Schnellschuss mit Knalleffekt

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Instant-Rezept für Einkaufs-Mekkas
Samstag, 13. März 2010 - 11:08
BNN-Artikel

BNN Nr. 60, 13./14.03.2010, S. 31

"Sandy" und ein "Knalleffekt" sollen Bruchsal retten, so Daniel Streib in seinem heutigen Artikel in den BNN. "Sandy", die Park-Sanduhr für den Außenspiegel und Neuerfindung einer Bruchsaler Medienagentur zusammen mit der Idee der Gemeinderäte Foos und Holoch, die Verkehrsführung in der Bruchsaler Innenstadt zu verändern, sollen "zur Sepa-Eröffnung einen Knalleffekt bieten (sic!) über den im Umland gesprochen wird": Durch die Öffnung von Teilen der Fußgängerzone für den Individualverkehr nach dem Konzept des "Shared Space", also der gemeinsamen und gleichberechtigten Nutzung des Verkehrsraums durch alle Verkehrsteilnehmer, wollen Roland Foos und Matthias Holoch potentiellen Kunden signalisieren, "dass sich etwas Grundlegendes gewandelt hat in Bruchsal". Zu diesem Zweck wollen die beiden Bruchsaler Stadträte im Akkordtempo bis zur geplanten Sepa-Eröffnung im Spätjahr 2010 Fakten schaffen. Der zur Begründung des vorgelegten Tempos angeführte Seitenhieb auf den ehemaligen OB Bernd Doll ("Aussitzen hat das Problem nicht gelöst sondern nur verschlimmert.") übersieht jedoch im Eifer, dass "Shared Space" ein Gesamtkonzept ist und sinnvollerweise nicht auf Teile einer Stadt zu beschränken. Hastiger Eklektizismus ist keine Lösung, das sollte man in Bruchsal aus der Erfahrung der letzten beiden Jahrzehnten wissen, auch wenn die Eile umso verständlicher sein mag, als Roland Foos, wie Herr Streib in seinem Kommentar bemerkt, "Hoffnung (...) nicht nur als Politiker, sondern auch als Immobilieneigentümer im Problembereich hegen dürfte."

Wiewohl Ideen wie "Shared-Space" zukunftsfähige Konzepte auch für Bruchsal sein können und damit prinzipiell zu begrüßen sind, so ist doch die geforderte Eile weder sinnvoll noch verständlich. Dass ein Schnellschuss ohne jegliche Einbeziehung von Experten ein, um im Bild zu bleiben, Schuss in den Ofen wäre, ist offensichtlich, liegt ihm doch mindestens ein weiterer eklatanter Denkfehler zugrunde: Warum sollten die Menschen aus dem Umland plötzlich in den "Shared Space" von Bruchsal fahren, radeln oder gehen, wenn dort - nach wie vor - die Attraktionen fehlen. Warum also ohne Plan und Ziel (weitere) Zufahrtmöglichkeiten und Parkplätze für ein Zentrum bauen, in das Keiner will? Muss sinnvolle Planung nicht vielmehr an der Attraktivität des Angebots ansetzen, ehe wir im Handstreich die Fußgängerzone kippen? Tausende Leute fahren wöchentlich von überallher zu den Outlet-Mekkas in Metzingen und Sarrelouis, wie weit und beschwerlich der Weg auch immer sein mag. Warum wohl? Weil es dort viele bequeme Parkplätze gibt?

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Kommentare

Hilfloser Versuch

Ich kann diese Aktion wirklich nur als einen "hilflosen Versuch" ansehen, die Attraktivität von Bruchsal zu erhöhen und damit Besucher aus dem Umland ins Mittelzentrum zu holen. Diese Chance ist leider schon vor Jahren vertan worden. Das wissen die Kreisbewohner auch und winken meistens ab, wenn sie von der "Einkaufsstadt Bruchsal" hören - sie haben sich längst umorientiert - die Stadtbahn machts auch noch möglich. Und wie schon oft bemerkt, SEPA mit seinen 2 neuen Geschäften wird die Massen nach kurzer Anfangseuphorie auch nicht bringen.

Der Sinn ist doch

Der Sinn ist doch nachvollziehbar.

Durchziehen, bevor irgendwer die Gelegenheit hat, die Nachteile raus zu finden und auf zu zeigen. So ist gesichert, dass man das Projekt nicht mehr stoppen kann wenn sich die Nachteile herausstellen. Außerdem kann man dann wunderbar fragen:"Warum habt ihr den vorher nix gesagt?"

Ich sehe beim besten Willen keinen Grund für "Eile".

Nix gegen das "Sanduhrprojekt"... aber warum um Gotteswillen, soll ich mir eine Monatskarte für den Stadtbus kaufen, damit ich anschließend 15 Min. kostenlos parken darf? Das klingt, als müsste ich eine Theaterkarte kaufen, damit ich ins Kino gehen kann und dort ne kleine Tüte Popkorn umsonst bekomme.

Knalleffekt

Das kommt davon wenn Angehörige des Gemeinderats nicht begriffen haben von was sie reden. Shared Space in der Fußgängerzone? Gelächter! Nicht nur ich habe keine Lust mich in der Kaiser- und Hoheneggerstraße zwischen chaotisch fahrenden und parkenden (auf das wird es hier herrauslaufen) Pkw durch zukämpfen.
Warum bin ich nicht täglich in der "zu großen Fußgängerzone"? Weil auch ich ab und zu das Geld verdienen muss das ich in Bruchsal wieder ausgeben soll. Ich denke das geht anderen auch so.

Noch mehr Knalleffekt...

Der Knalleffekt ergibt sich spätestens am ersten Tag der Öffnung der Fussgängerzone in einen Shared Space (warum eigentlich schon wieder ein Anglizismus???). Nämlich dann, wenn der erste Stadtbus den SUV der "Sandy Hausfrau" zermalmt, als diese anhält um ein Rotzgör darauf hinzuweisen, dass auch spielende Kinder im Shared Space auf Autos Rücksicht zu nehmen haben. Ich freu mich schon richtig auf die "KNALLEREI"!!! Zu diesem billigen und durchsichtigen Aktionismus zweier sich zu Stadtplanern aufschwingenden Feierabendpolitiker fällt mir nun wirklich nichts mehr ein. Ausser vielleicht man möge sich besser um den Einzelhandel bzw. Gerüste kümmern. Ach ja und der Herr Streib von den BNN... Seine Seitenhiebe in Richtung OB Petzold-Schick sind ja nun wirklich nur noch peinlich. Aber ja, Juli und Flori sind schon lange her, es ist jetzt wieder Zeit, sich der "NEUEN" CDU anzubiedern - aber das hatten wir ja schon. Wann merkt eigentlich Frau Petzold Schick, wer ihre wirklichen Unterstützer sind? Streib, die CDU und auch viele Ihrer Wahlkampfunterstützer jedenfalls nicht.

Zum Weiterlesen!

Unter der Überschrift "... unser schönes Bruchsal !? (8)" hat Autor Walter A. Stadtmüller bereits den Finger in die Wunde "Stadtplanung in Bruchsal" gelegt. Ein unbedingt lesenswertes Essay gerade in Zusammenhang mit den verschwurbelten, unausgegorenen Knalleffekten der Gemeinderäte Foos und Holoch: ... unser schönes Bruchsal !? (8)

auch in der kommunalpolitik

auch in der kommunalpolitik gibt es "Knallfösche"

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