befinden sich die Stiftertafeln.

Portale 2

Hier sehen wir nun dieselbe Perspektive mit bereits texturierten Fenstern. Rechts oben, gerade noch im Bild, Fenster mit diagonal gekreuzten Sprossen.

Darunter das Frauenportal mit einem filigran gearbeiteten, floralem Gitter.

Die Bogenfenster links zeigen ein neues Problem auf, denn es ist nicht ganz klar, waren die gezeigten Ornamente ins Glas geätzt oder geschliffen oder bestanden diese ebenfalls aus einem Metallgitter.

Am wahrscheinlichsten ist jedoch eine Kombination aus beidem.

Es zeigt sich aber in jedem Fall, dass bei der Synagoge viel Wert auf liebevolle Details gelegt wurde.

Portale 3

Nun habe ich mit der Zuweisung des Steinmaterials begonnen. Die Fassade war bekanntlich in gelbem und rotem Sandstein gehalten, eine Kombination, wie wir sie recht häufig in Baden finden.

Die Materialien sind noch etwas mit der heißen Nadel gestrickt aber wir bekommen bereits einen ersten Eindruck von der ursprünglichen Beschaffenheit.

Zentrales Portal

Dies ist noch einmal das zentrale Portal zur Sakristei...

Männerportal

...und hier der rechte Zugang für die Männer. Man sieht auch die kleinen Sakristeifenster, die jeweils rechts und links in dem Vorbau eingelassen sind.

Sakristei

Noch einmal die Sakristei im Ganzen, mit dem vorgelagerten Säulengang...

Säule

...und die Säule in der bereits abgeänderten Ausführung und in ihrer zugedachten Funktion.

Frauenportal

Hier der Zugang zum Treppenhaus mit dem floralen Gitter und den darüber befindlichen Stiftertafeln.

Treppenhaus

Dies ist der obere Teil des Treppenhauses mit pyramidalem Dach und aufgesetztem Schmuckelement. Dass die aufgesetzten Rippen etwas unvermittelt enden liegt daran, dass hier noch ein Schmuckelement fehlt.

An der hinteren Wand sehen wir ein Blendfenster, wie es sich auch an der Seite des Treppenhauses befindet.

Nordwand

Hier erhalten wir einen ersten Blick auf die Längsseite des Gebäudes. Die hier zu sehende nördliche, wie auch die südliche Wand waren verputzt, während die Stützpfeiler aus unverputztem Mauerwerk bestanden.

Ausicht Seite

Diese Ansicht zeigt wie die farbigen Bänder die Fassade sehr schön gliedern, obgleich sie nur bis zu etwa zwei Dritteln der Gesamthöhe reichen.

Ausicht Front

Das Gebäude ragt zu einer Firsthöhe von etwa 18 Meter auf, zuzüglich Giebelaufsatz und darauf angebrachtem achtstrahligem Stern.

Akroterion

Dies ist das Akroterion, der Giebelaufsatz, mit den Gebotstafeln, einem Davidstern und einer darunterliegenden Reihung von Blendfenstern.

Südseite

Hier sehen wir nun die Südseite mit der Fenstereinteilung der Längsseite.

Die rückwärtige Westseite - hier ganz links am Rand - fehlt leider noch komplett.

Sie ist ohnehin nur sehr lückenhaft überliefert und muss in zwei Perioden unterschieden werden, nämlich die im ursprünglichen Zustand von 1881, sowie jene nach dem Umbau von 1926 bis 1928.

Ostfassade

Zuletzt sehen wir noch die frontale Ansicht der Ostfassade, die der Perspektive der eingangs zitierten historischen Fotografie entspricht.

Auch wenn der Baukörper hier auf den ersten Blick vollständig erscheinen mag, fehlen doch noch viele Details. Und der Innenraum hingegen stellt insbesondere mit seiner Ausmalung noch einmal eine ganz neue Herausforderung dar.

Ich betone dies an dieser Stelle deshalb noch einmal, weil ich dieses Projekt gerne offen halten möchte. Dies insofern, als Arbeitsergebnisse, wie Quellmaterial unter eine freie Lizenz gestellt werden sollen.

Dies soll auch die Einbindung Dritter ermöglichen, die sich ermutigt und befähigt fühlen diese Arbeit voran zu treiben und die Fortführung des Projektes unabhängig von meinen eigenen eingeschränkten Möglichkeiten garantieren. Aber auch eine breite, uneingeschränkte Nutzung für Publikationen oder auch im Schulunterricht soll dies unterstützen.

Bei Interesse oder Rückfragen bitte ich direkt mit mir in Kontakt zu treten.

Zudem würde ich bitten, dass Jeder, der ggf. noch alte in Bezug zur Synagoge stehende Fotografien oder Aufzeichnungen in seinem privaten Fundus hat, welche neue Erkenntnisse ermöglichen könnten, diese zugänglich machen möge.

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Kommentare

Unglaublich

tolle virtuelle Darstellung, jedes Detail mit Perfektion rekonstuiert. Für mich ein echtes Meisterwerk!

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