Sven Regener - Wutrede

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Gedanken zum Urheberrecht
Donnerstag, 19. April 2012 - 7:45

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Kommentare

Sven Regener von Element of Crime

Der Mann hat absolut recht. Nehmen Sie sich die Zeit und hören Sie sich seine Wutrede an!

KünstlerInnen und ihre Kunst gibt es nicht umsonst!

Nur bedingt..

..hat Regener hier recht.

Meine persönliche Meinung, die überhaupt nichts mit meiner Partei zu tun hat, ist ohnehin die, dass alles, was sich unter dem Begriff "Kunst" subsumiert, nicht als schützensfähig zu gelten hätte.

Wer keine freie Musik schaffen möchte, soll es halt lassen! Die Menschen versorgen sich schon mit damit, machen sie "im Notfall" selbst. Sogar die primitivsten Völker haben ihre Trommeln, Gesänge und Tänze.

Die Einlassungen Regeners erinnern mich an Tunesier in der Oase Gabes, die einem in Scharen einen Becher Palmwein geradezu aufnötigen, den eigentlich keiner will, um einem hinterher entrüstet zur Kasse zu bitten, wenn man ihn dann, nur um seine Ruhe zu haben, tatsächlich runterschluckt.

Regener lebt doch davon, dass möglichst viele Leute seine Musik hören mögen. Ergo muss er seine Werke erst einmal im Radio spielen. Erst soll man sich seinen Kram anhören müssen, dann soll man dafür blechen.

btw.: Wieso sollte ich auch von einer Radiosendung keinen Mitschnitt anfertigen dürfen? Seit der Erfindung des Grammophons kann man Laute speichern und hat das zu allen Zeiten getan. Ganz sicher auch Regener.

Wir bestehen auf das Recht einer kostenlosen Privatkopie.

 

Mir ist auch völlig wurscht, ob eine Audioaufnahme analog oder digital erfolgen kann; ich brauche weder einen Original-Picasso, noch "muss" ich bestimmte Bücher lesen. Dass die absolute Mehrzahl der Menschen so denkt wie wir, beweist sich schon daran, dass bei mir nur selten die Originale irgendwelcher Brillenmodelle gefordert werden. Den meisten Kunden tun 's auch die ähnliche und deutlich preiswertere Modelle.

Wo wären wir heute ohne Nachahmerarzneien, ohne Generika? Alles original oder was?

Haben wir heute denn weniger Rechte als jeder Mensch von vor 30-40 Jahren, als sich die Musikindustrie nicht im Mindesten darum geschert hat, was man sich alles auf Musikkassetten aufgenommen und bei jeder Party abgedudelt hat??

Was die Piraten angeht, so wollen die auch keine Musik "für umme", sondern eine Novellierung des Verwerterechtes, nicht nur des Urheberrechtes.

Die Künstler selbst haben doch fast nichts an ihren Werken. Die Preistreiber sind doch die Verwerterfirmen!

Und noch etwas: Sowenig wie ich Regener bis jetzt kannte, kannte ich vor Napster eine Ishtar Alabina (die zweitgeilste Frau aller Zeiten), ich kannte keine Loreena McKennitt, mir war bis dahin ein Marilyn Manson suspekt und ich hätte weiterhin eine Marianne Faithful unter Diskopop eingeordnet.

Von den ersten beiden besitze ich inzwischen CDs bzw. DVDs.

Und die Moral von der Geschichte: Regener kann sich ruhig aufregen, er wird das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen. Ich finde auch seine Haltung impertinent, alle als asozial zu bezeichnen, die sich erdreisten, 20 Euro für eine CD in Frage zu stellen und dieses Geld ggf. NICHT auszugeben.

Keine Wutrede und kein wütender Aufschrei

Keine Wutrede und kein wütender Aufschrei - ein Beitrag zum Thema bei D64 - Zentrum für Digitalen Fortschritt:

Dieser Beitrag ist ein Kommentar von Leonhard Dobusch und Mathias Richel auf das Editorial von Olaf Zimmermann in der Zeitung “Politik & Kultur” vom Deutscher Kulturrat e.V. Das Editorial von Olaf Zimmermann kann man auch schon länger im Netz nachlesen. Dieser Kommentar wird in der nächsten Ausgabe der “Politik & Kultur” (Nr.02/12) abgedruckt.

Wir veröffentlichen ihn hier vorab, um im Netz, um das es ja auch im Kern geht, die Diskussion zu ermöglichen.

Vor der Digitalisierung war das Urheberrecht nur für Experten ein Thema. Für die Mehrheit der professionell Kunst- und Kulturschaffenden nicht. Und für den Rest der Bevölkerung schon gar nicht. Die Kulturschaffenden hatten zwar damals wie heute formal die Urheberrechte, in der Praxis aber sorgten Marktmacht der großen Verwerter und der Winner-take-all-Charakter der Kulturindustrie dafür, dass die große Mehrheit wenig bis gar nichts an ihren Urheberrechten verdiente. Brotlose Kunst kommt nicht von ungefähr. Nur wenige Glückliche konnten von ihrer Kunst leben und eine winzige prominente Minderheit hatte die Verhandlungsmacht für ein wirklich gutes Einkommen.

Für alle anderen hatte das Urheberecht noch weniger Bedeutung. Selber Werke herzustellen war teuer, sie zu verbreiten noch teurer. Gleiches galt für die Erstellung von Kopien. Vor dem Internet war es gar nicht so einfach, das Urheberrecht zu verletzen. Im Alltag der Masse der Bevölkerung spielte das Urheberrecht keine Rolle.

Heute haben wir das Internet und das Urheberrecht ist für beide Gruppen ein Thema. Zwar kann immer noch nur eine Minderheit von ihrer Kunst alleine leben, zwei Dinge haben sich aber verändert.

Einerseits sind heute so viele Menschen wie nie zuvor kulturschaffend tätig. Erstellung und vor allem Distribution von Kulturgütern ist so günstig wie nie zuvor. Neue Formen des Medienkonsums in sozialen Netzwerken und anderswo führen dazu, dass Nutzung von Kulturgütern immer mehr mit deren gleichzeitiger Verbreitung einher geht. Jugendliche tanzen zu ihrer Lieblinsmusik, filmen sich dabei mit ihrem Handy und verletzten das Urheberrecht, weil sie dieses Video mit ihren Freunden im Netz teilen. Urheberrechtsverletzung steht in der digitalen Gesellschaft an der Tagesordnung.

Andererseits glauben viele professionell Kunstschaffende in ebendiesen alltäglichen Urheberrechtsverletzungen den Grund dafür zu erkennen, warum sie von ihrer Kunst nicht leben können. Was vor dem Internet der Ungerechtigkeit der Kulturindustrie und deren Starprinzip zugeschrieben wurde, dafür wird heute „Gratiskultur“ und Urheberrechtsverletzung im Netz verantwortlich gemacht. Das mag im Einzelfall auch stimmen, in der Regel ist es aber falsch.

Für die Reform des Urheberechts bedeutet das dreierlei: Erstens, das Urheberrecht muss wieder unwichtig werden. Einem fairen Mediennutzungsalltag dürfen Urheberrechte nicht im Wege stehen. Deshalb braucht es auch in Deutschland dringend eine Fair-Use-Klausel, die Remix von Werken im Internet legalisiert. Zweitens, das Urheberrecht muss ein Versprechen einlösen, dass es auch vor dem Internet nicht erfüllt hat, nämlich für die Urheber da zu sein. Ein besseres Urhebervertragsrecht mit unabdingbaren Zweitverwertungsrechten wäre hier ein erster Schritt und würde dazu beitragen, dass Künstler für ihre Leistungen auch fair bezahlt werden. Im Gegensatz dazu nützt den Urhebern eine Schutzfrist weit über deren Tod hinaus nichts. Stattdessen behindert sie Künstler bei der Erstellung neuer Werke, weil die langen Schutzfristen Zugang zu vorhandenen Werken – dem Rohmaterial von Kreativität – behindern. Drittens, und das ist vielleicht das wichtigste, Kunstschaffende und Internetnutzer sind keine Gegner. Die Ungerechtigkeiten im Kulturbetrieb haben weniger mit dem Internet und viel mehr mit Marktmacht und Verteilungsfragen zu tun. Diese Probleme gilt es gemeinsam anzugehen – und das Internet kann dabei vielleicht sogar hilfreich sein.

Beiträge im Bereich “Diskussionen” sollen zur – klar – Diskussion anregen.
Die Inhalte geben nicht unbedingt die Position des gesamten Vereins wieder.

Hier geht's auf die Homepage von D64: http://d-64.org/das-urheberrecht-ist-nicht-das-problem/

Er hat recht und auch wieder nicht

... beispielsweise weiss ich aus eigener Erfahrung, man hört einen Song bei Youtube und der gefällt einem so gut, dass man entweder die CD kauft oder bei Itunes das Album für das Handy heruntlädt. Insofern ist Youtube mit einem Radiosender vergleichbar, wo man einfach hinterher kauft was einem gefällt.

Dies macht aber nicht jeder - so mancher hat ein Programm auf dem PC installiert, dass Youtube-Aufnahmen digital speichert - so kann er sich seine CD hinterher für lau selbst brennen. Man hat dann zwar nicht das Original - es fehlen auch mal vielleicht 2 Minuten eines Songs - dafür hat man halt aber den berühmten "Nullinger" für das Werk des Künstlers ausgegeben.

Man kann bei manchen Songs auch wirklich Pech haben, dass man bei Youtube ums Verrecken kein Original findet, sondern nur mehr oder weniger gute Cover-Versionen von unbekannteren Interpreten. Auch hier wollte die Gema schon tätig werden und so manchen Cover-Künstler kostenpflichtig abmahnen, dies hält sich aber bisher Gott sei Dank für die regionale Musikszene in Grenzen. So würde man auch die zumeist recht unbekannten Künstler irgendwie kaputtmachen. Oder kennen Sie eine gute Band aus dem Umkreis, die ausschliesslich Selbstkomponiertes spielt? :-)

Manche Inhalte sind auch komplett gesperrt oder entfernt worden, der eifrige Youtube-User kann das bestätigen. Trotz Verbots findet man aber u. a. auch immer mal wieder unfreiwillig so manchen Schweinskram auf Youtube, der erst nach Aufforderung entfernt wird, weil die Plattform einfach zu gross und unübersichtlich geworden ist, wenn User aus der ganzen Welt hier Sachen hochladen können.

Ausserdem ist es natürlich um auf den Hauptdiskussionspunkt zurückzukommen so, dass wer kein gutes Management hat oder wer die Dinge selbst in die Hand nimmt häufig bei den neuen Medien leer ausgeht. Wo andere kräftig durch Werbung auf Youtube usw. bei Ihren Videos mitverdienen gehen dann halt andere leer aus, weil sie sich nicht die Mühe machen den Youtube-Auftritt entsprechend zu vermarkten. Diese dürften dabei halt aber nicht die Gelackmeierten sein.

Wie man es dreht und wendet - ein Streitpunkt der uns alle weiter beschäftigen wird. Es darf aber nicht sein, dass der User zur Kasse gebeten wird, wenn grosse Plattenfirmen oder Lizenzinhaber sich nicht einig sind.

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