Schade

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Bruchsal-Neu existiert nicht mehr...
Montag, 24. Oktober 2011 - 13:36

Der Untergrombacher Alexander Schlitz hat sich mit seiner kritischen Website "Bruchsal-Neu" verabschiedet. Die Homepage www.bruchsal-neu.de existiert nicht mehr. Schade.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3.7 (3 Bewertungen)

Kommentare

Das ist arg

Hier vom 10.08.2011 aus der Website Bruchsal-neu von Google Cache abgefischt:

Die Gesellschaften brechen auseinander
Alles redet derzeit über die Börsenkrise. Wir schauen uns im Fernsehen und im Internet mit besorgter Miene die hektischen Ausschläge der internationalen Börsenkurse an, wir fürchten um unser Erspartes, der Euro ist in aller Munde, sein Untergang wird vorausgesagt.

Tatsächlich haben die wenigsten Deutschen überhaupt irgendwelche Aktien in Besitz, da sie nicht über entsprechende finanzielle Möglichkeiten verfügen. Die wirkliche Angst der Leute dreht sich um ein paar Tausender auf dem Sparbuch und deren mögliche Vernichtung durch Inflation oder brutale Entwertung.

Warum also schauen wir derart beeindruckt auf die vielen Darstellungen in Tagesschau und Co.? Weil sie entsprechend dramatisch dargestellt werden, weil uns suggeriert wird, dass die Verluste an der Frankfurter Börse wichtiger seien, als manches Andere. Vor allem sollen wir uns solidarisieren, Mitgefühl entwickeln für die darbenden Spekulanten, für die enormen Verluste von Zockern, die Wertverluste vieler als Global Player agierender Konzerne.
Wir schauen hin und verstehen das Meiste eh nicht, weil wir in dieser fremden und brutalen Finanzwelt nicht zu Hause sind. Unsere Politiker sind vollkommen machtlos, sie schwadronieren mal in diese, mal in jene Richtung, was aber fehlt ist exakt eben überhaupt eine Richtung. Die Erkenntnis wäre sicher schon mal ein wichtiger erster Schritt, dass nämlich die Politik schon lange nichts mehr zu entscheiden hat (weder national noch international) wenn es um Geld und Wirtschaft geht. Das Kapital ist ein gieriger und skrupelloser Moloch, der letztlich sogar bereit ist, alles in den Untergang zu ziehen, sogar sich selbst.

"Gods own country", die USA, sind Beginn und Paradebeispiel einer elenden sozialen Spaltung, der immer schneller und weiter aufklaffenden Schere zwischen Arm und Reich. Die Banken drehten fast jedem riesige Kredite für Immobilien an, ohne Rücksicht darauf, ob die Schuldner auch ihre Raten werden zurückzahlen können. Opfer sind die Angehörigen einer fast nicht mehr vorhandenen Mittelschicht und vor allem natürlich der Unterschicht und der dort mehrheitlich vertretenen schwarzen Amerikaner.
Barack Obama, einst als der Retter aus dem von Bush und Konsorten angerichteten Elend mit großen Erwartungen Überhäufte, er entpuppt sich immer mehr als eine machtlose Figur, die von Erzkonservativen Fanatikern und Inhabern von Macht und Geld hin und her gehetzt wird. Keine Steuererhöhungen für die Wohlhabenden, dafür massive Kürzungen bei den untersten Schichten, das ist die Zündschnur für möglicherweise zu erwartende soziale Unruhen. Es fehlt nur noch eine charismatische Figur, die den kleinen Leuten ihre Hoffnungslosigkeit erklärt und entsprechende Aktionen anzettelt.

Was derzeit in Großbritannien vor sich geht ist ein Auswuchs solcher brutaler Politik auf Kosten der Mehrheit für eine besitzende Minderheit. Kein Mensch will die brutalen Gewaltorgien wohl überwiegend junger und migrierter Menschen gutheißen. Aber es genügt eben auch nicht, sich vor die Mikrophone zu stellen und mit juristischer Verfolgung zu drohen. An erster Stelle müsste die Frage stehen, was die Ursachen für diese Exzesse sind. Aber sie sind andererseits natürlich schon lange bekannt. Kürzungen in allen sozialen Bereichen kann man als Politiker schnell beschließen, man muss sich dann aber auch nicht wundern, wenn es der Mehrheit der Bevölkerung nicht gefällt. Die Minderheit etwas weiter oben auf der gesellschaftlichen Leiter weiß sehr gut, wie man Maßnahmen zu ihren Ungunsten verhindert.

In Israel bahnt sich Ähnliches an. Immer mehr Menschen marschieren protestierend durch die Hauptstadt, campieren in Zeltlagern und machen ihrem Unmut über die politischen Verhältnisse Luft. Die Ursachen? Eine politische und wirtschaftliche Clique hat die Macht fest in der Hand und sorgt dafür, dass Andere dafür bezahlen. Hoffentlich bleibt es dabei friedlich.

In Frankreich gibt es sog. "Banlieues", Vorstädte mit überwiegend verarmter und migrierter Bevölkerung. Ähnlich wie in Großbritannien fehlt es den überwiegend jungen Leuten an Bildung, an Arbeitsplätzen, an Zukunft. Und ab und an stehen sie in ihrer Verzweiflung auf und zerstören in blinder Wut alles, was ihnen verwehrt bleibt. Und bei Straßburg gibt es ein Lager der alleruntersten Schichten, die ihre Kinder auf Diebestouren schicken. Die Polizei traut sich kaum noch, diese Örtlichkeit überhaupt zu betreten.

Die Politik überall auf der Welt hat längst kapituliert. Bestimmte Bevölkerungsgruppen haben Einfluss und Geld genug, die Welt nach ihren Maßstäben zu manipulieren und sich selbst in gutbewachten und umzäunten Vierteln dem Genuss von Privilegien hinzugeben.

Dabei brechen die Gesellschaften allmählich auseinander. Und es ist niemand in Sicht, der dieser Entwicklung Einhalt gebieten könnte.

Das ist arg: Wenn Menschen solche Gedanken nicht mehr publizieren. Oder besser gesagt: dürfen???

Untergrombacher?

Na, also mal ehrlich: Das muss heißen OBER- und. nicht UNTERgrombach..

Trotzdem Dank für die Erwähnung. Und das oben soll ein Scherz sein...

Dürfen schon...

Das will ich nur mal deutlich sagen:  ich habe freiwillig mit Bruchsal-Neu aufgehört. Kein Mensch hat mich wegen dieser Homepage angemacht. 

Es ist aus meiner ganz persönlichen Sicht einfach auf Dauer unbefriedigend, wenn man immer wieder Kommentare schreibt, sich ärgert, sich den Frust von der Seele schreibt - und dann täglich aufs Neue feststellen muss, dass gewisse gesellschaftlichen Schichten und Gruppen ungehindert weiter so tun, als ob sie unschuldig seien.

Nicht dass ich mich für enorm wichtig halte, wirklich nicht. Aber irgendwie wird es nach Jahren langweilig, nur alle Finger auf bestimmte Wunden zu lagen. Und das wars dann?

Danke für die zahlreichen Mails und Sympathiebekundungen. Das hat mich dann doch andererseits sehr gefreut.

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