Still ruht der See

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Unterwegs mit Nelly. Heute: Der Sieben-Erlen-See bei Neuthard
Donnerstag, 13. Oktober 2011 - 22:09

Sieben-Erlen-See

Sieben-Erlen-See

Im Landkreis Karlsruhe findet man viele Baggerseen, auch Baggerloch oder Kiesgrube genannt. Kies besteht aus rundgeschliffenen, kleinen Steinen und wird als Bodenfracht in Bächen und Flüssen transportiert. Kies stellt neben Sand für die Bauwirtschaft einen wichtigen Rohstoff dar und wird im Kiestagebau gewonnen. Größere Lagerstätten dieser als "Massenrohstoffe" bezeichneten Sedimente finden sich an Flussterrassen, hier insbesondere in der Rheinebene. Durchschnittlich haben Kiestagebaue eine Ausdehnung zwischen etwa 50 und 300 Metern, im Landkreis gibt es aber weitaus größere mit einer Länge von über 1000 Metern.

Sieben-Erlen-See

Der Sieben-Erlen-See hat weit mehr als 300 m Länge

Die Abbautiefe kann von einigen Metern bis zu fast 50 m reichen. In Deutschland unterliegt die Genehmigung heute den strengen Auflagen des Umweltschutzes und der Flächenwidmung. Aktuelles Beispiel ist die Kiesgrube im Norden von Karlsdorf. Hier verwarf der Gemeinderat die nochmalige Vergrößerung des Abbaugebietes, ebenfalls in den umliegenden Abbauorten Büchenau und Spöck, denn bestehendes Gelände wird unwiederbringlich in Wasserflächen umgewandelt und wertvolle Flächen für den Naturschutz, für Land- und Forstwirtschaft gehen verloren. Die jetzige Ausbaustufe des Baggersees beträgt 45 Hektar, wobei dem Betreiber schon zusätzliche 15 Hektar zugesagt sind, so daß ein konzessionierter Kiesabbau bis 2028 betrieben werden kann. Nach Beendigung des Abbaus müssen die Seen renaturiert und einer Nachnutzung zugeführt werden.

Renaturierung

Renaturierte kleinere Kiesgrube

Aufgelassene Kiesgruben werden zunächst auf Altlasten und etwaige Bodenverschmutzungen untersucht. Steile Böschungen und Abbruchkanten müssen verflacht werden. Die Seen werden meist als Fisch- oder Badesee genutzt und bei Eignung als Teil eines Erholungsgebiets. Es können auch Vogel- und Naturschutzgebiete entstehen. Bei uns sind quasi alle Baggerseen auch Vogel- und Landschaftsschutzgebiete. Insbesondere in ufernahen Flachwasserzonen,

Ufernahe Flachwasserzone

Ufernahe Flachwasserzone

die sich oft durch das Wiedereinleiten von Feinsanden aus den Aufbereitungsanlagen bilden, bestehen hervorragende Lebensbedingungen für eine Vielzahl zum Teil bedrohter Arten. Die vorgesehene Nachnutzung wird bereits im Antragsverfahren im Rahmen der Raumordnung im landschaftspflegerischen Begleitplan (LBP) festgesetzt. Vorrangig werden meist Belange des Naturschutzes befriedigt, da der Abbau einen schwerwiegenden Eingriff in den Naturhaushalt und das Landschaftsbild darstellt. Dafür muß ein Ausgleich geschaffen werden, grundsätzlich im Verhältnis 1:1. Dies geschieht, wie gesagt, durch Renaturierung der Abbaufläche

Renaturierung

Renaturierung am Sieben-Erlen-See

oder Bereitstellung einer Ausgleichsfläche in gleicher Größe. Jeder von uns kennt wahrscheinlich irgendeine Kiesgrube im Umkreis und hat auch sicherlich schon einmal in einer solchen gebadet. Die meisten Kiesgruben im Landkreis werden auf ihre Wasserqualität hin überprüft, welche auch durchwegs gut ist. Viele der Seen dürfen für Freizeitzwecke wie zum Beispiel Baden, Tauchen, Segeln, Angeln genutzt werden und sind in die entsprechenden Zonen aufgeteilt. Die größten Zonen bleiben jedoch dem Natur- und Landschaftsschutz vorbehalten. Es gibt naturbelassene Uferzonen, die der Regenerierung dienen und die man nicht betreten sollte.

Naturbelassene Uferzone

Naturbelassene Uferzone, Sieben-Erlen-See

Einer meiner Lieblings-Baggerseen ist der Sieben-Erlen-See bei Neuthard. Ein Uferbereich ist den Schwimmern, Modellbootfahrern und Anglern zugänglich, der größte Teil dient dem Naturschutz. In den Sommermonaten herrscht, vor allen Dingen an den Wochenenden, ein reger Betrieb, jedoch unter der Woche und außerhalb der Saison liegt der See still und verträumt in der Natur.

Still ruht der See

Still ruht der See

An den von der Straße abgewandten Seiten herrscht Ruhe, man hört nur das Pfeifen und Geschnatter der Vögel und Wasservögel, hört hin und wieder einen Fisch springen und  Insekten summen, ganz abgesehen vom Plätschern der Wellen und dem Rauschen des Windes in den Bäumen. Das Wasser zeigt, je nach Sonnenstand und Bewuchs, vor allem im Uferbereich, verschiedene Farben.

Die Farben des Wassers

Die Farben des Wassers

Die Farben des Wassers

Die Farben des Wassers

Mal spiegelt sich das Blau des Himmels in vielen Schattierungen, von hellblau über dunkelblau bis zu türkis und da, wo Pflanzen wachsen, sieht man verschiedene Grünfärbungen des Wassers. Je nach Jahreszeit erscheint die Seefläche dunkel, sie kann aber, besonders jetzt im Herbst, einen Blauton haben, überzogen von einem Hauch Goldbronze.

Die Farben des Wassers

Die Farben des Wassers

Ich bin für Sie um den See herumgegangen und habe versucht, die schönsten Farben und Eindrücke einzusammeln. Anschließend bin ich noch ein Stückchen die (renaturierte) alte Pfinz entlang, die gleich nebenan vorbeimäandert und als Fließgewässer eine völlig andere Fauna und Flora aufweist.

Die alte Pfinz

Die alte Pfinz

Alte Pfinz

Alte Pfinz

In dem glasklaren Wasser wachsen verschiedene Arten von Wasserpflanzen und es tummeln sich unzählige Schwärme von kleinen Fischen, ich nehme an, es sind Stichlinge.

Alte Pfinz

Lebensraum vieler Wasserpflanzen und unzähliger Fische

Alte Pfinz

Alte Pfinz

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