Stolpersteine - bald auch in Bruchsal?

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Ein Bürger befragt unsere Gemeinderäte zu ihrer Meinung
Sonntag, 18. August 2013 - 14:07

Auf Abgeordnetenwatch wurden einige Bruchsaler Gemeinderäte, darunter auch Matthias Holoch, danach befragt, was sie von Stolpersteinen in Bruchsal halten:

Sehr geehrter Herr Holoch,

Ich möchte Sie gern nach Ihrer Meinung zur Verlegung von Stolpersteinen in Bruchsal fragen:

Wie stehen Sie zu dieser Art des Gedenkens an die in der Nazizeit deportierten und ermordeten Menschen? Hintergrund ist, dass ich gern für 4 jüdische Bürger der Stadt Bruchsal, die nach Gurs deportiert und in Auschwitz ermordet wurden, diese Steine verlegen lassen möchte. Zuvor muss es natürlich einen Beschluss des Gemeinderates geben. Für die Gemeinde selbst entstehen keine Kosten – auch keine Folgekosten.

Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema?

Benno Aulkemeyer

 

Stolperstein in Heilbronn

Stolperstein in Heilbronn. Foto: privat

Stolpersteine? Nein, damit sind keine künstlichen Gehfallen im Trottoir gemeint, wie manche im Internet spekulieren. Bei den hier thematisierten Stolpersteinen handelt es sich um zehn mal zehn große Messingplatten, die vor dem letzten frei gewählten Wohnort im Gehsteig an Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Versehen sind die Stolpersteine mit einem Namen, Geburts- und Sterbejahr sowie dem Todesort: Auschwitz, Bergen-Belsen oder auch Treblinka. Erinnert werden soll mit den Stolpersteinen nicht nur an jüdische Mitbürger. Gedacht werden soll auch der anderen Opfer des Nationalsozialismus wie Sinti und Roma ('Zigeuner', Auschwitz-Erlass), Euthanasie-Opfer (Opfer der sog. Nationalsozialistischen 'Rassenhygiene'), politisch Verfolgte wie Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten oder in den Kirchen Engagierte, ebenso wie Homosexuelle, die aufgrund ihres 'entarteten' Verhaltens in Konzentrationslager eingeliefert und dort ermordet wurden.

Mittlerweile sind in Deutschland und Europa bald 40.000 dieser Steine verlegt und halten die Erinnerung lebendig. In etwa 750 Städten und Gemeinden in Deutschland (hier allein über 650), den Niederlanden, Belgien, Italien, Norwegen, Österreich, Polen, der Slowakei, Tschechien, der Ukraine und Ungarn sind diese Stolpersteine bereits verlegt. Für Dänemark und Frankreich befinden sich Stolpersteine in der Planung.

In der Hauptstadt Berlin wurde vor wenigen Wochen der 5.000. Stolperstein durch den Initiator dieser Aktion, dem Kölner Künstler Gunter Demnig, im Stadtteil Reinickendorf verlegt.

Der 5.000. Berliner Stolperstein wurde für den ermordeten Jungen Paul Höhlmann verlegt, der der „Kindereuthanasie“ zum Opfer fiel. Gestiftet wurde der Stolperstein von Schülern des Friedrich-Engels-Gymnasium. Im Gegensatz zu Paul dürfen diese zur Schule gehen.

Für die Mehrzahl der Anwohner und Passanten in Berlin gehören die Gedenksteine längst, und dies im positiven Sinne, zum Straßenbild. Kinder sitzen vor den Stolpersteinen, entziffern die Namen und fragen interessiert nach, wer das eigentlich war.

Harry

Harry L. Ettlinger in Heilbronn beim Lesen des Textes eines Stolpersteines. Foto: privat

Oftmals wird gegen Stolpersteine ins Feld geführt, dass es doch bereits eine zentrale Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus gäbe und es somit nicht notwendig sei, der einzelnen Personen mit Stolpersteinen zu gedenken. Dem widerspricht Demnig vehement. Die Opfer seien bei einer zentralen Gedenkstätte in der Öffentlichkeit nicht sichtbar. Dort würde zwar einmal im Jahr von Honoratioren ein Kranz niedergelegt, „aber andere können die Mahnmale einfach umgehen“. Das Ziel der Stolpersteine sei es, die Namen der Opfer zurück an die Orte ihres Lebens zu bringen. Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, so Demnig, soll auch eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein. Und man stolpere bei seinen Stolpersteinen nicht und falle hin. "Nein, nein, man stolpert mit dem Kopf und dem Herzen."

Dass es auch Widerstände in der politischen Gemeinde geben kann, zeigt ein aktueller Bericht von Anfang August 2013 aus Limbach-Oberfrohna bei Chemnitz. Dort sollen drei Opfer des Nationalsozialismus mit Gedenksteinen geehrt werden. Allerdings warten die Initiatoren seit drei Monaten auf die Erlaubnis aus dem Rathaus. Die Initiatoren wählten für die Stolpersteine Opfer aus verschiedenen Gruppen aus: ein Euthanasie-Opfer, einen früheren Mitbürger, der aufgrund seiner jüdischen Religionszugehörigkeit in Sachsenhausen ermordet wurde und ein 21-Jähriger, der von den Nazis erschossen wurde aus Rache dafür, dass sein Vater, Mitbegründer der KPD-Ortsgruppe, vor den Nazi-Schergen hatte fliehen können.

Der Antrag der Initiative an die Stadtverwaltung auf Genehmigung der Verlegung wurde vom Oberbürgermeister abschlägig beschieden. Dieser wollte zunächst mit dem Ältestenrat sprechen, bevor das Thema in den Stadtrat geht. Ein SPD-Politiker berichtete aus dem Ältestenrat, dass das Thema dort eher kritisch von der Stadtverwaltung eingeführt wurde, er selbst sei für die Umsetzung: „Es ist eine Inititiave, die es in vielen Städten Deutschlands gibt, warum dann nicht bei uns?“

Warum nicht auch in Bruchsal? Mittlerweile hat Herr Aulkemeyer eine Antwort von Stadtrat Matthias Holoch erhalten:

Sehr geehrter Herr Aulkemeyer,

ich bin schon in Karlsruhe über Gedenksteine "gestolpert" und finde diese Form der Erinnerung sehr gut. Keine Gedenkstätte, die extra aufgesucht werden muss, sondern im täglichen Leben der Menschen auftaucht.

Vielleicht wissen Sie, dass in Bruchsal (wie z.B. in Freiburg) anonym ein Straßenschild aufgestellt wurde, das den Weg nach Gurs weist und auch eine alltägliche Form des Erinnerns ist.

Herzliche Grüße
Matthias Holoch


Diese Antwort lässt hoffen, dass in Bruchsal möglich wird, was in vielen Gemeinden in der Nähe von Bruchsal eine Selbstverständlichkeit ist.

Stolpersteine gibt es unter anderem in

Bretten http://www.youtube.com/watch?v=dDxNPBTb3n8

Heidelberg http://www.stolpersteine-heidelberg.de/

Mannheim https://www.mannheim.de/tourismus-entdecken/stolpersteine

Karlsruhe http://www.stolpersteine-karlsruhe.de/

Ettlingen https://secure.ettlingen.de/ekomm/sitzung/ge_sourc.nsf/17cc415d799d589dc...

Heilbronn http://www.stolpersteine-heilbronn.de/

Pforzheim http://www.youtube.com/watch?v=NnmrKQinCJE

Jöhlingen http://www.juedisches-leben-kraichgau.de/page2/page3/page3.html

Bruchsal fehlt leider noch in dieser Aufzählung: www.stolpersteine-bruchsal.de.

 

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Kommentare

Wohlfeil und risikolos ?

Wer kann schon gegen Stolpersteine sein? Ich sicher nicht. Allerdings erlaube ich mir zu bedenken, dass es immer schon Mode war, Fehler und Greueltaten der Vergangenheit, inklusive der posthum identifizierten Helden aufs Podest zu heben und sich in der Gegenwart lieber unauffällig zu verhalten. Die Juden wurden ermordet im Dienste einer Ideologie, die damit ihre Herrschaft festigte und auch  begründete. Es ist allerdings wohlfeil, dies zu thematisieren und um Zustimmung zu Protesten zu bitten, denen sich jeder anschließen kann, ohne sich damit politisch real zu exponieren. Tatsache ist, dass wir in einer Zeit leben, in der persönliche Freiheiten durch STAMOKAP  bedroht werden Die Demokratie wird zum Auslaufmodell. Ich kann nicht erkennen, dass der Bürger von heute seine Hängematte verlässt, um "seine" Demokratie zu verteidigen. Er begrüßt Stolpersteine und stolpert nur unzureichend über das, was heute passiert: Übernahme der Herrschaft durch big data. Unsere persönliche Freiheit wird in einem Maße bedroht (Orwell, 1984), die geschichtlich singulär ist. Deshalb halte ich es für wohlfeil, jetzt gegen Judenmorde zu protestieren, die niemand mehr verhindern kann, weil längst geschehen. Etwas anderes ist gefragt: Einsatz für eine menschliche Gesellschaft gegen eine Kultur der Vermassung und Entindividualisierung, die die Selbstbestimmung  zu vernichten sich anschickt.

@ Jürgen Schmitt

Besser kann man es nicht sagen ...

 

stolpersteine

wer oder was ist eigentlich herr holoch, wenn man aus seiner zustimmung schlussfolgern kann, dass es in zukunft auch in bruchsal stolpersteine geben könnte? hängt das von seiner meinung ab???

@ jürgen schmitt

es ist wohlfeil darüber zu schreiben, dass wir in in einer Zeit leben, in der persönliche Freiheiten durch STAMOKAP bedroht werden, wobei ich den Autor gerne bitten würde zu erläutern, wie er in diesem Zusammenhang STAMOKAP definiert. Recht hat jürgen schmitt damit, dass er unsere persönliche Freiheit in einem Maße bedroht sieht (Orwell, 1984), die geschichtlich singulär ist. Allerdings wurden die Freiheitsrechte während des nationalsozialismus auch in einem Maße eingeschränkt und mit Füßen getreten, wie es für die damalige zeit einmalig war. Der nationalsozialistische Überwachungsstaat hatte zwar nicht die Möglichkeiten die die heutige Technik bietet, die Überwachung war aber sehr wohl ganz umfänglich, angefangen beim Blockwart, der den Beamten gerne einflüsterte, welches homosexuelles Treiben im Haus zu beobachten war bis zu den jungen Leuten, die er mit verdächtigen Flugblättern das Haus verlassen sah. Wir sollten sehr wohl zurück schauen und sehen, welche Exzesse durch eine durchgängige Überwachung durch den Staat möglich waren. Und sollten daraus lernen - für die Zukunft. Richtig ist auch die Forderung von Jürgen Schmitt, man soole sich einsetzen für eine menschliche Gesellschaft und gegen eine Kultur der Vermassung und Entindividualisierung, die die Selbstbestimmung zu vernichten sich anschickt. War die Vermassung und Entindividualisierung nicht ein Merkmal des diktatorischen Nationalsozialismus? Wurde nicht die Ideologie der Volksgemeinschaft als egalitäre Einheit von den Nationalsozialisten propagiert?

Stolpersteine sind

Stolpersteine sind wichtig

Ich war bei einem Berlinbesuch in dem Mahnmal für den Holocaust. Dort in der Ausstellung unter den Stelen wurde mir (Jahrgang 1964) erst bewußt, dass es nicht nur darum ging, Juden wegzuschaffen. Es wird in aller Deutlichkeit gezeigt, dass das Bestreben war, Menschen auszulöschen. Nicht Individuen, sondern ganze Familien. Stammbäume zu entwurzeln. Auf diese Art auch Erinnerung zu vernichten.

Die Stolpersteine sind, meiner bescheidenen Meinung nach, deswegen wichtig, weil sie gegen jenes Auslöschen stehen. Sie bringen die Menschen, die ausgelöscht werden sollten, wenigstens dahin zurück, wo sie ihren Lebensmittelpunkt hatten und zeigen, dass keiner 'ausgelöscht' werden kann.

Ich bin schon oft vor Stolpersteinen gestanden. Es ist ein kurzer Moment des innehaltens. Doch mit dem Lesen einer Inschrift darauf wurde sich an jemanden erinnert, der eigentlich ausgelöscht sein sollte.

Was der Verweis auf die aktuelle Problematik angeht:

Wer in Datennetzen erfasst wird, der hat seinen Stolperstein schon, denn in diesen Systemen wird niemand ausgelöscht werden.

Gutheißen muss man das nicht. Aber es ist etwas grundsätzlich Anderes als Stolpersteine zu setzen für Menschen, die eben nur erfasst wurden, um ihre Vernichtung zu protokollieren.

Der Grund und Boden

auf dem solche Gedenksteine verlegt werden, gehört der Kommune, also uns allen. Da damit weder die Straße oder der Weg beschädigt wird und die Kosten von privater Hand getragen werden, kann es uns doch eigentlich egal sein. Eine Zustimmung der Stadt/Gemeinde könte in solchen Fällen ohne großes Palaver erfolgen. Bei Bauarbeiten, Straßenausbesserungen usw. muß der Pate, den es zu jedem Stolperstein geben müßte, dafür Sorge tragen, das er nicht weggeworfen sondern wieder eingesetzt wird.

Die eigentliche Frage ist, was nützt es. Wer einmal nach so einem Stein geschaut hat und den Grund und Zweck des Steins kennt, geht über alle anderen Steine gedankenlos hinweg. Ja, es mag einige Mitbürger geben, die das anders sehen. Und wenn schon jemand sich aufgrund des Steins erinnert: Ja, schrecklich, was damals geschah. Aber ändert es etwas an seiner Haltung gegenüber Fremden, Andersdenkenden, Behinderten? Tritt er ab sofort für mehr Mitmenschlichkeit ein? Nein, wer vor der Sichtung eines solchen Stolpersteins kein humaner Mensch war, wird nachher auch keiner sein.

Der Gedanke, Mahnmale "unters Volk" zu bringen, hat sicherlich etwas für sich. Nicht entrückt in der Ferne, nein in der Nachbarschaft, auf dem Weg zur Arbeit, vor meinem Haus.

Mahnmale sollen Symbole sein, die uns an bestimmte Dinge erinnern. Aber ist es richtig, Mahnmale mit Füßen zu treten? Auch hier gibt es sicher unterschiedliche Sichtweisen.

Ja, wenn Mahnmale wirklich einen Sinn hätten. Wenige Minuten Nachdenklichkeit, vielleicht, und dann geht es weiter wie bisher. Wie lange schon predigen die christlichen Kirchen die Nächstenliebe? Würde es wirken, dürfte es solche Dinge wie Progrome gar nicht geben. Oder war es nicht Judas, der ihren Heiland verraten hat und deshalb haben die Christen weggesehen? Ja, ich weiß, nicht alle. Und weil es leider so wenige waren, kann man die wenigen meist namentlich benennen.

Denkmale für die Gefallenen haben noch nie einen nächsten Krieg verhindert. Und prächtig sind die Denkmale jener Fürsten und Herrscher, die ihre Soldaten zu Tausenden in sinnlose Schlachten geführt haben. Siegessäulen und Siegertore in allen namhaften Stätten zum Gedenken an heroische (Greuel)Taten. Warum nicht auch Stolpersteine?

Stolpersteine

Zuerst: Ich find die Stolpersteine nicht schlecht, immerhin erinnern sie dort an Menschen, wo diese gelebt haben...

ABER: Mit diesen Alibiveranstaltungen ala Holocaustmahnmal usw hab ich nichts am Hut, es gibt genug Gedenkstätten (eine in der Nähe wäre zB Struthof), in der Geschichte wirklich erlebbar wird und zwar ohne daß sich die Menschen hinterher ne Bratwurst holen.

Das ist im Grunde das Gleiche wie mit dem jüdischen Friedhof in Bruchsal, schade, daß man sich da nichtmehr besinnen kann, sondern sich einem "Tag der offenen Tür" aussetzen muss, womöglich mit einem "Heimatführer".

Für mich sind solche Momente sehr intim, ich möchte da nicht mit hundert Leuten durchgeschleust werden und ehrlich gesagt denke ich nicht, daß die, die sich wirklich besinnen möchten, dafür auf dem Marktplatz haltmachen, aber ein "Gedenkstein" ist trotzdem nicht falsch.

@Jürgen Schmitt: Beim besten Willen, man kann ja heutzutage viel kritisieren, aber bitte nicht mit den damaligen Verhältnissen vergleichen, zumindest hierzulande nicht!

Für die Menschen damals gings um Leben und Tod, für die wären diese Probleme Firlefanz gewesen...

STAMOKAP

… ist die Theorie vom staatsmonopolistischen Kapitalismus aus der 1968-Ära, der auch mal Gerhard Schröder (tatsächlich der Ex-Bundeskanzler) nachhing.

Im Kern besagt die Theorie, dass der „Staat“ stets monopole, d.h. marktbeherrschende Unternehmen stützt und trägt.

Die Theorie wurde in einer Zeit entwickelt, in der die deutsche Wirtschaft bei weitem nicht so monopolisiert war wie heute. Sie war – Lieblingswort der Monopolisten noch - „fragmentiert“.

Die Märkte haben sich seitdem „bereinigt“, d.h. die Monopole bekommen eine immer stärker werdende Stellung. Statt Tante-Emma-Läden gibt es nur noch REWE, Edeka & Co., mit dem Trend zu weiterer Monopolisierung. So übernimmt REWE derzeit die pfälzischen Wasgau-Märkte – Einkauf bisher schon über REWE. Die bäuerliche Landwirtschaft ist längst abgelöst durch die Herrschaft von Agrar- und Agrartechnikkonzernen wie Monsanto und John Deere.

Der Begriff „landgrapping“ gehört in diesen Zusammenhang.

Und nun: Big data. Die Kraken Amazon, Facebook, Google, Apple & Co. vereinnahmen die komplette Gesellschaft und vor allem die Heranwachsenden, die außer der monopolisierten digitalen Welt oft nur wenig analoges kennen.

Es gibt leider keine Despoten mehr, die ein Bärtlein tragen, an dem man sie erkennen kann, wenn man das sogenannte christliche Abendland betrachtet. Die heutigen Herrscher sind Algorithmen, die die Monopolunternehmen zielsicher einsetzen: da braucht es keine Blockwarte.

Neueste Errungenschaft der digitalen Herrscher: google.de/wahlen. Da können sich vor allem die Jungwähler austoben und ausforschen lassen. Selbstverständlich ist google keine neutrale offene „Suchmaschine“ sondern ein gewinnorientiertes Wirtschaftsunternehmen, dass mit jedem Mausclick Gewinn macht (auch machen muss). Die sogenannten Filterfunktionen der in Deutschland neuen Plattform kennt niemand. Google bestimmt, was wir sehen und lesen und, sind wir dumm genug, glauben wir auch, dass das was wir lesen „objektiv“ ist.

Damit gönnt uns Google die reziproke Version der Stamokap-Theorie: Nicht nur, dass die Politik die Monopole unterstützt, jetzt manipuliert die Wirtschaft die Wähler.

Wie wäre es mit einem digitalen Stolperstein? Vielleicht hat jemand eine Idee.

STAMOKAP

… ist die Theorie vom staatsmonopolistischen Kapitalismus aus der 1968-Ära, der auch mal Gerhard Schröder (tatsächlich der Ex-Bundeskanzler) nachhing.

Im Kern besagt die Theorie, dass der „Staat“ stets monopole, d.h. marktbeherrschende Unternehmen stützt und trägt.

Die Theorie wurde in einer Zeit entwickelt, in der die deutsche Wirtschaft bei weitem nicht so monopolisiert war wie heute. Sie war – Lieblingswort der Monopolisten noch - „fragmentiert“.

Die Märkte haben sich seitdem „bereinigt“, d.h. die Monopole bekommen eine immer stärker werdende Stellung. Statt Tante-Emma-Läden gibt es nur noch REWE, Edeka & Co., mit dem Trend zu weiterer Monopolisierung. So übernimmt REWE derzeit die pfälzischen Wasgau-Märkte – Einkauf bisher schon über REWE. Die bäuerliche Landwirtschaft ist längst abgelöst durch die Herrschaft von Agrar- und Agrartechnikkonzernen wie Monsanto und John Deere.

Der Begriff „landgrapping“ gehört in diesen Zusammenhang.

Und nun: Big data. Die Kraken Amazon, Facebook, Google, Apple & Co. vereinnahmen die komplette Gesellschaft und vor allem die Heranwachsenden, die außer der monopolisierten digitalen Welt oft nur wenig analoges kennen.

Es gibt leider keine Despoten mehr, die ein Bärtlein tragen, an dem man sie erkennen kann, wenn man das sogenannte christliche Abendland betrachtet. Die heutigen Herrscher sind Algorithmen, die die Monopolunternehmen zielsicher einsetzen: da braucht es keine Blockwarte.

Neueste Errungenschaft der digitalen Herrscher: google.de/wahlen. Da können sich vor allem die Jungwähler austoben und ausforschen lassen. Selbstverständlich ist google keine neutrale offene „Suchmaschine“ sondern ein gewinnorientiertes Wirtschaftsunternehmen, dass mit jedem Mausclick Gewinn macht (auch machen muss). Die sogenannten Filterfunktionen der in Deutschland neuen Plattform kennt niemand. Google bestimmt, was wir sehen und lesen und, sind wir dumm genug, glauben wir auch, dass das was wir lesen „objektiv“ ist.

Damit gönnt uns Google die reziproke Version der Stamokap-Theorie: Nicht nur, dass die Politik die Monopole unterstützt, jetzt manipuliert die Wirtschaft die Wähler.

Wie wäre es mit einem digitalen Stolperstein? Vielleicht hat jemand eine Idee.

Naja

Hat die Wirtschaft die Wähler nicht schon immer manipuliert?

Was hat das denn in diesem Thema zu tun?

Sicher, Großkonzerne bestimmen mehr und mehr den Markt, da sind die Verbraucher aber auch nicht unschuldig, oder wer geht noch in fünf Läden, anstatt in einem Supermarkt alles zu finden?

Und was Amazon betrifft: Ich bin ein großer Freund davon! Es gibt kaum was praktischeres!

Facebook nutze ich nicht, kenne aber viele, die es aus gutem Grund tun. Es ist ein Angebot, niemand MUSS! Auch muss niemand Google nutzen und wenn er es nutzt, dann kann er sich diverse Angebote zunutze machen, er muss es nur wollen und richtig damit umgehen, dann ist das ne tolle Sache.

Wir leben in einem Zeitalter, das jedem alles ermöglicht, mitdenken ist natürlich notwendig. Wenn man jedwede Kontrolle vermeiden will kann man den Computer auch auslassen. Wir leben aber NICHT in einem Zeitalter, in dem Menschen verfolgt werden und sich dem NICHT entziehen können, das ist für mich der Unterschied, zumal die "Überwachung" ne ganz andere Qualität hat

 

"Nur zur Erinnerung ..."

Das Vorhandensein von Stolpersteinen, Mahnmalen und Gedenkstätten impliziert noch lange nicht eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Thema - auch kein Gedenken an bestimmte Personen oder gar einen Versuch, Parallelen zu heutigen Zuständen herzustellen und daraus lernen zu wollen.

Für "Staatsoberhäupter" gehört ein formaler Besuch zum Pflichtprogramm und guten Ton - und kann schnell abgehakt werden; z. B.:

Heute in der Süddeutschen Zeitung.de:

http://www.sueddeutsche.de/

Vorschau auf die Printausgabe:

"Nur zur Erinnerung

Sieben Minuten braucht Angela Merkel von der KZ-Gedenkstätte ins Bierzelt. Darf die Kanzlerin das denn? Über einen Abend in Dachau. Die Seite Drei."

Für die "kleinen Leute" auf der Straße bedeutet es VIELLEICHT ein kurzes Innehalten auf der Einkaufstour in der Innenstadt und: Ach, da war ja mal was ... - aber was hat das mit mir und heute zu tun? Sollte man nicht endlich mal einen Schlußstrich ziehen?

Viel wichtiger wäre eine persönliche Auseinandersetzung; z. B. durch Unterhaltungen/Befragungen mit/von letzten Zeitzeugen wie Großeltern/Eltern/Verwandten/Bekannten:

- Wie war das denn damals in deiner Stadt, deinem Dorf, deiner Familie?

- Gab es in deiner Nachbarschaft Juden/Kommunisten/Homosexuelle - was ist mit denen passiert?

- Wie hast du es im Alltag erlebt, welche Auswirkungen staatlicher NS-Macht betrafen dich ganz persönlich?  etc. usw.

Aber das setzt wirkliches Interesse voraus und die Bereitschaft, sich Zeit zu nehmen. Und das/die haben die Allermeisten nicht ...

Deshalb haben u. a. auch "Stolpersteine" m. E. vorwiegend Alibi- und Ablenkungsfunktion, und das ist schade.

Wenn dem nicht so wäre und sie wirklich etwas in den Köpfen der Passanten bewirken würden, sollten alle Fußgängerzonen mit diesen Steinen geradezu gepflastert sein ...  - nichts lieber als das ...  ;-)

Und was die Parallelen zu heute betrifft:

Selbst im STERN wurden kürzlich Parallelen gezogen (keine Vergleiche!) zwischen den Widerstandskämpfern der NS-Zeit (heute als Helden gelobt und verehrt; viele haben Flugblätter verteilt) und Whistleblowern wie Assange, Manning, Snowden, die wichtige Informationen an die Öffentlichkeit weitergeben, welche unrechtmäßiges staatliches Vorgehen belegen (und als "Vaterlandsverräter" bezeichnet, verfolgt und verurteilt werden - wobei staatlicherseits betont werden muss, dass ihnen nicht die Todesstrafe droht, sondern "nur" jahrzehntelange Haftstrafen).

http://de.wikipedia.org/wiki/Whistleblower

Guantanamo ist noch immer nicht geschlossen; es wird dort gefoltert, und es werden Verdächtige(!) ohne Gerichtsverfahren jahrelang unter schlimmsten Bedingungen interniert.

Im Alltag wird heutzutage eine "Verdachtskultur" salonfähig - wir brauchen keinen läppischen Blockwart mehr. Das übernehmen Internetpranger (weitaus effektiver), die ohne jegliche Recherche/Beweise selektive Beobachtungen mit Vermutungen und Verdächtigungen in den Raum stellen und so ganze Bevölkerungsgruppen diffamieren - ohne etwas zu HINTERFRAGEN.


NACHTRAG:

http://www.sueddeutsche.de/politik/strafmass-fuer-wikileaks-informant-manning-erbarmungslos-1.1751707

Zitat:

"Das Urteil gegen Manning zeigt: Wer in Amerika die Öffentlichkeit über Vergehen des Staates aufklären möchte, wird behandelt wie ein Mörder. Damit hat die US-Regierung von Obama von der Militärjustiz das ebenso eindeutige wie harte Signal bekommen, das sie wollte...."

NACHTRAG - "Stolpersteine"

Was hat man aus der NS-Zeit gelernt?!

Rechtsextremismus heute:

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-08/nsu-abschlussbericht-verfassungsschutz

Zitat.

" ... Der Untersuchungsausschuss des Bundestages übt in seinem Abschlussbericht zur Neonazi-Mordserie nach Medienangaben scharfe Kritik an der Aufklärung durch die Sicherheitsbehörden. Der Bericht, der am heutigen Donnerstag in Berlin vorgestellt wird, stelle "eine beschämende Niederlage der deutschen Sicherheits- und Ermittlungsbehörden" fest, zitiert die Berliner Zeitung  aus dem Dokument. Deutlich geworden seien schwere Versäumnisse und Fehler der Behörden sowie Organisationsmängel bis hin zum Organisationsversagen bei Behörden von Bund und Ländern. 

Das bestätigte auch der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses des Bundestags, Sebastian Edathy (SPD): "Wir kommen ganz klar zu dem Befund, dass wir es mit einem massiven Behördenversagen zu tun haben, das sich ergeben hat aus einer drastischen Unterschätzung der Gefährlichkeit der gewaltbereiten rechtsextremen Szene in Deutschland", sagte Edathy dem Radiosender NDR Info. ...."

(Texthervorhebung von mir)

Die NPD ist bis heute nicht verboten:

http://de.wikipedia.org/wiki/NPD-Verbotsverfahren

Deren Aufmärsche werden weiterhin polizeilich geschützt - Bsp.:

http://www.tagesspiegel.de/berlin/maifeiertag-in-berlin-blockade-der-npd-demo-misslingt/8149028.html

Zitat:

" ... Innenstaatssekretär Bernd Krömer (CDU) verteidigte die polizeilichen Maßnahmen gegen Kritik der Neonazi-Gegner. „Die NPD hat das Recht zu laufen, deshalb müssen wir sie laufen lassen“ ..."

und:

http://www.fr-online.de/hanau/npd-aufmarsch-hanau-pastoers-und-polizei-im-fokus,1472866,22771224.html

  

Verdachtskultur

Beobachter kann nur Recht gegeben werden. Eine der übelsten Seite im Internet, wo mit Unterstellungen und Vermutungen versucht wird, unsere hoch leistungsfähige Lebensmittelindustrie "fertig" zu machen ist diese hier: www.lebensmittelklarheit.de. Auf diesem Portal, das sogar noch von Bundesministerin Eigner finanziert wird, kann man Lebensmittelprodukte melden, die angeblich, nach der Meinung EINER EINZIGEN PERSON nicht in Ordnung seien. Auch wenn sich herausstellen sollte, dass das an den Pranger gestellte Produkt doch total in Ordnung ist, der Verdacht ist in der Welt. Wer so ein Produkt auf deiser Seite gesehen hat, wird sich dreimal fragen ob er es kaufen soll. Der Dennunziant hat sein Ziel erreicht, ein Lebensmittelhersteller ist vielleicht für immer ruiniert. Ich betone, dieser internetpranger wird unterstützt von unserer Bundesregierugn.

Internet-Pranger

@ P. Sauer; off topic: Prüfung durch Verbraucherzentralen

Sie scheinen meine Argumentation gründlich missverstanden zu haben.

Wenn Verbraucher beim Bundesverband der Verbraucherzentralen etwas melden, was ihrer Meinung nach und lt. gesetzlichen Vorgaben nicht in Ordnung ist (Kennzeichnung, Aufmachung), wird das nachgeprüft.

Vor der Veröffentlichung werden alle Beteiligten (Verbraucher, Verbraucherzentrale, Hersteller) gehört und alle Stellungnahmen und Ergebnisse dazu veröffentlicht (siehe Website und Auszüge unten).

Das hat nichts mit Denunziation zu tun und ist kein Internetpranger!

Und stärkt nur die Rechte der Verbraucher. Und das ist auch nötig, weil unsere "hoch leistungsfähige Lebensmittelindustrie" mit allen Tricks und Schlichen arbeitet. Aber das ist ein anderes Thema.

http://www.lebensmittelklarheit.de/cps/rde/xchg/lebensmittelklarheit/hs.xsl/1045.htm

Melden Sie unzureichende Lebensmittelkenn-
zeichnungen

  • 1
    Sie fühlen sich durch Aufmachung oder Kennzeichnung eines Lebensmittels getäuscht?
  • 1
    Wir prüfen Ihre Meldung und bitten anschließend den Hersteller um eine Stellungnahme. Dazu hat der Anbieter sieben Tage Zeit.
  • 1
    Wir veröffentlichen Ihre Meldung, unsere Einschätzung, die Stellungnahme des Anbieters und aktualisieren den Status.

 

Impressum

Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände - Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) 
Vorstand: Gerd Billen 
Vorsitzender des Verwaltungsrates: Lukas Siebenkotten
Markgrafenstraße 66 - 10969 Berlin
Tel.: 030/25800-0
Fax: 030/25800-518
info [at] vzbv [dot] de

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