Neues aus der NATO

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Die USA-Russland-Ukraine-Europa-Krise
Mittwoch, 14. Mai 2014 - 18:15

Den „Aggressor Russland“ kennt Europa jetzt zur Genüge. Das Land, obgleich wirtschaftlich ohne Saft und Kraft und militärisch von begrenzter Stärke und lediglich – nur noch - von regionaler Bedeutung, bedroht Europa – so lesen wir es täglich. Die Sanktionsliste gegen tatsächlich oder vermeintlich wichtige Russen wird täglich länger. Die freie Welt wehrt sich. Fragt sich nur, wogegen und für wen.

Reden wir von den Hauptverteidigern der freien, der westlichen Welt. An vorderster Front, selbstverständlich, von der NATO, dem nordatlantischen „Verteidigungsbündnis“. Da diesem Bündnis gerade der reale Gegner ausgegangen ist und allmählich sowohl Identitätsprobleme  wie Haushalts-Begründungs-Schwierigkeiten hat, muss    (und darf) deren Chef, der Däne Rasmussen mit dem Säbel rasseln. Mit der „Annektion der Krim habe der Kreml die rote Linie überschritten“ – so der volltönende Däne. Parallel kommen aus den USA unaufhörlich, zunehmend befolgte, Aufforderungen, den Russen die rote Karte zu zeigen. Merkel, Hollande und vor allem die Engländer sind dabei vorneweg: Die Krim wurde per Volksabstimmung dem angedachten Bündnispartner Ukraine entzogen und die Ostukraine ist auf dem gleichen Weg. Grund genug, mit dem Säbel zu rasseln.

Der Däne Rasmussen, NATO-Generalsekretär seit fast 5 Jahren, befindet sich gerne in der Frontlinie. Weltweite Aufmerksamkeit erlangte der Mann schon 2005/2006, als er als Chef der rechtskonservativen dänischen Regierung die weltweit bekannt gewordenen „Mohammed-Karrikaturen“, die den Islam schmähen, toleriert, wenn nicht beauftragt hat. Dass dies kein Ausrutscher war, zeigt Rasmussens Haltung im -  ungerechtfertigen – US-Irakkrieg. Rasmussen: „Wir glauben nicht nur, wir wissen, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen hat.“ Diese Meinung äußerte er trotz gegenteiliger Auffassung seines eigenen Geheimdienstes. Der Mann liebt Krawall. Das profilierte ihn in den Augen der USA für den Posten des obersten Militär der vereinten westlichen Welt. Jetzt lärmt der Mann wieder. Diesmal von „überschrittener roter Linie“ im Osten Europas und erzeugt in Europa – leider gerechtfertigt – Kriegsängste. Der Mann redet nicht nur, er tut:

So berichtete die FAZ am 27.3.2014, dass binnen 4 Wochen (!!) nach Implementierung der ultrarechten ukrainischen Übergangs-Regierung, in 16 ukrainischen Städten NATO-Umerziehungsbüros (verantwortlich: Anders-Fogh Rasmussen)  eröffnet worden sind, in denen, so das Blatt weiter, Jugendliche auf Kriegseinsätze im Dienste des Westens vorbereitet werden. Das ist, liebe Leser, weder ein Schreibfehler, noch eine Übertreibung, sondern eine Zusammenfassung des FAZ-Berichtes. Die NATO ist keine diplomatische Einrichtung sonder der nordatlantische Verteidigungspakt, eine militärische Organisation. Das gibt dem Vorgehen in der Ukraine seine eigentliche Schärfe.

Überall im Lande (in der West-Ukraine) lässt die neue – nicht demokratisch gewählte – Regierung der Ukraine Denkmäler des Faschisten und Hitler-Getreuen Stepan Bandera aufstellen! Der Mann ist für Massenmorde während der Zeit des 3. Reiches im Osten Europas mitverantwortlich. Das  beleuchtet das politische Profil dieser „Regierung“ nachhaltig.

Völlig unverständlich und offenkundig einer gefährlichen Hysterie geschuldet:

Deutsche Ex-Bundeskanzler wie Helmut Schmidt und vor allem Gerhard Schröder werden in der deutschen Presse als tumbe Russenfreunde bezeichnet – Nachdenken und kritische Reflexion seitens der deutschen Presse sieht anders aus. Die ganze öffentliche Meinung ist voll von Anti-Russen-Aufregung. Natürlich ist das Land keine Demokratie und Putin ein – wenn auch beliebter  – Autokrat. Täglich lesen wir mit ständig steigendem Erregungs-Pegel, dass die bösen Russen der armen Ukraine das Gas abstellen wollen und dies sicher auch dem restlichen Europa antun wollen. Eine Quelle schreibt von der anderen ab und eine Aufregung erzeugt zielsicher die nächste. So entsteht, das ist auch eine interessante Erkenntnis, eine fast unumkehrbare öffentliche Meinung.

Der Westen hat die bräunlichen Interims-Herren in Kiew, die gerne vom 3. Weltkrieg reden,   mit Hilfe  5 Milliarden (berichtigt!) US-$ in die Regierung finanziert  und Kiew vom russischen Bündnis-Partner über Nacht von einem Russland-Freund  zu einem NATO-Partner befördert und stützt dies – unverzichtbar – mit öffentlicher Meinung ab.

Wer bei Verstand ist und die russische Wirtschaft kennt, weiß, das  diese vom Rohstoff-Verkauf lebt, keine relevante eigene Industrie hat und auf den Energie-Export angewiesen ist  und alles kann, nur nicht auf den Export von Energie zu verzichten. Das Land ist wirtschaftlich vom Westen dermaßen abhängig, dass seine Rolle als Handelspartner und Rohstofflieferant mehr als nur sicher ist. Vor diesem Hintergrund ist das nette US-Angebot Europa ersatzweise mit Fracking-Gas zu beliefern, damit das böse Russen-Gas in der Erde bleiben soll, real eine Aufforderung Russland in die Insolvenz zu schicken. Parallel würde sich Europa vom teuren US-Fracking-Gas  und damit den USA abhängig machen, einen wichtigen Exportmarkt zerstören  und damit die wirtschaftliche Macht-Balance, die bisher für Europa sprach, massiv zugunsten der eigentlichen insolventen USA verändern. Das ist – nach meiner Meinung – das Hauptmotiv der US-Administration. Dazu passt, dass jetzt laut erklärt wird, dass „angesichts der russischen Aggression“  der Westen zusammenhalte müsse und, unausgesprochene, aber gewollte Konsequenz: das für Europa nachteilige und für die US-Konzerne vorteilhafte Zollabkommen sei  rasch zu beschließen, am besten ungelesen.

 

Zur „Krim-Krise“:

Die Abspaltung der Krim, die bis 1954 russisch war und nur aus innersowjetischen Gründen damals der Ukraine – von Chruschtschow – zugeschlagen wurde, wird in diesem Zusammenhang (natürlich mit dem Rechtsaußen Rasmussen als Turm in der Schlacht) gegen Russland instrumentalisiert. Die deutschen Alt-Bundeskanzler der SPD erklären hierzu korrekt, dass der Westen im Kosovo-Falle nichts anders getan hat, als Russland jetzt.

 

Nicht berichtet wurde offensichtlich, dass der brave Bündnispartner der NATO in Kiew der Krim komplett das Wasser abgedreht (!!!) hat und die Landwirtschaft der Krim, soweit von Bewässerungssystemen abhängig, gerade kaputt geht. Man muss dazu wissen, dass die Krim, abgesehen von einem schmalen Küstenstreifen, in dem Jalta (der Ort dürfte jedem bekannt sein) liegt, über ein Steppenklima verfügt und von künstlicher Bewässerung abhängig ist. Ohne ukrainisches Wasser kann auf der Krim keine Landwirtschaft betrieben werden. Sosehr die Ukraine von russischem Gas abhängig ist, sosehr ist die Krim von ukrainischem Wasser abhängig.

Da die Halbinsel praktisch über keine Industrie verfügt, ist das zudem eine wirtschaftliche (und humanitäre) Katastrophe.

Allerdings war die Krim der oligarchischen ukrainischen Oberschicht immer schon herzlich egal. Nicht zuletzt deshalb liegt die Krim im Lebensstandard weit hinter den schon miesen ukrainischen Lebensbedingungen zurück.

Ich oute mich jetzt auch als Russen-Versteher (gemeint ist mit dem Begriff wohl:  Europa-Feind oder schlicht: Dummkopf): Die Russen hätten niemals den Status der Krim als Teil der Ukraine in Frage gestellt, hätte nicht die NATO (resp. die USA) in aggressiver Weise gemeinsam mit der ultrarechten Kiewer Regierung die Machtbalance in Osteuropa über Nacht auf den Kopf gestellt und damit auch den letzten Anschein russischer weltpolitischer Bedeutung beseitigt.

 

Frank-Walter Steinmeier, der deutsche Außenminister, ist nicht zu beneiden. Er macht einen – wie ich finde – bewundernswerten Job. Ungeachtet aller Anfeindungen sucht er Entspannung zu befördern und will das bisher ausgezeichnete Verhältnis Deutschlands  zu Russland retten. Auch aus guten wirtschaftlichen Gründen. Deutschland ist der bzw. ein Haupt-Handelspartner des Landes. Deutsche Fahrzeuge verstopfen die Straßen von St. Petersburg und Moskau. Die deutsche Industrie  ist zu Recht verzweifelt über Merkel  & Co. die sich von der Interessenvertretung der US-Industrie, der US-Regierung, über den Tisch ziehen lässt.

Im Klartext: die mutwillig in Osteuropa herbeigeführten Spannungen gefährden nicht nur den Frieden in Europa, sie verhindern Export und schwächen Europa mit Deutschland als Hauptbetroffenen vor allem wirtschaftlich.

Eine militärische Auseinandersetzung mit Russland, dass heißt bereits das Ingangsetzen einer neuen Rüstungsspirale nützt allein der US-Militärindustrie und schadet parallel massiv Europa in einem fast schon regional zu nennenden Markt.

Es ist auch kein Zufall, dass NATO-Rechtsaußen Rasmussen von notwendigen neuen Rüstungsanstrengungen spricht. Seine Fernsprech-Verbindung zur US-Regierung dürfte intakt sein. Schließlich braucht das – in China - hochverschuldete Amerika Exporterfolge. Die Rüstungsindustrie ist als Konjunktur-Stimulator immer gut geeignet..

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare

Eine, soweit gute

Eine, soweit gute Zusammenfassung der Ereignisse in der Ukraine. Es waren außerdem nicht 5.000.000 $ sondern 5.000.000.000 $ die die US Regierung in dem Umsturz für die Ukraine gesteckt hat. Und Sie können davon ausgehen, dass ein großer Teil dieses Geldes wieder direkt in die USA floss. Die Sicherheitsfirmen Blackwater oder Academi, die in der Ukraine den Aufstand am laufen halten, müssen schließlich bezahlt werden.

Dazu passen folgende Artikel

Dazu passen folgende Artikel über das geschäftliche Engagement eines Herrn Hunter Biden in der Ukraine, Sohn des amerikanischen Vizepräsidenten.

http://www.nachdenkseiten.de/?p=21712

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/biden-und-ukraine-sohn-des-...

Spätestens, wenn in der Ukraine mit Fracking begonnen wird, werden viele das Fracksaußen bekommen, die es heute noch gar nicht ahnen.

Im Grunde genommen geht es nur darum...

...die Ukraine in die EU zu integrieren, damit die Nato ihre Waffen direkt an der Grenze zum Russen stationieren kann. Mehr nicht...

Ich habe bislang

nicht verstanden, was Deutschland mit der Ukraine zu tun hat. In diesem Land gibt es einen Regierungsumsturz nach denm anderen. Das Land ist pleite. Sie haben Milliarden Schulden für Gas, das sie billiger erhalten als z.B. Deutschland. Die Politik und die Verwaltung ist korrupt. Es gibt keine einheitliche ethnische Bevölkerung.

Jugoslawien ist in Kleinstaaten zerfallen, warum nicht auch die Ukraine? Liegt dieser Staat vielleicht am Atlantik? Oder was will denn sonst die Nato dort? Warum können die Ukrainer ihr Problem nicht alleine lösen?

Habe nur ich den Eindruck, hier wird Stimmung gegen Putin gemacht? Wozu? Wäre es denn nicht sinnvoll, zuerst miteinander zu reden, statt einseitig Position zu beziehen?

Habe nur ich den Eindruck, die deutsche Presse und die TV-Medien berichten überwiegend einseitig und parteiisch? Verdient die Rüstungsindustrie zu wenig und muss den Verkauf anheizen? Haben die Europäer noch nicht begriffen, dass kriegerische Auseinandersetzungen keine Lösung sind?

Wo wurde jemals durch Krieg ein Problem gelöst? Es wurden nur immer neue geschaffen. Steinmeier macht einen bewundernswerten Job? Ja was denn? Ob ein Job gut oder schlecht gelungen ist, läßt sich erst am Ergebnis ablesen.

Was wäre schlimm daran, wenn es eine West- und eine Ostukraine gäbe, die friedlich kooperieren? Dies wäre m.E. sicher der einfachere und sicherere Weg, um irgendwann wieder zusammen zu finden.

Die Sanktionen gegen Russland finde ich einfach lächerlich. Und die USA fordert ein härteres Vorgehen von Europa gegen Putin. Wie dumm ist dennn das? Bei einem privaten Streit würde man sagen, ein Unbeteiligter hetzt die beiden Kontrahenten gegneinander auf.

Entspannungspolitik sieht anders aus.

Es wird immer besser..

Dass Frau Timoschenko, die Heldin des freien Westens und  eine Kandidatin der USA für eine "neue Ukraine" ihre Milliarden zusammengeklaut hat, und jetzt, weil auf der "richtigen", der westlichen Seite auch behalten darf und ungeniert von Atomkrieg gegen Russland schwafeln darf ist das eine.

Dass US-Amerikaner, wie ich jetzt lese, mitmischen, ist neu, wenngleich nicht überraschend. In der Ukraine macht niemand (niemand) legale Geschäfte.

Denn die Ukraine ist dermaßen korrupt und ohne jede funktionierende staatliche Struktur, dass sich jeder der kann, hemmungslos bereichert. Ich hatte 2012 das Vergnügen in einem Kiewer Nobelhotel zu nächtigen und die Hotelgäste und der Einkaufsmöglichkeiten des Hauses zu bewundern.

1. Der Frühstücksraum war von Menschen (Hotelgästen) bevölkert, die ein (west-) europäischer Staatsanwalt erst mal alle wegen (erheblichen) Korruptionsverdachtes vorsorglich eingelocht hätte

2. Im Erdgeschoss dieses Nobel-Hotels befand und befindet sich mutmaßlich  der weltgrößte Laden von Elie Saab-Klamotten (Elie Saab: mit der teuerste Designer weltweit - Kollektion nur für Millionäre, besser Milliardäre und Kleptokraten) mit Stückpreisen bis 20.000 € - in einem meterlangen Regal. Diese Klamotten in dieser Menge  kann nur von eine ebensolchen Menge korrupter Kleptokraten erworben werden.

3. Die Kundschaft von 2) ist die Frühstücksbesatzung von 1)

4. Die Kundschaft des freien Westens finden sie unter Ziffer 3.

Der Westen hätte, wäre er nicht interessengesteuert, würde sich von so einem Land jedenfalls politisch fernhalten und Beziehungen nur schrittweise mit großer Vorsicht aufbauen.

 

 

 

Der Westen hätte, wäre er

Der Westen hätte, wäre er nicht interessengesteuert, würde sich von so einem Land jedenfalls politisch fernhalten und Beziehungen nur schrittweise mit großer Vorsicht aufbauen.???? Beim Kopieren nicht alles gelöscht was raus sollte?

Es geht nur um die Vormachtstelleung der NATO, mehr nicht!

Rasmussen dreht an der Eskalationsschraube

Rasmussen in der heutigen BNN:  Mehr Manöver der Nato-Truppen/Nato muss auf eine "völlig neue Sicherheitslage in Europa " "reagieren"/ "Entscheidungen (!) fallen Anfang September beim NATO-Gipfle in Wales/ "Dramatisch veränderte Sicherheitslage"/ "Plan für mehr Alarmbereitschaft und Reaktionsfähigkeit". Gleichzeitig war im Internet zu finden (Link nicht mehr verfügbar), dass zwei US-Konzerne unmittelbar nach dem Machtwechsel in Kiew zwei riesige (!) Gasfelder im Schwarzen Meer südlich der Krim übernommen haben. Das ist durch die Eingliederung der Krim nach Russland hinfällig. Es steht zu vermuten, dass dieser Verlust nicht hingenommen werden soll. Jedenfalls hat die Bundesregierung die Aufgabe zu verhindern, dass im September NATO-Beschlüsse gefasst werden, die die Sicherheitslage in Europa dramatisch verschärfen. Der Versuch, die Krim samt den riesigen Rohstoffreserven im schwarzen Meer wieder in die Verfügungsgewalt der Kiewer "Partner" zu bekommen, liegt nicht im europäischen Interesse. 

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/hydratforscher-im-meer-sprudeln-spektakulaere-gasquellen-a-143313.html

Rasmussens Arbeitsplatz...

... ist eben auch nicht mehr sooo sicher - und mit ihm demonstrieren - wer will das schon offiziell?
Heckler & Koch z. B. engagiert sich bereits anderweitig...

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