Reise in die Vergangenheit

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Nach 78 Jahren besuchte der ehemalige Einwohner Walter Bernkopf seine Heimatstadt Worms
Samstag, 18. Oktober 2014 - 1:43

„Ich bin sehr froh, zurückgekommen zu sein“

Lange ist es her, dass Walter Bernkopf seine Heimatstadt Worms zuletzt gesehen hat. Als Sechsjähriger zog der gebürtige Heidelberger 1932 mit seinen Eltern Siegfried und Gertrude (geborene Oppenheimer aus Bruchsal) in die Nibelungen- stadt. Vier Jahre lang lebte er in Worms, bevor die Familie 1936 nach Köln zog und Walter Bernkopf schließlich 1938, auf der Flucht vor dem Nazi-Regime, in die USA ausreisen konnte, wo er seither lebt. Nun, 78 Jahre nach seinem Weggang aus Worms, stattete er der Stadt erstmals wieder einen Besuch ab. 

„Wir fühlen uns sehr geehrt von Ihrem Besuch“, brachte Oberbürgermeister Michael Kissel bei einem Empfang im Rathaus seine Freude über die Heimkehr des ehemaligen jüdischen Mitbürgers zum Ausdruck.

Zuvor war Bernkopf in Begleitung seiner Söhne Paul und Mark bereits an verschiedene Stationen seiner Kindheit wie die alte Wohnung der Familie in der Mozartstraße und seine ehemalige Schule, die Westend-Realschule, zurückgekehrt. „Ich bin sehr froh, zurückgekommen zu sein“, bekannte der 88-jährige. Im Beisein von Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Mainz/Worms, und dem Ehepaar Josef und Traudel Mattes begrüßte der Oberbürgermeister die weit gereisten Gäste anschließend im Rathaus.

Kontakt zu emigrierten Mitbürgern wahren

„Die Liebe zum Vaterland […], die sitzt, wie wir wenigstens glauben, bei jedem seelisch normal veranlagten Menschen so tief wie das Lebens selbst“, zitierte OB Kissel aus einem Beitrag von Karl und Clara Oppenheimer in den Süddeutschen Monatsheften aus dem Jahre 1919.

Der Stadt sei es ein wichtiges Anliegen, Kontakt zu emigrierten Mitbürgern zu wahren, so der OB. „Wir sind deshalb sehr froh, dass Sie nach so vielen Jahrzehnten den Weg in Ihre alte Heimat gefunden haben“, betonte Michael Kissel.

Bernkopf dankte vor allem seinem Begleiter Rolf Schmitt aus Bruchsal, einem Heimatforscher, der dem ehemaligen Wormser bei seinen Recherchen über seine frühere Heimat geholfen hatte.

„Ich habe viele gute Erinnerungen an Worms“, blickte der heutige US-Staatsbürger auf seine Kindheit zurück. In der Westend-Schule habe er nie Antisemitismus erlebt, sein damaliger Lehrer habe ihn nur unter Tränen gehen lassen. 

Bernkopf selbst hatte in seiner beruflichen Vergangenheit mehrmals in Deutschland zu tun, nach Worms war er jedoch bis heute nicht zurückgekehrt. Anfänglich habe er sich in Deutschland vor allem in Gegenwart älterer Bürger unwohl gefühlt, zu nah war noch die schreckliche Erinnerung an die NS-Zeit. „Inzwischen habe ich allerdings sehr gute Erfahrungen in meinem Heimatland gemacht“, betonte er.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen nutzten Bernkopf und seine Söhne die Gelegenheit zu einer Stadtführung.

Bernkopf

Walter Bernkopf (vorne rechts) trägt sich bei seinem Besuch in das Gästebuch der Stadt Worms ein. Foto: Stadt Worms.

Bernkopf

Oberbürgermeister Michael Kissel empfängt Walter Bernkopf in der Nibelungenstadt Worms. Foto: Stadt Worms.

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Kommentare

Den Artikel kann man verstehen,

muss man aber nicht. Ein gebürtiger Heidelberger zieht mit seinen Eltern im Alter von sechs Jahren für vier Jahre nach Worms und danach für zwei Jahre nach Köln.

Frage: Weshalb ist jetzt Worms seine Heimatstadt?
Nachfrage: Aus welchem Grund fühlen sich die Wormser sehr geehrt?
Dritte Frage: Bleibt Herr Bernkopf in Worms, da von Heimkehr gesprochen wird, oder handelt es sich nur um einen Besuch? Denn in Deutschland war er ja wohl schon öfters.
Letzte Frage: Wird dieser Aufwand mit jedem Besucher getrieben, der einige Jahre in Worms verbracht hat oder drückt hier das schlechte Gewissen wegen des unmenschlichen Umgangs mit jüdischen Mitmenschen im Dritten Reich?

Anregung

Lieber Filou,

ich möchte Sie an dieser Stelle gerne ermutigen künftig Ihre Zeit, Energie und bereits hinreichend unter Beweis gestellte Intelligenz verstärkt für erhellende oder der Allgemeinheit anderweitig nutzbringende Beiträge oder Tätigkeiten einzusetzen, anstatt in wirklich jede Suppe zu spucken.
Vielen Dank und beste Grüße!

In manche der Suppen....

gehört nun mal aber auch ordentlich hineingespuckt

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