Offener Brief an unsere Mitbürger in CDU und CSU

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Mut zur Gewissensentscheidung in der Energiepolitik
Donnerstag, 2. September 2010 - 19:17

Diesen Brief schreiben Ihnen Menschen, die sich Sorgen um die zukünftigen Lebensgrundlagen machen.

Der regelmäßige Wechsel der Jahreszeiten, der Wechsel von Sonne und Regen, Wärme und Frost, die Gesundheit von Böden und Grundwasser, die unbegreifliche Schönheit der Natur - all dies soll auch für unsere Nachkommen erhalten bleiben. Gläubige Menschen sagen, die Schöpfung müsse "bewahrt" werden.

Wir empfinden uns als Konservative, denn "Konservativ" hat etwas mit "Bewahren" zu tun.

Unsere Umwelt, die Schöpfung oder die Mitwelt, wie man sie auch immer bezeichnen mag, ist jedoch durch den Klimawandel und die fortwährende Anhäufung radioaktiver Abfälle aufs Höchste gefährdet. Die Gefahr konnte deshalb so groß werden, weil der Einzelne die Anzeichen kaum deuten kann und sie ihm im Vergleich zu seinen täglichen Problemen nur unbedeutend vorkommen. Wir in Mitteleuropa z.B. konnten uns bisher noch leicht an die Klimaveränderungen anpassen und noch hat es hier keine massive Freisetzung von Radioaktivität gegeben. Doch obwohl die Gefährdung so schleichend kommt - und gerade weil sie so schleichend kommt - ist sie bedrohlich. Bedrohlich ist sie insbesondere durch ihre Unumkehrbarkeit.

Die schlimmste Finanzkrise, ja sogar ein Krieg haben irgendwann ein Ende und ein Neubeginn danach ist vorstellbar, aber der beginnende Klimawandel und die Menge der unabsichtlich erzeugten todbringenden radioaktiven Abfälle lassen sich in geschichtlich absehbaren Zeiten nicht mehr rückgängig machen. Allenfalls können wir ihre weitere Zunahme bremsen, aber auch das nur, wenn wir entschieden gegensteuern, solange wir noch die Möglichkeit dazu haben.

Wir! Damit sind wir alle gemeint.

Nach wie vor vertrauen viele Menschen darauf, dass die Parteien mit dem "C" für "Christlich" im Parteinamen besonderen Augenmerk auf die Bewahrung der Schöpfung legen und deshalb die richtigen Entscheidungen treffen werden. Doch das trifft nicht mehr zu. Die letzten Entscheidungen der CDU/CSU/FDP-Koalition gehen leider in eine ganz andere, falsche Richtung.

Die Verlängerung der Laufzeiten selbst für überalterte Kernkraftwerke (derzeit wird über eine Verlängerung um 15 Jahre nachgedacht) lässt die radioaktiven Abfälle weiter anwachsen, für die es immer noch kein sicheres Endlager gibt und sie führt zum erbitterten wirtschaftlichen Konkurrenzkampf gegen die aufwachsenden Erneuerbaren Energien.

Die Windenergie, die in Westholstein und Sachsen-Anhalt den Beweis erbracht hat, dass sie einen großen Teil unserer Energieversorgung übernehmen könnte, wird schon seit Jahren durch die unionsgeführten Landesregierungen in NRW, Baden-Württemberg und Bayern ausgebremst.

Das rasche Aufwachsen der Solarenergie wurde durch die CDU/CSU/FDP-Koalition im Bundestag abrupt gestoppt, indem die notwendige Kapitalzufuhr drastisch gekürzt wurde.

Damit ein neues Kohlekraftwerk gebaut werden kann, hat die CDU/FDP-geführte NRW-Landesregierung den Klimaschutz aus dem Landesentwicklungsgesetz gestrichen, in dem er bereits verankert war.

Dies sind rechtlich, politisch und wirtschaftlich falsche Entwicklungen in der Politik. Sie führen zu einer inhaltlich falschen Verfestigung veralteter wirtschaftlicher Machtstrukturen. Die "Strukturkonservativen" aus den unterschiedlichsten politischen Lagern haben in der Energiepolitik den "Wertkonservativen" in hohem Maß den Einfluss auf die politische Gestaltung genommen. Die Unterstützer der Nuklear-, Kohle-, Erdöl- und Erdgaswirtschaft haben sich durchgesetzt und verfolgen unbeirrt ihr Ziel, im eigenen Land die Erneuerbaren Energien Sonnenenergie und Windenergie nicht aufkommen zu lassen.

Die Energiepolitik der CDU/CSU/FDP-geführten Bundesregierung und der unionsgeführten Landesregierungen bringt uns Mitbürger alle in die Zwangslage, dass wir häufig mangels vorhandener Alternativen weiterhin Strom aus Kernkraftwerken nutzen, Braunkohle abbauen lassen und weiter unsere Autos mit Erdöl fahren müssen. Wir werden oft gegen unseren Willen zu Klimasündern, wir werden zu Mitläufern bei der Zerstörung der weltweiten Lebensbedingungen gemacht, und damit werden wir alle mitschuldig am absehbaren millionenfachen furchtbaren Sterben in den vom Klimawandel am stärksten betroffenen Regionen der Welt.

Und dies geschieht - das sei hier noch einmal betont - entgegen dem auch in Umfragen bestätigten Mehrheitswillen unseres Volkes, sogar entgegen der Mehrheit seiner CDU/CSU-Wähler. Genügend Umfragen zeigen: Weder für den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke gibt es eine Mehrheit noch für die massive Drosselung der Solarstromvergütung. Doch trotzdem haben unter der strengen Fraktionsdisziplin alle Angehörigen der schwarz-gelben Koalition ihre Stimme gegen die Solarenergie abgegeben. Und sie werden vorhersehbar genauso auch für die Verlängerung der Kernkraftwerks-Laufzeiten stimmen.

In dieser Situation bis zur nächsten Wahl zu warten, um vielleicht einer anderen Partei die Stimme zu geben, ist keine nachhaltige Lösung und akzeptable Perspektive, denn die Energie- und Klimaschutzfrage kann nicht stabil gelöst werden, solange eine der großen Volksparteien die Fortführung von Kohle, Erdöl, Erdgas und Kernkraft anstrebt und die Markteinführung der Erneuerbaren Energien und die Energieeinsparung bremst.

Wir vom Solarenergie-Förderverein Deutschland wenden uns deshalb an Sie, damit Sie aktiv werden und innerhalb Ihrer Partei diejenigen ermutigen, die eine ernsthafte Energiesparpolitik und den Aufbau der heimischen Solarenergie und der Windenergie in einer modernen Energiewirtschaft vertreten. Bitte setzen Sie sich für diesen wichtigen Teil bei der Bewahrung der Schöpfung ein. Es gibt viele Möglichkeiten. So könnten Sie Kontakt zu Ihrem CDU- oder CSU-Abgeordneten aufnehmen und ihm Ihre Enttäuschung zur Verlängerung der Kernkraftlaufzeiten oder zur Verminderung der Solarstromvergütung ausdrücken. Lassen Sie sich nicht mit vorformulierten Standardantworten abspeisen. Gerne geben wir Ihnen dabei Unterstützung mit Sachinformationen und wissenschaftlich abgesicherten Erkenntnissen. Bitte scheuen Sie sich nicht, uns diesbezüglich zu kontaktieren.

Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV) - Frère-Roger-Str. 8-10 - 52062 Aachen - Tel. (0241) 51 16 16 - Fax (0241) 53 57 86    zentrale [at] sfv [dot] de

Als Mitglied im SFV: Klaus Schestag, Kraichtal

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Kommentare

Offener Brief - Solarenergie

Wenn man "ausgewogen" sein will, müßte man jetzt auch die Atomlobby und andere Lobbyisten zu Wort kommen lassen - ob Bruchsal.org dafür der richtige Ort ist?

Wen vertreten Sie? Die Schöpfung?

Sehr geehrter Autor!

Sie sollten doch bitte darauf hinweisen, dass Ihr Verein die Interessenvertretung der privaten Solarstromerzeuger ist.

Daneben: Mit moralischen Appellen in bester Marketingmanier wie: „Bitte setzen Sie sich für diesen wichtigen Teil bei der Bewahrung der Schöpfung ein“ versuchen Sie anders denkenden Menschen ein schlechtes Gewissen einzureden, um damit Ihre privatwirtschaftlichen Interessen zu fördern. Fast so, wie die Drückerkolonnen manch dubioser Tiervereine, die an Marktplätzen stehen und fragen: „Sind Sie Tierfreund?“.

Und weil Sie an die Bruchsaler CDU-Wähler appellieren: Haben Sie nicht gerade in diesem Wahlkreis mit CDU-MdB Olaf Gutting, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der WIRSOL SOLAR AG (O-Ton WIRSOL: „Ein Invest in Solar ist transparent, renditestark und dank des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sicher wie eine Staatsanleihe. Steuerlich lässt es sich wie ein Maßanzug auf Ihre Bedürfnisse zuschneiden.“), einen veritablen Vertreter für Ihre spezifischen Partikularinteressen?

Auch in der Solarbranche scheint die Rettung der Schöpfung an die Rendite gekoppelt. Da unterscheiden Sie sich bei knallharten Verhandlungen nicht vom Atomforum. Alles andere anzunehmen ist naiv und blauäugig.

 

Sie haben recht Herr Waldemar Z.

Der Beitrag ist zumindest äusserst grenzwertig!

Denn lt. Gewerbeverzeichnis Kraichtal:

Beratung, Planung, Bau und Betrieb von Sonnenenergieanlagen, Solartechnik

Siehe:

www.kraichtal.de/Gewerbeverzeichnis.99.0.html?&cHash=8e3cd3f616&user_companydir_pi1[showUid]=749

"ausgewogen"

Guten Tag Waldemar Z.,
danke für Deinen Kommentar.
Meinerseits habe ich mich gefreut, ein Medium gefunden zu haben, in dem ich unseren offenen Brief hier bei uns regional veröffentlichen kann.
Im Gegensatz zur Atomlobby, die mal eben locker in ganz Deutschland ganzseitige Anzeigen mit Ihrer Sicht der Dinge veröffentlicht, tun wir Solarfreunde uns da schon deutlich schwerer. Insgesamt kann somit deutschlandweit keineswegs von "Ausgewogenheit" bei der Darstellung der unterschiedlichen Sichtweisen gesprochen werden.
Wie sich dies im Speziellen hier bei "bruchsal.org" verhält kann ich noch nicht sagen, ich kenne diese Seite erst seit ein paar Tagen.
Natürlich kann sich jeder erst nach der Kenntnis mehrerer Blickwinkel seine eigene Meinung bilden.
Sonnige Grüße

"Partikularinteressen"

Guten Tag huhi,
unser Offener Brief ist ja eindeutig mit "Solarenergie Förderverein Deutschland (SFV)" unterzeichnet, es wird also nichts verborgen.
Wer den SFV wie ich seit über 10 Jahren kennt, und hier speziell unseren Geschäftsführer Herrn Wolf von Fabeck, der auch diesen Brief verfasst hat, weiß, dass es ihm vor allem um den schnellstmöglichen Umstieg zu einer sauberen und nachhaltigen Energieversorgung aus 100% Erneuerbaren Energien geht. Ich denke, das kommt auch in dem Brief deutlich zum Ausdruck.
Bei manchen Themen muss man sich nach meiner Meinung einfach entscheiden, so sollte man bei wichtigen Fragen keine "ausgewogene" Meinung haben.
Atomare und fossile Energieversorgung ist für mich eindeutig schlecht und unverantwortbar. Die Lösung liegt hier sicherlich bei den Erneuerbaren Energien.
Über Herrn Gutting kann ich nicht urteilen, wie über keinen Menschen. Meinerseits habe ich ihn jedoch bisher immer als Freund der Atomkraft gesehen. Da Atomkraft, ebenso wie fossile Energien, nicht mit den Erneuerbaren Energien zusammen passen, würde es mich freuen, wenn sich auch Herr Guting eindeutig entscheiden würde.
Wie bereits oben gesagt, ist bei manchen Fragen wirklich eine klare Entscheidung notwendig.

"SOLARbüro"

Guten Tag nochmal huhi,
es ist richtig, ich plane und baue seit über 10 Jahren Solarstromanlagen und verdiene damit mein tägliches Brot.
Allerdings habe ich mir diesen Beruf aus tiefster Überzeugung ausgesucht.
Es ist bei mir also wirklich so, dass zuerst die Überzeugung da war und dann die eindeutige Berufswahl erfolgte.
Wenn ich mich heute also für die 100%-ige Umstellung unserer Energieversorgung auf Erneuerbare Energien einsetze, geschieht dies nach wie vor aus tiefster Überzeugung. Dass ich dann dieses Thema auch zu meinem Beruf gewählt habe ist doch wohl legitim, oder?

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