Saalbach

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Lebensader einer Region, Teil II
Freitag, 29. April 2011 - 0:35

Siegfried Schlegel

Siegfried Schlegel

In der Fortsetzung seines Vortrags "Saalbach, Lebensader einer Region",

Saalbach

Saalbach, Lebensader einer Region

geht Siegfried Schlegel auf die Zeit der Besetzung der Festung Phillippsburg durch die Franzosen im 17. Jahrhundert und die Auswirkungen auf die Region ein:

Der Fürstbischof Phillippp Christoph von Sötern lebte mit seinen Nachbarstaaten, der Kurpfalz, Württemberg und mit dem Haus Baden in ständiger Feindschaft. Da sich Speyer damals den Protestanten angeschlossen hatte, baute Sötern Phillippsburg zu einer Festung aus. Er begann 1614 und ließ die zwei Stadtteile ummauern und die “Alte Bach”, heute der Saalbach, floß wie gehabt mitten hindurch, und man darf nicht vergessen, von Süden kam die Pfinz noch hinzu.

Phillippsburg

Erste Ausbaustufe


Die Bautätigkeit an der Festung dauerte Jahrhunderte, immer wieder wurde ergänzt, erweitert. Sötern hatte kaum mit dem Ausbau begonnen, die Festung war gerade fertig geworden, so zogen die Pfälzer und Speyerer mit 4000 Mann herbei und machten sie wieder nieder. Aber Sötern setzte die Festung sofort notdürftig wieder instand und unternahm im Jahre 1621 einen Marsch nach Bruchsal, um seine Untertanen zu züchtigen, denn die Bruchsaler haben sich dem Söldnerheer des Ernst von Mansfeld ergeben (es herrschte 30jähriger Krieg) anstatt Widerstand zu leisten. Sötern entzog den Bruchsalern die Stadtrechte, die sie aber später wieder bekommen haben. Im Jahre 1623 wurde die Festung in Udenheim nun fertig und Sötern taufte sie nach sich selbst und nannte sie von nun an Phillippsburg. Zum Bau der Festung mußte natürlich alles Material, das es in Phillippsburg nicht gab, dorthin transportiert werden, Steine, Holz, Ziegel usw. Das war auf den Pferdefuhrwerken sehr mühsam, denn die Wege führten vom Kraichgau bzw. Bruchsal aus durch morastiges und sumpfiges Gelände, so dass die Fuhrwerke immer wieder einsanken, und darüberhinaus mußten die Fuhrleute noch Wegzoll bezahlen. So machte man sich den Saalbach als Wasserweg und Handelsstraße nutzbar. Man legte Treidelpfade an, veranlaßte, dass der Böschungswinkel sehr steil war, ca. 50 Grad, und das alles mußte natürlich von den anwohnenden Bauern in Frohndarbeit instand gehalten werden. Dadurch, dass man die Böschungswinkel immer korrekt hielt, ständig den Bachboden vom Laub usw. freigekratzt hat, bekam der ansonsten träge dahinfließende Saabach eine ordentliche Fließgeschwindigkeit und einen ordentlichen Schub, was vor allen Dingen den Flößern zugute kam. Bedingt durch die vielen Mühlen am Saalbach mußte aber die Flößerei auf bestimmte Jahreszeiten beschränkt werden, um die Mühlenwirtschaft nicht zu beeinträchtigen oder anzuhalten. So mußten die Flößer den Müllern eine Entschädigung zahlen, wenn ein Floß durch den Mühlenbereich geflößt wurde, denn die Mühle mußte solange angehalten werden. In den nachfolgenden Jahrzehnten war die Festung der Mittelpunkt des Hochstifts und Bistums Speyer und der Region Oberrhein. 1632 engagierte Sötern die Franzosen als Schutzmacht und übergab ihnen seine Festungen Phillippsburg und Ehrenbreitstein (Koblenz) im Glauben, er stehe nun unter dem Schutz der Franzosen. Das war ein Irrtum, denn die taten das, was sie schon immer wollten, und setzten sich am Rhein fest. Sie errichteten Brückenköpfe und bauten sofort aus, was auszubauen war.
Phillippsburg

Weitere Ausbaustufe


Die Leidtragenden waren natürlich wie immer das Volk, die Bauern, die die Hauptlast zu tragen hatten. Die Franzosen zogen sich wieder zurück, kamen aber im Jahre 1644 wieder und eroberten Philippsburg. Im  Westfälischen Frieden 1648 wurde die Festung Phillippsburg den Franzosen zugesprochen. Dadurch wurde der Saalbach als Wasserstraße noch mehr aufgewertet, denn die Festung wurde noch mehr ausgebaut, Vorwerke hingebaut, eine riesenhafte Anlage entstand. Über 32 Jahre haben die Franzosen an der Anlage herumgebaut.
Phillippsburg

Engültiger Ausbau

Das Material wurde über den Saalbach herangeschafft. Man bediente sich dazu der heute noch gebräuchlichen Rheinnachen, ca. 8 m lang und 1.5 m breit.

Nachen

Nachen

 

Die Anlegestelle in Bruchsal war vermutlich an der Ecke Durlacher/Neuthorstraße.

Anlegestelle

Anlegestelle


Die Steine wurden in der sog. “Franzosensteinsgrube” gebrochen, direkt oberhalb der vermuteten Anlegestelle, heute am Roman-Heiligenthal-Weg, wo früher das alte Wasserwerk stand.

 

Altes Wasserwerk

Altes Wasserwerk


Die Franzosen terrorisierten das gesamte Umland. In den 32 Jahren der französischen Besetzung wurde allein Bruchsal 4 mal geplündert und gebrandschatzt.  Der erste Überfall erfolgte im Jahre 1645, im zweiten Überfall 1652 wurde Bruchsal geplündert, im dritten Überfall 1674 teilweise zerstört und beim vierten Überfall durch die Phillippsburger Garnision im Jahre 1676 wurde Bruchsal dem Erdboden gleichgemacht, es blieben nur stehen das Kapuzinerkloster (heute Altenzentrum), der Hoheneggerhof, Teile der Stadtkirche und 36 Häuser.

Die Bürger wurden zu Schanzarbeiten gezwungen, die Bauern mußten Palisadenholz fällen und es wurden jede Menge Steine gebraucht. Die Franzosen schleppten die Sautröge der Bauern davon, Grabsteine von den Friedhöfen, Steine zerstörter Häuser,  es gab nichts, was nicht gebraucht wurde (wenn man von der “Erbfeindschaft” zwischen Franzosen und Deutschen spricht, so muß man sagen, dass die Franzosen es waren, die als europäische Großmacht über Jahrhunderte hinweg immer wieder in Deutschland einfielen, was erst ein Ende nahm mit dem Sturz Napoleons, d. Verf.). Im gleichen Jahr noch, 1676, belagerte und eroberte der “Türkenlouis”, der Markgraf Wilhelm von Baden, mit 40.000 Mann die Festung Phillippsburg und machte nach 32 Jahren der Besatzung durch die Franzosen ein Ende. Bruchsal wurde aber nochmals total zerstört von den Franzosen im Jahre 1689 in Folge des Orléanschen Erbfolgekrieges unter dem “Sonnenkönig” Ludwig XIV. Dessen General Mélac zerstörte das gesamte Bistum Speyer, Bruchsal und das Hinterland saalbachaufwärts bis an die Grenze zu Württemberg. Unter anderem wurde auch das Heidelberger Schloß zerstört, Mannheim, Worms, Speyer, Staffort, Durlach, Pforzheim und Hirsau, teils mehrmals, und das alles nur, weil Ludwig der Vierzehnte Anspruch auf die Kurpfalz erhob, da die Schwester des verstorbenen Kurfürsten der Kurpfalz, “Liselotte von der Pfalz”, mit dem Bruder des Sonnenkönigs, dem Herzog von Orléans, verheiratet war! So löste man damals innerfamiliäre Streitigkeiten. In Bruchsal blieben nur noch ca. 30 Familien übrig. Fast alle noch heute bekannten alten Bruchsaler Namen stammen aus Zuzügen nach dieser Zeit. 1697 endete der Krieg mit dem Ergebnis, dass Frankreich auf die Pfalz verzichtete. Fortsetzung folgt.

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