Spotify oder Kann man Musik besitzen?

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Freitag, 1. November 2013 - 12:38
Spotify oder Kann man Musik besitzen?

Peter Derrfuss / pixelio.de

Endlich!

Der Musikdienst Spotify - Erfüllung eines Traums! Zeitlebens hatten wir uns das Budget dafür gewünscht, grenzenlos Musik einkaufen und goutieren zu können. Ob es die sensiblen schwarzen Scheiben unserer Teenagerjahre waren, so teuer, dass man sie gegenseitig auslieh und in endlosen Sessions auf ein weiteres Kulturgut der 70er Jahre, die ewig rauschende Kompaktcassette, übertrug oder überspielte, wie dieser langwierige Vorgang hieß, ob die CDs der 80er, die sich ab den 90ern mit zunehmender Geschwindigkeit und praktisch ohne Qualitätsverlust auf prosaisch Rohlinge benannte Silberscheiben kopieren ließen oder jetzt in der Ära postmaterieller Musikkonserven die MP3-Dateien, die in mehr oder weniger komprimierter Form die Objekte der Begierde enthalten.

GEMA & Co.

Von jeher war der Genuss limitiert durch pekuniäre Grenzen. Schranken, die vermutlich kaum je durch die Künstler selbst errichtet wurden, da sie naturgemäß an einer möglichst grenzenlosen Verbreitung ihrer Werke interessiert sein dürften. Schranken vielmehr, die geschäftstüchtige Firmen und Vermarktungsgesellschaften der Kulturware ihrer angeblichen Protegés zuallererst aus eigenem Interesse auferlegten mit dem Versprechen ihnen damit Gutes zu tun. Die Zeiten ändern sich und die Sonys und EMIs dieser Welt mussten sich längst neue Betätigungsfelder und Geschäftsmodelle suchen, die GEMA hält noch verzweifelt am letzten Strohhalm fest und versucht ihr ebenso obsoletes Modell, das hauptsächlich der Selbstverwaltung dient und lediglich Krümel an die eigentlichen Kulturschaffenden verstreut, in die digitale Konsumwelt zu retten. Dabei spricht das typische Erscheinungsbild "Dieses Video ist in Ihrem Land leider nicht verfügbar" Bände. Immerhin ist der Streaming-Dienst Spotify in Deutschland erst seit einer angeblichen Einigung des Unternehmens mit der GEMA legal verfügbar, nach der je abgespieltem Titel ein Betrag in der Größenordnung von angeblich 0,7 Cent an diese abgeführt werden.

"All you can eat"

Das Geschäftsmodell von Spotify wiederum sieht so aus, dass in der Luxusversion für einen monatlichen Betrag von rund zehn Euro der Abonnent (keine Mindestlaufzeit, keine Kündigungsfrist, Abo jederzeit kündbar) unbegrenzten Zugriff auf eine unfassbar große und ständig wachsende Bibliothek von Musikalben und -Titeln sämtlicher Genres von Pop über Klassik und Jazz bis hin zu Neuer Musik hat. Dabei besteht der Luxus nicht zuletzt darin, dass man per Smartphone und Tablet über WLAN oder Mobilnetz von praktisch überall zugreifen kann. Von überall bedeutet eben auch vom Hotel im Ausland oder - entsprechenden Mobilfunkvertrag immer vorausgesetzt - aus dem Auto auf der Autobahn. Die Qualität? Der Audiophile mag sich gequält abwenden, aber mit dreihundertnochwas kbps (Kilobit pro Sekunde) in der Einstellung "Hoch", das entspricht ungefähr der Hälfte dessen, was eine CD liefert, lässt sich allemal mit Genuss leben.

Bezahlen für den Augenblick

Fortan bevölkern damit keine CDs oder Schallplatten (auch die gibt es längst wieder) die Regale unserer Wohnzimmer, sondern wir bezahlen wie etwa auch beim Eintrittspreis des Live-Konzerts für den augenblicklichen Genuss, abgemildert immerhin durch das Prinzip der Flatrate, also einer Nutzungspauschale. Damit ist klar, auch wenn wir als Spotify-Abonnenten etwa Playlists erstellen, die offline, also ohne Internetverbindung verfügbar sind, funktioniert dies alles nur, so lange wir unseren monatlichen Obolus entrichten. Wollen oder können wir dies irgendwann nicht mehr, ist nach dem Prinzip einer Miete das bezahlte Geld weg, unsere Plattenregale - leer. Zugegeben ein etwas provozierender, irgendwie sozialistisch anmutender Gedanke für uns Jäger und Sammler: Mieten statt Kaufen, Leben statt Raffen, Sein statt Haben - Kann man Musik besitzen?

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.3 (6 Bewertungen)

Kommentare

Haptik und visuelle Wahrnehmung

Leider blendet der Autor ein wichtiges Argument FÜR Schallplatte und auch für CD aus: Die Haptik und die visuelle Wahrnehmung.

Welchen Nervenkitzel bereitete es doch früher, im Plattenladen durch die aufgereihten Schallplatten zu krabbeln und sich für das schwer verdiente Geld sich etwas zu leisten. Zuhause wurde die neu erworbene Schallplatte zunächst defloriert, also die Kunststofffolie entfernt, die meist weiße Innenhülle mit der LP herausgezogen und dann die Schallplatte selbst aus der Innenhülle auf die leicht gewölbte Handfläche gleiten gelassen. Nach einem liebevollen Blick auf das Label wurde dann die Schallplatte auf den Plattenteller gelegt, der Tonarm vorsichtig zur Schallplatte geführt, aufgelegt und dann die Musik genossen.

Wie anregend ist es doch, im CD- (oder Schallplatten) -Regal zu stöbern, die eine oder andere CD rauszuziehen, das Cover anzuschauen, die CD rumzudrehen und die Titelliste zu lesen oder gar aufzuklappen und das in der Hülle enthaltene Büchlein zu lesen. Und wie anregend waren doch die FOC (Fold-Out-Covers) bei Schallplatten. Fast 1/4 Quadratmeter Bilder, Text, Informationen, die auf das Hören der Schallplatte einstimmten. Während des Schreibens dieses Kommentars läuft bei mir auch im Hintergrund Spotify - aber es fehlt halt was.

Spotify...

...ist eine schöne Sache. Man kann auch eine kostenlose, eingeschränkte Funktion nutzen. Jedoch hat dieses Programm eine Datensammelwut, fast schlimmer als Google, weshalb ich es nicht mehr nutze. Dafür verwende ich das nicht zu installierende Musikprogramm "Music Songs Player", welches über den Browser abgespielt wird:

Musikplayer

Der einzige Nachteil ist, daß man keine "Genres" abrufen kann, sondern lediglich Interpreten. Diese werden dann nacheinander abgespielt oder man kann auch auswählen. Ebenfalls können ähnliche Interpeten ausgewählt werden. Das Programm verankert sich nicht auf dem Computer, es spielt nur ab, und zwar mit dem dazugehörigen YouTube-Video, ich bin sehr zufrieden, denn bisher hat es alle meine gewählten Interpreten abgespielt, auch den "Abwegigsten". Sehr zu empfehlen.

@Christian Kretz

Immer, wenn ich solche Artikel lese, kommt in mir der Anarchist hervor.

WIESO müssen wir ein Urheber- und Nutzungsrecht auf "Kunst" einräumen! Alles, was sich unter "Kunst" subsumiert, wäre auch ohne Urheber- und Nutzungsrechte Bestandteil unserer Kultur.

Okay, vielleicht würden wir nicht gerade Metallica oder Reinhard Mey hören, aber Musik, Malerei usw. sind von jeher den Menschen Bedürfnisse gewesen. Außerdem lebt "Kunst" davon, dass man sie anderen zeigt bzw. vorstellt, der Künstler schafft sie normalerweise nicht für sich selbst, auch dann nicht, wenn er weiß, dass er keinen Cent dafür bezahlt bekommt.

Wenn es aber der Befriedigung eines Bedürfnisses gleichkommt, ein Bild zu malen, seine Gedanken und Phantasien niederzuschreiben oder Musik zu machen, dann ist es m.E. unzulässig, dafür einen Obolus zu verlangen.

Oder anders gesagt..: "Kunst" ist per se keine Handelsware. Es ist menschliche Schöpfung aufgrund von menschlichen Bedürfnissen und impliziert, die Befriedigung dieses Bedürfnisses nicht auch noch bezahlt zu bekommen.

An alle kommerziellen Buchschreiber, Komponisten, Bildhauer und Kunstmaler: Lasst es doch einfach bleiben!

Wir werden auch ohne Eure Werke zu lesen, zu hören und schöne Dinge zu bestaunen haben.

Ich komme

demnächst, mir eine Designerbrille zu holen. Der Markenname ist ja wie die Erfindung oder Kunst: nur Schall und Rauch. :-))

Und wenn ich nur noch das Material bezahlen muß (die Arbeit, die in einer Brille oder einem Bild oder einem Musikstück steckt muß ja nicht mehr honoriert werden), dann wird das für mich ein gutes Geschäft.

Oder habe ich da etwas falsch verstanden, Mr. le Fay?

@Morgan le Fay

Klar koennte man theoretisch ohne Musik,Buecher ,Kunst leben aber waere das Leben nicht um einiges aermer?? Fuer mich ist Musik ein Grundbeduerfniss der Menschen und hat grossen Einfluss auf unseren Gemuetszustand obwohl,bei der einen oder andern bildhaften/plastischen Kunst bin ich mir da auch nicht so sicher ob wir Menschen die brauchen oder drauf verzichten koennten.

Wenn jemand ne tolle Idee für

Wenn jemand ne tolle Idee für ein Buch, Musik oder in der bildenden Kunst haben sollte, dann soll er auch entsprechend gut vergütet werden. Das sollte doch selbstverständlich sein. Unappetitlich wird es erst, wenn der Schutz für das sogenannte geistige Eigentum erst nach 70 Jahren erlischt. In 70 Jahren gehen ca. drei Nachfolgegenerationen ins Land, die alle von den Fähigkeiten ihres Vorfahren profitieren. Eine saubere Lösung wäre, wenn mit dem Tod des Rechteinhabers diese gemeinfrei gestellt würden. Wenn ich von meiner Mutter ein paar Schuhe erbe, so halten die doch auch nicht 70 Jahre und sogar viele Häuslen haben beim Erbschaftsfall auch keine "Lebenserwartung" mehr von 70 Jahren.

Neue Form, aber alte Funktion

>>Oder habe ich da etwas falsch verstanden, Mr. le Fay<<

Ja!

Wenn Sie bei mir eine "Designerbrille" holen wollen, mach ich uns ein lecker Käffchen. Ich führe auch "Marken" mit funktionellen Besonderheiten, die man aber nicht mehr unter "Kunst" einordnen kann. Dann mag der Urheberrechtsschutz ja seine Berechtigung haben.

Beispiel: Die Marke, die die flexiblen Titangestelle erfunden hat. Aber wie gesagt..:Das is echte Innovation und nicht nur Kunst.

Sog. "Designerbrillen", deren einzige Besonderheit es ist, zu einer bestimmten "Marke" zu gehören, kaufe ich nicht ein. Erstens wedelt der Schwanz bei mir nicht mit dem Hund, indem ich mir von äußerst selbstbewussten Manufakturen oder Distributoren vorschreiben lasse, wieviele Stücke pro Einkauf oder Jahr ich abzunehmen habe und zweitens sind die Leute doch inzwischen überwiegend so klug, nicht solchen Windeiern hinterherzurennen und dafür ein Schweinegeld auszugeben.

Wenn überhaupt bei mir einer nach bestimmten "Designer-Marken" nachfragt, ist es in aller Regel ein Osteuropäer.

Deshalb: Marke und Design müssen mit Urheberrecht nichts zu tun haben.

Wenn Sie eine neue Form von Gartenzwergen kreieren und sich nicht schützen lassen, kann es jeder nachahmen, der meint, damit ein Geschäft machen zu können. Die reine Gestalt einer Sache sollte nicht schützbar sein.

Hat aber Ihr Gartenzwerg die neuartige Funktion, z.B. ganz eigenständig Schnecken zu vertreiben, dann ist das über die reine Kunst hinaus innovativ und eine durchaus schützenswerte Eigenschaft.

Ähnliches gilt z.B. auch für die Verpiss-dich-Pflanze.

Musik, Bücher, Bilder, Skulpturen haben sicher keine Funktion und dienen schlicht der individuellen Erbauung. Während dem einen die Musik und das Gemälde von Doll eine Augenweide und Genuss ist, ist es für andere vielleicht ein Ärgernis, da hinhören oder hinschauen zu müssen.

Und dafür soll man bezahlen müssen?

@ Morgan le Fay: Kunst - Funktion

Wenn Schriftsteller Bücher schreiben, Maler Bilder malen, Bildhauer eine Skulptur fertigen und Komponisten musikalische Werke komponieren, so haben sie ein Recht darauf, für ihre Arbeit bezahlt zu werden und sich davor zu schützen, dass jeder ihre Werke plagiieren und für seine Zwecke nutzen kann, ohne dass sie selbst davon wissen.

Wann ein solches Werk "Kunst" ist bzw. so bezeichnet wird und wann nicht (Stichworte: "Entartete Kunst" in der Nazi-Zeit; "Negermusik" - Jazz, R + B, Rock`n Roll in den 50/60ern), hängt von vielerlei Dingen ab - nicht zuletzt auch vom Marktwert der Künstler.
Der oft erst dann steigt, wenn sie tot sind.
Jeder "Kunstschaffende" (!) muss einen Verleger, Galeristen oder Aufführenden finden, der ihm sein Werk abnimmt und der Öffentlichkeit bekannt macht; das ist in der Regel schon schwer genug.
Und wie gut es sich dann ggf. verkauft, hängt nicht nur vom Künstler selbst bzw. der Qualität seiner Werke, sondern auch sehr viel von der Geschäftstüchtigkeit seines" Vermarkters" ab.
Der, wenn es sich denn verkauft, dann den größten Reibach macht.

Dass Kunst nichts (kein Honorar) wert sei, weil sie keine praktische, innovative und nutzbare Funktion habe und nur der individuellen Erbauung diene, ist eine Sichtweise, bei der sich einem der Magen umdrehen könnte - sorry, Herr Optikermeister.
Ist es nichts wert, beim Lesen eines Buches ein paar anregende Stunden zu verleben, beim Betrachten eines Bildes/einer Skulptur zu genießen, beim Anhören von Musik zu entspannen ?!

Außerdem kann Kunst sehr wohl eine Funktion haben, nämlich zum Beispiel politische, aufklärerische und anregende - neben der und zusätzlich zur reinen Ästhetik.
Und schon Kurt Tucholsky hat sich bei seinem Verleger Ernst Rowohlt beschwert: " Macht unsere Bücher billiger ! " und warf ihm seine hohen Vertrags-Prozente-Einnahmen vor; und:
" ... kein Wunder, dass Sie auf Samt saufen, während unsereiner auf harten Bänken dünnes Bier schluckt ... " ;-)
Das gilt i. d. R. heute noch.
Sollen Kunstschaffende selbst "von der Luft und von der Liebe leben" und ansonsten am Hungertuch nagen?

Und es zwingt Sie niemand, sich ein bestimmtes Buch zu kaufen, bestimmte Musik zu hören oder sich ein bestimmtes Bild zu betrachten - im Falle des Portraits des Ex-OBs B. Doll können Sie auch weggucken, zumal Sie es ja auch nicht bezahlen mussten ... ;-)

Da Sie an dieser Stelle vermutlich mit "Ihren Steuergeldern" kommen werden:
Weder Sie noch ich noch sonstiges gemeine Volk haben Einfluss darauf, für was und insbesondere für welche Kunstobjekte die Stadt Bruchsal ihre eingenommenen Steuergelder ausgibt ... - leider ...

Sie müssen auf keinen Lesestoff verzichten

@Frank R.

Das ist ja der Witz: Sie müssten weder auf Musik noch Bücher verzichten, auch wenn man seine geistigen Ergüsse nicht schützen lassen könnte. Es wird immer Musik geben und es wird immer Bücher geben.

Und der Qualität täte das mit Sicherheit auch keinen Abbruch.

@Gast

Richtig! Die Halbwertszeit moderner Musik liegt doch im Bereich von Monaten. Was spielt man denn heute noch, was vor 70 Jahren komponiert wurde?

Doch allenfalls die Comedian Harmonists.

Aber von Musikvorlieben abgesehen widerstrebt sich in mir alles, für ein Anhören(müssen) einer Musik Geld bezahlen zu sollen.

Es ist nicht so, dass ich die Leistung der Musiker und Komponisten (und auch der Vermarkter, die das Produkt bewerben, INDEM SIE ES MIR ÜBER DIE RADIOSENDER AUFDRÄNGEN!!) nicht anerkennen würde, aber wenn es illegal ist, die mir aufgenötigte Musik mitzuschneiden, einzelne Stücke daraus digital zu speichern und/oder für mein Autoradio zu konvertieren, dann hört 's für mich mit dem Verständnis auf.

Unterscheiden

Man sollte unterscheiden: Wenn eine Musik im Radio gespielt wird, dann verdient Jemand Geld damit und deswegen sollte auch der Künstler dafür bezahlt werden. Schließlich werde ich dafür von dem Künstler auch unterhalten.

Alleine weil man die Arbeit eines Künstler nutzt, sollte man dafür bezahlen. Ansonsten halt einfach nicht nutzen und gut is.

Was ich allerdings als "Frechheit" einstufe ist z.B. die Pauschalabgaben. So zahle ich für jede Festplatte, CD Rohling, DVD usw. einen nicht unerheblichen Obolus, "weil" ich evtl. darauf ja Musik speichern "könnte"! Es ist unerheblich ob ich es tue oder nicht! Alleine die Tatsache dass ich es "könnte" muss bezahlt werden! Demnächst kann ich dann auch noch ins Gefängnis, denn ich "könnte" ja eine Frau im Park belästigen... nicht das ich das "möchte" aber ich "könnte"!

Vielleicht muss ich demnächst auch noch einen Obolus dafür zahlen, dass ich durch die Fussgängerzone in Bruchsal laufe und dabei vom Fitnessstudio mit Musik berieselt werde... nicht das ich das möchte... aber ich "könnte" ja die Musik hören, wenn ich dort entlang gehe.

Wie schon gesagt: Ein Künstler sollte für seine Arbeit, die ich geniesse, bewundere oder auch nur zur Unterhaltung nutze bezahlt werden. Wenn ich eben dies NICHT tue, dann steht ihm dafür auch kein Geld zu.

Um bei den Brillen zu bleiben: Niemand wird gezwungen, die "Künsterbrille" zu kaufen. Wenn ich es aber tue, dann muss auch dafür zahlen.... aber nicht dafür, dass ich an einem Brillengeschäft vorbeilaufe und die Brillen "sehen könnte".

Das Urheberrecht erlischt

Nicht etwa 70 Jahre nach Herstellung des Werkes, sondern 70 Jahre nach dem Tode des "Herstellers"....

Bei Dieter Bohlen z. B. können Sie da also noch eine Weile warten, wenn dieser z. B. 80 Jahre alt werden sollte....

@Beobachter

@Admins

Mir fällt zunehmend auf, dass Beiträge nachträglich auftauchen, nachdem bereits auf einen nachfolgenden geantwortet wurde. Das verfälscht mitunter den Faden der Diskussion ..

Nun zum Thema:

>>Wenn Schriftsteller Bücher schreiben, Maler Bilder malen, Bildhauer eine Skulptur fertigen und Komponisten musikalische Werke komponieren, so haben sie ein Recht darauf, für ihre Arbeit bezahlt zu werden<<

Natürlich! Bei Auftragsarbeiten sowieso und bei expliziter Nachfrage nach einem bestimmten Werk, sofern ich es nicht schon besitze. Der Künstler hat mir nämlich sein Musikstück bereits mal vorgespielt, um es zu bewerben. Ich kann es da ja mitgeschnitten haben.

>>..und sich davor zu schützen, dass jeder ihre Werke plagiieren und für seine Zwecke nutzen kann, ohne dass sie selbst davon wissen.<<

Und hier sind wir dann bei der Frage, was im Falle eines Schutzes der Urheberschaft überhaupt geschützt wird. Wir sind hier dann bei der Frage, welche Schöpfungstiefe für eine Nachahmung nötig ist bzw. bereits ausreicht, um als eigenständiges Werk zu gelten. Youtube ist voll von solchen "Eigenschöpfungen". Daraus folgt: Es ist sowieso Wunschdenken, digitale Werke schützen zu können, zumal man nur das Recht erwerben könnte, zu hören oder zu schauen. Man verbraucht nichts und man nimmt niemandem etwas weg.

>>Wann ein solches Werk "Kunst" ist bzw. so bezeichnet wird und wann nicht (Stichworte: "Entartete Kunst" in der Nazi-Zeit; "Negermusik" - Jazz, R + B, Rock`n Roll in den 50/60ern), hängt von vielerlei Dingen ab - nicht zuletzt auch vom Marktwert der Künstler.<<

Das ist Geschmacksache und hier völlig irrelevant. Ein Musikstück, ob "Negermusik" oder nicht, ist dem Bereich der Kunst zuzuordnen. Allenfalls könnte ich mir noch vorstellen, dass von Mozart Kühe mehr Milch geben als bei Hardrock oder die anthroposophische Harfe einen therapeutischen Zweck erfüllt, aber Dieter Bohlen hilft höchstens gegen Fruchtfliegen. :-)

>>Jeder "Kunstschaffende" (!) muss einen Verleger, Galeristen oder Aufführenden finden, der ihm sein Werk abnimmt und der Öffentlichkeit bekannt macht; das ist in der Regel schon schwer genug.
Und wie gut es sich dann ggf. verkauft, hängt nicht nur vom Künstler selbst bzw. der Qualität seiner Werke, sondern auch sehr viel von der Geschäftstüchtigkeit seines" Vermarkters" ab.
Der, wenn es sich denn verkauft, dann den größten Reibach macht.<<

Das ist ja alles schade für die "Kunstschaffenden", aber das muss doch den Leser eines Buches oder den Hörer von Musik nicht interessieren. Er könnte Ihre Probleme auch nicht beseitigen, selbst wenn er 50 Euro für eine CD hinblättern würde. Die Künstler haben doch diese Probleme genau deshalb, weil die Vermarkter den Hals nicht vollbekommen. Von den 20 Euro für eine CD kommen doch beim Interpreten nur Brosamen an. Aber ganz sicher ist es für die Künstler keine Lösung, die Vermarkter immer unverschämter zulangen zu lassen. Kopierschutztechniken kosten weitaus mehr als der Rest der CD.

>>Dass Kunst nichts (kein Honorar) wert sei, weil sie keine praktische, innovative und nutzbare Funktion habe und nur der individuellen Erbauung diene, ist eine Sichtweise, bei der sich einem der Magen umdrehen könnte - sorry, Herr Optikermeister.
Ist es nichts wert, beim Lesen eines Buches ein paar anregende Stunden zu verleben, beim Betrachten eines Bildes/einer Skulptur zu genießen, beim Anhören von Musik zu entspannen ?!<<

Dochdoch, aber die Entspannung habe ich auch ohne Urheberrecht.

Bitte missverstehen Sie mich doch nicht. Ich will ja nichts umsonst, aber ich möchte für mein Geld auch einen reellen Gegenwert und mich nicht für das Mitschneiden von Musik abzocken lassen, nachdem ich bereits Rundfunkgebühren bezahlt habe. Streng genommen wäre noch nicht einmal die Kopie meiner gekauften CD für 's Autoradio legal.

Über Mitschnitte und der Weitergabe von Kassetten an Freunde hat sich doch früher auch keiner aufgeregt!!

Irgendwo hört 's doch auf.

>>Außerdem kann Kunst sehr wohl eine Funktion haben, nämlich zum Beispiel politische, aufklärerische und anregende - neben der und zusätzlich zur reinen Ästhetik.<<

Siehe oben

Nicht übertreiben

 ......mich nicht für das Mitschneiden von Musik abzocken lassen, nachdem ich bereits Rundfunkgebühren bezahlt habe

Mitschnitte vom Radio/Internetradio/Fernseher usw. zum eigenen Gebrauch sind erlaubt, da ja Gebühr beim Kauf der CD/MC/DVD bezahlt wurde. Kopie einer CD zum eigenen Gebrauch ist ebenfalls erlaubt. Also nicht gleich Kind mit dem Bade ausschütten.

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Kommentare von Nicht-Autoren müssen erst freigegeben werden. Dadurch wird sich wohl die zeitliche Verzögerung ergeben, obwohl sie bereits früher geschrieben wurden aber erst später "erscheinen".

Jein

>>Kommentare von Nicht-Autoren müssen erst freigegeben werden. Dadurch wird sich wohl die zeitliche Verzögerung ergeben, obwohl sie bereits früher geschrieben wurden aber erst später "erscheinen".<<

Danke! Darauf hätte ich auch selbst kommen können. Da hätte ich aber dann doch die herzliche Bitte an die Blogger, die hier häufiger mitdiskutieren, sich als Autoren zu registrieren.

Ja, das Mitschneiden-Dürfen von Musik haben wir uns aber auch erst erkämpfen müssen. Die Platten-Label würden hier gerne abkassieren. Wer erinnert sich nicht noch an das kostenpflichtige DRM (Digital Rights Management), das das Abspielen eines Musikstückes nur drei-/viermal zuließ?!

Solche Portale wie Youtube, Myvideo u.ä. haben auch regelmäßig Probleme mit den Rechtevermarktern und Angebote wie Spotify sind auch nur der Hartnäckigkeit von Organisationen wie Pirate Bay zu verdanken, aus der die Piraten hervorgingen.

Was das Kopieren einer gekauften CD fürs Auto angeht, irren Sie. Zwar wird es nicht verfolgt, aber rein rechtlich dürfen Sie nicht einmal die eigene CD digital kopieren, wenn sie mit Kopierschutztechniken ausgestattet ist.

Die Ausnahme hiervon ist lediglich die analoge Kopie. Und daran scheitert jeder Versuch, Musik urheberrechtlich zu schützen.

Mitschneiden

ist schon erlaubt, seit man dafür bei leeren CD/DVD/MC bereits beim Kauf einen Obolus entlöhnt. Hat nix mit Piraten zu tun. Auch kopiergeschützte CDs dürfen Sie für den Eigenbedarf kopieren - wenn Sie es können. Sie dürfen nur dann das Original nicht verkaufen oder verschenken. Aber fürs Autoradio - no problem.

Gema & Co.

Manche Rechteinhaber übertreiben manchmal auch frech und schamlos, was ich persönlich immer wieder erfahre. Gerade bei YouTube läuft man in Gefahr, daß das Konto gesperrt wird, weil irgendeiner dieser Rechteinhaber meint, behaupten zu müssen, die Hintergrundmusik auf einem selbst produzierten Videoclip stamme von ihm - auch wenn diese Musik zum Beispiel rechtefrei gekauft, oder mit einem Musikprogramm wie zum Beispiel dem Magix Music-Maker selbst produziert wurde. Man muß dann jedesmal Einspruch gegen eine diesbezügliche Abmahnung einlegen:

"Dein Video enthält möglicherweise Musik, die einem Dritten gehört. Um die übereinstimmende Musik zu hören, schau dir das Video rechts an. Das Video startet an der Stelle, an der der übereinstimmende Inhalt gefunden wurde. Dein Video ist verfügbar und kann angesehen werden.

Hier sind die Details: "Wallenski-Raum & Zeit", Tonaufnahme Verwaltet von: 10:18 Kontor New Media

"Visioni Gotiche-Prigionieri del Male (Prisoners of Evil)", Tonaufnahme Verwaltet von: 0:08 IODA

Dein Einspruch Antwort wird bis zum 18.11.13 erwartet. Weitere Informationen dazu, wie welche Auswirkungen Ansprüche auf deine Videos haben Hier klicken. Bestätigen. Einspruch erheben"

Obiges Beispiel ist eine Abmahnung wie ich sie immer wieder erhalte wegen einer selbst erstellen Hintergrundmusik oder wegen gekaufter, rechtefreier Hintergrundmusik. Die Abmahnung ist also unrichtig. Man kann dann eine der folgenden Erklärungen abgeben: 

"Ich glaube, diese Beschwerde wegen Urheberrechtsverletzung ist aus folgenden Gründen ungültig:

Ich besitze die CD/DVD oder habe das Lied online gekauft.

Ich verkaufe das Video nicht und verdiene kein Geld damit.

Ich habe den Eigentümer im Video erwähnt.

Das Video ist ein Originalvideo von mir, an dem ich alle Rechte besitze.

Ich habe eine Lizenz bzw. eine schriftliche Genehmigung des Rechteinhabers zur Verwendung dieser Inhalte.

Meine Verwendung des Videos entspricht nach den anwendbaren Urheberrechtsgesetzen den rechtlichen Bedingungen für faire Verwendung bzw. faires Handeln.

Bei dem Video handelt es sich um Gemeingut oder es fällt nicht unter den Urheberrechtsschutz."

Man beachte, daß der Fragenkatalog einige hinterlistige Fangfragen enthält, auf die unbedarfte User leicht hereinfallen können. Weiter:

 "Ich bin sicher, dass dieses Video nicht unter den Urheberrechtsschutz fällt, und möchte Einspruch gegen diesen Anspruch erheben. Ich bin in Treu und Glauben der Ansicht, dass der oben beschriebene Anspruch fälschlicherweise erhoben wurde und dass ich wie angegeben die erforderlichen Rechte zur Verwendung der Videoinhalte besitze. Ich habe nicht wissentlich falsche Angaben gemacht und missbrauche den Einspruchsprozess nicht absichtlich, um die Rechte anderer zu beeinträchtigen. Mir ist bewusst, dass das Erheben eines Einspruchs mit betrügerischen Absichten die Kündigung meines YouTube-Kontos nach sich ziehen kann. Gib deinen vollständigen Namen ein, der als elektronische Signatur verwendet werden soll."

Der Rechteinhaber entscheidet dann nach einer Prüfung, ob er die Musik freigibt bzw. ob er überhaupt Rechte anmelden kann oder ob das Video gesperrt wird.

Als Konsequenz kann es auch sein, daß man, wird die Musik vom Rechteinhaber geduldet, es hinnehmen muß, daß in das Video hinein Werbung geschaltet wird.

Wenn man auf eine Abmahnung nicht reagiert, hat man entweder Werbung auf seinem Video, seinem Konto oder das Video wird gesperrt, letzteres meistens eine GEMA-Anordnung.

Die ausländischen Rechteinhaber sind schlauer, die wollen Geld mittels Werbung sehen und sperren nicht so oft, behaupten aber immer wieder, Musik sei mit ihren "Rechten" belegt. Ärgerlich ist es für den Kontoinhaber allemal, wenn man die Unverschämtheit erlebt, mit der behauptet wird, Ansprüche auf sogar selbst erstellte Musik zu haben.

Sogar bei klassischer Musik, bei der es gar keine Urheberrechte mehr gibt und Urheberrechte jeweils nur vom ausführenden Orchester für diese, deren spezielle Aufnahme geltend gemacht werden können, wird mit dieser Masche gearbeitet.

Bei jedem klassischen Konzert der Stadtkapelle, welches ich auf YouTube veröffentliche, wird strikt behauptet, die Urheberrechte lägen bei diesem und jenem Orchester und ich muß dann nachweisen, von welchem Orchester wann und wo das entsprechende Stück aufgeführt  wurde. Der Beispiele gäbe es noch viele, jedoch, YouTube gehört zu Google, und die machen bekanntlich, was sie wollen...

So ist eine der Hauptaufgaben bei der Erstellung meiner Videoclips die Suche nach rechtefreier Musik.

Den Kopierschutz

Zu umgehen ist nicht erlaubt, wie ich es in EDV in der Schule gelernt habe. Dafür müsste ihnen das Unternehmen von dem sie das Medium gekauft haben ein Ersatzmedium zur Verfügung stellen, falls ihr "Original" kaputtgeht....

So hab ich es mal gelernt....

Stilblüten des Verwertungsrechtes

Ich habe mal von der drittschärfsten Frau aller Zeiten von deren eigener Website ein Videoclip eines neuen Stückes herunter - und zu Youtube hochgeladen, um sie einem breiteren (deutschen) Publikum bekannt zu machen.

Prompt meldete sich Youtube mit Verweis auf das Veto der Rechteinhaber, obwohl das Video nach wie vor auf der Official Site verfügbar und herunterzuladen war.

Ist doch völliger Schwachsinn, oder?

Derselbe Song ("Yahad") findet sich noch x-mal bei Youtube, übrigens auch in der Version, in der ich ihn angeboten hatte.

Darf man fragen...

wer die "schärfste" und "zweitschärfste" Frau aller Zeiten ist?   :-)

@ M. le Fay: Kunst, Ergüsse, Halbwertszeit und Ausschaltknopf

... aus freischaltungstechnischen Gründen etwas verspätet:

Haben Sie noch nie etwas von z. B. Bach, Mozart, Beatles, Hendrix, Heine, Büchner, Tolstoi, Degas, van Gogh, Chagall, Barlach usw. gehört?
Haben/hatten deren Werke ("Ergüsse") alle eine "Halbwertszeit"?
Darf die jeder beliebig kopieren, deren (damals) neue Ideen klauen und
bequem ohne eigene Anstrengung/Arbeit damit jetzt Geld verdienen?

Immerhin dient nach Ihren Vorstellungen klassische Musik zumindest heute noch zur Erhöhung der tierischen Milchproduktion ... ;-) und hat somit sogar eine nutzbringende Funktion:
" ... Allenfalls könnte ich mir noch vorstellen, dass von Mozart Kühe mehr Milch geben ... "

Übrigens besitzt jedes Radio, jedes Fernsehgerät, jeder PC einen AUSSCHALTKNOPF - den kann man jeder Zeit betätigen.
Es wird niemand dazu genötigt, sich von Schrift, Bild und Ton ungewollt berieseln lassen zu müssen!
Und schon gar nicht, das dann (illegal) mitzuschneiden (Musik):
" ... Es ist nicht so, dass ich die Leistung der Musiker und Komponisten (und auch der Vermarkter, die das Produkt bewerben, INDEM SIE ES MIR ÜBER DIE RADIOSENDER AUFDRÄNGEN!!) nicht anerkennen würde, aber wenn es illegal ist, die mir aufgenötigte Musik mitzuschneiden, einzelne Stücke daraus digital zu speichern und/oder für mein Autoradio zu konvertieren, dann hört 's für mich mit dem Verständnis auf."

"Lesestoff" auf Bildzeitungs-Niveau und "Hörstoff" auf
Eintags-Schlager-Trällerei-Niveau wird es in der Tat immer geben; wer sich
das freiwillig antut, ist selber schuld.
Soviel zu den Stichworten "Ergüsse" und "Qualität" ...
M. Reich-Ranicki lässt grüßen - er ließ sich nicht in eine Reihe stellen mit "Künstlern", die keine sind und lehnte die auch ihm angetragene Auszeichnung ab.
Chapeau ... ;-)

off topic - Steile Zähne

Darf man fragen, wer die "schärfste" und "zweitschärfste" Frau aller Zeiten ist?

Beyonce und Guido Westerwelle

 

Nein, im Ernst. Solange ich nüchtern bin, habe ich folgendes Ranking:

1.Uschi Obermaier

2.meine Göttergattin (hatte früher große Ähnlichkeit mit 3.)

3.Ishtar Alabina

4.Esther Schweins

Aber wir verlassen hier das eigentliche Thema...

@Beobachter3

Sie können oder wollen mich offensichtlich nicht verstehen.

Musik ist Teil der menschlichen Bedürfnisse, somit Teil unserer Kultur. Musik wird es immer geben, auch gute und rechtefreie.

Haben Sie z.B. noch nichts von DarkRadio gehört? Einfach mal reinhören! Sie werden staunen, was ohne Patentschutz alles geht!

Damit ist für mich das Thema aber auch jetzt beendet.

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