Späte Ehrung für Berta Kempf

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"Alle ihre Erfolge verdankte sie der Tatsache, dass sie eine brillante und überzeugende Rednerin war"
Samstag, 12. Juli 2014 - 23:07

„Späte Ehrung für Berta Kempf“. So übertitelte ein mit (hupe) anonymisierter Artikelschreiber der Bruchsaler Rundschau einen Bericht in der Ausgabe vom Freitag, 11. Juli 2014, über eine „Untergrombacher Wohnstraße an der Joß-Fritz-Schule [die] nach einer tapferen Frau benannt [wird].“

Die Bruchsaler Rundschau berichtet

Der Artikelschreiber hält sich sehr eng an den Text der Gemeinderatsvorlage. Er berichtet, dass Berta Kempf, „wie in der Veröffentlichung 'Untergrombach – ein Dorf im Wandel der Zeit' nachzulesen, […] Furchtlosigkeit, Willenskraft bis an den Rand geistiger und körperlicher Leistungsfähigkeit, gepaart mit einem verblüffenden Organisationstalent in den Dienst der Nächstenliebe“ stellte. Weiter schreibt er, dass „die tapfere Frau“ „in einem stundenlangen Gespräch“ dagegen kämpfte, im April 1945 Untergrombach gegen die „vorrückenden Franzosen und Marokkaner“ zu verteidigen. „Untergrombach ist durch die Überzeugungskraft und den Mut einer Frau viel Leid und Zerstörung erspart geblieben“. Der Autor (hupe) berichtet weiter über den Einsatz von Berta Kempf beim Wiederaufbau nach dem Kriege und schließt seinen Beitrag mit den Sätzen: „Berta Kempf tat alles, oft bis an die Grenzen eigener Leidensfähigkeit. Tagelang ohne vernünftiges Essen, verschenkte sie noch den letzten Liter Milch und das letzte Ei. Auch im fortgeschrittenen Alter organisierte Berta Kempf noch Wallfahrten, Kaffee- und Lehrfahrten. Sie starb am 6. April 1966.“

Die Bruchsaler Rundschau berichtet nicht

Soweit, so gut. Übersehen hat der Artikelschreiber jedoch einen wesentlichen Sachverhalt und konnte folgerichtig auch nicht darüber berichten: Der Tagesordnungspunkt „Straßenbenennung der Berta-Kempf-Straße in Untergrombach“ stand bereits am 27. Mai 2014 auf der Tagesordnung des Bruchsaler Gemeinderates. Damals wurde dieser Tagesordnung jedoch abgesetzt, da die Fraktion der Grünen/Neue Köpfe Bedenken gegen eine solche Ehrung hatte – stand doch im Beschlussantrag vom 27. Mai noch folgender Satz: „Kartoffelschälen für deutsche Soldaten, Matratzen und Decken für französische Kriegsgefangene einzusammeln, sowie Wollsachen und Hasenfelle für die Frauengruppe, um für die Ostsoldaten an der Ostfront wärmende Kleidung herzustellen: Berta Kempf schien nichts unmöglich.“ Wie gesagt, dieser Satz tauchte im Beschlussantrag vom 8. Juli nicht mehr auf. Entsprechend wurde im Gemeinderat hierüber erst gar nicht mehr diskutiert und der Tagesordnungspunkt ohne Aussprache durchgewunken – lockte doch am gleichen Abend ein Weltmeisterschafts-Fußballspiel die Stadträtinnen und Stadträte vor die Fernsehgeräte.

Der Sohn als Zeitzeuge

Es ist schwierig, sich ein unverfälschtes Bild über das Wirken von Berta Kempf zu machen. Dazu bräuchte man Dokumente. Doch es gibt keine. Es gibt nur das o. g. Buch 'Untergrombach – ein Dorf im Wandel der Zeit'. Und aus dieser Publikation stammen die Passagen, die in der Gemeinderatsvorlage zitiert wurden. Geschrieben wurde der Buchbeitrag von Berta Kempfs Sohn Gerhard Kempf.

Gerhard Kempf schreibt zu den Leistungen seiner Mutter während des 2. Weltkrieges: Ihr [Berta Kempfs] ganzer Lebensinhalt bestand darin, den Nächsten und Hilfsbedürftigen zu helfen und den Menschen Freude zu bereiten. Hauptsächlich während des 2. Weltkrieges stellte sie diese Tatsache unter Beweis. Sie organisierte für die im Dorf einquartierten deutschen Soldaten immer wieder Frauengruppen, die in den jeweiligen Feldküchen Kartoffeln schälten und bei der Essenszubereitung mithalfen. Gleichzeitig sammelte sie für die […] in der Bahnhofstraße […] untergebrachten kriegsgefangenen Franzosen Matratzen und Decken […]. Während des strengen Winters 41/42 sammelte sie für die Soldaten an der Ostfront Wollsachen und Hasenfelle, damit von einer Frauengruppe Handschuhe, Kopfschützer und dergleichen angefertigt werden konnten. Ihr oberster Leitspruch war 'Recht und Gerechtigkeit für Jedermann'.“

(Zur Wollsachen und Hasenfell-Sammlung siehe zeitgenössischer Beitrag am Ende des Artikels)

Frauengruppe = NS-Frauenschaft?

Der Begriff „Frauengruppe“ machte beim Lesen der Gemeideratsvorlage vom 27. Mai die Vorsitzende der Fraktion Die Grünen/Neue Köpfe und studierte Historikerin Ruth Birkle stutzig. Ist ihr doch bekannt, dass alle Frauengruppen, die sich der Gleichschaltung verweigerten, im "Dritten Reich" verboten wurden und die NS-Frauenschaft (NSF) und das Deutsche Frauenwerk alle Mitglieder der gleichgeschalteteten Frauenvereine zusammenfassten. Die NSF war die Frauenorganisation der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und diente nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten als Kerntruppe überzeugter Anhängerinnen des NS-Regimes. Unter dem Dach des 'Deutschen Frauenwerks' (DFW) trieb die NSF die Gleichschaltung der nicht nationalsozialistischen Frauenverbände voran. .

Da Frauenverbände, die nicht im Sinne des NS arbeiteten, ausgeschaltet waren, stellte sich der Historikerin die Frage, ob die im Buchbeitrag erwähnten „Frauengruppen“, die für Heeresangehörige Kartoffeln schälten oder die „für die Soldaten an der Ostfront“ (am 22. Juni 1941 griff das Deutsche Reich die Sowjetunion an),  wärmende Bekleidung herstellten, eine Gliederung der NSDAP war, also die oben näher erläuterte NS-Frauenschaft. Die Intervention von Frau Birkle beim ersten Ansatz des Tagesordnungspunktes zur Sitzung vom 27. Mai führte dann auch zur Absetzung des Tagesordnungspunktes.

Dürftige Quellenlage

Zwischen den beiden Gemeinderatssitzungen wurde von vielen Seiten zu Berta Kempf recherchiert, es wurden aber, über den Aufsatz ihres Sohnes hinaus, keine weiteren Unterlagen oder gesicherte Informationen zu Berta Kempf gefunden. Der Bruchsaler Stadthistoriker Thomas Adam recherchierte ebenfalls und fand, so seine Worte, „nichts, was Bauchschmerzen bereiten müsste.“ Nach den durchgeführten Recherchen war Berta Kempf wohl auch kein NSDAP-Mitglied. Der Untergrombacher Altstadtrat Gerhard Holler, der zum Ende des 2. Weltkrieges 14 Jahre alt war (Jahrgang 1930), kann sich an keine Verbindung von Berta Kempf zu NS-Organisationen erinnern. Zudem sind über die NS-Frauenschaft sowie das Deutsche Frauenwerk kaum noch Unterlagen erhalten geblieben.

Was spricht für Berta Kempf?

Was spricht für eine Benennung der Straße nach Berta Kempf unter Außerachtlassung des Vorgesagten? Als weiteres Ereignis „aus dem Reigen ihrer vielen Verdienste“ erwähnt die Gemeinderatsvorlage wie berichtet, dass sich Berta Kempf vehement gegen die Pläne des damaligen Kommandanten wehrte, Untergrombach gegen die vorrückenden Franzosen und Marrokaner zu verteidigen. Für dieses Vorhaben, letztendlich nicht mehr und nicht weniger als die bedingungslose Kapitulation, soll Berta Kempf stundenlang – letztendlich erfolgreich – in Gesprächen gekämpft haben, wodurch Untergrombach viel Leid erspart blieb. In einem Gespräch betonte Ruth Birkle, die Vorsitzende der Fraktion Die Grüne/Neue Köpfe, dass dieser Punkt, also die schnelle Bereitschaft zu kapitulieren, die Anerkennung von Berta Kempf verdiene.

Was bleibt?

Die Straße wird den Namen Berta-Kempf-Straße erhalten. Und das ist in Ordnung, denn so hat der Gemeinderat mit Mehrheit entschieden. Vielleicht sollten aber Historiker, die sich unter Umständen dieses Themas einmal annehmen sollten, gerade in Hinblick auf das Lebensmotto von Berta Kempf, wie er von deren Sohn geschildert wird: „Ihr ganzer Lebensinhalt bestand darin, den Nächsten und Hilfsbedürftigen zu helfen und den Menschen Freude zu bereiten“, versuchen, die folgenden Fragen zu beantworten: 1933 lebten noch 32 jüdische Personen in Untergrombach, zu antijüdischen Ausschreitungen kam es bereits 1933. Wie reagierte Berta Kempf auf diese Angriffe auf ihre jüdischen Mitbürger? Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Untergrombacher Synagoge demoliert. Wie stand Berta Kempf dazu? Die letzten fünf jüdischen Einwohner wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Inwieweit hat Berta Kempf ihren jüdischen Mitbürgern geholfen? Der jüdische Mitbürger Markus Kirnus konnte bis kurz vor Kriegsende in seinem Heimatort Untergrombach bleiben, da er in Mischehe lebte. Noch am 14. Februar 1945 wurde Kirnus ins KZ Theresienstadt verbracht und am 9. Mai 1945 von der Roten Armee befreit. Welches Verhältnis hatte Berta Kempf zu Markus Kirnus? Inwieweit half sie ihm? Zumindest der Sohn von Berta Kempf berichtet in seinem Buchbeitrag hierüber nichts.

Rückblick in Bruchsals Stadtgeschichte

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Bruchsaler noch an eine andere Straßenumbenennung. Musste doch die Friedrich-Kemm-Straße vor jetzt genau zehn Jahren in Karl-Berberich-Straße umbenannt werden, nachdem die Bruchsaler Friedensinitiative und der DGB-Ortsverband herausfanden, dass Friedrich Kemm eben nicht nur der Förderer sportlicher Aktivitäten der Bruchsaler Jugend war. Trat Kemm doch schon Ende der 1920er Jahre der NSDAP bei und wirkte beim Aufbau der Bruchsaler NSDAP maßgeblich mit. Wie die Friedensinitiative damals schrieb, schätzte die Bruchsaler Historische Kommission die sportlichen Verdienste Friedrich Kemms höher ein als seine aktive Mitgliedschaft in der NSDAP. Die Friedensinitiative weiter: „Damit stellt sich die Frage nach dem Geschichtsbewusstsein dieser Kommission wie auch aller anderen Menschen, die die Vergangenheit ohne die notwendige Sensibilität für historische Zusammenhänge betrachten“. Im Interesse der Nachfahren von Berta Kempf wäre zu hoffen, dass der Berta-Kempf-Straße in Untergrombach nicht ein ähnliches Schicksal beschieden sein wird.

Geschichtsklitterung durch die Stadtverwaltung

Bei allen Fragen, die eine Straßenbenennung nach Berta Kempf aufwirft, macht eine Sache hier doch wütend. Schreibt doch die Stadtverwaltung die erste Gemeinderatsvorlage für die zweite Beratung im Gemeinderat dergestalt um, dass die kritischen, Fragen aufwerfenden „Leistungen“ von Berta Kempf nicht mehr erwähnt werden. Plötzlich nichts mehr über die Unterstützung des nationalsozialistischen Regimes und dessen auf russischem Territorium kämpfenden Soldaten. Kein Kartoffelschälen mehr für die in Untergrombach einquartierten deutschen Soldaten, kein Basteln mehr von Handschuhen, Kopfschützern und dergleichen mehr für die Soldaten des Nazi-Regimes in Russland. Warum wurde dieser inkriminierende Passus gestrichen? Wenn doch nichts dabei war und dies nichts mit der Unterstützung des nationalsozialistischen Unrechtssystems zu tun hat? Der Versuch der Geschichtsklitterung durch die Stadtverwaltung ist empörend.

 

 

Auszug aus   'Deutschland im Kampf'

Sammlung

"Als am 22. Dezember 1941 aus dem Führerhauptquartier gemeldet wurde, daß der Führer am 19. Dezember mit Rücksicht auf die Notwendigkeit der Zusammenfassung aller Kräfte den Oberbefehl des Heeres selbst übernehme, da ging eine Welle der Bewegung durch das deutsche Volk. Es fühlte, daß in entscheidender Stunde wiederum einmal der Führer dort seine Person zu restlosem Einsatz brachte, wo allein eine völlige Zusammenfassung der Kräfte den Erfolg verbürgen konnte. Diese Meldung aus dem Führerhauptquartier gab auch der deutschen Öffentlichkeit einen Tagesbefehl des Führers vom 19. Dezember 1941 zur Kenntnis, der sich an die Soldaten des Heeres und der Waffen-SS wendet. In diesem Aufruf umreißt der Führer in klaren und prägnanten Sätzen die militärisch-strategische Situation und die sich aus ihr ergebenden Konsequenzen, die in der Umdisposition des Oberkommandos des Heeres ihren sichtbaren Ausdruck finden. Diese Sätze unterstreichen ebenso klar wie entschieden, daß während der gegenwärtigen Kampfpause in der Heimat, in der Rüstung, hinter der Front und in der Aufstellung neuer Verbände alles getan werde, um im Frühjahr den offensiven Kampf bis zur endgültigen Vernichtung des Gegners im Osten weiter zu führen. Die Größe dieser Entscheidung, besonders hinsichtlich des persönlichen Opfers, das der Führer in dieser Schicksalsstunde der Nation gebracht hat, ist überall im deutschen Volke verstanden und mit Dankbarkeit gewürdigt worden. Der bisherige Befehlshaber des Heeres, Generalfeldmarschall von Brauchitsch, der unter voller Würdigung seiner Verdienste von seinem Amt zurückgetreten war, erließ am 22. Dezember einen Tagesbefehl an die Soldaten des Heeres, worin er seinen Soldaten dankt. Große Aufgaben seien erfüllt, große und schwere stünden noch bevor. Er sei überzeugt, daß das deutsche Heer auch diese lösen werde. Der Führer, so schließt der Aufruf, wird uns zum Siege führen. Stahlhart den Willen, vorwärts den Blick, alles für Deutschland! "

"Eine Aktion, die das ganze deutsche Volk im letzten Drittel des Monats Dezember völlig beschäftigte und in ihren Bann schlug, war die Sammlung von Pelz-, Woll- und Wintersachen für die Front, die von der Partei unter Leitung von Reichsleiter Dr. Goebbels für das Ostheer mit äußerster Energie und unter Einsatz ihrer gesamten Organisation durchgeführt wurde. Der früh hereinbrechende Winter hat das deutsche Heer in den unendlichen Weiten Rußlands mit einer für mitteleuropäische Verhältnisse unvorstellbaren Härte überrascht. Es war deshalb notwendig, über das hinaus, was schon vom Oberkommando des Heeres vorgesehen war, zusätzlich weitere Pelz-, Woll- und Wintersachen an die Front zu schaffen. Wie immer übernahm die Partei mit gewohnter Schlagkraft diese Aufgabe, obwohl ein außerordentlich hoher Prozentsatz ihrer Politischen Leiter und Mitglieder an der Front steht. Am 20. Dezember 1941 verkündete Reichsminister Dr. Goebbels einen Aufruf des Führers, der sich an alle deutschen Männer und Frauen wendete. In eindringlichen Worten ergänzte Dr. Goebbels den Aufruf des Führers. Er gab bekannt, daß die Sammlung am 27. Dezember beginnen und mit dem 4. Januar 1942 ihren Abschluß finden würde. Tatsächlich ist dann die Sammlung bei beispiellosem Erfolge bis zum 11. Januar durchgeführt worden. Auf unzähligen Sammelstellen, von Millionen von Sammlern, ist mit einer Einsatzfreudigkeit ohnegleichen ein großartiges Hilfswerk durchgeführt worden. Hunderttausende von Frauen und Handwerkern nähten und verarbeiteten die eingelaufenen Sachen zu nützlichen Kleidungsstücken. Die Gebefreudigkeit der Bevölkerung bezeugte, daß diese Hilfe für die kämpfende Front Herzenssache des ganzen Volkes gewesen ist. Überall sah man Bilder, die denen aus den Freiheitskriegen in nichts nachstanden, als das Volk Gold für Eisen gab und die Frauen ihr Haar auf dem Altar des Vaterlandes für die Freiheit und den Sieg opferten. Schon am 2. und 3. Sammeltage gingen die ersten Transporte an die Front. Truppentransporte nach dem Osten wurden auf verschiedenen Heimatbahnhöfen fix und fertig eingekleidet. Wenn je das Wort, daß, wer schnell gibt, doppelt gibt, einen Sinn hatte, so erfüllte es ihn hier."

Aus: Deutschland im Kampf. Herausgegeben von Ministerialdirektor A. J. Berndt, Reichspropagandaministerium, und Oberst Hasso von Wedel, Oberkommando der Wehrmacht. Dezember-Lieferung 1941.

 

Wie wichtig diese Sammlung von Wintersachen für die Frontsoldaten für das nationalsozialistische System und den Fortgang des Angriffskrieges war, zeigt eine Verordnung Hitlers vom 23. Dezember 1941: Wer sich an solchen Sachen bereichert oder sonst ihrer Verwendung entzieht, wird mit dem Tode bestraft (RGBl 1941 I, 797).

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Kommentare

Entsprechend wurde im Gemeinderat

hierüber erst gar nicht mehr diskutiert und der Tagesordnungspunkt ohne Aussprache durchgewunken – lockte doch am gleichen Abend ein Weltmeisterschafts-Fußballspiel die Stadträtinnen und Stadträte vor die Fernsehgeräte."

Ist wirklich zu erwarten, dass man noch eine Ahnung hat, was 6 Wochen zuvor im Gremium behandelt wurde? Nein, Ändern der Vorlage und Abstimmen zu einem günstigeren Zeitpunkt, das ist auch im Bundestag geübtes Vorgehen.

Ob der Straßenname zu Recht oder zu Unrecht vergeben wird, was soll's. Wir haben eine Gesetzgebung, die das deutsche Reich noch immer enthält.

http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=2&ved=0CCwQF...

Da kommt es doch auf einen Namen einer Straße wirklich nicht mehr an, oder vielleicht doch?

Wilhelm Bauer Straße

Das hatten wir doch schon einmal: Im Februar 1989 benannte der Bruchsaler Gemeinderat auf Vorschlag der Historischen Kommission fünf Straßen in einem Neubaugebiet nach Bruchsaler Bürgern, die sich in irgendeiner Weise um die Geschichte der Stadt verdient gemacht hatten, u.a. nach Wilhelm Bauer. Wilhelm Bauer war in der NS-Zeit und danach Lehrer in Obergrombach und Heimatforscher. Er starb im Jahr 1963. Niemand im Nachkriegs-Bruchsal wollte sich aber an das Buch "600 Jahre Stadt Obergrombach" erinnern, in dem dieser Wilhelm Bauer über Ausgrabungen in den 30-Jahren in Obergrombach folgendes geschrieben hat:

"Die deutsche Jugend, die den gewaltigen Neubau des nationalsozialistischen Reiches miterleben darf, ist wahrhaft um ihr Glück zu beneiden. Was deutsche Männer und Frauen für ihr Volk und Vaterland wünschtennund erstrebten, nämlich: die innere und äußere Einheit und Freiheit des Reiches, ist dieser Jugend gleichsam als Geschenk von unserem Führer in die Wiege gelegt worden. Und doch ist dieser Bau ohne das das festgefügte Fundament, auf dem er ruht, undenkbar. Jahrtausende waren nötig, um das ewige Reich der Deutschen vorzubereiten. Wie ein frischer Sturmwind hat die neue Zeit alles Artfremde, das die Quellen unserer Volkskultur bald zu verschütten drohte, hinweggefegt. Wir können wieder vordringen bis zu den Urgründen deutschen Kulturschaffens. Eine Menge von Vor- und Fehlurteilen, die den Weg zum eigenen Vaterhaus verbaut hatten, müssen under der zwingenden Beweiskraft der Forschungsergebnisse endlich über Bord geworfen werden. Nur Unkenntnis oder Böswilligkeit kann noch ein Interesse daran haben, unsere Vorfahren als Barbaren oder Halbwilde zu schildern. Wir wissen, welches Ziel ihnen vorschwebt: Sie wollen die deutsche Jugend irremache, damit sie an der Größe der ihr gestellten Aufgabe zerbrechen soll. Sie haben anscheinend vergessen, dass diese Jugend nicht mehr nach fremder Geistehaltung erzogen wird, sondern aus der liberalistischen Halt- und Glaubenslosigkeit zum völkischen Bewusstsein und zum Glauben an eine neue und doch schon immer vorhanden gewesene Weltanschauung zurückgefunden hat."

Beweise für diese schon immer vorhandene Weltanschauung fand der völkische Historiker, dem später eine Straße gewidmet wurde, bei den Gräberfunden in Obergrombach: "Fast ausnahmslos sind die Verstorbenen - nach dem Skelett zu urteilen - Angehörige der nordischen Rasse. Die Tatsache ist auffallend und beweist, dass sich ihre Tüchtigkeit zu einem großen Teil aus der unverfälschten, völkisch einheitlichen Lebensauffassung herleitet. Wo wir hinsehen, schaut uns auch aus dem einfachsten Gebrauchsgegenstand ein Höchstmaß an Kultur und Werkmannskunst entgegen. Man würde unrecht tun, ihnen auf auf anderem Gebiet minder gute Leistungen unterschieben zu wollen. Die Quellen, die diese Leistungen hervorbrachten, sind einmal in ihrer Blutsreinheit, ebenso in ihrer einheitlichen Weltanschauung zu suchen."

Was einem Wilhelm Bauer recht ist, darf das einer Bertha Kempf nicht billig sein? Immerhin ist solche Nazi-Ideologie von ihr nicht überliefert, auch wenn sie sich in ihrem segensreichen Tun ganz sicher mehr als nur system-konform verhalten hat. Tut mir leid, ein mehr als nur leicht brauner Beigeschmack bleibt und kann nicht weg argumentiert werden, es sei denn, man legt irgendwann einmal Beweise vor, die dies widerlegen.

Peinlich, dass solche Rathaus-Vorlagen, die auch noch übelst manipuliert wurden, im Gemeinderat der Stadt Bruchsal ohne jede Diskussion abgenickt werden. Aber, wie gesagt, das hat ja durchaus seine Tradition in dieser Stadt......

Wilhelm Bauer wird

Wilhelm Bauer wird ausdrücklich im "Heimatlexikon Bruchsal", 1996 veröffentlicht von der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal, gewürdigt. Zusammengestellt wurde dieses Buch von Robert Megerle, dem Vorsitzenden der Historischen Kommission. Zu Wilhelm Bauer ist unter anderem zu lesen: "Besondere Verdienste erwarb er sich um den Aufbau des Städtischen Museums."

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