Peer Steinbrück in Bruchsal

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Wahlkampf kann so schön sein...
Montag, 8. Juli 2013 - 16:20

Wahlkampf in Bruchsal kann so schön sein...

Aus der SPD-Pressemitteilung:

„Peer Steinbrück besucht den von der Baden Württemberg-Stiftung ausgezeichneten Verein Kulterbunt e. V. gemeinsam mit dem Bundestagskandidaten Daniel Born. Das Projekt zielt auf die experimentelle Weiterentwicklung des bestehenden Sprachförderangebotes an der Bruchsaler Stirumschule, einer Grund- und Werkrealschule in einem Brennpunktgebiet mit hohem Anteil an Migranten und diversen sozialen Problemen.“

Die Gebietsbeschreibung (Stand 2009), wie veröffentlicht aus Förderanträgen beim Bundesministerium Verkehr:

„Das Gebiet Durlacher Straße/Prinz-Wilhelm-Straße gehört zum Stadtteil "Südoststadt" von Bruchsal. Es grenzt unmittelbar an das Stadtzentrum und ist überwiegend geprägt durch Altbauten mit Wohn- und gemischter Nutzung. Verdichteter Geschosswohnungsbau überwiegt, 88% der Gebäude weisen deutliche bis schwerwiegende Mängel auf. Die Bundesstraße B3 von Karlsruhe nach Heidelberg führt mitten durch das Gebiet, entsprechend hoch ist die Verkehrsbelastung.

Öffentliche Einrichtungen im Gebiet sind die Stirumschule als Grund-, Haupt- und Werkrealschule mit 33% Ausländerquote und das Justus-Knecht-Gymnasium, das Kinderhaus St. Raphael mit Ganztagsbetreuung und Schülerhort, der ehemalige städtische Baubetriebshof, der von der Kunstschule inzwischen als "Kunsthof" genutzt wird, der Begegnungs- und Kontaktladen KoALa als neue Anlaufstelle für Hilfesuchende und Ort der Qualifizierung und das "Haus der Begegnung", das Sozialarbeit in vielen Bereichen durchführt. Es beherbergt auch das Stadtteilbüro mit dem Quartiersmanagement der Sozialen Stadt.  

Im Gebiet Durlacher Straße/Prinz-Wilhelm-Straße leben auf 25 Hektar rund 2.200 Personen, davon 31% mit ausländischem Pass oder doppelter Staatsbürgerschaft aus 59 Ländern. Am stärkste vertreten sind die Türkei (24%), Kroatien (17%), Fernost (7 Länder mit zusammen 16%) Griechenland (7%), Russland (6%) und Kasachstan (5%). Während die Gesamtstadt einen Ausländeranteil von 11% aufweist, sind es im Soziale-Stadt-Gebiet gut 31%. Die Altersstruktur weist auf Überalterung mit zunehmender Tendenz hin. In den Kernbereichen des Soziale-Stadt-Gebiets beziehen rund die Hälfte der Bewohner Hartz IV.

Laut Polizeistatistik weist der Bereich die höchste Kriminalitätsbelastung aller Wohngebiete in der Bruchsaler Kernstadt auf. Zu den sozialen Brennpunkten im Wohngebiet kommt das Drogenmilieu in der Viktoriaanlage am Bahnhof.“

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Nun sollen hier die Bemühungen verschiedenster Ehrenamtlicher, Projektträger und Organisationen im Umfeld der Stirumschule nicht kleingeredet werden. Auch die Stadt bemüht sich und all diese Arbeit ist oft schätzenswert und wichtig.

Dennoch haben die sozioökonomischen Probleme in diesem Stadtteil seit Jahrzehnten nicht ab-, sondern massiv zugenommen!  

Bevor also dann morgen zum Besuch Peer Steinbrücks manche übertriebene Lobhudelei in den Gazetten erscheint, sollte nicht vergessen werden:

Begünstigt wurde der positive Eindruck Peer Steinbrücks in der Stirumschule dadurch, dass gerüchteweise um 12.00 Uhr heute ein lokaler Maulkorberlass zu folgenden Themen ausgegeben wurde:

-          Mangels (Haushalts-€) Masse wurde um die Ecke der Stirumschule gerade die Sanierung des Platzes/Fußballkäfig gestrichen.

-          Wesentliche Mittel der Quartierssanierung aus dem Programm `Soziale Stadt` wurden im städtischen Rathaus und an Einkaufsfassaden mit Hilfe innovativer Gebietsabgrenzung und Ausschreibung versenkt.

-          Das Landratsamt (LRA) alsbald um die (andere) Ecke ´flüchtet´ und sich in ´besserer` Umgebung ansiedeln wird. Wann und wenn ja, welche alternative Nutzung für das bisherige Gebäude/Gelände gegenüber der Stirumschule geschaffen wird, ist unbekannt. Das LRA verweist darauf, nicht über ungelegte Eier öffentlich sprechen zu wollen. Allerdings ist (insbesondere für die Bevölkerung – aber was kümmert das schon) völlig unklar, ob, wann, von wem und welche Eier im LRA gelegt werden.

-          Um das Umfeld der Schule `aufzuwerten`, wurde vor einigen Wochen beschlossen, in ca. 10 Metern Entfernung (Luftlinie) ein Obdachlosenquartier zu errichten. Dieser Standort hatte sich über Jahrzehnte schon als Übergangswohnheim für Aussiedler `bestens bewährt`. Insbesondere aufgrund seiner transparenten Lage. Denn Passanten (insbesondere Schulkinder) sollen, wie vor Jahren auch, weiterhin und buchstäblich unmittelbaren Einblick in die Unterkünfte erhalten.  

-          Dass zwar endlich der Schulhof in Bälde saniert wird, es aber noch ungeklärt ist, ob und ggf. wie man die nahe der Schule lebende Bevölkerung im Allgemeinen und die Kinder und Jugendlichen im Besonderen an einem Zutritt des Schulgeländes bzw. Spielplatzes `hindern` kann.

-          Es entsteht im Quartier bald ein Einkaufstempel, wodurch die Verkehrsbelastung weiter ´belebt´ wird.

Gut unterrichteten Kreisen zufolge, wurde der erwähnte Maulkorberlass um 14.00 Uhr wieder aufgehoben!

Zu betonen wäre noch, dass der Besuch Peer Steinbrücks in energetisch bestens saniertem Schulumfeld stattfand (wobei dieses leider negativ mit  den klammen städtischen Haushaltskassen korreliert; jedoch – bisher?- statistisch keinen Einfluss auf den Lernerfolg hat).

Ursprünglich wollte der Kandidat umweltfreundlich mit der Bahn anreisen und sich zu Fuß durch die weitläufige Viktoriaparkanlage in die Stirumschule begeben. Dies versetzte die städtische Verwaltung allerdings geradezu in Panik.

Nachdem diese Absicht aber abgewendet werden konnte, wurde Peer Steinbrücks Fahrern aus verkehrsicherheitstechnischen Gründen dringend davon abgeraten, diverse Zufahrtswege - bspw. die Felixgasse - zu benutzen oder auch nur anzufahren. Der Straßenbelag entspräche nicht den allgemein akzeptablen Sicherheitsanforderungen.

Der Kandidat wollte sich übrigens während einer kleinen Pause persönlich ein Bild des Schulumfelds machen. Nachdem er aber Straßenzustand und Gehwege der nahen Parkanlage/Fußballkäfig sah, nahm er von seinem Spaziergang freiwillig Abstand. Es wurde verlautbart, der Kandidat sagte - wenngleich nur für die unmittelbar daneben Stehenden hörbar - auf Knochenbrüche a la Brüderle könne er im Wahlkampf verzichten!

Er schätze zwar „Stolpersteine“ sehr, nicht jedoch diese Art...

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Kommentare

War bei dem Ereignis

mit der Videokamera dabei. Werde morgen einen Bericht (ohne eigene Wertung) posten, so daß sich jeder seine eigenen Gedanken machen kann.

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