Pflegeeinsatz auf Soldatengräbern

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Wer sind die Verantwortlichen der 34 Toten und 57 Verwundeten?
Freitag, 15. November 2013 - 11:18

Altstadtrat Gerhard Holler überließ seinen nachfolgenden Leserbrief an die Bruchsaler Rundschau auch bruchsal.org zur Veröffentlichung. Selbstverständlich folgt bruchsal.org gerne seinem Wunsch.

Am 30. Oktober 2013 berichtete die Bruchsaler Rundschau unter dem Pseudonym „hupe“ in einem Bericht über einen Pflegeeinsatz der „Reservistenkameradschaft Bruchsal“ auf dem Helmsheimer Friedhof. Die Reservistenkameradschaft beseitigte Unkraut und Laub und pflanzte Bodendecker und Bäumchen.

Der Beitrag informierte, dass auf der Anlage neben anderen Opfern 16 deutsche Soldaten der 16. Volksgrenadierdivision bestattet sind, die beim Angriff der französischen Armee auf Helmsheim am 4. April 1945 fielen. Die Bruchsaler Rundschau berichtete weiter, „bis zum Abend, als die Franzosen Helmsheim besetzten, hatte allein die 10. Kompanie des 151. Infanterieregiments 18 Gefallene und 57 Verwundete zu beklagen.“

Gerhard Holler stellt in seinem Leserbrief die Sinnhaftigkeit dieses Kampfeinsatzes in Frage. Diese Frage wird um so drängender wenn man weiß, dass das längst völlig zerstörte Bruchsal bereits in der Nacht zum 3. April 1945 Niemandsland war; alle Anstrengungen, Bruchsal noch zu verteidigen, hatten bereits aufgehört. Die französischen Soldaten rückten ergo in der Nacht des 2. April nach Bruchsal ein, die Stadt war ab diesem Zeitpunkt besetzt, der Krieg war somit auch in Bruchsal beendet. Nur einen Tag später schickten Wehrmachts- und SS-Offiziere in Helmsheim 34 Soldaten der 10. und 16. Volksgrenadierdivision in den Tod.

 

Leserbrief von Gerhard Holler, Untergrombach

Pflegeeinsatz auf Soldatengräbern – Wer sind die Verantwortlichen der 34 Toten und 57 Verwundeten?

Der freiwillige „Arbeitseinsatz“ der Reservisten-Kameradschaft Bruchsal, die die Kriegsgräber-Anlage auf dem Helmsheimer Friedhof auf „Vordermann“ brachten (siehe Bruchsaler Nachrichten BNN vom 30.10.2013), ist bemerkens- und anerkennenswert.

Neben diesem Freundschaftsdienst der Reservisten-Kameradschaft stelle ich mir die Fragen, wo und wer sind die Verantwortlichen für diesen sinnlosen Kampfeinsatz, vier Wochen vor Kriegsende.

Jeder damals denkende Mensch, außer den NS-Fanatikern – zu denen auch der Ortsgruppenleiter Stein aus Helmsheim gehörte – wusste doch, dass der Krieg verloren war.

Die einfachen Soldaten mussten auf Befehl handeln und deren Führung hätte die Gelegenheit zum Rückzug ohne Kampfeinsatz wahrnehmen können.

Nach einer Internet-Recherche – 16. Volksgrenadier-Regiment – stellte ich fest, dass nahezu alle von denen, die als Ritterkreuzträger das Kriegsende lebend überstanden und später als so genannte Art.131er noch gute Pensionen bezogen, keiner von den Wehrmachts- und zum Teil SS-Offfizieren, wegen ihrem verantwortungslosen Verhalten zur Rechenschaft gezogen wurden.

Die einfachen Soldaten, die keine andere Wahl als auf Befehl zu gehorchen hatten, ließ man sterben oder als Schwerverwundete herumliegen. Schuld kann man meines Erachtens nicht auf Eid- oder Befehlsnotstand abwälzen, Schuld ist immer persönlich.

Gerhard Holler

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