Der Patient und seine Rechte

DruckversionPer e-Mail versenden
Papier ist geduldig
Freitag, 8. April 2011 - 11:01

Angeregt durch den Artikel von Rolf Schmitt, der vergeblich versucht hat, in einer hiesigen Arztpraxis einen Termin noch vor St.-Nikolaus zu bekommen, habe ich heute den Gang durch die Instanzen angetreten, zumal es mich im Rahmen meiner politischen Arbeit interessiert, wer nun was für den Bürger in solch einem Falle des Rechtsverstoßes einer Arztpraxis tut.

Um es vornweg zu sagen: KEINER tut etwas, obwohl man sich in jeder Instanz darüber einig war, dass EIN TERMINANGEBOT ZUM JAHRESENDE WIDERRECHTLICH IST.

Zunächst rief ich die AOK Mittlerer Oberrhein an, deren Geschäftsführer Röcker sich sehr weit aus dem Fenster lehnte, als er sich bei einer Podiumsveranstaltung zum Thema Terminvergabepraxis in der Form ausließ, die AOK würde für einen zeit- und ortsnahen Termin beim Facharzt sorgen. Das steht übrigens auch so im Faltblatt "Perspektiven" der AOK.

Doch lt.Auskunft der AOK beinhaltet diese "Sorge" nicht, einen individuellen Termin für einen konkreten Fall zu organisieren, sondern nur das Festhalten und Sammeln der Daten, die der Versicherte angibt. Und erst, wenn eine Arztpraxis mehrfach auffällt, wird sie der Kassenärztlichen Vereinigung für evtl. Sanktionen gemeldet. Welche Sanktionen das sein könnten, hat man mir nicht beantworten wollen oder können. Deshalb rief ich danach

bei der Kassenärztlichen Vereinigung an, die mich gleich mal an eine kostenpflichtige (!!) "Patienten"-Hotline verwies. Die Kassenärztliche Vereinigung hat den "Sicherstellungsauftrag" der Gesundheitsversorgung übertragen bekommen und ist eigentlich für eine "angemessene" (SGB V-Wortlaut) Versorgung der Bürger verantwortlich.

Ich wollte nicht aufgeben und habe das Geld mal investiert und dort wiederum erfahren, "man könne nur allgemeine Informationen geben" und ich solle Verständnis dafür haben, dass ich

a) solche Beschwerden schriftlich einzureichen habe

b) man mir nicht sagen dürfe, welche Maßnahmen konkret unternommen werden, damit solche menschenverachtenden Verhaltensweisen künftig unterbleiben.

Wir Bürger müssen uns offensichtlich selbst um unsere Rechte kümmern, denn tatsächlich stehen unsere Rechte nur auf dem Papier und keiner schert sich darum, sie für uns durchzusetzen.

Eine Arztpraxis wie diese ist - zumindest für den gesetzl. Versicherten - nicht besser als gar keine Praxis.

Bitte nützt moderne Kommunikationsmittel und schreibt solche Erfahrungen in entsprechende Portale im Web.

Völlig unverständlich ist für mich die Einlassung der Dame bei der AOK, die die Position der Krankenkasse in solchen Fällen nicht über der der Ärzte sieht und zu verstehen gab, dass man Ärzte mit Samthandschuhen anzufassen gedenke. Anscheinend hat sich der Sieg der Bayrischen AOK über die Hausärzte wegen Leistungsverweigerung noch nicht nach Baden herumgesprochen. Und der Versicherte bleibt trotz immer teurerer Beiträge an die Kasse auf der Strecke, wenn er sich nicht selbst um seine Rechte kümmert.

Aber nach der Wahl ist vor der Wahl! Das Gesundheitswesen wird im wesentlichen beim Bund geregelt und ich hoffe, die Piraten dürfen dort bald ein Wörtchen mitreden.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.2 (6 Bewertungen)

Kommentare

Erfahrungen mit der DAK

Ich mache seit einigen Jahren ganz bemerkenswerte Erfahrungen mit der DAK im Hinblick auf Vertretung von Patienteninteressen bei Arzneimittelverordnungen, aber auch was Sorgfalt bei der Abfassung von Briefen betrifft.
Wobei sehr bemerkenswert ist, dass die MitarbeiterInnen der DAK immer wieder versuchen, schriftliche Einwendungen oder Bitten telefonisch zu "verbescheiden."
Auf meine hartnäckige Weigerung hin, eine solche Antwort zu akzeptieren, meinte mein Gesprächspartner kürzlich, schriftlich dürfe er mir das nicht geben - das müsse er dann an seinen Vorgesetzten weiterleiten!

Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen