Offener Brief an die Evangelische Kirchengemeinde Helmsheim - Heidelsheim

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Der Gesamtelternbeirat Bruchsaler Kindergärten meldet sich zu Wort
Montag, 13. September 2010 - 9:20

heidelse

Dieser offene Brief der Elternvertreter hat uns heute mit der Bitte um Veröffentlichung erreicht. Dieser Bitte kommen wir gerne nach und sind gespannt, wie sich diese Angelegenheit weiter entwickelt.

 

 

Von dem Gesamtelternbeirat Bruchsaler Kindergärten

Kristina Noe

Peter-und-Paul-Str. 36

76646 Bruchsal

 

 

 

An die evangelische Kirchengemeinde Helmsheim/Heidelsheim

Marktplatz 9

 

76646 Bruchsal-Heidelsheim

 

 

Betr.: Gebührenerhöhung

 

Zur Kenntnis: Bruchsal.org, Willi-online.de, das Wochenblatt, Bruchsaler Rundschau, der Kurier

 

Bruchsal, 10.09.2010

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Vor Beginn der Sommerferien haben Sie die Eltern der Heidelsheimer und Helmsheimer Kindergärten über die anstehenden Gebührenerhöhungen informiert.

Auffallend ist, dass für ein Kind mit Ganztagesbetreuung ab kommenden Januar 260 Euro im Monat fällig werden, das ist eine Erhöhung um 57 Prozent gegenüber dem Herbst 2009. Für die zweijährigen Kinder (U3) wurden die Beiträge je nach Betreuungszeit um bis zu 39 Prozent erhöht. Dazu kommt noch das Essensgeld von bis zu 60 Euro pro Monat.

Wir als Gesamtelternbeirat Bruchsaler Kindergärten protestieren gegen diese willkürlichen und ungerechten Erhöhungen. Der Verdacht liegt nahe, dass hiermit arbeitende Frauen wieder zurück an den Herd gedrängt werden sollen. Bei diesen Gebühren lohnt sich Berufstätigkeit oft nicht mehr. Und wer entscheidet sich bei solchen Preisen denn noch optimistisch für das zweite oder dritte Kind?

Besonders prekär ist die Situation für alleinerziehende Eltern, die besonders häufig auf ein Ganztagesangebot angewiesen sind um überhaupt eine Chance im Berufsleben zu haben.

Auf ihrer Homepage spricht die Evangelische Landeskirche davon, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei ein wichtiges gesellschaftspolitisches und auch kircheninternes Ziel. Davon spüren wir bei Ihren konkreten Gebührenerhöhungen nichts.

Merkwürdig ist auch die Begründung, die Beiträge würden denen in Bruchsal entsprechen. Das ist nicht korrekt, das Kinderhaus St. Raphael in Bruchsal kostet bei längeren Öffnungszeiten 215 Euro für das erste Kind - inklusive Essensgeld.

Wir fordern Sie hiermit auf, die Gebührenerhöhung zurückzunehmen.

Mit freundlichen Grüßen,

 

Kristina Noe und Alexander Müller

Gesamtelternbeiräte Bruchsaler Kindergärten

 

Elke Lehnert-Oktay und Martina Reinelt

Elternbeirat Kindergarten Sonnenschein, Helmsheim

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Kommentare

Armutsrisiko Kind

Derzeit wird viel diskutiert über die Thesen eines gewissen Herrn Sarazzin. So unrecht hat der Herr nicht. So lange der Staat nicht bereit ist, Geld dafür in die Hand zu nehmen, um Kindern eine kostenlose Unterbringung in Kitas oder Kindergärten zu ermöglichen, wird das Thema Integration ein Dauerbrenner bleiben. Kitas und Kindergärten müssen, zumindest für Eltern mit weniger Geld, kostenlos sein. Der Leserbrief der Eltern beweist eindrücklich, dass Kinder bereits für Normalverdiener ein Armutsrisiko sind. Kinder zu haben bedeutet für einen Normalverdiener, dass dieser sich an allen Ecken und Enden einschränken muss. Vielleicht gibt's darum immer weniger Kinder in Deutschland?

Kostenlose Kindergartenplätze für Wenigverdiener!

Bruchsals Oberbürgermeisterin Petzold-Schick ließ verlauten, dass in einer Stadt einheitliche Kita-Gebühren notwendig sind. Mit Blick auf die Erhöhung der Kindergartengebühren in Helmsheim sagte sie, dass in diesem Fall die Kirche die Gebühren doch schon sehr stark auf einmal angehoben habe.

Doch die Oberbürgermeisterin steht hinter der Erhöhung; in der Vergangenheit hat sie sich für eine Angleichung der Kiga-Gebühren ausgesprochen.

Hatte sich unsere Oberbürgermeisterin eigentlich explizit für eine ERHÖHUNG der Kindergartengebühren ausgesprochen, wie sie jetzt von der Kirche zu Lasten von Wenigverdienern durchgeführt wird? Scheinbar schon, da sie sagt, dass die Etappen für diese Angleichung für die Eltern überschaubar gehalten werden.

Ärgerlich ist, wenn Frau Petzold-Schick den Eltern klar zu machen versucht, dass die Eltern sich an den Kosten der Kinderbetreuung beteiligen müssen.

Es müsste, gerade auch in Hinblick auf die misslungene Integration nichtdeutscher Mitbürger, der Kindergartenbeitrag zumindest für Geringverdiener erlassen werden.

Denn die Kindergartenbeiträge sind absolut für jeden gleich, relativ ist jedoch jemand mit wenig Geld viel stärker belastet und wird sich zweimal überlegen, ob er sein Kind zur Kinderbetreuung schicken kann. Bei beispielsweise einem Nettoverdienst von 1.200 Euro sind 260 Euro Kindergartenbeitrag sehr, sehr viel Geld.

Eine Kommune mit ihren beschränkten Mitteln kann das Problem jedoch nicht alleine angehen. Gefragt ist hier der Bund, der beispielsweise Milliarden in ein Bahnhofsprojekt steckt, das außer den Politikern und der Wirtschaft, die daran verdienen will, niemand will.

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