Seid Sand im Getriebe..

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.. statt Systemkonformität fordert Prof. Soshana Zuboff (Harvard Business School)
Montag, 24. Juni 2013 - 17:27

… fordert die Harvard-Professorin.

Sie hat dabei die Silicon-Valley-Unternehmen im Blick, nicht jedoch den Staat – diese Perspektive vertreten andere und verweisen zutreffend auf die sich immer schneller  perfektionierende „big brother“-Gesellschaft. Übersehen wird allerdings bisher, dass  sich die Vernetzung von allem und allen  und die damit verbundene Kontrolle sämtlicher Lebensbereiche als integrierter kultureller Prozess darstellt, der alte Werte zurücklässt und sich der neuen, wissenschaftlich-technischen Totalfunktionalität der Welt („Weltmaschine“) zuwendet. Das Individuum ist dabei der uneffektivste und „fehlerhafteste“ Teil der Weltmaschine; deshalb ist sein Eigenleben, seine Individualität auszuschalten. Die Beseitigung von Effektivitätshemmenden Toleranzen gelingt nur durch Ausschaltung des Individuellen.

Hierbei beginnen sogar die Religionen, vorneweg die traditionell der Welt zugewandte evangelische Kirche  Wertvorstellungen zu räumen und der Weltmaschine freien Raum zu lassen.

Ein Beispiel: Ist die Ehe ein Auslaufmodell? Oder findet hier  noch Grundlegenderes statt??

 

  1. Die evangelische Kirche, ganz im Sinne der Verantwortungsethik, will gleichgeschlechtliche und heterosexuelle Beziehungen (Ehe) seit ein paar Tagen gleichgestellt wissen, ganz so, wie es von liberaler Seite gefordert wird. Weg mit dem Ewiggestrigen. Her mit der modernen Welt.
    Die evangelische Kirche hat im Gegensatz zur gesinnungsethisch orientierten katholischen Kirche den Zeitgeist immer aufgenommen. Das sei am Beispiel einer aufgefundenen evangelisch-württembergischen Kirchenzeitung aus dem Jahre 1935 (gefunden in gekaufter alter Kommode) erläutert, die sich in einem Jubelaufsatz  der Neuen Zeit (1933 ff.) bemerkenswert  positiv genähert hat. Jetzt proklamiert die evangelische Kirche wieder ganz im Sinne des – heutigen - Zeitgeistes: Alle sind gleich – die Ehe bedarf nicht mehr des besonderen Schutzes. Die katholische Kirche hingegen hat sich  durch ihre gesinnungsethische Haltung schon lange den Spott Andersdenkender zugezogen (legendär die kulturhistorische Brandmarkung des          Papstes als„Pillen-Paul“) und wird derzeit wegen der offenbar gewordenen Missbrauchsfälle  als „Täterorganisation“ gebrandmarkt worden, obgleich diese Missbrauchsfälle statistisch nicht auffällig waren.
    Nun halte ich schon hier mal fest: entwickelt sich ein System komplett in eine falsche, nicht zukunftsweisende oder nicht zukunftsfähige Richtung, haben Verantwortungsethiker ein echtes Problem. Was tun? Wer an Bord bleibt, fährt mit.
     Gesinnungsethiker haben es natürlich leichter.
  2. Kanzlerin Merkel und Überwachungspräsident Obama proklamieren im Dienste steigender Bruttosozialprodukte aller  Länder die neue Freihandelsgemeinschaft USA-Europa, nur gestört durch Frankreich, dass europäische Kulturgüter (motiviert durch französische Sonderinteressen) geschützt wissen will.
    Eine öffentliche Diskussion über diese bemerkenswerte politische Richtung kann ich nicht feststellen. Die eilig geplante Freihandelszone ist offenkundig alternativlos und demokratieresistent.
    Ein steigendes Bruttosozialprodukt setzt allerdings in entwickelten Gesellschaften die Vernichtung von Naturkreisläufen und sozialen Beziehungen voraus bzw. sind dessen Folge. Denn es speist sich dadurch, dass in immer steigendem Maße bezahlte Warenströme entstehen, ebenso wie zahlungspflichtige Dienstleistungen. Störend sind zwingend nicht bewertete private soziale Beziehungen und ein funktionierender (autonomer) Naturkreislauf. Beispielhaft habe ich in anderem Zusammenhang  schon die künstliche Bestäubung durch den Roboter  Robobee erwähnt, der aussterbende (besser: ausgerottete ) Bienen ersetzen helfen soll .
    Selbsttragende Strukturen ohne ausreichende „Wertschöpfung“ führen nicht zu steigendem Bruttosozialprodukt und sind, nüchtern betrachtet: … „schädlich“
  3. Facebook, Amazon, Google & Co., auch deutsche Konzerne wie beispielsweise REWE das ein neues 450 Millionen Euro teures neuen sogenannten Warenwirtschaftssystem implementiert, machen den Verbraucher zu einem namenlosen auszuspähenden, auszunutzenden zu optimierenden Objekt ihrer Gewinninteressen. Eine nicht verwertbare persönliche Sphäre ist störend und umsatz- und gewinngefährdend. Das Individuum existiert nur noch als Zahl. Dies kritisiert die Harvard-Professorin.
  4. Obama (aber jetzt auch: die Briten, sicher irgendwann alle gleichermaßen) lässt durch seinen Geheimdienst flächendeckend die Amerikaner (und alle die, die mit amerikanischen Unternehmen wie Facebook, Amazon und Google zu tun haben) möglichst lückenlos überwachen. Stolz verkündet er, wie viel Terrorangriffe er damit bereits habe verhindern helfen. In seiner Ignoranz, vielleicht auch Verzweiflung, lässt er staatliche Machtmittel entstehen, die jedem denkbaren System zur Verfügung stehen. Auch eine schleichende Mutation eines demokratischen Systems in eine plutokratische Gesellschaft profitiert von dieser Entwicklung. Big brother schützt Konzerne und Plutokraten, niemals Individuen, schon gar keine Bürgerrechte.
  5. Am Horizont steht die sogenannte „Industrie 4.0“ mit einer geplanten Komplettvernetzung aller Produktionsmittel, mit dem Ziel  30 % mehr Effizienz im Wirtschaftsprozess zu erreichen. Grundlage ist die Ausschaltung von Toleranzen mehr im System: alles mit allem wird zeitgleich miteinander verbunden. Konsequenz: Jede Systemstörung wird  eine Systembedrohung werden, denn Störungen toleriert so ein System überhaupt nicht mehr. Jeder von uns kennt die tägliche Katastrophe eines lokalen Systemabsturzes. Individuelle Handlungen, denen typischerweise Meinungen vorausgehen, stellen deshalb systemlogisch eine Bedrohung dar.
  6. Partnerschaften sind eine Systembedrohung. Partnerschaften haben eine innere, nicht überwachbare, teilautonome Struktur, zumal sie einen besonderen grundgesetzlichen Schutz genießen. Noch sind Drohnen in ehelichen Schlafzimmern nicht zugelassen. Partnerschaften generieren durch Arbeitsteilung auch eine „Wirtschaftsleistung“, die nicht durch Geld  ausgedrückt wird und eben nicht in das Bruttosozialprodukt eingeht.
    Die Auflösung von Partnerschaften ist deshalb systemlogisch und bietet folgende Vorteile für die bereits genannten Akteure:
    a. Es entsteht ein gesteigerte Wirtschaftsleistung, da ein höherer materieller Bedarf zu befriedigen ist:  Mehr Wohnungen müssen gebaut, mehr Haushaltsausstattung muss erworben werden. Die Vereinzelung erzeugt Kosten (=Wirtschaftsleistung) auf allen Gebieten. Allein die Bauwirtschaft benötigt dringend die Zerstörung von Partnerschaften und  damit die Bildung neuer Haushalte, um den  Bevölkerungsschwund, der den  Wohnungsbedarf vermindert, auszugleichen. Die Flächennutzungspläne legen diese Berechnungen schon lange zugrunde.
  7. Die Ehe ist bzw. war die Keimzelle der Gesellschaft auch im wörtlichen Sinne. Die Familie war für die Erzeugung von Nachkommen vorgesehen. Die Aufgabe der Ehe als Produktionsstätte von Nachkommen zeigt auf, dass auch dieser – bisher  geschützte – Bereich demnächst fallen muss. Die Fertilität der deutschen Bevölkerung reicht nicht aus. Wir haben demographische „Probleme“, die Gesellschaft überaltert, die Sozialsysteme werden zusammenbrechen. Gleichzeitig ist die Qualität des in Partnerschaften gezeugten Nachwuchses von bedauernswerter Qualität, so namhafte Wissenschaftler. Schlimmer noch – er entspricht nicht den Bedürfnissen der Wirtschaft. Unsere Schul- und Ausbildungssysteme sind mit dem zufällig gezeugten Nachwuchs überfordert – einfach nicht sauber planbar. Vulgo: zu teuer, weil uneffektiv. Nicht zu übersehen, dass sich schon lange schrittweise  die Erzeugung von Nachkommen im Wirtschaftskreislauf abbildet (es gibt ZB ukrainische Sonderangebote für Leihmüttersuchende), PID und anderes mehr.
    Komplett-Abhilfe ist in Sicht:
    a. Wissenschaftler arbeiten daran, den Menschen durch Eingriffe in die genetische Struktur (Hirnleistung!) zu verbessern.
    b. Wirtschaftssubjekte (Unternehmensführer, Fundstelle liefere ich auf Anfrage gerne nach)  fordern  die  Vernetzung der Individuen untereinander und mit den technischen Einrichtungen durch technische Implantate: alles geht sodann schneller, sicherer (!) und vor allem effektiver. Die Verschmelzung von Mensch und Maschine wird gefordert – und vollzogen.
    c. persönliches Versagen, verursacht durch eine eigene Meinung, die nicht systemkonform ist, kann man genetisch-technisch minimieren oder gar ausschließen.
  8. Konsequenz: Nicht die „Gleichstellung“ anderer Lebensformen mit der jahrtausende alten Institution der Ehe als Reproduktionsgemeinschaft wird durch die an sich positiv klingende „Gleichstellung „ von gleichgeschlechtlich orientierten Menschen  stattfinden. Die Beseitigung der exklusiven Rechte der Ehe, d.h. die Beseitigung der exklusiven Rechte auf autonome Erzeugung von Nachkommen, wird die Einbindung auch dieses höchst individuellen und intimen Bereichs in die Warenwirtschaft forcieren.
  9. Eine komplette Ausschaltung des Individuellen im Sinne einer sich selbst komplettierenden  Weltmaschine (Lewis Mumford, Mythos der Maschine; s.a. Max Born,) steht am Ende dieser Entwicklung.

 

Exkurs in die Politik:  Altbundeskanzler Gerhard Schröder war in seiner Jugend ein relevanter Vertreter des sogenannten STAMOKAP (= Staats-Monopol-Kapitalismus)- Flügels der Jungsozialisten (Jugendorganisation der SPD). Der Mann ist  klüger, als man  vermutet. Aber auch er folgt dem nicht bezwingbaren Zeitgeist. Zuerst Macht und dann Geldverdienen kommen vor Verantwortung.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.6 (8 Bewertungen)

Kommentare

War früher alles besser?

Ich bin mir nicht sicher, ob Shoshana Zuboff hier richtig verstanden wird. Die oben konstatierte Beschränkung der Gültigkeit ihrer Aussagen auf die Wirtschaft z.B. kann ich bei ihr nirgendwo feststellen. Desweiteren scheint sie mir keineswegs so negativistisch an die Gegenwart heranzugehen, wie dies hier geschieht. Ich unterstelle, dass in obigen Ausführungen das Unbekannte (schon mal gehört?) der Faktor ist, der - nachvollziehbar - Angst macht. Das Unbekannte, das sich täglich abspielt, wenn ich im mich im Internet bewege und ohne es zu wollen, aber vermeintlich auch ohne es verhindern zu können, für Dritte nachvollziehbare Spuren hinterlasse: Welche Spuren? Wer kann sie sehen? Was kann ich dagegen tun?

Immerhin ist Jürgen Schmitt damit bereits ein gutes Stück weiter als viele Zeitgenossen, die im Internet surfen aber immer noch nicht über das Stadium des Sich-Wunderns hinaus gekommen sind ob der Tatsache, dass sie hier im Gegensatz zum Fernsehen exakt auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Werbung sehen und sich angesichts dessen in einem Netz dunkler Machenschaften wähnen.

Wir dürfen aber bei allen Ängsten vor diesen scheinbaren Abgründen auf keinen Fall übersehen, dass die "neuen" Technologien nicht nur weder aufzuhalten noch umkehrbar, sondern eindeutig eine Chance sind - gerade für die Demokratie. Wenn, ja wenn wir es schaffen, den Raum, den die Vernetzung uns allen bietet, entgegen allen Begehrlichkeiten, die gerade massiv geltend gemacht werden, zu verteidigen.

Hierzu ist aber, und da schließt sich der Kreis, ein Grundwissen auf breiter Basis erforderlich. Wissen, wie dieses Medium funktioniert, das interaktiv im Sinne mindestens eines Dialogs ist, wie uns allerspätestens seit der NSA-Enthüllung schmerzhaft bewusst ist. Dieses Verständnis fehlt tragischerweise nicht nur dem Durchschnitts-User. Wie die Bemerkung unserer Kanzlerin unlängst eindrücklich belegt, hat auch "die Politik" Stand 2013 nicht begriffen, was um sie herum technologisch geschieht, schlimmer noch, sie scheint zu einem beträchtlichen Teil gar nicht erfasst zu haben, DASS etwas Bahnbrechendes vor sich geht.

Provokativ: Ja, es war alles besser ...

Provokativ und vereinfacht:
Es war alles besser - weil durchschaubarer.

Internet und "soziale" Netzwerke ermöglichen den Überwachungsstaat und gläsernen Bürger in nie gekanntem Ausmaß (auch in Demokratien wie den USA, England).
Einzelne Whistleblower werden gnadenlos verfolgt - User-Daten werden weitergeleitet und verkauft und u. a. zu Marketing-/Statistikzwecken verwertet.
Als Durchschnitts-User hat man - auch bei erweitertem Wissen - darauf KEINEN Einfluss.
Die Nutzung als schnelles, freies Kommunikationsmittel zwischen (regime)kritischen Gruppen/Organisationen versucht man zu behindern bzw. zu verbieten, wo irgend möglich.
Globaler Daten-/Informationsfluss als Machtfaktor - missbrauchbar für die Mächtigen und deren ausuferndem Lobbyismus.
Und "die Mächtigen" sind m. E. nicht mehr die Verantwortlichen in der (nationalen) Politik, sondern die multinationalen Konzerne mit ihren nicht mehr durchschaubaren wirtschaftlichen Verflechtungen (z. B. Monsanto, Nestlé, BP, Energie- und Wasserversorgungsunternehmen etc.)
Das Individuum ist nur noch als Konsument interessant - je mehr man über den Einzelnen weiß, desto ausgeklügelter lassen sich manipulative Marktstrategien entwickeln und umsetzen.
Und das alles auch noch unter dem Deckmantel der "Terrorbekämpfung" (wobei man auf dem rechten Auge blind ist!) laufen zu lassen - und offensichtlich sehenden Auges auch beim Gesetzgeber - ist schon sehr erschreckend und macht Angst, weil es nicht mehr steuerbar ist.
Schon gar nicht für den Einzelnen, der sich ausgeliefert fühlt und es auch ist.

Ein anderes Novum ist die Tatsache, dass wir dabei sind, unsere eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören - und den Ast abzusägen, auf dem wir sitzen.
Auch das sehenden Auges ...
Es kann niemand sagen, er hätte von nichts gewußt!
Profitmaximierung und Eigeninteressen sind wichtiger und lohnender - solange es noch geht ... - und nach mir die Sintflut ... !
Schadstoff-Grenzwerte werden passend gemacht - für Wirtschaft und Industrie, die auch entsprechende Gutachten und Studien liefert/finanziert; besonders auch in der EU mit ihren Lobbyisten in Brüssel ...

Des Weiteren ist der Zerfall von sozialen Strukturen zu beklagen - es gibt keine funktionierende Großfamilie mehr, die sich früher um Alte, Kranke und Kinder gekümmert hat.
Es ist auch kaum mehr möglich bei zunehmend verlangter Mobilität, permanenter Verfügbarkeit, Mehrfachbelastung der Frauen; Verschlechterung der Wohnsituation etc.
Verantwortlichkeiten werden zunehmend auf (staatliche) Institutionen abgeschoben - Kindergarten, Schule, Altersheime, ambulante Dienste etc.
Wer sich heutzutage als Angehöriger um Alte und Kranke kümmert, wird als "dumm" bezeichnet und muss viele persönliche Nachteile in Kauf nehmen.
Und wird zudem von Behörden, Institutionen und Ärzten im Stich gelassen.

Außerdem versagt unser Renten- und Gesundheitssystem.
Stichworte sind "demographischer Wandel, Überalterung der Gesellschaft, Niedriglohnsektor, Altersarmut, Pflegenotstand" - nur einige Beispiele.
Medizin und Pflege werden zum Business wie jedes andere - bei zunehmender Privatisierung der Träger, abnehmender Qualität der Leistungen und gleichzeitig steigender Kosten usw.
Gesundheit/Altersvorsorge wird zunehmend eine Frage des Geldbeutels bzw. des Kontostandes.

Abschließend:
Ich vermisse zunehmend jede Form von Solidarität und Verantwortungsbewußtsein.
Vermutlich wird man mir den Vorwurf machen, ich sei naiv, weil ich immer noch daran glaube bzw. beides für unabdingbare Werte halte.
Das entspricht sicherlich nicht dem Mainstream - auch "Sand im Getriebe sein ..." ist nicht en vogue und außerdem auf Dauer anstrengend.
Und trotzdem ...

... wenn immer Du überwacht wirst, verhalte Dich verdächtig.

Das ist auf jeden Fall ein kritischer Artikel und das gefällt uns, dass ihr hier alle so verrückt seid und teilweise mit Klarnamen Wahrheiten und Meinungen raushaut. Da verlangen wir Zugaben! Aber zum Thema Sand im Getriebe:  Das Bild der Maschinen, Getriebe, "stahlharten Gebilde" von denen schon Max Weber Anfang letzten Jahrhunderts schrieb, entspricht schlicht der Mode mechanischer Terminologie in der Sprache, um sich selbst als großen ingenialen Kenner einer Welt auszuweisen. Aber die Dampfmaschine, nun ja, das ist ein großer schwarzer Kessel mit zwei Löchern. Heute kommt man ja eher mit dem etwas moderneren Begriff des Systems. Wobei ja lustig, die Punks sich "fuck the System" schon auf die Kutten pinselten, da hat noch kein Politiker "systemrelevant" genuschelt. Und dann amüsiert mich dieses "systemrelavant" auch noch ganz besonders. Weil alles, wirklich alles ist systemrelevant. Die Frage ist halt, für welches System. Aber zur Alternativlosigkei: System ist ein Ordungsbegriff, der uns hilft das eine vom anderen zu unterscheiden.  Systeme lassen sich, so zumindest die Systemtheorie, eigentlich recht leicht ändern. Gut, ein System das läuft,läuft bis es nicht mehr läuft. Das passiert dauernd. Zeigt die Geschichte. Es geht eigentlich nicht um#s ändern des Bestehenden, sondern Neues hervorzubringen.  Das funktioniert über den Quellcode der Kommunikation, (nur um mal so eine modische Sprache zu nehmen) Und dann am besten mit Vertrauen. Vertraut euch selber und euren eigenen Ideen. Vertraut anderen. Lasst euch nicht entmutigen. Betont zur Abwechslung mal die guten Sachen auf unserer Welt. Dann sieht sie auch freundlicher aus. Das wäre dann schon einmal ein Anfang. Stellt euch mal vor, gestern habe ich ein Bild gesehen, im Internet, darauf waren Leute in Brasilien zu sehen mit einem Schild: Taksim is in Sao Paulo, und darauf kurz drauf eine Antwort aus Istanbul in Bildform: Sao Paulo is in Taksim. Da möchte ich die Solidarität nicht beklagen. Das sieht doch gut aus. Was ist mit dem Verlust der Partnerschaft und der Liebe? Sehe ich keine Indizien für. Zunehmende Scheidungsraten und Gleichstellung bedeutet ja auch, dass sich die Menschen wohl häufiger und intensiver und bunter ineinander verlieben als früher. Und die ganzen Broker, Politiker, Überwacher? Nun ja, irgendwas müssen diese Menschen doch auch tun. Kann ja nicht jeder aus'm Stand und so cool sein und sinnvoll an einer offenen, bunten, tollen Gesellschaft mitwirken. Ich würde sagen, Ruhe bewahren. Damit meine ich nicht s'Maul halten, im Gegenteil, wir müssen viel mehr miteinander schwetze,  sondern das alles weniger aufgeregt sehen. Es ist heutzutage alles ein Rudern gegen den Strom, mit Untiefen, Steinen, Stromschnellen und gefährlichen Wasserfällen. Die einen wollen steuern, die anderen sind der Fluß.

MEAN spielt am 17.07.2013 im Schloßgarten, kultursystemrelevante Musik.

 

Transparenz..

...vollkommene, vermittelte mir ein Blick in Whatsapp (Anleihe auf einem anderen Zugang..) - meine Tochter (17, steht vor dem Abitur)  war um 2 Uhr 36 im Netz. Wollte ich nun wirklich nicht wissen. Jetzt muss ich wohl fragen, ob sie heute in der Schule noch alles blickt. Was hat sie getan??? Dann las ich die Zeitung: "Jeder bespitzelt jeden, um einen Vorteil zu haben" von Markus Morgenroth, der für "Captura" das indivuelle Verhalten von Mitarbeitern in Organisationen beobachtet und analysiert. Nettes Beispiel von Morgenroth:  "In nicht allzuferner Zukunft ist es vielleicht so, dass man bei einer Krankenkasse einen günstigeren Tarif bekommen kann, wenn man bereit ist, sich permanent überwachen zu lassen. Ein kleines Gerät misst (pausenlos) wie viel Zigaretten geraucht und wie viel Alkohol getrunken wird, wie viel Schlaf und wie viel Bewegung wir haben".

Das erscheint mir vollständig realistisch. Nichtraucher, Antialkoholiker und Sportfreaks sagen: ich habe doch keine Lust, für die fetten (kranken) Maden der Gesellschaft mit zu bezahlen?  Das heimliche Glas Wein (vielleicht mit einer unbekannten Schönen bzw. geheimem Lover) wird zur öffentlichen  Angelegenheit......oder: man zahlt dafür, oder, noch schlimmer: man fliegt aus dem (schützenden) System einfach raus.

Die Krankenkasse hat mit dieser beispielhaften Überwachung ihre Kosten zu senken und wettbewerbsfähiger zu machen. Am Ende ist es zwingend eine Regel, die jeder einhält.

Denn ein  digital organisiertes System kennt nur eines: Effektivität. Systemfremd ist  Individualität.

Seufzend das Feld räumen? Nö.

"Weitermailen! Weitertwittern! Weitermachen!" - schöner Artikel zum Thema in DIE ZEIT

Shoshana Zuboff-was will uns die Autorin sagen?

Hier scheint es frei nach von Guttenberg/Schavan/Koch-Mehrin zuzugehen. Was interessiert uns die Quelle, wir gehen gleich mal an die Interpretation derselbigen (oder diskutieren die Interpretation des Interpreten):

Einiges ist online im Orginal und guter Übersetzung erhältlich und mag das Dickicht der luftigen bis tollkühnen Einschätzungen etwas eindämmen bis zurechtstutzen:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/

Nicht das Feld räumen ... - aber ....

Auch ein schöner Artikel zum Thema:

auch aus zeit.de:

http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-06/ueberwachung-snowden-date...

"DATENSPARSAMKEIT
Wer nicht belauscht werden will, sollte nicht überall reden
Das Internet wird überwacht, politische Proteste allein werden dagegen wenig nutzen. Wer dem entgehen will, muss sich selber schützen, ..."

Sich jedoch zu vertraulichen Gesprächen in den Wald zurückzuziehen, halte ich für etwas übertrieben ...

Interpretation

Hallo Huhi,

Zunächst danke für den Link - ich habe leider meinen account bei der FAZ nicht gefunden.

Zur Klarstellung: ich bin nicht der Apologet von Frau Zuboff - gleichwohl sagt sie richtiges, allerdings erfasst sie den Gesamtzusammenhang nicht vollständig. Deshalb habe ich sie zwar zitiert, weil sie eine durchaus relevante Quelle ist, mich aber eigenständig mit dem Thema befasst. In Guttenbergscher Tradition befinde ich mich, falls das gemeint sein sollte, durchaus nicht.

In voller Übereinstimmung mit Zuboff geht es mir um den Schutz der Privatsphäre, aber auch der Verteidigung des Rechts auf eigenständiges, nicht gesteuertes und nicht überwachtes Handeln. Falls das, ehrlich gesagt, überhaupt noch möglich ist.

Illusion?

"Schutz der Privatsphäre ......... Recht auf nicht überwachtes Handeln", schon lange passee. Wer sich der Illusion hingibt, es wäre noch etwas zurück zu drehen, hat wohl den Umfang der Verletzungen der Privatsphäre noch nicht erkannt.

Widerstand ist zwecklos. Die Geheimdienste sind nicht mehr beherrschbar, sie entziehen sich jeglicher Kontrolle. Selbst die Polizei bedient sich der Überwachung, was zu der Festnahme des Snipers geführt hat. Autokennzeichen und Telefonortung konnten in Kombination zum Täter führen.

Nun kann man ja verteidigen, zur Ermittlung von Straftätern ist das System der Überwachung in Ordnung, zur Verhinderung von Attentaten sehr wichtig, zum Ausgleich der Mächte unabdingbar.

Aber stimmen wir damit nicht der vollständigen Überwachung zu, da wir die Grenzen nicht mehr beeinflussen können? Die Möglichkeiten der Überwachung, Kontrolle und Beeinflussung sind durch gigantische Datenmengen, die durch schnelle Rechner durchforstet werden können, ins Unermeßliche gewachsen.

Kleine Nadelstiche gegen den "Überwachungsstaat" wie durch Snowden, Assange oder Manning werden durch drastische Verfolgung, Ächtung und Bestrafung zum Risiko für den, der sich wehrt.

Gegen "Sand im Getriebe" gibt es zuverlässige Filter, die in der Gesellschaft genau so gut funktionieren wie in der Technik.

Überwachung

Wer des öfteren mit YouTube zu tun hat, dort ein Konto besitzt und laufend Videos hochlädt, der weiß, was Überwachung heißt. Über Google Analytics kann ich erfahren, wer meine Videos von wo aus wie oft angeklickt hat, aufgeschlüsselt nach Alter, Geschlecht, Staatsangehörigkeit. Ich weiß, wie beliebt meine Videos sind, ob sie voll angeschaut wurden oder an welcher Stelle das entsprechende Video verlassen wurde. Ich weiß, ob das Video als “embetted” Video von einer Seite wie bruchsal.org abgerufen wurde, ob durch Google-Suche oder direkter You-Tube-Suche. YouTube kennt meine Vorlieben und blendet automatisch entsprechende Videos auf meiner Seite an.

YouTube will natürlich Geld verdienen, und so führe ich einen ständigen Kampf gegen diese Firma, denn sie arbeitet mit (teilweise faulen) Tricks. Spielt man in sein Video nämlich Musik ein, meldet sich garantiert irgendein “Rechte-Inhaber” aus den USA, der behauptet, Urheberrechte auf die Musik zu haben. Man darf das Video jedoch “gnädigerweise” weiterhin posten, wenn man Werbung “zuläßt” bzw. wird gleich gar nicht mehr gefragt. Die "Rechte-Inhaber" bekommen natürlich etwas von den Werbeeinnahmen ab.

Das geht  soweit, dass sogar bei selbst komponierter Musik (z.B. mit dem Magix Music-Maker) “Rechte” angemeldet werden oder bei Konzerten z.B. der Stadtkapelle auf einzelne Musiktitel, obwohl klassische Musik nicht geschützt ist, es sei denn, ein Orchester hat sich die Aufführung schützen lassen. Ja, sogar bei Vogelgezwitscher werden Rechte angemeldet, denn es gibt Firmen, die solche DVD's verkaufen. Ich muß dann jedesmal erklären, wo und wann ich die Vogelstimmen aufgenommen habe sowie eine Art "eidesstattliche Versicherung" abgeben.

Selbst bei meinen “Drehorgel-Videos” werden Ansprüche auf Musiktitel angemeldet. Es muß dann "Einspruch" eingelegt werden unter der Drohung, dass das YouTube-Konto gesperrt werden wird, falls der Einspruch unberechtigt eingelegt worden sei, und erklärt werden, weshalb der Titel nicht geschützt sei. Der Einspruch wird dann von YouTube an die “Rechte-Inhaber” weitergeleitet, die dann meist sehr schnell einen Rückzieher machen nach dem Motto: “Ein Versuch war es allemal wert”.

Ich persönlich bin auch überzeugt, daß Google eine Möglichkeit hat, die Videos nach Inhalten oder Szenen in Wort und Bild zu scannen, um so seine Werbung gezielt an den Mann bringen zu können, wenn das nicht schon durch die "tags" geschieht. Auch hier öffnet sich, bei Millionen täglich hochgeladener Videos, ein weites Feld für Schnüffler aller Art. Auch Sie werden erfaßt, siehe oben, wenn Sie ein YouTube-Video anklicken! Auch über YouTube kann auf diese Weise ein Profil über Sie erstellt werden. So können Sie schon als "rechtsradikal" eingestuft werden, wenn Sie interessehalber nur mal schauen wollten, was sich in dieser Szene so tut, und, und, und...  

Dummheit und Ignoranz

Nachdem bei CHIP-Online kein Thread zu den Abhörskandalen eröffnet wurde, habe ich das Thema vorgestern mal angesprochen...

Reaktion: Nahezu Null!

Insgesamt 5 Beiträge wurden geschrieben.

Es interessiert keinen!

Youtube wird genutzt wie eh und je, das ZDF macht nach wie vor Werbung für Facebook und Twitter, es ist weder eine Kündigungswelle auf Vodafone (diese Firma soll Telefongespräche weitergegeben haben) zugerollt und fast alle gehen entweder ignorant oder resigniert zur Tagesordnung über.

Ob Datentransfers von Ärzten und Kliniken ebenso in unberechtigte Hände gelangten, ist noch nicht erhoben worden. Es ist auch sche!ßegal, ob diese unberechtigten Hände die Daten genützt, womöglich missbraucht oder gleich wieder verworfen haben...., man stellt sich unweigerlich die Frage, wie sich über 800.000 Mitarbeiter refinanzieren??!!

Aber das interessiert anscheinend niemanden.

Ich persönlich habe nichts zu verbergen außer meinen Kundendaten. Ich werde deshalb künftig nur noch mit wechselnden IPs ins Netz gehen.

Man muss nichts zu verbergen haben ...

Man muss nichts zu verbergen haben, um auf Datenschutz zu bestehen und zu achten.

Es reicht schon, wenn meine persönlichen Daten "nur" gesammelt und verkauft werden, um Marktstrategen Futter zu liefern.
Handel mit Daten und deren Auswertung ist ein lohnendes Geschäft.

Es ist erschreckend, wie ignorant und gleichgültig die Bevölkerung auf die aktuellen Überwachungs-/Abhörskandale (nicht) reagiert!

Vorhin im Radio hörte ich bei den Nachrichten so nebenbei, dass sich ein deutscher Politiker in etwa so geäußert hat: Der BND mache nichts anderes als die Dienste in den USA und in England ... ! Alles ganz normal ...!

ALLES GANZ NORMAL?!

Ausgebuffte Kriminielle

und Terroristen juckt das alles nicht. Sie mischen digitale Informationen mit herkömmlichen analogen Informationen, wobei sie ellenlange Schlüssel nutzen, die mit den Adressaten analog ausgetauscht werden, also per Boten und Kurieren, Post, versteckten Briefkästen, damit der Schlüssel dem intimen Kreis bekannt ist. Je länger der Schlüssel, desto länger dauert es, bis er geknackt ist. Demnach wird nach jeder Periode von 1 bis 2 Wochen, manchmal sogar täglich, der Schlüssel gewechselt. Kriminelle Energie schlägt NSA, der Dumme ist Otto Normalverbraucher!

Machtlos ...?!

Gestern ein Artikel/Kommentar der TAZ:

http://taz.de/Datenschutz-im-Geheimdienstverkehr/!118831/

Zitate:

"DATENSCHUTZ IM GEHEIMDIENSTVERKEHR
Machtlos gegen die USA
Datenschützer fordern ein entschlossenes Handeln der Bundesregierung. Doch die hat keine Handhabe und andere Interessen. ..."

"... Gegen eine anlasslose Überwachung des internationalen Telefon- und Internet-Verkehrs kann die deutsche Regierung schon deshalb nicht glaubhaft protestieren, weil der Bundesnachrichtendienst (BND) seit Jahrzehnten eben das tut. Und weil US- und britischen Dienste leistungsfähiger sind als der BND, hat Berlin eher ein Interesse an Kooperation als am Rückbau von deren Fähigkeiten. ..."

Wenn DIE VIELEN Otto Normalverbraucher nicht auf die Straße gehen, wird das Whistleblowing Einzelner und die zeitweise Empörung in den Medien und einiger Datenschützer keinerlei nachhaltigen Effekt haben.
Und sie werden nicht auf die Straße gehen - wg. Ignoranz, Gleichgültigkeit, Bequemlichkeit selbst gegenüber" Big Brother" ... !

www.stopwatching.us

Ein Zusammenschluß von Firmen und Bürgerrechtsorganisationen lanciert seit Dienstag o.g. Website, um sich gegen die Geheimdienst Schnüffeleien  zu wehren.

www.stopwatching.us

Artikel dazu, für jeden der nicht gleich auf die Homepage will:

http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/computer_nt/article117067931/Das-Netz-wehrt-sich-gegen-Schnueffelei.html

 

 

 

Nicht resignieren ...

@ MEAN

Danke für`s Einstellen der beiden Links.

Es ist zu hoffen, dass der Widerstand wächst und die Bevölkerung aufwacht - und sich nicht nur als Wahl-Stimmvieh und potentieller Konsument missbrauchen lässt bzw. überhaupt nur in diesen Eigenschaften für`s System interessant ist.

Gerne unterschreibe ich...

...doch Deutschland fehlt in der Länderauswahl (Merkels Werk?)

Habe schon unterschrieben...

....aber anstatt nach "Deutschland" zu suchen, klappt's ganz gut mit "Germany"...

Germanny

Nur habe ich jetzt, 3 Sekunden nach der Unterzeichnung, plötzlich keinen Zugriff auf das Netzwerk mehr....

Zugriff verweigert
Zugriff verweigert

Also Vorsicht! Habe diesen Kommentar nun über einen anderen Browser als Google Chrome gepostet.

 

Meine Firewalleinstellungen...

waren verändert. Habe 15 Minuten gebraucht, bis Chrome wieder lief...

Mit Firefox kein Problem

Entwarnung für den Firefox:

Habe eben auch unterzeichnet. Firefox hat sich ganz normal wieder starten lassen und die MS Firewall hat auch keine Änderungen angezeigt.

Google Chrome

Für alle Google Chrome - Nutzer ist die dokumentierte Warnung Waldemar Z.s sehr hilfreich.

Dadurch werden unliebsame Überraschungen vermieden.

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