Saufen bis der Arzt kommt

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ZEIT-Artikel beleuchtet Dimensionen und Auswirkungen des Alkoholkonsums
Montag, 12. Mai 2014 - 20:46

Highlights des lesenswerten Artikels auf ZEIT ONLINE nach den Daten der WHO:

  • Alle zehn Sekunden stirbt ein Mensch durch Alkohol...
  • 3,3 Millionen Menschen starben 2012 weltweit an den Folgen von Wein-, Bier- und Schnapskonsum...
  • Alkohol ist einer der gefährlichsten Stoffe, die es gibt...
  • 5,1 Prozent der weltweiten Krankheitslast und körperlichen Beeinträchtigungen hängen mit Alkoholkonsum zusammen...
  • Deutsche trinken besonders viel...
  • Schnitt für die Bevölkerung ab 15 Jahren in ganz Europa bei 10,9 Litern jährlich...
  • Im Jahr 2012 konsumierte demnach jeder Deutsche mindestens 9,5 Liter reinen Alkohol...
  • Knapp 1,8 Millionen Menschen in Deutschland sind alkoholabhängig...
  • Komasaufen seit Jahren ein Problem...

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Kommentare

Etwas mehr als ein Drittel

Etwas mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung trinkt (38,3 Prozent). Im Schnitt konsumiert jeder davon 17 Liter reinen Alkohol pro Jahr. Jeder Deutsche ab Alter 15 Jahre kommt auf 9,5 Liter reinen Alkohol pro Jahr.

Was sagt uns das? Diese Zahlen sind Mittelwerte und sagen über die Problematik gar nichts aus.

9,5 l reiner Alkohol wären ca. 95 l Wein ergibt etwa täglich ein Viertele zum Mittagessen oder zum Feierabend. Oder 2 kleine Bier am Tag (je 0,3 l).

Ehrlich gesagt, das war in Weinbaugebieten schon vor Jahrhunderten mehr als ein Viertele und in Bayern, wo Bier noch als Nahrungsmittel gilt, war früher eine Halbe zum Frühstück und zum Mittagessen und zur Brotzeit und zum Feierabend ganz normal.

Also sind die Mttelwerte nur wichtig für Statistiker, sie sagen kaum etwas aus.

Was in dem Arttikel völlig fehlt, sind die möglichen Gegenmaßnahmen. Was soll es denn sein? Prohibition? Überwachung der perönlichen Trinkgewohnheiten? Aufklärung? Stilllegung von Weinanbauflächen? Stilllegung von Brauereien? Erhöhung der Alkoholsteuern? Verbot von Alkoholausschank bei Straßenfesten? Verkaufsverbot von alkoholischen Getränken in Supermärkten und Tankstellen? Betrafung der Eltern, die ihre Kinder zum Trinken animieren? Freigabe der anderen Suchmittel?

Vorbild für seine Kinder zu sein, das würde vielleicht nützen. Aber wie soll das funktionieren, es sind doch die Erwachsenen, die bei jeder Gelegenheit trinken. Und wenn sich keine Gelegenheit bietet, wird eine gesucht. Was soll mit dem erzeugten Alkohol denn sonst geschehen?

Auch der zunehmende Druck im Beruf erhöht die Anfälligkeit, zum Beruhigungsmittel Alkohol zu greifen. Müssen wir als unsere Gesellschaft umkrempeln?

Sicherlich, es gibt gesundheitliche Risiken und Auswirkungen, die die Gemeinschaft zu tragen hat. Aber gilt das nicht auch für den Straßenverkehr? Für resistente Keime in Krankenhäusern? Für Funsportarten usw.?

Ich meine, laßt uns einfach in Ruhe mit solchen Erhebungen und kommt erst dann damit, wenn ihr für das Problem eine Lösung parat habt. Keiner, der zuviel trinkt, wird das öffentlich zugeben und für sich selbst findet er immer eine Enschuldigung.

Bei Rauchern ist dies übrigens anders. Die zeigen mit vollen Aschern ihren Konsum und prahlen eher damit, wie viele Schachteln sie verqualmen. Deshalb sind sie für Kampagnen eher erreichbar. Und das Rauchverbot in Gaststätten und öffentlichen Einrichtungen hat scheinbar viel gebracht.

Berauschung

Da sind wir uns mal wieder völlig einig Filou. Ergänzen möcht ich: Zu allen Zeiten tat man es und in allen Kulturen..., man hat sich mehr oder weniger häufig berauscht.

Das Opium-Pfeifchen ist bei der Hmong-Oma so normal wie bei uns das Glas Wein, das Gift aus den Fliegenpilzen war den Kelten für einen Rausch genauso recht wie uns heute der Alkohol, um mal eine Weile den (besch!ssenen? arbeitsreichen?) Alltag zu vergessen.

Mich ärgert diese Doppelmoral, mal abgesehen davon, dass ein Quantum Alkohol am Tag ganz gesund sein soll.

Da hat man - vornehmlich in den 60ern und 70ern -  das Saufen und Rauchen hoffähig gemacht und heute bist du ein pöser Pupe, wenn du mehr als ein Gläschen Bier am Tag trinkst oder rauchst.

Richtige Hexenjagden werden veranstaltet, aber wenn Fasching ist, ist sogar exzessives Saufen entschuldbar. Das obligatorische "Verdauungsschnäpschen" ist doch salonfähig, da man aber "auf einem Bein nicht stehen" kann, kippt man ein zweites hintendrein.

Ich halte die Flucht vor dem Alltag als Ventil für so wichtig und legitim wie unsere Träume im Schlaf, die ja angeblich auch Ventile sind. Deshalb ist der erhobene Zeigefinger, gerade bei Alkohol, keinesfalls angebracht. Wichtig wäre nur, dafür Sorge zu tragen, dass keine Abhängigkeiten mit all ihren Folgen eintreten.

Das ist aber nicht zuletzt ein gesellschaftliches Problem. Wer sich im Diesseits gut aufgehoben fühlt, sucht nicht das Jenseits.

Amen :-)

Weitersaufen

Folgt man meinen Vorrednern, dann ist die Welt ja in bester Ordnung. Halleluja und alle Mann weitersaufen!

@Gast

Ja, Filou hat es Ihnen vorgerechnet:

Wir geben uns statistisch mit 1 Viertele jeden Tag hemmungslos die Kante.

Mit den durchschnittlich zwei Goschen voll Bier hab ich mich bis zur Besinnungslosigkeit volllaufen lassen und bin jetzt total abhängig.

Um mir meinen Alk leisten zu können, muss ich Omas die Handtaschen rauben.

Nun ja...

Irgendwer säuft definitiv meine Viertele jeden Tag mit... und das Viertele von vielen vielen Anderen...

Angesichts der Tatsache

dass in der Bruchsaler Innenstadt täglich zahlreiche Luftpumpen und Badkappen unterwegs sind, ist es schon bezeichnend, dass hier der Überhand nehmende Alkoholkonsum verharmlost werden soll....

Anderer Leute Viertele..

..finden sich in Kl0sterfrau Melissenspuk, den man schon auch mal äußerlich anwendet, in Vick MediNa!t, in Hustensäften (bis zu 68% Alk!) oder der Rumverschnitt wird in den Tee oder den Tortenbelag geschüttet.

Klar, das braucht man normalerweise nur in kleinen Mengen, aber in der Gesamtheit verfälscht das eben die Statistik.

Eine Unterscheidung, wie der Alkohol beim Endverbraucher zur Anwendung kommt, kann ich der Statistik übrigens ohnehin nicht entnehmen.

Wir verbrennen vergälltes Äthanol z.B. literweise in einem "Zimmerkamin".

Weitersaufen?

Lieber Gast, herzlichen Dank für den informativen Beitrag. Leider fehlen Ihre Vorschläge zur Veränderng des Zustands.

So ist es eben

werter Michael Nichtern. Wer Statistik anführt, der muß mit Statistik leben. Und da bekommen Sie Ihre Viertele und Ihre Bierchen eben ab.

Und die vielen, vielen Anderen? 96% der Deutschen, die beim Global Drug Survey mitgemacht haben, tranken im Jahr vor der Umfrage Alkohol. Also nur 4% der Befragten tranken gar keinen Alkohol.
Möglicherweise waren dies die trockenen Alkoholiker?
Die Zurücknahme des zulässigen Blutalkoholgehalts für das Autofahren von ehemals 1,3 Promille aun 0,5 (0,3) Promille hat übrigens dazu geführt, dass beim und zum Essen (auswärts) weniger Alkohol konsumiert wird.

Die Anderen:
12%    mindestens 4x die Woche
34%    3x bis 4x die Woche
54%    4x im Monat oder seltener.

Die Angabe, wie exzessiv dieses Trinken jeweils ist, steht in dem Artikel nicht. Das Alkoholangebot in Bierverlagen, Getränkehandlungen, Supermärkten, Discountern und Tankstellen zeigt deutlich, dass der Bedarf besteht und dass daran Geld zu verdienen ist.

Der Staat trägt ein übriges dazu bei, indem er auf den Alkohol im Wein keine Steuern erhebt, damit der Anbau nicht reduziert und der Ertrag nicht geschmälert wird. Und um die Bier- und Weintrinker nicht zu verprellen, werden die Getränke aus der ganzen Welt und in die ganze Welt im- und exportiert.

Gesundheitliche und gesellschaftliche Folgen spielen dabei überhaupt keine Rolle, es geht nur ums Geschäft. Gerne lasse ich mich davon überzeugen, dass es "ganz anders" ist.

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