Osterbrunnen im Kraichgau

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Eine wiederbelebte Tradition
Freitag, 11. April 2014 - 20:00

Osterhasen, Osterferien, Osterspaziergang, Ostereier, Osterinsel oder gar Osteria und zu guter Letzt Osterholz-Scharmbeck. Alles Begriffe, die man kennt, wenn auch zumindest der Name des niedersächsischen Städtchens Osterholz-Scharmbeck in südwestdeutschen Gefilden eher weniger benutzt wird. Aber Osterbrunnen? Was sind denn Osterbrunnen? Noch nie gehört. Zumindest bis vor Kurzem.

Ende Januar diesen Jahres veröffentlichte nun der Bruchsaler Kraichgau-Kenner und Hobbyfotograf Karl-Heinz Häcker ein kleines Bändchen, das er mit „Osterbrunnen und Osterschmuck im Kraichgau“ betitelte. Und siehe da. Der Lösung der bisher unbeantworteten Frage "was sind denn Osterbrunnen?“ kommt man bei der Lektüre des Büchleins näher, wenn es auch letzten Endes beim Versuch bleiben muss, die Herkunft der Osterbrunnen zu klären.

In der Einführung zu diesem reich bebilderten Bändchen schreibt der Autor Karl-Heinz Häcker, dem auch die meisten der Farbfotos des Büchleins zu verdanken sind, dass die Herkunft des Brauches, im Frühjahr die Dorfbrunnen zu schmücken (das Ergebnis des Schmückens sind nunmehr die gesuchten Osterbrunnen), nicht eindeutig geklärt sei, er verweist unter anderem auf heidnische Religionen, in denen es Brauch gewesen sein könnte, durch Schmücken einer Quelle die Gunst eines Wassergottes und dessen Nymphen zu erwerben. Doch Karl-Heinz Häcker macht auch auf den derzeitigen Stand der Forschung aufmerksam. Danach soll es sich beim Schmücken des Dorfbrunnens um eine bewusste Neuschöpfung des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts handeln.Sei's drum. Eine Augenweide sind Osterbrunnen und -bäume allemal, wie die Fotos beweisen.

Spechbach

Osterbrunnen in Spechbach. Foto: Karl-Heinz Häcker

Im Kraichgau soll es den ersten Osterbrunnen überhaupt 1972 in Östringen gegeben haben. Seit dieser Zeit kümmert sich die Östringerin Anneliese Dinkel mit Helfern vom örtlichen Bauamt um die Gestaltung des Östringer Osterbrunnens. Die verwendeten Eier sind hier allesamt aus Holz gedrechselt und aufwändig bunt bemalt.

Östringen

Osterbrunnen in Östringen. Foto: Karl-Heinz Häcker

Auf seinen häufigen Recherche-Reisen durch den Kraichgau hat Karl-Heinz Häcker neben dem Östringer Osterbrunnen beim Rathaus- und Kirchplatz zu seiner eigenen Überraschung mehr als 60 weitere Osterbrunnen oder geschmückte Osterbäume gefunden, diese fotografiert und in seinem oben erwähnten Bändchen veröffentlicht und mit profund erklärenden Texten versehen.

Schaut man sich auf einer Übersichtskarte des Kraichgau die Standorte der Osterbrunnen und -bäume an stellt man fest, dass es einige Gebiete gibt, wo schwerpunktmäßig dieser Osterschmuck zu finden ist. Einmal in der Gegend um Aglasterhausen im Norden des Kraichgau, dann in der Umgebung von Mühlhausen oder ums württembergische Pfaffenhofen im Zabergäu.

Übersichtskarte

In zwei Bruchsaler Stadtteilen gibt es, vielleicht für den einen oder anderen überraschend, ebenfalls Osterbrunnen. Seit zwölf Jahren schmückt die Frauengruppe des Kleintierzucht- und Vogelvereins Büchenau alljährlich einen innerörtlichen, ca. vier Meter breiten und ca. drei Meter hohen Osterbrunnen mitten in Büchenau. Der Osterbrunnen bietet mit seinen 4.000 ausgeblasenen und gefärbten Eiern einen überwältigenden Anblick. Der Büchenauer Osterbrunnen ist der größte und farbenprächtigste im Kraichgau.

Büchenau

Osterbrunnen Büchenau. Foto: Karl-Heinz Häcker

Der andere Bruchsaler Osterbrunnen ist auf dem Heidelsheimer Marktplatz zu bewundern. Seit sechs Jahren schmücken Mitglieder des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins den auf der Platzmitte stehenden, über 450 Jahre alten achteckigen Röhrenbrunnen.

Heidelsheim

Osterbrunnen in Heidelsheim. Foto: Karl-Heinz Häcker

In der Kernstadt von Bruchsal gibt es leider (noch) keinen österlich geschmückten Brunnen, obwohl es Brunnen gäbe, die entsprechend geschmückt werden könnten. An erster Stelle sicher der aus dem 16. Jahrhundert stammende Röhrenbrunnen auf dem Marktplatz. Vielleicht ließe sich auch der Luisenbrunnen, rechts vom Postamt, gegenüber der Lutherkirche, wieder in Betrieb nehmen und österlich schmücken, ebenso wie die Brunnenanlage vor der Handelsschule.

Und warum sollte man nicht die Goertz'schen Monumentalsäulen am Friedrichsplatz an Ostern ihrem tristen, bedrückenden Grau entreißen und ein festliches Gepräge geben? Farbenfreudig österlich mit ausgeblasenen Eiern, zierenden Girlanden und bunten Schleifchen geschmückt? Landfrauen wie in den Dörfern, die den Brauch des Osterbrunnen-Schmückens pflegen und bewahren, gibt es in Bruchsal wohl eher nicht. Bruchsal hat aber eine Werbegemeinschaft, die sich heute recht modern „B3 - BranchenBundBruchsal – Neuer Wind für Bruchsal“ nennt und sehr aktiv für ihre Mitglieder eintritt. Vielleicht wäre das eine Idee für diesen BranchenBund, die er im nächsten Jahr, dem Jahr der „Bruchsaler Heimattage“, erstmals umsetzen könnte? Bewundernde „Aahs“ und „Oohs“, nicht nur der Bruchsaler und Bruchsalerinnen, sondern auch vieler Besucher von Bruchsal aus dem Umland wären den Spendern einer durch eine österliche Verzierung aufgewerteten Friedrichsplatz-Brunnenanlage sicher. Sollten die Bruchsal-Besucher sogar noch das eine oder andere Fachgeschäft besuchen und einkaufen - um so besser. B3! Übernehmen Sie!

Weingarten

Osterbaum in Weingarten. Foto: Karl-Heinz Häcker

 

Für die Ostertage wird schönes frühlingshaftes Wetter erwartet. Wäre es da nicht eine gute Idee, wenn sich die ganze Familie auf die Fahrräder schwingen oder ins Auto einsteigen würde, um die Kraichgauer Osterbrunnen zu besuchen? Es darf hier verraten werden: Der Kraichgau überzeugt nicht nur durch seine Osterbrunnen oder Osterbäume, sondern auch durch pittoreske Fachwerk-Dörfer und geheimnisvolle Schlösser und Burgen - und der Schönheit seiner zart hügeligen Landschaft, der "badischen Toskana".

 

In diesen Kraichgaudörfern und -Städtchen sind Osterbrunnen, Osterbäume oder Osterschmuck zu finden:

  • Aglasterhausen

  • Aglasterhausen-Daudenzell

  • Bad Rappenau-Babstadt

  • Bad Rappenau-Fürfeld

  • Bad Rappenau-Heinsheim

  • Bad Rappenau-Wollenberg

  • Bad Wimpfen

  • Brackenheim

  • Brackenheim-Dürrenzimmern

  • Bretten-Büchig

  • Bruchsal-Büchenau

  • Bruchsal-Heidelsheim

  • Epfenbach

  • Eppingen

  • Eppingen-Adelshofen

  • Eppingen-Elsenz

  • Eppingen-Kleingartach

  • Eschelbronn

  • Gondelsheim

  • Güglingen

  • Kieselbronn

  • Knittlingen-Freudenstein-Hohenklingen

  • Kraichtal-Bahnbrücken

  • Leingarten-Großgartach

  • Lobbach-Lobenfeld

  • Lobbach-Mönchzell

  • Lobbach-Waldwimmersbach

  • Maulbronn

  • Mühlhausen-Rettigheim

  • Neidenstein

  • Neulingen-Göbrichen

  • Neunkirchen

  • Nordheim

  • Oberderdingen

  • Oberderdingen

  • Östringen

  • Östringen-Tiefenbach

  • Pfaffenhofen

  • Pfinztal-Wöschbach

  • Rauenberg

  • Rauenberg-Malschenberg

  • Schwaigern-Niederhofen

  • Sinsheim-Eschelbach

  • Sinsheim-Hilsbach

  • Sinsheim-Hoffenheim

  • Sinsheim-Steinsfurt

  • Spechbach

  • Sternenfels-Diefenbach

  • Waibstadt

  • Walzbachtal-Jöhlingen

  • Weingarten

  • Zaberfeld

  • Zaberfeld-Michelbach

  • Zuzenhausen

Karl-Heinz Häcker:
Osterbrunnen und Osterschmuck im Kraichgau
Im Buchhandel und beim Autoren:
haeckerkhm [at] t-online [dot] de.
68 Seiten mit 68 Farbfotos für € 7.00
ISBN 978-3-00-044908-6

 

 
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Kommentare

Kraichgau Osterschmuck

Ich wusste gar nicht, dass Büchenau im Kraichgau liegt??
Ich dachte wir gehören in die Hardt.!!

Gruß aus Büchenau

Sie haben Recht!

Sie haben Recht, Michael, Büchenau liegt unzweifelhaft in der Hardt. Der Buchautor ist sich dessen auch bewusst, nahm aber den Osterbrunnen in sein Büchlein auf, da Büchenau ein Stadtteil von Bruchsal ist, das wiederum dem Kraichgau zugerechnet wird. Allerdings liegt Bruchsal nur zum Teil im Kraichgau. Der größte Teil der sogenannten "Kernstadt" befindet sich mittlerweile auch in der Hardt. Der Büchenauer Osterbrunnen ist dieses Jahr übrigens wieder sehr schön geworden. Gestern hatte ich Gelegenheit, ihn mir selbst vor Ort anschauen zu können. Würde man sklavisch darauf beharren, dass der Büchenauer Osterbrunnen aufgrund des Buchtitels nicht erfasst werden dürfte, würde man einen der schönsten Osterbrunnen unserer Gegend sträflich vernachlässigen.

Osterbrunnen

das ehe ich ja genau so.
Es wäre schade, solch ein Schmuckstück, das mit viel Liebe und großem Aufwand gebaut wird, nicht zu zeigen.
Was mir aber gerade heute wieder aufstößt ist zum Beispiel die Journalistische Sorgfaltspflicht, oder Ehrlichkeit, wo für das Heidelsheimer Higgo Fest mit dem Büchenauer Brunnenbild geworben wird. (Wochenblatt)

Gruß aus Büchenau

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