Die neue Ausstellung in Frankfurt: „Ralf König - Paul versus Paulus“

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Sonntag, 16. März 2014 - 15:37

Ralf König

Am 26. März wird im caricatura museum frankfurt die neue Ausstellung „Ralf König - Paul versus Paulus eröffnet!

Ralf König gehört zu den erfolgreichsten deutschen Comic-Künstlern. Die Ausstellung im caricatura museum frankfurt zeigt ausgewählte Cartoons und Bildergeschichten aus dem gesamten Schaffen des Kölner Zeichners. Schwerpunkt dabei ist das Beste aus der Bibel nach Ralf König. Dazu werden als besonderes Highlight exklusiv die Originalzeichnungen zu seinem neusten Buch „Konrad & Paul: Raumstation Sehnsucht“ (erschien am 7. März 2014) präsentiert.

Ralf König hat dem caricatura-Team vorab einige Fragen beantwortet. Hier das Interview:


Lieber Ralf König,

zurzeit laufen die Vorbereitungen für die große Ralf König-Ausstellung imcaricatura museum frankfurt. Andere haben einen Koffer in Berlin – Sie haben in Ihrem autobiografischen Band „Und das mit links“ den Ort des Geschehens von Homolulu in Frankfurt damals konsequent falsch schreiben: ‚Biekwald’ statt ‚Biegwald’ – was dem Frankfurter weh tut. Wie steht es mit Ihrer Beziehung zu Frankfurt?

Ralf König: Oh! Oder wie sagt man neudeutsch: „Oops!“ Das tut mir leid, ich bitte um Nachsicht! Ich kenne das, ich bin in Soest, Westfalen geboren, und die Leute sagen immer „Söhst“, dabei spricht es sich ‚Sohst’. Biegwald also. Sollte es Neuauflagen geben, wird es berichtigt, ich schwör! Zu Frankfurt habe ich bisher tatsächlich keine engeren Bande, das Stadtbild erscheint mir noch unzugänglich, aber ich bin mir sicher, dass sich das nach der Ausstellung geändert hat. Viele coole Leute da.

Frage: Die Originalzeichnungen zu Ihrem neusten Buch ‚Konrad & Paul – Raumstation Sehnsucht’ werden ein Schwerpunkt der Ausstellung im caricatura museum sein. Die Geschichte spielt zu größeren Teilen in Frankfurt und Umgebung. Warum sollen diesen neuen Band Menschen lesen, die von Konrad und Paul noch nie was gehört haben? Und warum die treuen Leser, die keins Ihrer Comicbücher ausgelassen haben?

Ralf König: Äh... weil die Möglichkeit besteht, dass sich der eine oder andere, der die beiden bisher nicht kennt, über Konrad und Paul amüsieren könnte. Und die, die bisher kein Buch ausgelassen haben, werden sich hoffentlich freuen, nach vielen Jahren wieder von den beiden zu lesen. Sind ja fast alte Bekannte, auch für mich. Die haben ein Eigenleben, ich gucke fast nur zu.

Frage: Sie greifen in ‚Raumstation Sehnsucht’ einen Handlungsstrang auf, der länger zurückreicht – in „Sie dürfen sich jetzt küssen“ taucht Pauls Schwester auf und will, frisch geschwängert, an Omas Erbe. Hat Sie das Kind jetzt elf Jahre ausgetragen? Haben wir es mit einem Riss im Raum-Zeit-Kontinuum aus Pauls Lieblingsserie „Star Trek“ zu tun?

Ralf König: Ja, gute Frage. Ich selbst ging so lange mit der Raumstation-Idee schwanger, aber damals, nach ‚Sie dürfen sich jetzt küssen’ hatte ich erst mal andere Themen auf dem Zeichenbrett. Es war damals nicht der richtige Zeitpunkt, schon wieder mit Konrad und Paul zu kommen, ich wollte mal was anderes erzählen und landete dann z.B. bei ‚Hempels Sofa’ auf der Psychiatercouch oder mit ‚Prototyp’ in der Bibel. Ich musste also 2013 bei der letzten Konrad und Paul-Story anknüpfen, das bedeutet, dass die Charaktere seltsam in der Vergangenheit verblieben sind. Paul ist immer noch beneidenswerte 36 Jahre alt. Ich habe aber eigentlich vor, meine Nasen mit mir altern zu lassen, und wenn ich diesen Handlungsstrang hinter mir habe, stürze ich wohl auch Konrad und Paul in die Midlifekrise. Warum sollte es denen besser gehen als mir?

Frage: Herr König, zentral in der Frankfurter Ausstellung werden ihre Bibel-Zeichnungen sein. Hier nun also die Gretchenfrage: Wie halten Sie´s mit der Religion in Ihrem Schaffen?

Ralf König: Die Frage nach Gott oder nicht Gott hat mich für etwa fünf Jahre beschäftigt, einfach weil das Thema weltweit so in den Fokus rückte. In den 70er, 80er Jahren war das noch kaum Gesprächsstoff, der eine glaubte, der andere nicht, und gut war’s. Leider hat sich das inzwischen sehr geändert. Ich war nie gläubig, nicht mal als Kind, obwohl ich in einem sehr katholischen Umfeld aufwuchs. Und klar, als schwuler Mann... Im Alten Testament ist es Verdammnis, im Neuen Testament Verderbnis, also klar, dass ich den Vereinen ablehnend gegenüber stehe. Ich habe in mehreren Comicbüchern meinen Senf dazu gegeben, aber nun bin ich fertig mit dem Bimbam. Sonst ist man irgendwann der ‚Religionskritiker’, und so wichtig ist es mir auch wieder nicht.

Zum Schluss: Was Sie den Frankfurtern schon immer sagen wollten. Bitte jetzt:

Ralf König: Ähem! Sehr geehrte Frankfurter, ich freue mich, demnächst zur Ausstellung öfter bei Ihnen zu sein, mir mal endlich ein Stadtbild zu machen, statt nur vom Bahnhof zur Buchmesse und zurück zu hecheln, gern auch deftige hessische Speisen zu kosten und dazu statt Kölsch Äppelwoi zu trinken! Und vermutlich werde ich aus nostalgischen Gründen mal durch den Biekwald schlendern. Aua!

Ralf König, wir danken für das Gespräch!

 

Ralf König zeichnet seit 35 Jahren und gehört heute zu den erfolgreichsten deutschen Comickünstlern. Seine Zeichnungen sind häufig deftig und drastisch, immer bevölkert von Knollennasen, oft politisch engagiert und dabei stets und vor allem: komisch. Seine frühen Geschichten widmen sich vor allem dem schwulen Alltag. Königs treustes Figurenpersonal daraus ist das Paar Konrad & Paul: Seit ihrem erstmaligen Auftauchen 1990 begeistern der promiskuitive Paul, erfolgloser Autor historischer Pornoromane, und Klassikfan und Klavierlehrer Konrad mit ihren Beziehungsgeschichten. Königs zweiter thematischer Schwerpunkt ist die Religionskritik: In seinem Werk setzt sich der Kölner Zeichner seit einigen Jahren mit dem fundamentalistischen Islam und Christentum auseinander, kommentierte den Karikaturenstreit und hat gar die Bibel neu gezeichnet.

Die Schau im caricatura museum zeigt neben ausgewählten Cartoons und Bildergeschichten aus dem gesamten Schaffen Königs das Beste aus der Bibel: Die Erschaffung von Adam als ein von Gott zum dauerhaften Lobpreisen programmierten Prototypen; Noah als Menschenfeind sondergleichen, der sich intensiv mit den Verlockungen Sodom und Gomorrhas befasst und vor lauter Gehässigkeit von Gott das Ende der Welt einfordert; und Paulus, ein vom Pferd gefallener Irrer, der Blinde gehend macht und mit seinen Predigten bei den aufgeklärten Griechen auf breites Unverständnis stößt.

Daneben wird der neuste Wurf aus Königs Feder präsentiert: Ort des Geschehens des Werks mit dem Titel „Konrad & Paul: Raumstation Sehnsucht“ ist – Frankfurt am Main! Ehrensache also, dass dieses exklusiv und ergänzt mit Highlights aus 24 Jahren Konrad & Paul hier in der Hauptstadt der Satire gezeigt wird.

 

Ralf König wurde 1960 in Soest / Westfalen geboren. Nach einer Tischlerlehre studierte er freie Graphik an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine ersten Comics veröffentlichte er 1979 in dem Münchener Underground-Magazin Zomix sowie in der Schwulenzeitschrift Rosa Flieder. Einem breiten Publikum bekannt ist König spätestens seit „Der bewegte Mann“: Der Comic-Roman aus dem Jahr 1987 diente als Vorlage zu einem der erfolgreichsten deutschen Filme der Kinogeschichte, der zugleich das Genre der deutschen Filmkomödie neu begründete. König hat seither zahlreiche weitere Werke veröffentlicht, seine Bücher wurden bisher in 15 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet (u.a. 2010 mit dem Max-und-Moritz-Preis für „Prototyp“ und „Archetyp“). Ralf König ist im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung. Er lebt und arbeitet in Köln.

  

Ausstellungsdauer: 27. März bis 3. August 2014

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