Saalbach

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Lebensader einer Region, Teil III
Sonntag, 5. Juni 2011 - 19:35

Siegfried Schlegel

Siegfried Schlegel

Teil III des Vortrags von Siegfried Schlegel:

 

Wenn man über die Saalbachregion spricht, so muß man feststellen, dass alle geschichtlich bekannten Kriegs- und Raubzüge über die alte Straße des Reiches, die entlang der Saalbach verläuft, also bis nach Württemberg, durchgeführt wurden.

Nochmals kurz zur Vernichtung Bruchsals in der Folge des Orléanschen Erbfolgekrieges. Wie im letzten Teil erwähnt,  wurde Bruchsal 6 Stunden lang beschossen, und dann war eigentlich nichts mehr da. Das, was noch da war, wurde niedergebrannt und das gesamte Hinterland  verwüstet. Das war noch eine andere Art der Kriegsführung als heute, wo man sich, siehe Lybien, wegen Kollateralschäden nicht einmal getraut, die Rebellen richtig zu unterstützen. Die Sache dort könnte schon längst beendet sein, aber der Ärger in der arabischen Welt wäre groß, und den will man nicht auch noch auf sich ziehen. Nach diesem Exkurs wieder zu Bruchsal: Ab 1697 bis 1734 begann der zaghafte Wiederaufbau der Stadt unter dem Schutz der kaiserlichen Reichsarmee. Als sich der 77. Speyerer Fürstbischof und 3. Bischof nach Sötern, Damain Hugo von Schönborn, um 1720 entschloß, seine Residenz nach Bruchsal zu verlegen, ging es mit Bruchsal langsam wieder aufwärts. Die folgenden Jahre waren von einer starken Bautätigkeit geprägt. Doch unverhofft kamen im Jahre 1734 die Franzosen wieder über den Rhein und belagerten die Festung Phillippsburg. Diese Belagerung war die schlimmste, die jemals hier in der Gegend stattgefunden hat und Phillippsburg wurde schließlich eingenommen. Im Frieden von Wien mußten die Franzosen allerdings die Festung wieder zurückgeben.

Von Schönborn tat also gut daran, dass er nicht wie Sötern nach Phillippsburg ging, sondern sich Bruchsal aussuchte, das damal zerstört war. Vielleicht war es auch die kaiserliche Garnision in der Huttenstraße (20a und 20b), die ihn dazu bewog, vielleicht aber auch die strategisch wichtige Lage Bruchsals an der alten Reichsstraße, dem sogenannten Postweg von Innsbruck nach Brüssel.

 

Huttenstraße

Alte Garnision in der Huttenstraße

Zur damaligen Zeit gab es weit und breit nur den Rheinübergang per Fähre bei Rheinhausen, diesen Weg nahmen alle Kaiser, wenn sie ihre Besitztümer rechts des Rheins aufsuchten. Die erste Station nach dem Rheinübergang war Waghäusel, dessen Name sich von “Häuschen am Wagbach” ableitet. Einem Mönch soll dort um 1470 die Jungfrau Maria erschienen sein, worauf er sich dort niederließ. Einige Jahre später baute der Bischof von Speyer dort eine Kapelle. Schon 1616 kamen die ersten Kapuziner, welche nach dem 30jährigen Krieg zu Ehren der Jungfrau Maria ein Kloster gründen durften.

 

Kloster Waghäusel

Kloster Waghäusel

Nach der Säkularisation 1805 mußte das Kloster aufgegeben werden und rottete langsam vor sich hin. Erst 1820 wurde es wieder eröffnet und brannte dann aber noch im selben Jahr ab, wurde  aber gleich wieder aufgebaut. Seit 1999 wird es von den "Brüdern vom gemeinsamen Leben" betreut und verwaltet. Es ist ein gewisser “Klosterbetrieb” da, aber nicht vergleichbar mit früheren Zeiten. Was den Wagbach betrifft, so gibt es die Schwierigkeit, dessen Wasserzufluß zu finden und es erhebt sich die Frage, wo der Bach beginnt. Auf alten Karten floß er bei Karlsdorf los über Wiesental Richtung Waghäusel.

 

Bäche

Bachsystem

(1 = Saalbach, 47,21 = Wagbach, zweigt im "Ochsenstall" vom Saalbach ab, wird durch Gräben weiter gespeist)

 

In mittelalterlicher Zeit war der Wagbach ein stark wasserführender Nebenfluß der Saalbach, damals vorderer Bach genannt, der Wagbach war der hintere Bach. Er floß  über das Gewerbegebiet Ochsenstall Richtung Hambrücken - Wiesental -Waghäusel. Der Wagbach war deshalb so wasserreich, weil er verschiedene Zuflüsse hatte, kleine Bäche, Gräben, Quellwasser, Oberflächenwasser und er uferte auch immer wieder aus. Zwischen 1817 und 1823 wurde eine Wagbachkorretur vorgenommen, die auch zum Erfolg führte. Der Bach wurde zum Schutz der Bauern kanalisiert, denn die jährlichen Überschwemmungen schadeten nicht nur den neu angesiedelten Karlsdörfern, sondern auch Hambrücken und Wiesental. Bemerkenswert ist, dass schon im Jahre 75 nach Christi beim heutigen Hotel Wagbachhof am Ufer des Wagbachs ein römisches Erdkastell gebaut wurde, die Grabungsstätte ist in der nähe des Globus.

 

Kastell

Römisches Erdkastell

Aber auch Fürstbischof von Schönborn baute am Wagbach, nahe des Kapuzinerklosters, eine Eremitage, also eigentlich eine Einsiedelei. Diese war aber ein repräsentatives, für Besuche gedachtes Schloß mit 4 Kavaliersflügeln.

 

Eremitage

Eremitage Waghäusel

Hier trafen sich Jagdgesellschaften bei guter Unterhaltung und feinem Essen und betrachteten im Observatorium dann den Sternhimmel. Die Eremitage hatte eine eigenständige Verwaltung mit Kraut- und Obstgarten, Fuhrpark, ein Gestüt, ein Fischweiher, gespeist mit Wagbachwasser, eine Scheuer, eine Poststelle der Thurn und Taxis - und das zu einer Zeit, wo es den Bauern, gelinde gesagt, dreckig ging. Der Adel jedoch erbaute sich überall, wo es nur ging, solche kleinen Lustschlößchen, um das Leben in vollen Zügen zu genießen. Der Wasserstand des Wagbach hing natürlich auch immer vom Saalbach ab, und er schwankte beträchtlich, von großen Überschwemmungen bis Niedrigwasser, so dass die Fischweiher in der Eremitage zu leiden hatten, das Wasser wurde zu warm, es war nicht genügend Zufluß da usw. Wenn der Rhein Hochwasser führte, gab es Rückstau, und wenn es Unwetter gab, stand gleich die ganze Gegend unter Wasser, die Bevölkerung hatte genug zu tun, um die Bäche sauber und am Fließen zu halten, das war eine ganzjährige Arbeit. Im Laufe der letzten 200 Jahre ist so alles verlandet und versottet und man konnte gar nicht mehr feststellen, wo der Abfluß des Wagbach war (s. Karte oben). Heute gibt es noch Überreste im Gebiet Ochssenstall in Karlsdorf, da, wo heute der riesige Baggersee ist, waren die Zuflüsse des Wagbachs. Die Grundwasserführenden Schichten führen ihr Wasser jetzt in den Baggersee ab. Weiter nördlich versucht man eine Renaturierung des alten Bachlaufs durch Ableitung von Saalbachwasser, was sehr gut gelungen ist.

 

Renaturierung

Renaturierung alter Wagbach


Renaturierung Wagbach bei Hambrücken

Renaturierung Wagbach bei Hambrücken

Hambrücken und Wiesental bekommen jetzt auch wieder Wasser. Unter der ehemaligen Zuckerfabrik wird der Wagbach in Rohren geführt und fließt dann jenseits in ein Naturschutzgebiet, die sog. Wagbachauen (ca. 225 ha groß). In dieses Gebiet wurde jahrelang der Schlamm der gewaschenen Zuckerrüben abgelagert, dementsprechend fruchtbar ist dieses Gegend, es sprießt alles und ist das ideale Brutgebiet für viele Vogelarten. Die heutige B-36 führt daran vorbei. Diese Trasse wurde schon vom römischen Kaiser Vespasian um 50 vor Christus angelegt. Von dort gelangte man zu den Kastellen wie z.B. dem Wagbachkastell (vgl. Bild oben) und von da nach Stettfeld, wo die Römer Ziegeleien angelegt hatten. Um entlang der Saalbach nach Bruchsal zu gelangen, mußte man bei Graben und dem Marktflecken Altenbürg abbiegen (Fortsetzung folgt). Nachfolgend ein kleines Video über den heutigen Saalbach bei Karlsdorf. Wenn man da so entlang spaziert, kann man sich gut vorstellen, wie es damals ausgesehen hat:

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