Ein schwarzer Wadlbeißer wie aus dem BILDerbuch

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Der Mittelstürmer der Bruchsaler Rundschau, Daniel S., schlägt wieder einmal zu
Dienstag, 1. November 2011 - 22:35

Der Haushalt des Mittelzentrums Bruchsal ist ein fruchtbares Thema für Daniel S. Er liefert Stoff für viele Berichte, leider auch für einen Konsens-Bericht aus dem Gemeinderat, die die Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen betreffen. (Die Gemeinderäte aller Fraktionen waren sich prinzipiell über den Haushaltsfahrplan einig). Jedoch mehr noch Stoff für lustige Kommentare.

Zwar ist das Königsrecht eines jeden Gemeinderates das Haushaltsrecht. Das Königsrecht des Lokalpolitikers Daniel S. ist es jedoch, Verantwortlichkeiten nach politischem Gusto zuzuordnen und Versäumnisse zu erfinden, die er sogleich selbst kommentiert.

Die öffentlich mehrfach dargebotene Erkenntnis von Daniel S.: Schaut das – noch mehrheitlich schwarze – Regierungspräsidium dem unwürdigen (rot-grünen?) Treiben in Bruchsal länger tatenlos zu? Entgegen der Aufforderung des Regierungspräsidiums, so der durchschlagsstarke Mittelstürmer, hat es Bruchsal nicht vermocht, das Haushaltsdefizit 2011 spürbar zu vermindern, das kann, nein, das muss doch Konsequenzen haben.

4.000 € ? ist der empörte Kommentar von Daniel S. von Samstag den 30.10. betitelt, in dem er die vergeblichen Sparanstrengungen der Stadtverwaltung, der Gemeinderäte und der Bruchsaler Bürgerinnen und Bürger verbal abstraft. Der übliche Zweitkommentar (nach Donnerstag) damit der letzte Leser begreift, dass sich in Bruchsal unbegreifliches zuträgt.

Bringen wir es auf den Punkt. Der Mann vor Ort schafft es derzeit Dr. Berthold Moos selig hinter sich zu lassen – weit!. Der Bemo war im Gegensatz zu Daniel S. immerhin ein CDU-treues Fossil, das aus seiner Überzeugung nie einen Hehl machte und vor Begeisterung über seine eigene Haltung  gelegentlich Kommentar und Bericht nicht voneinander zu trennen wusste. Das kostete ihn am Ende die Gemeinderat-Berichterstatter-Rolle.

Daniel S. hingegen arbeitet mit dem Kopf, mit griffigen Schlagzeilen, nach denen sich der dann aus seiner Feder fließende Text zu richten hat.

Zunächst einmal geht es dem Ex-BILD-Mann um Plakatives, das kommt beim Leser am besten an. Gerne werden Proteste von Schafgarten-Anwohnern gegen städtische Bebauungspläne mächtig ins BILD gesetzt. Schließlich muss man  der städtischen Geldgier (Achtung: Haushalt!) öffentlich Grenzen setzen. Auch die Absicht der Stadt, am Bahnhof für einen fetten Verkaufspreis ein Einkaufszentrum zu errichten (Achtung: Haushalt!) gelangt nur als Protest in Daniel S. Schlagzeile. Eine Schlagzeile war auch der Protest eines Heidelsheimer Vereins wert, dass die Stadt die Miete für eine Vereinsgaststätte erhöhen will (Achtung: Haushalt!).

Gänzlich unbewertet bleiben die Ausführungen des Autors zum Haushalt 2011, in dem dieser darauf hingewiesen hat, dass lediglich im Finanzhaushalt rasch viel Geld zu holen ist.

Daniel S. hat es sicherheitshalber nicht beanstandet, dass Stadt (zuständig: der Gemeinderat!) nicht  die Schließung der Bäder in Heidelsheim und Obergrombach und der Musikschule auf die AGENDA gesetzt hat, auch nicht die Einstellung des Stadtbusses. Hätte man als kritischer Redakteur ja tun können und sich damit auch inhaltlich positioniert.

Nebenbei hätte man vielleicht auch die Erkenntnis gewinnen können, dass alle Einsparungsmaßnahmen Zeit kosten. Das erklärt uns gerade der kompetente Verteidigungsminister de Maiziere im Gegensatz zum hochstaplerischen Amtsvorgänger von und zu Guttenberg. Die Verkleinerung der Bundeswehr kostet erst mal Geld, bevor man sparen kann. Große Gebilde lassen sich leider nicht von heute auf morgen umsteuern, insbesondere dann nicht, wenn zuvor für viel Geld Weichenstellungen erfolgt sind (die Bäder in Heidelsheim und Obergrombach sind gerade erst mit Millionenaufwand saniert worden).

Daniel S. leidet vielmehr sichtbar darunter, dass in Bruchsal die Verhältnisse nicht mehr so sauber geordnet sind wie in der Vergangenheit. In der guten alten CDU-Zeit war alles besser – in dieser Konstellation wäre er sogar eine Art Regierungsschreiber!

Zu Erinnerung:

Der Amtsvorgänger der Bruchsaler Oberbürgermeisterin Petzold-Schick verzichtete gelegentlich darauf, sogar die eigene CDU-Fraktion über Wesentliches zu informieren – deren Zustimmung und damit die Mehrheit im Gemeinderat war ja unvermeidbar.  Gelegentlich durften die Gemeinderäte der CDU-Mehrheitsfraktion Wichtiges druckfrisch  aus der Lokalpresse (!!) erfahren.

Aber im Gemeinderat dominiert weder die CDU, respektive Parteipolitik, noch gibt es das von Daniel S. herbeigesehnte Gemetzel. Denn der OB kann man gewiss nicht nachsagen, dass sie nicht alles auf den Tisch legte. Zwar übt sich Daniel S. vorsichtshalber in investigativem Journalismus und ereifert sich in einer überlangen Kommentarspalte darüber, dass er nichts von dem nicht-öffentlich Besuch des Umweltministers wegen der  Geothermie (eventuelle Übernahme durch die EnBW) erfahren hat. Da hat ihn die OB doch glatt hereingelegt, oder? Unseriös das, finden Sie nicht auch, lieber BNN-Leser?? impliziert der umfangreiche Streibsche Meinungsteil. Doch damit kann er nicht beweisen, was nicht zu beweisen geht: Das nicht alles auf dem (Gemeinderats-) Tisch liegt wohin es tatsächlich auch gehört.

Da die CDU-Mannen vor Ort nicht in Daniel S. Sinne arbeiten, fleht Daniel S. nun in seinem Kommentar den Beistand des Regierungspräsidiums herbei: Das könnt ihr doch nicht zulassen, dass Bruchsal nur 4.000 € in 2011 einspart? Da müsst ihr doch zuschlagen!!

Nun  kann man dem Mann viel erklären – es nützt nichts. Der Autor dieser Zeilen hat – mea culpa! – dem Redaktionsneuling Daniel S. bereits zu Beginn von dessen Tätigkeit in der Lokalredaktion der Bruchsaler Rundschau kommunalpolitische Mechanismen zu erklären versucht. Diese Hilfestellung war unnütz, jedenfalls überflüssig, wie der Umstand erhellt, dass die Finanzverwaltung Daniel S. erklären musste, dass das Regierungspräsidium weder Veranlassung noch rechtliche Handhabe habe die Haushalte der Stadt Bruchsal 2011 und 2012 zu beanstanden.

Was macht Daniel S.? Entgegen besseren Wissens schreibt er: „Man darf gespannt sein, was die Finanzaufsicht dazu (zum Haushalt) zu sagen hat.“

Klarer formuliert:

Ich  bin gespannt ob der greise Verleger der BNN, Hans-Wilhelm Baur es länger duldet, dass ein, wahlweise, unfähiger oder doch eher bösartiger ´Wadlbeißer den guten Ruf seines Blattes beschädigt.Die beidseitig, Baur und Streib, vorhandene Orientierung an der (alten?) CDU kann wohl kaum eine ausreichende Begründung sein, den Mann sein journalistisch unwürdiges Treiben fortsetzen zu lassen.

(Jürgen Schmitt, Vorsitzender der SPD Bruchsal und Haushaltsexperte der SPD-Gemeinderatsfraktion)

N.S.

Eines hat Daniel S. in seiner politisch-pseudojournalistischen Emsigkeit geschafft: den Ruf der Stadt in Bruchsal im Umland trotz sichtbaren Aufschwungs zu beschädigen. Das dürfte die Unternehmerschaft dieser Stadt wenig erfreuen.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3.2 (22 Bewertungen)

Kommentare

Hmm...

starker Tobak!

Der gute Ruf

Zitat: "Ich  bin gespannt ob der greise Verleger der BNN, Hans-Wilhelm Baur es länger duldet, dass ein, wahlweise, unfähiger oder doch eher bösartiger ´Wadlbeißer den guten Ruf seines Blattes beschädigt."

Als ich vor über 35 Jahren in den Verbreitungskreis der BNN gezogen bin, hat man mir schon gesagt: "Dies ist die schlimmste Tageszeitung weit und breit." Ich war damals erstaunt, von respektablen Personen diese ablehnende Meinung zu hören. Allerdings kann ich auch nicht erkennen, was sich verändert hat.

NS: War hier ein "greiser" Verleger als reine Altersbezeichnung gesetzt oder die Andeutung zu "weiser" oder "vergreister"?

Zur Sache, bitte!

Wenn man von diesen formellen Besonderheiten dieser und jener Berichterstattung bzw. Kommentierung mal absieht - was bleibt? Wie hoch sind die Ersparnisse im Haushalt 2012 tatsächlich? Wie viel mehr als 4000 Euro - und wo?

Reine Polemik auf knallrotem

Reine Polemik auf knallrotem Hintergrund.
Jürgen ist auch noch selbsternannter Stadtplaner,Sozialexperte usw.
Ein Multitalent eben.
Alles einfach nur megapeinlich.
Hans-Peter Kistenberger

Regierungspräsidiumserlass zum Haushalt

Es wäre wunderschön, wenn MAN uns hier endlich mal den vielzitierten Erlass des Regierungspräsidiums zum Haushalt 2010 wortwörtlich zeigen könnte. Dann wäre die interessierte Öffentlichkeit in der Lage, sich selbst ein Bild von den hohen Anforderungen dieser Aufsichtsbehörde an die künftigen städtischen Haushalte zu machen.
Diese Bitte richtet sich natürlich auch an Herrn J. Schmitt - und selbstverständlich auch an Herrn Kistenberger.
Der Erlass wird den Herren ja wohl vorliegen?

Sehr fragwürdig

Ohne jemals einen Kommentar dieses besagten Herrn in der BNN (die ich meide wie der Teufel das Weihwasser und von deren "gutem Ruf" ich noch nie gehört hätte ) gelesen zu haben:

Die Aufgabe eines Journalisten ist es doch sicherlich nicht, den Ruf der Stadt Bruchsal im Umland zu wahren, oder? Der Unternehmerschaft ist er auch nicht verpflichtet, solche Äußerungen muten merkwürdig an, ganz egal, welche Sichtweise man im Privatkrieg Schmitt-Streib (so kommt es zumindest bei mir an) bevorzugt.

Ich finde übrigens die "Kommentare" beider Seiten nicht besonders lesenswert und zielführend.

Und wo der "sichtbare Aufschwung" in Bruchsal zu sehen ist, das erschliesst sich nicht nur mir nicht wirklich...

 

 

 

Pressefreiheit

Völlig unabhängig davon, ob der Kommentar von Daniel Streib Anlass gibt, sich kritisch mit ihm auseinanderzusetzen, ob er berechtigt war oder nicht, ob man ihm heimtückische Angriffe auf wen auch immer unterstellen kann oder nicht, eines geht nun wirklich nicht: Dass sich Politiker in einem seltenen Anflug von Arroganz zum Richter über journalistische Qualitäten aufschwingen und öffentlich den Daumen über einen Mann senken und gar seine Ablösung wegen „journalistisch unwürdigen Treibens“ fordern. Und es geht nicht, dass Politiker sich anmaßen, „einem Redaktionsneuling kommunalpolitische Mechanismen“ erklären zu wollen, die er dann auch gefälligst zu beachten habe, will er nicht das Wohlwollen der Politik (oder in diesem Falle des Politikers) aufs Spiel setzen. Kumpanei zwischen Journalisten und Politikern war schon immer schädlich. Für beide. Und letztendlich auch für die Verbraucher journalistischer Dienstleistungen, die vor allem eines erwarten dürfen, die notwendige Distanz zwischen Journalisten und Politikern.

Zu meiner Zeit als Fernsehredakteur gab es immer wieder Versuche aus Politik und Wirtschaft, mich in meiner kritischen Berichterstattung einzuschränken und einzuschüchtern. Das ist nichts Neues. Gut allerdings war, dass ich immer Chefredakteure und Redaktionsleiter hinter mir hatte, die all diese Versuche vehement abblockten.

Mein journalistisches Handwerk habe ich u.a. bei der Bruchsaler Rundschau unter ihrem damaligen Redaktionsleiter Bertold Moos erlernt. Später, als dieser seine Kumpanei mit Bernd Doll allzu toll trieb, war ich einer seiner heftigsten Kritiker. Es geht also nicht darum, dass journalistische Arbeit im Detail nicht kritisiert werden dürfte. Im Gegenteil. Aber dass Politiker sich erdreisten, die Ablösung eines Journalisten zu fordern, bei aller Freundschaft, lieber Jürgen Schmitt, das geht nun wirklich zu weit. Und dem muss mit aller Entschiedenheit Widerstand geleistet werden. Der „greise Verleger“ und seine Chefredaktion, als deren journalistischer Freund ich nicht unbedingt bezeichnet werden kann, werden schon wissen, wie sie sich gegen diesen unverfrorenen Angriff auf die Pressefreiheit zu wehren wissen.

Rainer Kaufmann

Starker Tobak

Man kann nur spekulieren, was Herrn Schmitt zu dieser "Selbstvernichtungsaktion" getrieben hat. Die Differenzen mit Herrn Streib müssen ja gewaltig sein...So etwas kann man eigentlich nur tun, wenn man sich und sein Werk in Frage gestellt sieht, quasi als Akt der Verzweiflung...

Ich erinnere mich vage,

da war doch einmal eine Geschichte mit einem Justus Frantz. Da musste  ein Redakteur auf politischen dollen Druck gehen, weil er über ein Konzert nicht adäquat berichtet hatte. Also, nichts Neues in Bruchsal, oder?

Doller Druck

Das trifft zu und ich habe damals einen nicht veröffentlichten Leserbrief an die BNN geschrieben - denn Rübenacker (der Redakteur) hat nur seine Berufspflichten erfüllt und dabei den Bruchsaler OB geärgert.

Jetzt werden systematisch falsche Dinge behauptet und alle halten das offenbar für Wahrhaftiges.

Denn das Regierungspräsidium wird nichts beanstanden und das behauptet der Redakteur implizit wider besseren Wissens. Ich hoffe, dass das noch wahrnehmbar ist. Wenn nicht, kann man sich hier sämtliche Texte sparen. Das hat nicht mit Pressefreiheit sondern mit Pressewahrheit zu tun. Gerade ein Print-Mononpol-Blatt hat hier besondere Verantwortung.

 

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