Restaurant Bergfried: Die Stellungnahme des Geschäftsführers

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Nachfolgend die Stellungnahme des Geschäftsführers der Bergfried Gaststätten-Betriebs GmbH und der BMV Gaststätten-Betriebs GmbH, Herrn Hammou El Joundi, zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens über diese beiden GmbHs:
Montag, 30. August 2010 - 0:27

Bergfried - Insolvenz

Viel wurde in den vergangenen Tagen über das Restaurant Bergfried und den gestellten Insolvenzantrag in den Medien geschrieben. Nun möchte ich als Pächter des Restaurants ebenfalls eine Stellungsnahme abgeben.

Wir sind vor zwei Jahren mit großem Engagement angetreten, um das Restaurant Bergfried wieder mit Leben zu erfüllen und es über die Grenzen der Stadt zu einer der ersten Adressen werden zu lassen.

Wirft man einen Blick in die überaus positiven Rückmeldungen renomierter Firmen wie Rechtsanwaltskammer Karlsruhe, Deutsche Bank, Volksbank Bruchsal-Bretten, Sparkasse Kraichgau, IG Metall, SEW-Eurodrive, Sulzer Pumpen, Allianz, Bad. Schachverband und vielen andere, die von uns im Restaurant beziehungsweise bei Großveranstaltungen im Bürgerzentrum bewirtet wurden, so ist uns dies durchweg auch gelungen!

Im Laufe der zwei Jahre reduzierte sich jedoch die uns vom Verpächter BTMV zugesagte Belegung der Säle - und damit reduzierten sich zwangsläufig auch die einkalkulierten Einnahmen.

Andererseits verursachte die auf Großgastronomie ausgelegte Küche erhebliche Kosten, machte sie doch einen großen Personalaufwand notwendig. Von dem immens hohen Energiekosten der veralteten Geräte ganz zu schweigen. Dass diese Großküche für das Restaurant viel zu hohe Kosten verschlingt und somit ein wirtschaftliches, gewinnbringendes Arbeiten gar nicht möglich macht, sollte dem Verpächter eigentlich schon lange bewusst sein. Und so stellt sich die Frage, ob dieses Wissen um die Unwirtschaftlichkeit einfach keine Rolle gespielt hat, weil das Restaurant ja die vergangenen Jahre in städtischer Hand war.

Nicht korrekt ist, dass es keine Signale seitens der Pächter gäbe. Einerseits haben wir in der Vergangenheit mehrfach darauf hingewiesen, dass wirtschaftliches Arbeiten nur mit zwei getrennten Küchen - Restaurant und Bürgerzentrum - machbar ist. Anderseits wurden BTMV und die Sparkasse Kraichgau über unseren Steuerberater frühzeitig über die angespannte Situation informiert. Erst nachdem von beiden Seiten keinerlei Resonanz kam, sahen wir uns gezwungen, den Insolvenzantrag zu stellen.

Betonen möchten wir an dieser Stelle, dass wir einen Großteil unserer fest angestellten Mitarbeiter und Auszubildenden in die Grombacher Stuben nach Obergrombach übernehmen werden, um ihre berufliche Zukunft zu sichern.

Gutscheine für das Restaurant Bergfried können bis 31. Dezember dieses Jahres in den Grombacher Stuben eingelöst werden.

Dass es nun soweit gekommen ist, tut uns sehr leid. Zumal nicht nur städtische Gelder in das Restaurant inverstiert wurden. Auch wir selbst haben privates Vermögen und private Sicherheiten in das Restaurant Bergfried investiert!

Mit kulinarischen Grüßen
Hammou El Joundi

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.6 (17 Bewertungen)

Kommentare

Insolvenz der Bergfried- Gastronomie Gmbh

Ich selbst als ehemaliger Mitarbeiter und Küchenchef, (Austritt bereits Apr.2010)
kann mich der Meinung meines ehemaligem Arbeitgeber nur anschließen .Wir waren von Eröffnung an im Nov 2010 mit großem Engagement dabei die Bergfried Gaststätte zu einem der besten Häusern der Stadt zu führen. Damals hatte ich persönlich die Geschäftsführung der Btmv und der Bergfried _gast. GmbH darauf aufmerksam gemacht ,dass die Küche in diesem Zustand unwirtschaftlich und nur unter hohem Personal .und Kosten Aufwand zu betreiben ist. Ich persönlich würde jedem Nachpächter davon abraten diese Gaststätte (bzw mit dieser veralteten Küche) zu pachten. Es sei denn ein Familienunternehmen findet sich wobei sich das Speiseangebot auf Schnitzel ,Pommes und anderen Friteusengerichten beschränkt.

Ich möchte nochmals meinem ehemaligem Chef Hammou großen Respekt aussprechen ,dass er es überhaupt so lange ausgehalten hat. Uns wurde es auch von Anfang an nicht gerade leicht gemacht: Nur ein Beispiel ist daß wir Veranstaltungen(im Saal) annehmen mußten die sich finanziell nicht getragen haben. .Dies war nur ein Beispiel ..ich könnte bestimmt noch 10 weitere aufzählen .

Sorry Hammou
Gruß Thomas

Ist die BTMV im Plan-Soll?

Es überrascht mich, dass angesichts der 600 Veranstaltungen, die im BÜZ laut BTMV p.a. stattfinden (webseite BTMV 30.8.2010: "Seit über 20 Jahren prägt das Bürgerzentrum mit über 600 Veranstaltungen pro Jahr das kulturelle wie wirtschaftliche Leben in Bruchsal und der Region. Von Bruchsalern liebevoll Büz genannt, bietet es ideale Voraussetzungen für Kongresse, Seminare, Präsentationen, Ausstellungen und Kulturevents."), der Veranstaltungsort nicht aus allen Nähten platzt und überhaupt Auslastungprobleme etc. zu bestehen scheinen. Andererseits wundert mich, dass angesichts dieser Veranstaltungszahlen nur für 50 geplante Ereignisse im BÜZ eine Übergangslösung mit Catering/Pausenbewirtung gesucht werden muss. Sind die Wirtschaftsdaten der BTMV selbst für den Bürger einsehbar bzw. wie hat sich denn die BTMV in den letzten 2-3 Jahren entwickelt? Wurden die Soll-Ziele erreicht? Vielleicht weiss hier jemand darüber Bescheid bzw. vielleicht kann Herr Schmitt Auskunft geben, ob sich Frau Kling (BMTV Chefin) dazu auf der PK geäussert hat?

Veranstaltungen im Büz

Sicherlich finden ca 600 Veranstaltungen statt, doch stellt sich die Frage ob dise sich mit hohem Personal und Nebenkosten sich für die Gastro wirtschaftlich rechnen .Zb Pausenthekeverkauf Brezel für 1€ . Belegte Brötchen 2.50€ Wenn man 1000 davon verkauft, sicherlich ..... .Klar waren auch einige Veranstaltungen dabei mit Bankettbewirtung die sich für die Gastro gerechnet haben,aber leider zu wenig. Wir hatten bei den meisten draufgelegt . Ich sag nur 50% Personalkosten.... und ich selbst hatte auch Einblick in die Zahlen.

Jeder klar denkende Geschäftsmann stösst spätestens nach 2 jahren ein Geschäft ab welches sich finanz. nicht rechnet.

Meiner Meinung nach sollte die Btmv es doch mal in Eigenregie führen sei es nur für ein Jahr..................... und dann nach Abschluß nur für Gastronomie einen Wirtschaftsplan darlegen. Ich sag dann nur viel spaß mit roten zahlen..........

Missliche Situation

Sie sind als Insider sicherlich besser informiert als ich. Dennoch frage ich mich, da laut bruchsal.org Herr Hockenberger sagte: "Kurzfristig müsse gewährleistet werden, dass alle bereits gebuchten ca. 50 Veranstaltungen durchgeführt werden können. Dies sei gewährleistet." Heisst dies, dass Veranstaltungen i.d.R. nur sehr kurzfristig gebucht werden, denn die Zahl entspricht ja einer Monatsdurchschnittsauslastung.

Ebenso wäre interessant zu wissen, ob man mit dem vor Monaten erfolgten Rabatt für Vereine seitens der BTMV die Veranstaltungszahlen "statistisch" aufhübschen wollte, oder das Grundübel, das Sie beschreiben, angehen wollte. Wohl ersteres?  

Ihr (wohl rhetorisach gemeinter) Vorschlag: "Meiner Meinung nach sollte die Btmv es doch mal in Eigenregie führen sei es nur für ein Jahr.....................". Dazu kann ich nur sagen, bitte nicht!

Abschliessend noch eine Bemerkung: es ist keine leichte Aufgabe, die strukturell schwierige Situation des BÜZ zu lösen. Die Hoffnungen und Bemühungen der bisherigen Betreiber hatten ja trotz grosser Anstrengungen keinen Erfolg. Ich beneide nun auch die städtischen Verantwortlichen nicht. Ich bitte aber dennoch um eine ungeschönte transparente Darstellung seitens der BTMV beim weiteren Vorgehen in dieser Sache.   

 

Man kann ja verstehen, dass

Man kann ja verstehen, dass die Stimmung bei den Pächtern nicht zum Besten steht, aber ich als Außenstehender frage mich ob man sich es nicht etwas einfach macht die Schuld einfach auf die BTMV und eine veraltete Küche zu schieben. Man kannte die Geschichte des Vorpächters. Hat man blauäugig im Übereifer das Restaurant gepachtet ohne gewisse Eckdaten wie Energiekosten zu prüfen?
Und ich denke nicht jede Veranstaltung war eine gastronomische Meisterleistung ( ich kann aus eigener Erfahrung sprechen).
Vielleicht hätte man manchmal auch besser auf die Qualität des Personals, das bei Veranstaltungen eingesetzt wurde, achten sollen.

Trotzdem schade für Bruchsal

Zur Präzisierung, damit nicht missverständlich.

Die BTMV präzisierte die Aussage "50 Veranstaltungen" im Artikel wie folgt:

"Die Aussage, dass rund 50 Veranstaltungen im Zeitraum des Insolvenzverfahrens abgewickelt werden müssen, stammt aus einer detaillierten Zusammenstellung der Veranstaltung bis zum Stichtag 01.11.2010. Exakt sind es 46 Veranstaltungen. Mittlerweile steht fest, dass wir gut die Hälfte davon BTMV-intern abwickeln können, weil es sich lediglich um Pausenbewirtungsbetrieb bei Konzerten, Theater und Tagungen handelt. Für ein weiteres Dutzend Veranstaltungen (insbesondere Hochzeiten) gibt es bereits Caterer. Und für den Rest sind wir aktuell in Gesprächen mit Veranstaltern und Caterern."

Kontaktaufnahme

Hallo,

meine Schwiegereltern waren sehr gerne zu Gast im Restaurant Bergfried und wüssten gerne, wo der Chefkoch Thomas (Nachname leider nicht bekannt) nun kocht.
Können Sie mir hier evtl. weiterhelfen?

Vielen Dank im Voraus!

Freundliche Grüße
Stefanie

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