Neues vom Hock-Her-Berg

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Bruchsaler Kabarett "Dolle Zeiten" mit neuer Aufführung
Sonntag, 7. März 2010 - 4:34

Neues vom Hock-Her-Berg

In Anlehnung an  das "Politiker-Derbleckn" mit Starkbieranstich am Hockherberg in München führte das Bruchsaler Kabarett "Dolle Zeiten" zum zweiten mal "Neues vom Hock-Her-Berg" im ausverkauften Bruchsaler Schlachthof auf.

"Motzki" wollte beim Bruchsaler Neuanfang dabei sein, weshalb er sich "schick" gemacht, sich  in den Anzug geworfen und sich ein "Sigbert Müller-Schwänzchen" zugelegt hat (Insider wissen, warum), vor allen Dingen, weil die neue Oberbürgermeisterin aus der "Stadt" käme und was davon verstünde, außerdem hätte sie ja zur Aufführung kommen können - und tatsächlich, sie kam (im Gegensatz zu ihrem Vorgänger).

Gleich zu Beginn erläuterte Kaufmann, warum er den alten Namen "Dolle Zeiten" vorläufig beibehalten werde. Bis daß das Kabarett einmal umgetauft werden würde (vielleicht auf "Schicke Zeiten"?) müßte "die Neue" sich eine Namensänderung "verdienen", die Meßlatte hinge hoch, und bis sie die kabarettistischen Qualitäten ihres Vorgängers erreicht habe, müßte sie noch hart an sich arbeiten.

Auch der neue Hauptamtsleiter, Wolfgang Müller, wohnhaft in Untergrombach, war zum freudigen Erstaunen Kaufmanns anwesend, dem er aber gleich empfahl, nach Obergrombach umzuziehen, denn aus Untergrombach "kam noch nie was Gutes".

Das Eingangsthema war aber der Neuanfang in Bruchsal und die Frau mit dem "geheimnisvollen Lächeln", der man sich nicht "entziehen" könne, da ihre Photos überall präsent seien. "Was arbeitet sie denn überhaupt, bei all den Photo-Shootings, die sie hat?" So viel Neuanfang war noch nie! Und ein erstes kulturpolitisches Ausrufezeichen sei ein Treffen mit Tony Marshall gewesen, worüber sich Motzki genüßlich ausließ. Der Tony hat sogar für sie gesungen (Schöne Maid), was er früher nur für die "Carla" gemacht habe, und die Antwort von Petzold-Schick lautete: "Weil ich jetzt OB bin" (nach der Melodie "Wenn ich einmal reich wär").

In seiner Rolle als Promischreck wollte Gernot Oberst "den Öttinger" parodieren, was jetzt aber nicht mehr ginge, da sich dieser nun selbst auf You Tube karikiert. Ihm als Kabarettist drohe nun die Arbeitslosigkeit, da er das Original nicht toppen könne. Er stellt sich die Frage, ob Öttinger bei der Deutschen Bahn überhaupt Zugbegleiter werden könne, denn diese sprächen inzwischen perfekt englisch - "aber in Brüssel haben sie ihn genommen".

Anschließend stellte Bürgermeister Hockenberger seine kabarettistischen Fähigkeiten unter Beweis beim symbolischen "Faßanstich" mit Kaufmann und einem 3-Liter-Humpen Starkbier, womit der Übergang in die Pause gefunden wurde.

"Kaum ist der Doll in Rente, ein Chaos ohne Ende". Unter diesem Motto ging es dann weiter und Motzki nahm das SEPA-Projekt aufs Korn, angefangen bei den 800.000,- Euro für die Beseitigung von "dollen Altlasten", die die SEPA nun von der Stadt velangt bis hin zur Toilette, um die herum ein Parkhaus gebaut werde. Und der "arme Doll" mußte zusehen, wie sein Kollege aus Bretten, der "Metzger's Paule", bei seinem Ausscheiden aus dem Amt des OB's zum Ehrenbürger ernannt wurde, während er, Doll, als "zweitgrößter Sohn der Stadt Bruchsal" leer ausgehe und ohne Würde weiter leben müsse.

Gernot Oberst ließ sich sodann über Bruchsal als Einkaufsstadt aus nach dem Motto "wohnst du noch oder kaufst du schon?", weshalb es besonders wichtig sei, daß Verkehr in die Stadt komme und damit ein Mehr an Menschen, besonders aus dem Hinterland, die sich nicht in die Großstadt trauen. Für diese "Hinterwäldler" muß eine öffentliche Toilette gebaut werden, obwohl sich der "Hinterwäldler an sich" lieber an einen Baum stellen würde. Da es aber wegen der kommenden Stadtbahn und den vielen Parkplätzen in Bruchsal bald keinen Baum mehr gäbe, müsse der Hinterwäldler eben an eine öffentliche Toilette gewöhnt werden, um die herum ein Parkhaus gebaut werde.

Aber auch die "Dauerausstellung" der einheimischen Schaufensterdekorateure im Kaufhaus Schneider wurde angesprochen und Bruchsal als Euro-Deko-Center tituliert, in welches Schaufensterdekorateure aus ganz Deutschland kommen, um sich über die neuesten Trends zu informieren.

Es folgte Bruno Wallisch als Mönch, der die Zuhörer auf kommende Fastenzeiten einstimmte und über Personen redete, und zwar nicht sachlich, da es auch persönlich ging. Zunächst nahm er sich den Kö-Obama vor, "einen jungen Mann aus Düsseldorf", der glaubte, mit jugendlicher Strahlkraft, einer hübschen Frau und Jogging auf einem Schiff, das sich auf "dollschem Schlingerkurs" befand und noch befindet, als Kapitän anheuern zu können.

Daran schloß sich Kaufmann an und nahm sich Werner Starks an, den "Homo politicus vom Hammer", der als kleiner Junge schon nichts anderes werden wollte als Bürgermeister von Bruchsal, eigentlich Oberbürgermeister, was bekanntermaßen nichts wurde, doll! Aber ein "homo politicus" sei Stark eigentlich doch nie gewesen, denn ein solcher müsse in der Lage sein, eigenständig politisch oder politisch eigenständig zu denken. Aber er sei "gesetzestreu" und "menschlich" gewesen - besonders im OB-Wahlkampf. Danach parodierte Gernot Oberst auf gekonnte Weise Schröder und Kohl, bevor sich Kaufmann zum Finale die CDU vornahm, bei der inzwischen die alte Garde abgedankt hat.

Alles in allem eine gelungene Veranstaltung, bissig und vor unangenehmen Wahrheiten nicht zurückschreckend. Ich empfehle unbedingt, die zweite Veranstaltung am 14. März zu besuchen. Es lohnt sich - schauen Sie sich nun einige Ausschnitte an:

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Kommentare

Fotos vom Hock-Her-Berg

Ja, das war ein rundum gelungener Abend.

Hier ein paar Bilder dazu: http://www.see3.de/2010_Hock-Her-Berg/

Ein-Euro-Shops haben Tradition in Bruchsal

Apropos...

Die verschiedentlich aufkeimende Diskussion um Bruchsal als Einkaufsparadies, hat mir in Erinnerung gerufen, dass die Stadt eigentlich seit jeher auf das Potential von Ein-Euro-Shops als Kundenmagneten gesetzt hat.

Alternativ tut es natürlich auch eine Drogerie. ;)

Wohlwert

Berthold Weindel merkte in seinem Buch "Bruchsal in alten Bildern" zu diesem Bild auf Seite 17 an:

"In der Kaiserstraße 61 eröffnete die Ladenkette Wohlwert ein Geschäft mit Einheitspreisen von 25, 50 und 100 Pfennigen. Zur Zeit befindet sich hier ein Drogeriemarkt."


Zugabe

Kann mich dem Kommentar nur voll und ganz anschließen. Die Kabarettszene ist für die nächsten Jahre in Bruchsal gesichert. Stadtmotzki K. kann mit seinem Superteam weitermachen. Der Stoff geht ihm bestimmt nicht aus. Freue mich schon auf die Fortsetzung nach der SEPA-Eröffnung. Bis endlich "schicke" Zeiten für Bruchsal kommen - ist schwer zu sagen. P.S. muss den Hobel wirklich mal ansetzen.

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