So viele Masern wie seit zehn Jahren nicht mehr

DruckversionPer e-Mail versenden
Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg verzeichnet eine Epidemie unter Ungeimpften
Dienstag, 12. Juli 2011 - 17:22

Die Zahl der Masernfälle in Baden-Württemberg ist so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Über 500 Erkrankungen zählt das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg bereits im laufenden Jahr (Stand 11.07.2011: 509 Masernfälle).

Masern

Das sind so viele Masernpatienten wie zuletzt im Jahr 2001. Damals gab es im ersten Halbjahr 598 Masernkranke, und im ganzen Jahr waren es 700. Zum Vergleich: Vor Jahresfrist wurden in den ersten sechs Monaten nur 97 Masernfälle und im ganzen Jahr 2010 insgesamt 160 Masernfälle verzeichnet. Am stärksten betroffen ist mit weitem Abstand der Ortenaukreis (213 Masernfälle), gefolgt von der Landeshauptstadt Stuttgart (89), dem Landkreis und der Stadt Karlsruhe (32 bzw. 5), der Stadt Freiburg im Breisgau und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (31 bzw. 7) sowie dem Landkreis Esslingen (12).

Ursache für diese Häufungen sind vornehmlich Masernausbrüche in Schulen (296 Masernfälle). Die meisten dieser Masernfälle kommen aus Schulen mit einem traditionell geringen Anteil geimpfter Kinder und Jugendlicher, vornehmlich aus Waldorf-Schulen. Danach folgen Masernhäufungen in Familien (66) und Kindertageseinrichtungen (28). Drei von zehn Masernerkrankten sind älter als 14 Jahre (28,2 Prozent), und mehr als jeder sechste Masernpatient ist bereits erwachsen (17,5 Prozent). Bei älteren Masernpatienten kann die Viruskrankheit schwerer verlaufen. Insgesamt wurde jeder neunte Masernpatient im Krankenhaus behandelt (46 Masernfälle).

Von über 500 Masernpatienten war nur eine Person zweimal gegen Masern geimpft; allerdings bestand bei diesem Patienten eine Grundkrankheit mit Beeinträchtigung der körpereigenen Immunabwehr. Weitere 38 Personen hatten nur eine der zwei empfohlenen Masernimpfungen erhalten, davon 16 allerdings erst nach Ausbruch der Masern in ihrer Schule. Für die Mehrzahl der Erkrankten war keine Impfung verzeichnet.

Besondere Sorgen machen dem Landesgesundheitsamt ungeimpfte Kinder und Jugendliche, denn sie werden auch nach ein oder zwei Jahrzehnten als Teenager und Twens von den Masern eingeholt. „Wir haben Sportler, die nach einem Fußballturnier in Italien erkrankt sind, Fans, die sich ihre Masern bei einem Rockfestival auf der Schwäbischen Alb geholt haben müssen und Schüler, bei denen ein in Frankreich kursierendes Masernvirus gefunden wurde", sagte Abteilungspräsident Prof. Dr. Günter Schmolz vom Landesgesundheitsamt „und der Sommer mit vielen Massenveranstaltungen steht noch bevor."

Das Landesgesundheitsamt empfiehlt deshalb allen ungeimpften Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Masernimpfung noch vor den Sommerferien. Kinder sollten die erste Gabe Masernimpfstoff im Alter von 11-14 Lebensmonaten erhalten und die zweite Gabe wenigstens vier Wochen danach. Seit 2010 ist die Masernimpfung auch für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen empfohlen.

Noch keine Bewertungen vorhanden
Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen